Ein Blog über Religion und Politik

Was über Günter Grass gesagt werden muss

Von 4. April 2012 um 17:47 Uhr

Sagt dieses Bild, das ich aus anderem Anlass vor fast 6 Jahren schon einmal gezeigt habe:

Und den Rest sagt Frank Schirrmacher in seiner brillanten Analyse des anstößigen Gedichts:

Nein, das ist kein Gedicht über Israel, Iran und den Frieden. Wie könnte es das sein, wo es den iranischen Holocaust-Leugner als „Maulhelden“ in einer Zeile abtut und gleichzeitig doch ausdrücklich nur geschrieben ist, um Israel zur Bedrohung des Weltfriedens zu erklären?

Es ist ein Machwerk des Ressentiments, es ist, wie Nietzsche über das Ressentiment sagte, ein Dokument der „imaginären Rache“ einer sich moralisch lebenslang gekränkt fühlenden Generation. Gern hätte er, dass jetzt die Debatte entsteht, ob man als Deutscher Israel denn kritisieren dürfe. Die Debatte aber müsste darum geführt werden, ob es gerechtfertigt ist, die ganze Welt zum Opfer Israels zu machen, nur damit ein fünfundachtzigjähriger Mann seinen Frieden mit der eigenen Biographie machen kann.

Kategorien: Curiosa, Debatte, Iran, Israel
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Das arme iranische Volk; zurzeit wird es von Rechts, Links, Fundamentalisten, Liberalen, Republikanern, Djihadisten, Ost und West missbraucht, um sich zu profilieren.

    • 4. April 2012 um 19:37 Uhr
    • docaffi
  2. 2.

    “Die Debatte aber müsste darum geführt werden, ob es gerechtfertigt ist, die ganze Welt zum Opfer Israels zu machen, nur damit ein fünfundachtzigjähriger Mann seinen Frieden mit der eigenen Biographie machen kann.” (Schirrmacher)

    Trotz mehrmaligen Lesens kapiere ich nicht wirklich, was der Satz heißen soll

    1) Israel ermordet den Rest der Welt.
    2) Deshalb hat dann Grass seinen Frieden.
    3) Wir sollen debattieren, ob das ‘ne gute Idee ist.

    Was soll der Unfug?

    • 4. April 2012 um 19:50 Uhr
    • Frl. Mensa
  3. 3.

    Im Gedicht beklagt Grass sein langes Schweigen und dass er dies nun brechen müsse.
    Ach, hätte er doch nur geschwiegen und begriffen, dass die Muse ihn offensichtlich schmählich hereingelegt hat.

    • 4. April 2012 um 19:59 Uhr
    • Marit
  4. 4.

    Die Selbstläufigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der die Person Grass’ in interpretativen Äther des Gedichtes von allen Kolumnisten verwoben wird, ist schändlich.

    “Die Atommacht Israel gefährdet
    den ohnehin brüchigen Weltfrieden”

    Es steckt zuviel Aussage und Gehalt in diesen zugegebenermaßen simpel gehaltenen Worten, als dass diese übergangen werden dürften. So sehr sich Iran’s Regierungsriege für ihre bittere Polemik rechtfertigen muss, so sehr bleibt Israel in seinem Handeln Erklärungen schuldig. Ein Angriff auf den Iran könnte derartig schreckliche Konsequenzen mit sich bringen, dass ein Angriff kategorisch ausgeschlossen und andere Wege gesucht werden müssen. Alles andere ist Wahn.

    • 4. April 2012 um 20:04 Uhr
    • Craster
  5. 5.

    @ Frl. Mensa

    ob es gerechtfertigt ist, die ganze Welt als ein Opfer Israels hinzustellen – ist wohl gemeint – und mit diesem Hinstellen Grass zum Frieden mit seiner Biographie zu verhelfen.

    Vielleicht sollte Herr Grass noch nachträglich die Beendigung der irakischen und syrischen Atomprogramme durch Israel verurteilen.

    Zwar gab es wegen diser Beihilfen zum Automausstieg keine Kriege und Völker wurden auch keine ausgelöscht, aber der Glaubwürdigkeit halber sollte Herr Grass diese beiden Fälle auch berücksichtigen.

    Andererseits: Man stelle sich heute Baschar Al-Assad, oder Saddam Hussein: ausgestattet mit Atomwaffen vor; es ist wohl nicht zu weit hergeholt zu sagen, dass die Menschen, die am meisten froh darüber sind, dass Saddam keine Atomwaffen hatte und Baschar keine hat: die Syrer und Iraker sind.

    Erstschläge Israels haben Millionen Arabern das Leben gerettet und der Welt Konfliktverläufe erspart, die ungleich opferreicher gewesen wären, als die Konflikte, die es trotzdem noch gegeben hat.

    Dass unter den Arabern viele zögern, Israel das zu danken, ist das eine; aber wie ein Grass dazu kommt, Israel der Weltfriedensgefährdung und einer womöglichen Auslöschung der Iraner zu verdächtigen, kann nur nur mit einem lange fortgeschlummerten Antisemitismus hiesiger Bauart erklärt werden.

    @ Craster

    “Ein Angriff auf den Iran könnte derartig schreckliche Konsequenzen mit sich bringen … ”

    Ja, welche denn ? Nur wenn sich der Iran entscheidet, den Konflikt zu eskalieren. Das syrische Regime war nach der Zerstörung seines Reaktors sogar um Diskretion bemüht.

    • 4. April 2012 um 20:25 Uhr
    • Thomas Holm
  6. 6.

    @Thomas Holm, #5

    Ja, Ihre Interpretation leuchtet ein. Offenbar habe ich noch Schwierigkeiten mit der neuen Bedeutung von “Opfer”, ich hänge da instinktiv zuerst der altmodischen Interpretation an, daß man aus Selbstschutz vermeiden möchte, ein solches zu werden, während man sich der neuen Interpretation nach geradezu darum reißt, weil man dann ein Guter ist.

    • 4. April 2012 um 20:47 Uhr
    • Frl. Mensa
  7. 7.

    Ich gehöre nicht zu der lebenslang moralisch gekränkten Generation und denke alles andere als antisemitisch – und ich begrüße jede Zeile dieses Gedichts . Es wurde Zeit, dass jemand, der gehört wird, die Wahrheit ausspricht. Unsere blutleeren Politiker empören sich gemeinschaftlich, diese Heuchelei ist unerträglich. Ich gehöre zu der Generation, die Angst um die Zukunft aller Kinder, seien sie deutschh, iranisch, israelisch…

    • 4. April 2012 um 20:56 Uhr
    • Tina Weber
  8. 8.

    Ich gehöre nicht zu der lebenslang moralisch gekränkten Generation

    Dafür haben Sie aber garantiert waschechte Nazis unter Ihren lieben Vorfahren.

    • 4. April 2012 um 21:12 Uhr
    • N. Neumann
  9. Kommentar zum Thema

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