Offene Daten – offene Gesellschaft

Das Ende der Theorie: Data Driven History

Von 5. Oktober 2011 um 17:14 Uhr

Unter dem großspurigen Titel The End of Theory erklärte Wired-Herausgeber Chris Anderson vor einigen Jahren theoretische Konzepte kurzerhand für überflüssig. Die neuen, nun verfügbaren Datenmengen würden induktive Data-Mining-Verfahren ermöglichen, die nichts anderes wären als die Zukunft wissenschaftlicher Methodologie. Und zwar die einzige. Big Data, das Finden von Mustern in großen Datenbeständen, sei der “direkte Weg zur Wahrheit”.

Bislang ist Andersons Prognose nicht eingetreten, da auch große Datenmengen Modelle brauchen, mit deren Hilfe sie durchsucht werden können. Und da auch bei ihnen bewährte statistische Konstrukte nicht vernachlässigt werden dürfen. So schrieb beispielsweise die Ethnologin Danah Boyd, große Datensätze führten zu falschen Beobachtungen, würden Qualitätskriterien wie die Repräsentativität der Daten missachtet. Zitat: “Bigger Data are Not Always Better Data.”

Trotzdem blieb “Big Data” in den Naturwissenschaften nicht ohne Wirkung, die Möglichkeiten sind zu faszinierend. Nun hat dieser Gedanke auch die Geisteswissenschaften erreicht. Die rechnerbasierte Verarbeitung großer Datensätze könne revolutionäres Potenzial besitzen, glauben erste Wissenschaftler. Auf der Tagung .hist 2011 – Geschichte im digitalen Wandel hielt der Medienwissenschaftler Theo Röhle von der Universität Paderborn dazu einen anschaulichen Vortrag.

Das Erstaunliche daran: Die Debatte ist alt. In den USA gab es bereits in den 1950er Jahren eine lebhafte Diskussion darum, wie wichtig die Quantifizierung auch in der Geschichtswissenschaft ist. Das Internet nun scheint die klassische Theoriebildung der Historiker auf eine neue Grundlage zu stellen. Beispielsweise durch die Analyse von Worthäufigkeiten in Tageszeitungen. “Data Driven History” nennt es Röhler und hofft, damit nicht nur über die Moderne mehr zu erfahren, sondern beispielsweise auch über das Mittelalter. Immerhin sind viele Quellen inzwischen in digitaler Form vorhanden.

Leser-Kommentare
  1. 9.

    In den nachfolgenden Jahren konnte die Musikgeschichte thematisiert werden.

    • 19. Oktober 2011 um 11:15 Uhr
    • Sugel
  2. 10.

    [...] als unverzichtbar erwiesen. Digitale Technologien verändern die Art, wie geforscht wird, auf grundlegende Weise. Und sie treiben den Fortschritt an, indem sie kluge Köpfe miteinander verbinden und allen den [...]

  3. 11.

    [...] dieser Stelle beispielsweise schon von neuen Formen der Geschichtsschreibung unter dem Schlagwort Data Driven History. Gemeint ist der Versuch, durch die Auswertung historischer Datensätze etablierte Geschichtsbilder [...]

  4. 12.

    [...] Das Ende der Theorie: Data Driven History. AKPC_IDS += "34024,";Popularity: 6% [?]No tags for this post. Filed under found in the [...]

  5. Kommentar zum Thema

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