Ein Blog über Religion und Politik

“You can make it here”

Von 7. November 2012 um 10:09 Uhr

Ein wesentlicher Aspekt des Wahlsiegs ist die sich ändernde Demographie Amerikas. Wer darauf die richtigen Antworten findet, hat große Chancen das Land zu führen. Wer sich in Angst und Abwehr einmauert, wird dieses Land nicht regieren. (Das ist keine Frage von Rechts und Links: George W. Bush hatte bei den Latinos große Sympathien, weil er immerhin versucht hat, eine Einwanderungsreform zu machen, die Illegalen eine Chance auf Bürgerstatus eröffnet.)

Glaubt irgendjemand, dass in Deutschland nicht Ähnliches gilt? Aber wir haben noch keine Politiker, die den richtigen Ton für die Einwanderungsgesellschaft finden.

Das ging mir durch den Kopf, als ich diese Sätze aus Obamas Siegesrede hörte:

“What makes America exceptional are the bonds that hold together the most diverse nation on earth. The belief that our destiny is shared; that this country only works when we accept certain obligations to one another and to future generations. The freedom which so many Americans have fought for and died for come with responsibilities as well as rights. And among those are love and charity and duty and patriotism. That’s what makes America great. (…) I believe we can keep the promise of our founders, the idea that if you’re willing to work hard, it doesn’t matter who you are or where you come from or what you look like or who you love. It doesn’t matter whether you’re black or white or Hispanic or Asian or Native American or young or old or rich or poor, able, disabled, gay or straight, you can make it here in America if you’re willing to try.”

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich glaube nicht, dass man Lehren aus der US-Wahl direkt auf Deutschland übertragen kann. Dort hat Obama seinen Wahlsieg einer wachsenden (!) Zahl junger Leute zu verdanken. In Deutschland wird diese Zahl – trotz des Nachwuchses der bisher Zugewanderten – schrumpfen. Deutlich.
    Hinzu kommt, dass die USA eine historisch gewachsene Einwanderergesellschaft sind – sie kannten niemals etwas anderes. Das gilt für Deutschland nun wirklich – seit Abbruch der preussischen Traditionen 1870/71 – überhaupt nicht. Einwanderung bedeutet im Bewusstsein der Deutschen die Verpflanzung eines (unerwünschten) Fremdkörpers in ihren Organismus. Ob diese Wahrnehmung (rational) Bullshit ist oder nicht, sie ist weit verbreitet, also eine Tatsache.
    Nicht umsonst sind die Zuwanderungsbefürworter (Sie) diejenigen, deren Lebensrealität nur gut ausgebildete, säkulare und bürgerliche Zuwanderer kennt. Also eine kleine Minderheit der tatsächlichen Einwanderer. Mit deren Masse sich “Lieschen Müller” rumschlagen darf. Die Laus dieses Landes lassen ihre Kinder gegebenenfalls einfach die Schule wechseln, um sich mit den realen Einwanderern NICHT auseinandersetzen zu müssen.
    Und solange das so bleibt wäre eine Rede wie die des amerikanischen Präsidenten in Deutschland nackte Heuchelei.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • 7. November 2012 um 11:17 Uhr
    • ThorHa
  2. 2.

    Gratuliere Obama

    Habe komplett daneben gelegen. Hätte auf einen Erdrutsch Sieg von Romney gesetzt.

    So ist es eben, wenn die “Reichen” immer reicher werden und die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander geht.

    Dann siegt der Sozialismus, weil man die Verteilung von Vermögen will.

    Nebenbei sind die Schwarzen eben auch Haut treu.

    Das die Jungen Menschen die Wahl entschieden haben, ist aber gut und sehr demokratisch

    In Deutschland sind es die Rentner und die Jungen werden nie ihre eigene Zukunft bestimmen können. Das finde ich traurig

    • 7. November 2012 um 11:27 Uhr
    • cem.gülay
  3. 3.

    Thora

    Damals siegte Schröder nur mit ca 6 Tausend Stimmen gegen Stoiber.

    50 Tausend Deutsch-Türken wählten Schröder, keiner Stoiber.

    Hier hatte eine absolute Minderheit die Wahl entschieden.

