Ein Blog über Religion und Politik

Wer Neonazi-Kameradschaften verbietet, muss auch Islamhasser im Blick haben

Von 23. August 2012 um 18:58 Uhr

In den Kommentaren zum Verbot der Neonazi-Gruppe “Kameradschaft Aachener Land” und zur Razzia in der Dortmunder Rechtsextremisten-Szene ist zu lesen, dies zeige, dass es sich nicht um ein rein ostdeutsches Problem handele.

Dah! Echt? Guten Morgen. Mich erfüllt das Vorgehen der Behörden in NRW mit einer besonderen Genugtuung, weil ich aus der betroffenen Gegend komme und daher weiß, dass das Aachener Land lange schon ein brauner Hotspot war. In den siebziger und achtziger Jahren war dort die mittlerweile verbotene Wikingjugend aktiv, deren “Bundesführer” am Ort in Stolberg wohnte. In den Steinbrüchen um die Stadt herum wurden  “Wehrsport-Übungen”gemacht.   Seine beiden Söhne ginge auf das Goethe-Gymnasium, auf dem auch ich bis zur 11. Klasse war. Einer von ihnen ist heute ein Anwalt der Nazi–Szene in Berlin.

Die beiden Naraths ließen schon in ihrem Aufzug keinen Zweifel daran, wes Geistes Kind sie waren. Sie trugen Klamotten, die minimale Abweichungen zur Hitlerjugend aufwiesen. Vor den Ferien verteilten sie Schülerzeitungen, die witzig aufgemacht waren (“Gäck”), aber knallharte Hetze gegen “Ausländer” enthielten. Wir gründeten gegen diese Umtriebe einen “Antifa-Arbeitskreis”. Wir brachten eine Gegenzeitung heraus, für die ich meine ersten  Artikel schrieb. Das Wort Antifa, das wir arglos gewählt hatten, setzte bei meinem Vater schlimme DDR-Assoziationen frei, aber er unterstützte mich dennoch trotz oder gerade wegen seiner konservativ-katholischen Überzeugungen: Dieser Dreck durfte und musste bekämpft werden. Man hatte als zweifacher Ostflüchling – erst aus Westpreußen vor den Russen,  dann aus der DDR vor dem Kommunismus  -  alles verloren, weil Hass und Hetze gesiegt hatten.

Ich muss gestehen, ich habe bis vor einigen Jahren gedacht, dieser Neonazi-Irrsinn sei eine Episode in der Nachkriegsgeschichte gewesen, eine folgenlose Nachzuckung des Ungeists, mit dem die Deutschen abgeschlossen hatten. Ich glaube das immer noch in dem Sinne, dass der Neonazismus politisch nicht mehr wirkfähig ist in die Mitte hinein

Aber dass es das alles immer noch gibt, dass eine neue Generation von Rechtsradikalen nachgewachsen ist, die heute mehr Straftaten begeht und gewaltbereiter ist als damals   –  das ist schon irritierend.

Bei der Kameradschaft aktiv war  Manfred Rouhs, zunächst in meiner Heimatstadt Stolberg, dann  zeitweilig in der schönen Stadt Eschweiler, wo ich Jahre zuvor auf der Liebfrauenschule Abitur gemacht hatte.  Herr Rouhs saß später für “pro Köln” im Stadtparlament der Domstadt. Er ist bis heute federführend bei der “Bürgerbewegung pro Deutschland”, die erst am letzten Wochenende in Berlin – glücklicher Weise erfolglos – versucht hat, mit Mohammed-Karikaturen die Moscheebesucher im Ramadan zu Gewalttaten zu provozieren. Herr Rouhs steht für den Versuch  der Rechtsextremen, sich an die “Islamkritik” anzuhängen.

