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Hilfe zu verleihen

Von 18. Januar 2013 um 11:34 Uhr
Die Weltbank ist für alle da. Auch Deutschland gehört ein Teil der Bank/ Illustration Lisa Schweizer

Die Weltbank ist für alle da. Auch Deutschland gehört ein Teil der Bank/ Illustration Lisa Schweizer

Viele Länder der Erde arbeiten zusammen. Ihr Ziel: Die Welt besser und sicherer zu machen. Die KinderZEIT stellt die drei wichtigsten Weltclubs vor. Heute: Die Weltbank. Die Bank soll arme Staaten dabei unterstützen, so reich zu werden, dass die Menschen dort sich selbst versorgen können. Ein kleiner Teil dieser Bank gehört uns Deutschen


Von Petra Pinzler

Wie kann man hungrige Menschen satt machen? Diese Frage stellen sich die Menschen schon lange. Und auf die einfachste Antwort sind sie natürlich auch schon gekommen: Man gibt ihnen etwas zu essen. Schwieriger wird es aber danach: Wie schafft man es, dass die Menschen sich irgendwann selbst versorgen können? Oder anders gefragt: Wie macht man Länder so reich, dass es ihren Bewohnern gut geht?

Eine Antwort soll die Weltbank finden. Die wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von den Vertretern von 44 Ländern gegründet. Im Krieg war viel kaputt gemacht worden. Die Bank sollte dabei helfen, die zerstörten Länder wieder aufzubauen, und den vielen armen Menschen neue Hoffnung geben. Es klingt im ersten Moment merkwürdig, dass ausgerechnet eine Bank etwas gegen die Armut tun soll. Dort geht man ja eigentlich hin, um Geld zu sparen, sein Gehalt abzuholen oder um sich etwas zu leihen. Aber Banken verschenken normalerweise nichts an Arme.

Dabei ist die Idee, die hinter der Weltbank steckt, eigentlich ganz einfach: Es reicht auf Dauer eben nicht, armen Menschen Geld oder Essen zu schenken. Besser ist es, ihnen dabei zu helfen, sich selbst zu helfen. Man kann sie beispielsweise dabei unterstützen, ein kleines Geschäft zu gründen. Oder eine Kuh und Saatgut zu kaufen. Oder eine Schule für ihre Kinder zu bauen, damit die etwas lernen und später dann einen Beruf bekommen. All dies kostet Geld. Aber das muss man nicht unbedingt verschenken. Man kann es auch verleihen. Wenn Menschen erst einmal etwas verdienen, können sie auch etwas zurückzahlen.

Genau so funktioniert die Weltbank. Sie gibt den Regierungen armer Länder Geld, und die sollen damit ihren Bürgern helfen. Wenn es irgendwann allen besser geht, müssen die Länder die geliehene Summe zurückzahlen. Die Weltbank kann dann wieder anderen Ländern Geld leihen. Manchmal bekommt sie auch von reichen Regierungen zusätzlich Geld geschenkt, für besonders schlimme Nöte. Wenn es zum Beispiel irgendwo lange nicht geregnet hat und deswegen die Ernte ausfällt, kann sie diesem Staat Schulden erlassen.

Die Weltbank berät die Regierungen auch dabei, die richtigen Dinge für ihr Land zu tun. In einer Gegend ist es am wichtigsten, Schulen oder Krankenhäuser zu bauen. Anderswo braucht man zuerst eine Straße, damit für die Bauern der Weg zum Markt nicht mehr so beschwerlich ist und sie ihre Früchte frischer anbieten können. Wieder anderswo müssen Brunnen oder Elektrizitätswerke gebaut werden. Das Ziel ist aber immer dasselbe: Am Ende sollen in einem Land kluge und gesunde Menschen leben und auch Arbeit finden. Deswegen will die Weltbank heute immer mehr zu einer »Wissensbank« werden. Sie sammelt gute Tipps, damit sie sagen kann: Das hat funktioniert und das nicht.

Aber was macht ein Land reich? Darüber muss die Weltbank immer wieder neu nachdenken. Eine Weile glaubte sie, dass ein Land viele Firmen brauche, in denen die Menschen Arbeit finden, und dass der Staat den Menschen möglichst wenig helfen soll. Heute klingt das sehr seltsam. Man weiß inzwischen, dass es auch wichtig ist, den Reichtum gerecht zu verteilen, Schulen zu bauen und die Umwelt zu schützen. Denn einem Land, in dem der Wald verschwindet und die Flüsse vergiftet werden, geht es nicht gut, auch wenn es viele Fabriken hat.

Ihren Sitz hat die Weltbank in Washington, der Hauptstadt der USA. Einmal im Jahr treffen sich Minister aus vielen Ländern dort zur Weltbanktagung. Aus Deutschland ist der Entwicklungsminister dabei. Er bespricht mit seinen Kollegen, ob das Geld noch für die richtigen Dinge verliehen wird. Die Minister dürfen das, weil die Weltbank ihren Regierungen gehört. Die haben ihr am Anfang das nötige Geld gegeben. Einen Teil der Bank besitzt also die Bundesregierung, oder genauer: Wir, die Deutschen, besitzen ihn.

Übrigens haben immer wieder Leute gegen die Weltbank demonstriert. Sie fanden es ungerecht, dass die Regierungen der reichen Länder entscheiden, was für die Armen gut ist. Inzwischen hat die Bank dazugelernt und sich verändert. Viele ihrer Angestellten arbeiten nicht mehr wie früher in Washington, sondern in armen Ländern.

Seit diesem Sommer hat die Bank einen neuen Chef. Jim Yong Kim ist Amerikaner, aber er wurde in Südkorea geboren. Das ist ein Land in Asien, das lange arm war und heute zu den wichtigen Industrieländern gehört. Deswegen ist es für viele der Beweis, dass kein Staat arm bleiben muss. Kim ist Arzt. Er will, dass die Weltbank in Zukunft mehr Geld für Gesundheit ausgibt, denn er weiß, dass nur gesunde Menschen gut arbeiten können. Kim will auch, dass wir alle mehr gegen die Luftverschmutzung und den Klimawandel tun. Denn auch darunter leiden die Armen zuerst: Sie wohnen oft in Gegenden, in denen der Klimawandel schon heute für Hochwasser und Dürren sorgt. Also hat die Weltbank den Regierungschefs der reichen Länder gesagt, dass sie doch bitte weniger Abgase in die Luft blasen sollen.

Eine Bank kann also ziemlich viele gute Dinge tun. Wenn wir das wollen.


Die Weltbank

Was macht sie? Die Weltbank verleiht Geld an arme Länder, damit die ihren Bürgern helfen. Zum Beispiel können Schulen gebaut werden, damit Kinder eine Ausbildung bekommen und später selbst Geld verdienen können.
Wer ist dabei? Die Weltbank hat 188 Mitgliedsländer. Ihnen allen gehört ein Teil der Bank. Je größer dieser Teil ist, desto mehr hat das Land zu sagen.

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