    Das konnten Stoiber und sein Sekretär Söder lange Zeit nicht verkraften und ließen keine Gelegenheit aus gegen Türken zu hetzen.

    Die Migranten hier können Wahlen entscheiden, vor allem wenn es gegen einen CSU Kanzlerkandidaten geht

    • 7. November 2012 um 11:36 Uhr
    • cem.gülay
  4. 4.

    @ ThorHa: “Nicht umsonst sind die Zuwanderungsbefürworter (Sie) diejenigen, deren Lebensrealität nur gut ausgebildete, säkulare und bürgerliche Zuwanderer kennt. Also eine kleine Minderheit der tatsächlichen Einwanderer. Mit deren Masse sich “Lieschen Müller” rumschlagen darf. Die Laus dieses Landes lassen ihre Kinder gegebenenfalls einfach die Schule wechseln, um sich mit den realen Einwanderern NICHT auseinandersetzen zu müssen.”
    Wow, geht mir das auf den Zeiger! Erstens bin ich aus einer Zuwandererfamilie (unkultivierte Ostmenschen aus der Kalten Heimat), habe einen selbst verdienten, durch nichts garantierten Bildungsaufstieg hinter mir (erster mit Abi in der ganzen weiten Mischpoke, erster auf der Uni, weiß Gott mit Riesenproblemen). Und dann kenne ich eine Menge nicht privilegierter, aber strebsamer Migranten, die ihre Kinder auch von den Problemschulen nehmen, damit sie bessere Aufstiegschancen haben. Und ich sage: Gut so! Wenn das System nicht funktioniert, lasst es nicht eure Kinder ausbaden.
    Und dann ihre -Verzeihung- Arschlochrhetorik, nach der die “realen” Migranten die Verweigerer und Versager sind, während die Strebsamen nur in Laus Fantasiewelt existieren. Da kommt mir wirklich die Suppe hoch.
    Aber gut: Sie haben meinen Punkt bestätigt, dass es hier bei uns keine Botschaft des Can-do gibt, die die Leute mitzieht. Statt dessen eine Art Genugtuung über alles, was die Weltsicht bestätigt, dass “die einfach nicht wollen”.
    Von Ihnen hätte ich es allerdings nicht gedacht.

    • 7. November 2012 um 11:50 Uhr
    • Jörg Lau
  5. 5.

    Von Ihnen hätte ich es allerdings nicht gedacht.

    Dr.Haupts im Mr.Jekkyl- Modus

    • 7. November 2012 um 11:57 Uhr
    • unlimited
  6. 6.

    @ haupts

    “Einwanderung bedeutet im Bewusstsein der Deutschen die Verpflanzung eines (unerwünschten) Fremdkörpers in ihren Organismus”

    nein, haupts, auch wenn sie gerne den Deutschen NS-Gedankengut unterjubeln wollen (denn genau das ist der historische kontext ihrer organismusmetapher – die übrigens diejenige Vorstellung war, die zum Holocaust führte – der Volks-Körper als Organismus, in dem Fremdkörper – damals die Juden – eindringen und als eben Fremdkörper den Organismus vergiften bzw. krank machen würden).

    Aber die deutche Gesellschaft ist wirklich keine einwanderungsgesellschaft, auch wenn selbstverständlich immer eine gewisse einwanderung statt fand und findet.
    Der Punkt ist, dass die auffassung von einwanderung (der mythos) und die damit verbundenen gewachsenen regularien nicht derartig vorhanden sind, wie sie es in klassischen einwanderungsländern wie der USA gegeben sind.
    In die USA kann man relativ leicht einwandern – und relativ leicht auch wieder rausfliegen. In die USA mag man kommen, aber man ist auf sich gestellt. Eine Gesellschaft, die üüber diverse öffentlich finanzierte absicherungsmechanismen verfügt (=Sozialstaat) muss von haus aus andere kriterien anlegen an potentielle Einwanderer als ein Staat, der diese absicherungen erst gar nicht bietet. Sprich: in der usa ist es so, dass derjenige, der keinen erfolg hat, z. B. weil er mit der gesellschaft und ihren möglichkeiten nicht zurecht kommt, ganz schnell dumm dastehen kann = ohne geld, ohne medizinische versorgung, ohne rente, ohne wohnung etc…. Und selbst diejenigen, die arbeitswillig, aber leider schlecht ausgebildet sind, nagen am Hungertuch inofern, als das viele menschen dort 3-4 Jobs – alle schlecht bezahlt – haben müssen, um ihren lebensunterhalt finanzieren zu können.
    Wir fordern idealerweise eine integrationsleistung – lassen aber de facto niemanden hängend, sprich:versorgen ihn per öffentlichkeit, wenn er diese nicht erbringt.
    In der USA wird verbal zumindest weniger integration gefordert – nur kann man sehr schnell pech gehabt haben, wenn man sie nicht leistet. Denn jeder ist auf sich gestellt zund muss selbst schauen, wie er zurecht kommt – öffentliche hilfen sind wesentlich geringer als bei uns.

