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No-Futurezone

 

Es ist beschlossen, die Seite Futurezone wird zum 1. Oktober dicht gemacht. Zu ändern ist daran wohl nichts mehr, was bleibt, ist ein Nachruf:

Sperrig waren die Themen, auf die sich das Angebot des österreichischen Rundfunks spezialisiert hatte, kompliziert und schwer vermittelbar: ACTA, Prümer Vertrag, SWIFT, Vorratsdaten – sämtlich europäische Netzpolitik mit erheblichen Auswirkungen, für die sich trotzdem kaum jemand interessierte. Zumindest nicht zu der Zeit, zu der es die wenigen Redakteure dort längst taten. Kritisch, analysierend, erklärend schrieben sie jahrelang auf, was man in den vielen europäischen Gremien mit dem Netz so plante.

Rentabel war die Seite nicht, dafür war die Nische, in der sie lebte, zu klein und zu exotisch, dafür waren die Recherchen zu aufwändig. Einen Erich Möchel tage-, ja wochenlang in Archiven buddeln zu lassen, muss man erst einmal bezahlen wollen. Trotzdem, nein, gerade deswegen hatte das „Zukunftsareal“ einen großartigen Ruf weit über Österreichs Grenzen hinaus. Und schätzungsweise 25.000 Leser am Tag. Das beste, was der ORF im Netz zu bieten hat, war die Meinung vieler Fans.

Es war wohl dieser Erfolg, der der Futurezone nun den Garaus machte. Dem Vernehmen nach – so heißt es, wenn niemand sich traut, das unter seinem Namen zu sagen – war es vor allem die Konkurrenz vom Standard, die darauf drang, die Seite zu schließen. Bei den Verhandlungen um das ORF-Gesetz fand sich Gelegenheit. Es ging dabei um Geld für den öffentlich-rechtlichen Sender und um seine Netzaktivitäten. Er wollte von ersterem mehr, private Verleger fanden, er müsse letztere einschränken. Sie hatten also ein gutes Druckmittel. Der ORF darf in den kommenden Jahren mehr Werbung im Netz machen, dafür stirbt Futurezone.

Wenigstens das Archiv wird gerettet. Derzeit zieht die österreichische Nationalbibliothek es sich auf ihre Rechner. Wer es künftig einsehen will, der muss sich allerdings schon in den dortigen Lesesaal begeben. Im Netz gibt es die Sachen nicht mehr, ein Zugeständnis an die Debatte um Urheberrechtsverletzungen im Internet. Die Themen werden nicht verschwinden, verspricht man beim ORF. Im Rahmen anderer Angebote wolle man sie weiter verfolgen.

Sie werden schwerer zu finden sein, aber vielleicht ist das ja auch in irgendjemandes Interesse.

Nachtrag: Inzwischen gibt es 1000 Unterschriften unter der Petition, die Futurezone einer Genossenschaft zu übergeben.

4 Kommentare


  1. Ich erlaube mir zu ergänzen, daß es eine Initiative zur Rettung der Futurezone gibt, die eine Petition an den ORF-Generaldirektor einreichen wird, eine zu gründende Genossenschaft als Erbin der Markenrechte etc. einzusetzen:

    http://rettenwirdiefuzo.at/petition/

    Quelle;:
    http://www.gulli.com/news/retten-wir-die-futurezone-2010-06-18

  2.   vera

    Qualitätsjournalismus vom Feinsten. Und nur ein ganz kleines bißchen weniger geheuchelt als bei uns. Pfui Teifi.

  3.   Heiland

    Bedauerlich, sehr bedauerlich. Die deutschen haben es vorgemacht, nun verbrennen auch die Österreicher ihre Digitalen Inhalte.

    Ein freier Zugang zu Wissen und so weiter, alles hohle Phrasen.

  4.   Gast

    Witzig, dass gerade die Zeitung, die immer mit dem Schmäh „Recht auf freie Meinungsäußerung“ wirbt, für die Schließung der futurzone bzw die Registrierungspflicht mit GIS-Nr. für ORF-Foren verantwortlich ist.