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Amrumer Lamm

Von 10. August 2012 um 18:34 Uhr

Eine Salzwiese ist ein eigenartiger und faszinierender Lebensraum. Bereits auf kleinster Fläche zeigt sich ein kraftstrotzender und vielfältiger Bewuchs, der sich offenbar bestens mit den wirklich rauen klimatischen Bedingungen arrangiert hat. Ein Potpourri von sattgrünen Pflanzen, durchsetzt mit bunten Blüten. Strandflieder, Strandastern, Portulak-Salzmelden, natürlich Queller, Sode und Strand-Wermut, Salz-Spärkling und Meersenf sind nur einige Vertreter einer üppigen Vegetation, die oftmals mit Schafen beweidet wird. Bereits beim Vorbeiradeln geht von diesem Stück intaktem Lebensraum eine regelrechte Faszination aus, die Luft ist geschwängert von Kräuterduft und Salz, kreischende Möwen und rauschende Brandung vermitteln Ursprünglichkeit und Romantik. Auf Amrum gehen die Dinge ihren Gang, die Insel bietet sich an für einen geschlossenen Kreislauf zur Aufzucht, Schlachtung und Verarbeitung von Schafen und Rindern.
Es scheint eine Art von friesischer Unaufgeregtheit zu geben, die sich auch im souveränen Umgang mit hochwertigen Lebensmitteln manifestiert. Es wird nicht besonders viel Tamtam um die Herkunft der Waren gemacht. Es erscheint vielmehr normal und natürlich, dass (für einen leicht höheren Preis) die Butter und Milch von den Halligen, die Eier aus Föhr und der Käse von der Festlandküste kommen. Die Qualität der Produkte ist bemerkenswert gut und entspricht überhaupt nicht dem Vorurteil, dass Genuss in Süddeutschland größer geschrieben würde als im Norden der Republik. Einer der besten Botschafter dieser Köstlichkeiten ist Johannes King vom Söl´ring Hof in Rantum, der sich für Feinheimisch einsetzt.

Der wöchentliche Rhythmus, in dem Helge Dethlefsen aus Nebel seine Lämmer schlachtet, kommt mir sehr entgegen. So kann ich eine abgehangene, gut gereifte Lammkeule aus der Vorwoche erstehen und dazu tagesfrische Innereien. Schade, dass diese sonst nur als Hundefutter verkauft werden… Die Keule habe ich ausgelöst, zugeschnitten und alle Teile außer der Haxe in kleine Steaks von jeweils ca. 70g geschnitten. Das Fleisch ist mürbe, trocken und saftig zugleich, von marzipanartiger Struktur. Ich habe es mit griechischem Joghurt, Bohnenkraut, weißem Pfeffer, Zwiebeln und Knoblauch noch einige Stunden mariniert. Die Innereien wurden in walnussgroße Stücke geschnitten, dann mit Paprika, Zwiebeln und Speck zu kleinen Schaschliks gespießt. Beides wurde anschließend auf Holzkohle gegrillt und sorgte für manchen Zungenschnalzer.
In meiner kulinarischen Welt lege ich größeren Wert auf Produktqualität als auf Regionalität. Aus diesem Grundsatz leitet sich manche, zugegebenermaßen technokratisch geprägte Sichtweise zu Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln ab. Ich erlaube mir gerne und mit gutem Grund amerikanisches Rindfleisch zu verarbeiten. Doch wenn mit Tradition und mit Fleiß, mit Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit alles so gut zusammenpasst, wie es hier der Fall ist, dann ist Amrum zumindest in dieser Hinsicht eine Insel der Glückseligen. Und darauf gilt es gut aufzupassen!

Kategorien: Fleisch, Unterwegs, Warenkunde
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Die verfüttern also die besten Teile an die Hunde und wir zahlen dafür auch noch Länderfinanzausgleich? Krass.

    • 10. August 2012 um 22:04 Uhr
    • 6bb6
  2. 2.

    @6bb6
    dann kaufen se’s doch einfach ;-) dann würde dank höherer Wirtschaftsleistung weniger beim Länderfinanzausgleich zu zahlen sein ;-)

    aber mal im ernst: ich fürchte dass Innereien fast überall zum größten Teil und im besten Fall ins Hundefutter gehen – leider.
    S

    • 14. August 2012 um 09:21 Uhr
    • Stefan
  3. 3.

    Mal im Ernst – die Meschheit wird immer mehr was sie isst.
    Während (nicht nur) in nativen Kulturen, der Verzehr von Innereien nicht nur aus kultischen Gründen Kultstatus hat(te), will der entwickelte Mensch lieber nur mehr reinweißes Hähnchenbrustfilet.
    Allerdings mag das, so pervers es ist, fast schon wieder seinen Sinn haben. Was Innereien heutzutage alles so filtern und ggfs. anreichern, will man dann doch nicht haben.

  4. 4.

    Süß, wie hier naiv von der “Insel der Glückseligen” (war das nicht noch bei den Sokratikern die Toteninsel?!) und div. “Selbstverständlichkeiten” gesprochen wird, während man vor lauter Mangel an Minimalreflexivität Leichenteile in sich hinein stopft. Es ist weder distinguiert noch sonst ein Zeichen von Etabliertheit, sich jeden Gedanken zu verbieten, der über eine einfache Haupt- und Nebensatz-Konstruktion hinausgeht, sondern einfach ein Zeichen für ein armseliges, nur vermeintlich glückseliges Leben.

    • 14. August 2012 um 17:38 Uhr
    • laDiva
  5. 5.

    mahlzeit

    • 14. August 2012 um 17:39 Uhr
    • Peter Maier
  6. 6.

    “Das Fleisch ist mürbe, trocken und saftig zugleich, von marzipanartiger Struktur. Ich habe es mit griechischem Joghurt, Bohnenkraut, weißem Pfeffer, Zwiebeln und Knoblauch noch einige Stunden mariniert.”

    Da fragt man sich dann doch selbst als Fleischesser warum man die Lämmer tötet wenn es doch nur um die Konsistenz, nicht aber um den Geschmack des Fleisches geht…

  7. 7.

    Da isser wieder, der Vegetariertroll…

  8. 8.

    Hätte nicht gedacht dass man diesen kurzen Beitrag von mir missverstehen könnte aber sie haben es tatsächlich geschafft, Glückwunsch.

  9. Kommentar zum Thema

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