    • 7. November 2012 um 12:00 Uhr
    • Zagreus
  7. 7.

    What makes America exceptional are the bonds that hold together the most diverse nation on earth.

    Und was wären diese bonds für Deutschland? Was ist die verbindende Idee, die ach so verpönte “Leitkultur”, über die sich deutsch-sein definiert, wenn nicht über die Abstammung? In Amerika scheint es mir über die Frage – bei allen Meinungsverschiedenheiten – doch einen gewissen Konsens über die Parteigrenzen hinweg zu geben. In Deutschland empfinden die einen Parteien allein schon die Frage als Affront, während die anderen als Antwort ein Set von Werten postulieren, mit denen sich auch viele Deutsche nicht identifizieren können.

    • 7. November 2012 um 12:07 Uhr
    • Arjen van Zuider
  8. 8.

    @ lau

    “Erstens bin ich aus einer Zuwandererfamilie (unkultivierte Ostmenschen aus der Kalten Heimat)

    naja lau, hier machen wir es uns aber arg einfach.
    Formal stimmt es ja, dass sie aus einer ‘zuwanderungsfamilie’ kommen. Im normalen commen sense erzählen sie gerade hier unsinn aber, denn zuerst einmal waren sie und ihre familie keine ‘migranten’, sondern deutsche, die halt aus schlesien ins heutige westdeutschland zogen. Sicherlich wurden diese leute wie was fremdes angesehen und sichrlich auch dabei etwas von oben herab und etwas ausgegrenzt – aber sie haben von haus aus wichtige kulturelle merkmale inc. Sprache, die mit der aufnehmenden mitwelt übereinstimmten, mitgebracht.
    Auch ihnen sollte bewusst sein, dass des längeren schon, und zwar mehrere jahrzehnte lang schon, deutsche flüchtlinge aus den ostgebieten nicht als migranten mehr wahrgenommen werden.
    Auch die größte ‘Migrantengruppe’ wird nicht als Migranten von den meisten leuten wahrgenommen – die sog. ‘Russlanddeutsche’. Und gerade auch junge Leute nehmen Leute aus den europäisch-westlichen kulturkreis vielleicht als ‘fremde’Ä war in einem neugierigem, aber offenen Sinne – udn sie werden wenig vorurteile gegen spanier, italiener, engländer (inc. iren), Holländer etc… finden. und selbst gegen osteuropäer, wie Polen udn Tschechen, sind sie bei weitem nicht mehr so stark wie kurz nach der wende.
    Viele deutsche sind auch durchaus offen für migranten aus den entfernten klturkreisen – sofern sie selbst wiederum offen auftreten und erkennbar angepasst sind, z. b. durch die sprache, durch auftreten, durch ein ‘bürgerliches verhalten’.
    Als Migranten im negativen sinnen werden doch fast ausschließlich nur leute angesehen, die sich kulturell nicht anpassen wollen bzw. können – und diese gruppen, die sich meist auch aktiv abgrenzen (z. B. durch verhalten, Sprache, sitte, umgangsnormen, religiöse abgrenzung etc…) sind vor allem menschen aus muslimschen kulturen.

    • 7. November 2012 um 12:14 Uhr
    • Zagreus
  9. Kommentar zum Thema

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