Offene Daten – offene Gesellschaft

“Interne Daten sind immer noch heilig”

Von 27. September 2011 um 11:29 Uhr

Es gibt zwei bekannte Beispiele für den durchaus erfolgreichen Einsatz von Open Data in der freien Wirtschaft. Aber sie haben kaum Nachfolger gefunden. Open Data ist noch Lichtjahre davon entfernt, ein natürlicher Bestandteil von Open Business zu werden. Was für Städte und Staaten langsam als zukünftige Normalität sichtbar wird – die  Öffnung und Bereitstellung von Daten für neue Anwendungen zur Schaffung neuer Dienste und größerer Transparenz – ist in Wirtschaftsunternehmen noch hochgradig exotisch. Die Ängste sind massiv.

Das glaubt auch Steffen Hück von der Unternehmensberatung 90:10. Er hielt bei der Social Media Week in Berlin einen Vortrag zum Thema Open Business. Im Gespräch am Rande der Konferenz schätzte er die Chancen für Open Data im Kontext von Open Business eher schlecht ein:

Dabei haben einige wenige innovative Ansätze bereits vor Jahren gezeigt, dass neue Strategien auch Profite von Firmen und Konzernen erhöhen können: Die beiden berühmten gewordenen Beispiele sind der Netflixprize und die Goldcorp Challenge. Netflix ist einer der größten Versender von Video-DVDs und gleichzeitig einer der größten Videostreaming-Anbieter der USA. Eines der wichtigsten Verkaufsinstrumente ist das bordeigene Empfehlungssystem. Ähnlich wie bei Amazon, iTunes und anderen Onlinehändlern bietet das Portal dem User mit dem ausgewählten Produkt assoziierte Produkte an. Nachdem die Verkaufszahlen von Netflix jedoch zwischenzeitlich nicht die gewünschte Dynamik zeigten, entschloss sich der DVD-Versender 2009 zu einem ungewöhnlichen Schritt: Netflix veröffentlichte großen Mengen anonymisierter Nutzerdaten. Auf deren Basis sollten freie Programmierer den Empfehlungsalgorithmus um mindestens zehn Prozent verbessern. Als Anreiz wurde der Netflixprize wurde ausgelobt. Er ist mit einer satten Million Dollar dotiert. Vergeben wurde der Preis bisher zwar noch nicht, weil die Zehn-Prozent-Hürde noch nicht genommen wurde. Der Algorithmus aber wurde schon deutlich verbessert.

Das andere Beispiel stammt vom kanadischen Bergbauunternehmen Goldcorp. Im Jahr 2000 schienen sich die Goldfunde für das Unternehmen zu erschöpfen. Es verfügte jedoch über ein gewaltiges Terrain und noch wesentlich gewaltigere Datenmengen. Darunter waren insbesondere Daten über die geologische Beschaffenheit des Terrains inklusive etlicher Bohrbefunde und weiterer Tiefenanalysen. Deshalb entschloss sich das Minenunternehmen, die Daten zu veröffentlichen. Der Erfolg war atemberaubend. Die Crowd wertete die bereitgestellten Daten aus und empfahl über 100 mögliche Orte für weitere Goldfunde. Mehr als die Hälfte dieser Orte waren den Goldcorp-Ingenieuren noch nicht aufgefallen. In der Folge konnte Goldcorp das Areal zu wesentlich günstigeren Konditionen erschließen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Und wie steht es um misslungene oder pannenbehaftete Datenveröffentlichungen? Keine Beispiele hierfür, die die “massiven Ängste” untermauern könnten?

    “Als Anreiz wurde der Netflixprize wurde ausgelobt.”

    Da steckt der Fehlerteufel im Prädikat.

    • 27. September 2011 um 15:16 Uhr
    • K. Gettmann
  2. 2.

    [...] Open Data: "Interne Daten sind immer noch heilig" Das konnte Sie auch [...]

  3. 3.

    Der Gemeinschaftsgedanke ist doch vollkommen verloren gegangen. Immer muss man Angst haben auf Konkurrenz zu stoßen, immer ich, ich, ich. Es geht gar nicht darum gemeinsam so viel Innovation zu entwickeln, wie möglich, sondern jeder Einzelne will für sich alleine so viel Kohle scheffeln, wie möglich. Deshalb gibt es auch viele Produkte zehnfach am Markt, mit kleinen und großen Mengeln, anstatt, dass man sich mal zusammentut, offen agiert und gemeinsame gute Produkte zu angenehmen Preisen entwickelt. Es geht doch immer nur ums Kohle machen und um Aktienkurse. Der Mensch steht doch nicht mehr im Mittelpunkt des Geschehens. Nur deshalb gibt es so was wie “Geschäftsgeheimnisse”. Weil man Angst hat, dass andere einen Vorteil daraus schlagen. Das sollte einem wirklich mal zu Denken geben.

    • 28. September 2011 um 01:03 Uhr
    • Elite7
  4. Kommentar zum Thema

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