Offene Daten – offene Gesellschaft

Datenprojekt macht die versteckten Milliarden der EU sichtbar

Von 13. Oktober 2011 um 17:58 Uhr

Die Europäische Union ist ein Monstrum. Hunderte Behörden hat sie, Tausende Gremien und mindestens zehntausend unterschiedliche Normen für das Gewicht von Bananen, für die Wärmedämmungen von Hausfassaden oder für Schallschutzbestimmungen von Schwerlastzügen. Neben diesen ungezählten Verordnungen und Richtlinien gibt es mindestens ebenso viele Förderprogramme und Subventionstöpfe.

So jedenfalls die allgemeine Wahrnehmung. Die ist nicht ganz falsch, wie der Strukturfonds zeigt, eines der wichtigsten Instrumente europäischer Planungs- und Steuerungspolitik. Allein der Strukturfonds setzt sich aus fünf Unterfonds zusammen, die so attraktive Titel tragen wie Regionalfonds EFRE inklusive Interreg IV oder Landwirtschaftsfonds ELER inklusive Leader. So etwas kann durchaus von der näheren Beschäftigung abschrecken. Doch beträgt das Gesamtbudget des Strukturfonds mehr als 45 Milliarden Euro. Das ist zu gewaltig, als dass Datenjournalisten diesen Fonds ignorieren sollten.

Was sie natürlich auch nicht tun. So arbeitet Celainn Barr an einem Projekt, dass eben jenen Strukturfonds systematisch untersuchbar macht. Barr arbeitet unter anderem für die britische Non-Profit-Organisation Bureau of Investigative Journalism in London. Als Teil eines Teams des Bureau of Investigative Journalism entwickelte sie das Werkzeug in Kooperation mit der Financial Times.

Eine der eher unerfreulicheren Erkenntnisse: Der Missbrauch von EU-Geldern durch die italienische ‘Ndrangheta ist keine Seltenheit. Millionen gingen an sie. Überhaupt gibt es gelegentlich seltsame Empfänger von europäischen Fördergeldern, beispielsweise die Konzerne Coca-Cola, British American Tobacco und IBM. Andere Projekte, die durchaus sinnvoll erscheinen, wurde wie eine spanische Meerwasser-Entsalzungsanlage gefördert und gebaut, aber nie in Betrieb genommen.

Die EU-Kommission begrüßte das Projekt. Kommissar Johannes Hahn erklärte, die Untersuchung sei ein Beitrag zur öffentlichen Debatte über die europäische Förderpolitik. Zum Thema ungewollte Förderung der Mafia äußerte er sich nicht.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Korruption nicht Subvention
    Ich sag mal so Subventionen sind Investitionen, um zu Subventionieren muss irgendwo Geld herkommen, genau das ist auch passiert Subventionen ohne Grenzen, Eigentlich sollte das Geld zurückkommen ist es aber nicht, Das Geld Versiegte in Dunklen Kanälen und in dubiosen Unternehmen und deshalb sind Jetzt alle überschuldet und Pleite.

    • 13. Oktober 2011 um 19:04 Uhr
    • Seti
  2. 2.

    ”Die Europäische Union ist ein Monstrum. Hunderte Behörden hat sie, Tausende Gremien und mindestens zehntausend unterschiedliche Normen für das Gewicht von Bananen, für die Wärmedämmungen von Hausfassaden oder für Schallschutzbestimmungen von Schwerlastzügen. Neben diesen ungezählten Verordnungen und Richtlinien gibt es mindestens ebenso viele Förderprogramme und Subventionstöpfe.”

    Wie ich das liebe. Die EU ist ein Monster. Hunderte Behörden!
    Das die Kommission mit ihren 23.000 Mitarbeitern (https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Europ%C3%A4ische_Kommission#Arbeitsweise) aber nur etwas größer als die Kölner Stadtverwaltung – 17.000 Mitarbeiter – (https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Stadtverwaltung_K%C3%B6ln) und sogar erheblich kleiner als die Münchner Stadtverwaltung – 33.000 Mitarbeiter – (https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Stadtverwaltung_M%C3%BCnchen) ist, wird zur Verdeutlichung lieber nicht gesagt. Vor allem wenn man sich die Relationen vorstellt. Auf der einen Seite Städte mit 1.nochwas Millionen und auf der anderen Seite über 500 Millionen.

    • 13. Oktober 2011 um 19:25 Uhr
    • Fabian
  3. 3.

    Wieso sanieren sich Leute auf Kosten derer, die EU-Gelder einzahlen?
    Da ging Geld nach Lateinamerika, in Nicht-EU-Länder wie Türkei und Ukraine ect. Wenn diese Länder nicht wirtschaften können, wieso bedienen sie sich bei der EU? Alles streichen, sollen Sie doch zusehen wie sie ihre unfähige Wirtschaft gerade biegen.
    Für Versagen belohnt werden und dann noch als erfolgreich in den Medien geistern.
    Verkauft Euere Hollywod – Prinzessinnen und Schlossadelsträume bitte nicht im Jahr 2011 wo die Mehrheit der Weltbevölkerung arm ist.
    Sissi ist übrigens auch schon lange tot! Das Schlimme ist, dass die Menschen nicht nur immer ärmer werden sondern unter dieser Volksverblödung sterben.

    • 13. Oktober 2011 um 19:29 Uhr
    • Ariadne
  4. 4.

    Es wäre hilfreich, wenn ich mir auch den Text der Blog-Beiträge, als pdf direkt per Klick speichern könnte.
    So bestimmen Sie das Format der Dateien, … .

    Danke

    • 13. Oktober 2011 um 23:58 Uhr
    • Bitte
  5. 5.

    [...] will das ändern und fand dabei unter anderem heraus, dass auch die Mafia Geld bekommt. mehr lesen © zeit.de (RSS)   If you enjoyed this article, please consider sharing [...]

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