Insofern war es konsequent, dass seine Truppe wenige Tage nach der Mordtat von Anders Breivik vor der norwegischen Botschaft demonstrierte. Breivik ist der Held dieser Leute. Er ist für die islamhetzerischhe Rechtsextremen  das, was Andreas Baader  für die Linksextremen  der Siebziger war. Einer, der  endlich schließt, wo andere nur quatschen.  Mit dem Unterschied, dass  Breivik auch noch Meinhof sein will, der Manifeste  liefernde Kopf der (in seinem Fall imaginäre)  Bewegung.

 

Morgen  fliege ich nach Oslo, wo das  Urteil  in seinem  Fall erwartet wird.

 

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Lau fordert hier ein Gesinnungsstrafrecht. Warum nicht auch gleich Christentumshasser oder Judentumshasser und insbesondere die Atheismushasser mitverbieten? Dann säße aber ein Gutteil “unserer moslemischen Mitbürger” gleich mit ein….

    • 23. August 2012 um 20:02 Uhr
    • Frank
  2. 2.

    Hr. Lau,
    erfüllt es Sie auch mit Genugtuung wenn an den Schulen im islamischen Religionsunterricht ab sofort Inhalte vermittelt werden, die man als die islamische Version der Nürnberger Gesetze verstehen könnte?

    • 23. August 2012 um 20:30 Uhr
    • Bredow
  3. 3.

    Was ist von jemandem zu halten, der andere Menschen “Dreck” nennt?

    Gar nichts! Das ist ein faschistischer Heuchler!

    • 23. August 2012 um 20:34 Uhr
    • Jörg Mohammed Warm
  4. 4.

    @Herr Lau:
    Nimm mal Leute wie Ayaan Hirsi Ali, Mina Ahadi oder Maryam Namazie. Diese werden ebenfalls (und zu Recht) als Islamhasser bezeichnet. Sollen die jetzt beobachtet werden? Von VS etwa? Im Auftrag von DITIB oder dem ZdM?
    Oder wenn man wie Adonis vom “Islamfaschismus” spricht?
    http://www.profil.at/articles/1206/560/318878/syrien-ich-opposition

    • 23. August 2012 um 20:43 Uhr
    • Frank
  5. 5.

    Als praktisch denkender Mensch wäre ich ja durchaus dafür, Islamhasser einem ähnlichen Verfolgungsdruck auszusetzen, wie Neonazis. Grundsatztreue zur freien Meinungsäusserung wird immer dann albern, wenn ihre Konsequenzen erkennbar mörderisch sind …

    Nur hat die Sache einen Haken:
    Der Nationalsozialismus ist in toto auf drei Säulen gebaut, die nichts als reine Hirngespinste ohne Realitätsbezug sind. Die Idee einer “überlegenen” Menschenrasse, die Idee einer die ganze Menschheit aktiv unterminieren wollenden Judenrasse, die Idee des Sozialdarwinismus, also des Überlebens des asozialsten Schlägers.

    Die Ablehnung des Islam kann sich dagegen unangenehmerweise auf die unbestreitbare Grundlage des Islam selbst beziehen, also auf nicht wegzudiskutierende Fakten. Nämlich auf einen Koran, der Stellen enthält, die “Mein Kampf” aussehen lassen wie ein Jugenderbauungsbuch. Und natürlich kann man auch Leute einsperren, die ihre Meinung auf Fakten gründen. Sobald eine Gesellschaft diesen Punkt erreicht, ist sie selbst irrsinnig geworden.

    Der Nationalsozialismus hat wie das Neonazitum nie eine Grundlage in der Realität gehabt. Der Islamhass schon.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • 23. August 2012 um 21:24 Uhr
    • ThorHa
  6. 6.

    Dieser Blogeintrag ist ein schönes Beispiel wie “Qualitätsjournalisten” der Zeit die Wahrheit auf dem Altar Ihres propagierten Weltbildes opfern. Vorallem der letzte Absatz ist Manipulation pur und er zeigt, dass es Herrn Lau nicht um neutrale Berichterstattung geht, sondern um Meinungsmache und Manipulation.

