Ein Blog über Religion und Politik

Wer steckt hinter “Sam Bacile”?

Von 13. September 2012 um 13:03 Uhr

Die bisherigen Ermittlungen der amerikanischen Kollegen haben meine Skepsis bestätigt, was die Identität des Sam Bacile angeht. Eine israelische Quelle, die unter der Bedingung von Anonymität zur Sache sprach, kommentierte heute morgen mir gegenüber die Figur Bacile mit dem Wort “Bullshit”. Es handele sich nicht um einen Israeli, sondern um ein Netzwerk “rechtsradikaler Christen”.

Der Versuch dieser Gruppe, über angebliche “jüdische Spender” und die vermeintliche israelische Identität von “Sam Bacile” Israel und die Juden in die Sache hineinzuziehen, zeigt eine Perfidie erschreckenden Ausmaßes. Die Logik: Man will offenbar bewußt Reaktionen von radikalen Muslimen gegen Israel und Juden provozieren, damit die Weltsicht bestätigt wird, dass “der Islam” im Krieg mit Israel und dem Judentum ist. Daher die klare Distanzierung der israelischen Regierung.

Wegen dieser hinterhältigen Strategie der Filmemacher halte ich es für abenteuerlich, wenn manche Kommentatoren sich auf den Standpunkt stellen, es sei doch piepegal, wer hier welchen Film gemacht habe. Es komme eben nur auf die keinesfalls zu entschuldigende Reaktion der Brandschatzer und Botschaftsstürmer an, die wieder einmal beweise…. Also: Halt der Herr “Bacile” doch Recht mit seinem Machwerk? Müssen wir ihm nicht geradezu dankbar sein? Was für eine kranke Logik ist das denn? Man fühlt sich an die Verteidiger der RAF-Terroristen erinnert, die es auch richtig fanden, dass der Terror den angeblichen “faschistischen Charakter” der Bundesrepublik hervorkitzelte.

So richtig es ist, dass die radikalen Gruppen, die diese Sache hijacken, immer einen Vorwand für antiwestliche Aktionen finden – so fahrlässig wäre es, den konkreten Hintergrund hier zu ignorieren.

So geht es nicht: Denn der wahre Hintergrund des Machwerks “Innocence of Muslims”, wie er sich mittlerweile offenbart, kann noch fürchterliche Dinge für die ägyptischen Christen nach sich ziehen. Es scheinen nämlich radikale Kopten hinter dem Film zu stecken. Darauf weisen nicht nur die Anfangsszenen hin, die die Verfolgung von Kopten zeigen – und die Tatsache, dass der Film in ägyptisches Arabisch übersetzt wurde.

AP hat folgendes herausgefunden:

Using the cellphone number they talked to “Sam Bacile,” The Associated Press tracked down a man named Nakoula Basseley Nakoula, 55, who lived at the address that aligned with cellphone records.

Nakoula denied that he directed the film but admitted that he was the manager for the production company. He also told the AP that he was a Coptic Christian.

The AP notes that Nakoula has a criminal record: He pleaded no contest in 2010 to federal bank fraud charges and served 21 months in federal prison.

The AP adds:

“Nakoula denied he had posed as Bacile. During a conversation outside his home, he offered his driver’s license to show his identity but kept his thumb over his middle name, Basseley. Records checks by the AP subsequently found the name ‘Basseley’ and other connections to the Bacile persona.

“The AP located Bacile after obtaining his cell phone number from Morris Sadek, a conservative Coptic Christian in the U.S. who had promoted the anti-Muslim film in recent days on his website. Egypt’s Christian Coptic population has long decried what they describe as a history of discrimination and occasional violence from the country’s Arab majority.”

Auch der zweite mit dem Film verbundene Exil-Ägypter Morris Sadek, ist ein bekannter koptischer Islam-Hasser.

Für die Kopten in Ägypten kann das fürchterliche Folgen haben. Sie haben ohnehin schon mit Verfolgung zu kämpfen, wie hier bereits mehrfach berichtet. Nun haben die amerikanischen Glaubensbrüder ihren Feinden einen tollen Vorwand geliefert. Hoffentlich unternimmt die Regierung Mursi etwas gegen mögliche Ausschreitungen.

Es bedeutet nicht, die Mordtaten und die Gewalt in Bengasi, Kairo und Sana zu entschuldigen oder auch nur zu relativieren, wenn man die apokalyptische Zündelei der Initiatoren des Films kritisiert. Sie sind infame, verantwortungslose Verbrecher, die sich eine ehrenwerte, großzügige Auslegung der Redefreiheit in Amerika zunutze machen und sie missbrauchen, weil sie es auf Gewalt anlegen.

Sie wollen Flammen lodern, sie wollen Blut fließen sehen. Sie wollen das reinigende Feuer eines Endkampfes entfachen, in dem die Welt endlich erkennen muss, dass der Islam ausgerottet werden muss, damit wir alle in Frieden leben können. Und das Teuflische ist, dass sie auf der anderen Seite – bei den radikalen Islamisten – willige Helfer finden, die ihrerseits Interesse an einem Endkampf haben – nur dass jene glauben, selber siegreich daraus hervorgehen zu können. Den Preis dieser apokalyptischen Politik zahlen am Ende die religiösen Minderheiten. Juden sind schon keine mehr vorhanden in den entsprechenden Ländern. Also werden es die Christen sein.

 

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Steht doch schon alles in der englischen Wikipedia:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Innocence_of_Muslims

  2. 2.

    m.E. ist der Name sowieso ein Hoax
    spricht man ihn etwas undeutlich aus, hört es sich sehr nach “Imbecile” an!

    • 13. September 2012 um 13:34 Uhr
    • S. Krohn
  3. 3.

    Schnell isser wirklich nicht es wurfn minddstenstschon drei Artikel dazu verlinkt.

    • 13. September 2012 um 13:41 Uhr
    • MRX
  4. 4.

    Man fühlt sich an die Verteidiger der RAF-Terroristen erinnert, die es auch richtig fanden, dass der Terror den angeblichen “faschistischen Charakter” der Bundesrepublik hervorkitzelte.

    Mit dem einen Unterschied, dass die BRD die Prüfung bestanden hat. Jene arabischen Muslime, die sich zu einer Demo zusammenrotten, in deren Schutz AQ einen tödlichen Anschlag verüben kann – nicht.

    Und dem anderen Unterschied, dass der Film direkt niemanden getötet hat – der RAF-Terror schon.

    • 13. September 2012 um 13:46 Uhr
    • Arjen van Zuider
  5. 5.

    “Man fühlt sich an die Verteidiger der RAF-Terroristen erinnert, die es auch richtig fanden, dass der Terror den angeblichen “faschistischen Charakter” der Bundesrepublik hervorkitzelte.”

    Wer sich so erinnert fühlt, der braucht dringend eine Denkpause; die Bomben der RAF – verglichen mit einem Film …

    “Es scheinen nämlich radikale Kopten hinter dem Film zu stecken. … ein bekannter koptischer Islam-Hasser.”

    Wenn sich Kopten, oder sonstwer aus der Region, ein Narrativ über ihre Unterpflügung stricken, dann sind sie “Hasser”; all die Pogromhelden aber, die diese Unterpflügung besorgt haben, können jedoch irgendwie auf gar keinen Fall ihrerseits Hasser gewesen sein ?

    Warum nicht die gleiche Kategorie ?

    Weil sich sonst die Geschichte, soweit sie religiös inspiriert war, als eine doch ziemliche Hassgeschichte offenbaren würde – und was nicht sein darf, das kann auch nicht so gewesen sein; bzw. sollte jedenfalls auf keine Fall so ausgedrückt werden ?

    “infame, verantwortungslose Verbrecher, die sich eine ehrenwerte, großzügige Auslegung der Redefreiheit in Amerika zunutze machen …”

    Die Opfer sollten besser schweigen, damit es nicht noch mehr Ärger gibt.

    Was soll das sein; Liberalimus in ethischer Verantwortung ?

    Schöne liberale Botschaft an die Christen: Hättet Ihr geschwiegen, dann wäre Euch auch nichts passiert.

  6. 6.

    Leider ist es aber eine Tasache, dass sich kein seriöser Produzent, kein anerkannter Regisseur, kein profilierter Schauspieler, an einem künstlerisch hochwertigen (kritischen) Film über Mohammed heran wagt.

    • 13. September 2012 um 13:52 Uhr
    • Leon_
  7. 7.

    “Sie sind infame, verantwortungslose Verbrecher, die sich eine ehrenwerte, großzügige Auslegung der Redefreiheit in Amerika zunutze machen und sie missbrauchen, weil sie es auf Gewalt anlegen.”

    Die deutsche Redefreiheit erlaubt das zum Glück auch. Nicht, weil sie dieses Machwerk nicht treffend beschrieben hätten (ich würde ja noch anfügen, dass selbst die schlechtesten Pornos noch ein besseres Skript haben), sondern weil es einfach keine Kompromisse (mit der einen Ausnahme, dass tatsächlich zu Gewalt aufgerufen wird) bei der Redefreiheit geben kann. Inwiefern unterscheidet sich denn dieses Machwerk von Life of Brian? IMO nur darin, dass es absolut grottenschlecht ist. Das darf aber keine Basis für Zensur sein.

    Ja das ist ein ziemlich erbärmlicher Versuch Mo durch den Dreck zu ziehen. Genau wie die Titanik relativ erbärmlich die undichte Stelle in Rom aufgezeigt hat. Beides ist absolut zulässig (wobei sich die katholische Kirche nicht dumm angestellt hat, und Titanik doch erhebliche Verluste beigebracht hat). Es darf keinesfalls eine Ausrede für Gewalt sein. Genau aus diesem Grund (+die Selbstzensur der Medien) gibt es den Draw Mohammed Day. IMO hat dieser in großen Teilen dazu beigetragen, dass die erbärmliche Selbstzensur der (deutschen) Medien dann irgendwann endlich ein Ende gefunden hat.

    Wie stehen sie zum Draw Mohammed Day? Zu den Zielen? Zur Durchführung? IMO gibt es beim DMD noch ein gehöriges Maß an Selbstzensur in den deutschen Medien. Bisher habe ich keinen Artikel oder Fernsehbericht gesehen, der auch nur angekratzt hat, was genau der DMD ist.

    • 13. September 2012 um 13:55 Uhr
    • Brick
  8. 8.

    Wenn es nicht dieses Video gegeben hätte, dann hätten die Radikalen einen anderen Grund gefunden.

    Die Zeit der Kopten in Ägypten wäre sowieso abgelaufen, so oder so.

    Bedanken können sich die Kopten bei Obama und Brüssel.

    Die Alawiten wurden eigentlch auch schon zur Schlachtbank geführt, wenn man den Westerwelle hörte.

    Mal sehen wie lange die Aleviten in der Türkei eine Überlebenschance haben

    • 13. September 2012 um 13:55 Uhr
    • cem.gülay
  9. Kommentar zum Thema

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