    “Insofern war es konsequent, dass seine Truppe wenige Tage nach der Mordtat von Anders Breivik vor der norwegischen Botschaft demonstrierte. Breivik ist der Held dieser Leute. Er ist für die islamhetzerischhe Rechtsextremen das, was Andreas Baader für die Linksextremen der Siebziger war…”

    Jeder Leser dieser Worte wird, soweit er keine anderen Informatonen zu dieser Demo vor der norwegischen Botschaft hat, unweigerlich den Eindruck gewinnen, dass die Pro-Deutschland Demonstranten für Breivik und seine Taten demonstriert haben. Es entstehen Bilder im Kopf von aggresiven glatzköpfigen Demonstranten, die die Opfer verhöhnen, die pro Breivik Sprechköhre antimmen und die mit Plakaten rumlaufen, auf denen ein deutsches Utoya gefordert wird. Genau das will der Journalist Jörg Lau mit seinen manipulierenden Worten erreichen.
    Dabei muss er natürlich verschweigen, dass die Demonstration eine Mahnwache für die Opfer des Massenmörders Breivik war. Und das der angesprochende Pro-Deutschland Mann Manfred Rouhs auf der Veranstaltung erklärte:

    “Der Mörder Anders Behring Breivik hat sich selbst als ,konservativ’ und als ,christlich’ bezeichnet. Er war weder das eine noch das andere.” Christen und Konservativen ist Hass fremd”

    Ähnlich äußerten sich auch andere Vertreter sogenannter “rechtspopulistischer” Parteien:

    “Bereits am Samstag erklärte die Partei Die Freiheit um Chef René Stadtkewitz, man verurteile die Anschläge “aufs Schärfste”. “Die Niederträchtigkeit, gezielt auch Kinder und Jugendliche zu töten, demaskiert den mutmaßlichen Täter als absoluten Menschenfeind””
    http://www.taz.de/!75080/

    Das alles interessiert aber einen Mann auf Mission, wie Herrn Lau, nicht. Jeder Islamkritische Konservative, der mit einer sozialdemokratisierten CDU nichts mehr angeangen kann und sich daher anderwertig orientiert und politisch engagiert, der muss ins rechtsextreme Nazilager gesteckt werden. Und um das zu erreichen ist manipulierende und die Wahrheit verfälschte Berichterstattung ein gern genommenes Mittel.
    Wenn die Realität nicht passt, dann wird sie eben passend gemacht. So wie in dem letzen Absatz dieses Blogeintrags. Sehr bedenkliche Methoden sind das und guter Journalismus sieht definitiv anders aus.

    • 23. August 2012 um 21:24 Uhr
    • Bellfruta87
  7. 7.

    @ Belfruta: Sie wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass Rouhs ein Nazi IST. Pro Deutschland ist sein Projekt. ES IST EIN NAZIPROJEKT. That simple.
    Islamkritik: bitter nötig, bitter berechtigt, wie jede andere Religionskritik. Aber BITTE NEHMEN SIE ZUR KENNTNIS, DASS NAZIS HEUTE AUF ANTIISLAM-RESSENTIMENTS SETZEN.

    • 23. August 2012 um 21:31 Uhr
    • Jörg Lau
  8. 8.

    “BITTE NEHMEN SIE ZUR KENNTNIS, DASS NAZIS HEUTE AUF ANTIISLAM-RESSENTIMENTS SETZEN.”

    Herr Lau, das haben Sie recht! Aber warum tun die Nazis das ? Weil sie erkennen, dass die etablierten Parteien und Medien die eigentlich lebensnotwendig wichtige islamkritische Diskussion lieber bleiben lassen, aus Angst vor der Rassismus-Keule.

    Sie wissen schon, was gemeint ist: bei Ihren Kommentaren habe ich oft den Eindruck, dass Sie jegliche islamkritische Stimmen mundtot machen wollen.

    • 23. August 2012 um 22:10 Uhr
    • harry
  9. Kommentar zum Thema

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