Offene Daten – offene Gesellschaft

Bundesapps statt Staatstrojaner

Von 9. November 2011 um 15:40 Uhr

Wie steht es eigentlich um die Nutzung offener Daten hierzulande? Nicht so gut, scheint es. Zumindest kann Eindruck gewinnen, wer man in den vergangenen Tagen die Stellungnahmen zahlreicher deutscher Open-Data-Experten las. Datenjournalist Lorenz Matzat, Vorgänger hier im Data Blog, warnte unlängst vor einer traurigen Zukunft. Zumindest zitierte er in einem Artikel Ende Oktober Chris Taggarts Vortrag auf dem Open Government Data Camp in Warschau. Der unzweideutige Titel: How the Open Data Community Died.

Auch Christiane Schulzki-Haddouti fragte kürzlich im ZDF Hyperland-Blog, ob Deutschland nicht längst alle Chancen verspielt hat, die Dynamik der Open-Data-Bewegung zu nutzen, beziehungsweise in klare Angebote für eine breite Nutzerschaft umzusetzen.

Vielleicht bietet der am Dienstag gestartete Wettbewerb Apps für Deutschland einen Lichtblick. Initiiert vom Open Data Network e.V. sowie der Open Knowledge Foundation und unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministeriums werden ab sofort Open-Data-Anwendungen gesucht.

Behörden in Deutschland erheben, speichern und verarbeiten viele interessante Daten. Dazu gehören Wetterdaten ebenso wie Informationen über die Luftqualität oder über die Verwendung der Steuergelder. Diese Daten sind von öffentlichem Interesse und bergen ein großes Potenzial für unsere Gesellschaft, weil sie Transparenz, Beteiligung, Innovationen und neue Dienstleistungen fördern.

Mit dem Wettbewerb “Apps für Deutschland” laden wir Designer, Entwickler, Journalisten, Forscher und die breite Öffentlichkeit ein, Anwendungen zu schaffen, um diese Daten nutzbar zu machen.

Die Seite www.opendata-showroom.org liefert dazu die passenden Beispiele, um freie Programmierer und Open-Data-Aktivisten zu inspirieren. Natürlich ließ erste Kritik nicht lange auf sich warten. Allein der Titel Apps4Deutschland sei missverständlich, da Apps häufig eben nicht für Offenheit, sondern für geschlossene Systeme stehen würden.

In der Jury sitzen neben zahlreichen Wissenschaftlern und Repräsentanten der Initiatoren unter anderem auch Vertreter des Bitkom und der Wikimedia. Einsendeschluss für Ideen und Daten ist der 15. Dezemmber 2011, für Anwendungen der 1. Februar 2012.

Als Preise winken übrigens Geldprämien zwischen 500 und 4.000 Euro. Leider deutlich zu wenig, um starke Teams zu motivieren. Hoffentlich dokumentieren diese vielleicht für einzelne Entwickler ansprechenden, aber für ambitionierte Mannnschaften zu geringen Honorarere nicht den Versuch, das Thema Open Data mit Hilfe einer schmalbrüstigen Umarmugsstrategie bewusst klein zu halten. Aber immerhin, es gibt ihn, den bundesweiten Open-Data-Wettbewerb.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Eine kleine Ergänzung: der Wettbewerb wurde von 3 NGOs organisiert, im Text vergessen wurde das Government 2.0 Netzwerk Deutschland e.V., http://www.gov20.de, das auch das jährliche Open Government Camp ausrichtet.

    Die Preise sind Preise und keine Entgelte für Entwicklungen. Vergleiche mit anderen Apps4Democracy Wettbewerben zeigen, dass Deutschland sich nicht schämen muss – wir sind am oberen Ende.
    Wettbewerbe wie Random Hacks of Kindness (www.rhok.org) kommen mit sehr viel kleineren Preisen aus und bringen dennoch viele engagierte Hacker_innen dazu, ihre Kreativität einzubringen. Genau wie die 3 NGOs diesen Wettbewerb rein ehrenamtlich organisiert haben, wird es (hoffentlich) viele Enthusiasten geben, die einfach mit den Daten einen Nutzen für die Gesellschaft schaffen wollen.
    Aber vielleicht gibts auch welche mit kreativen Ideen, die so cool sind, dass Nutzer bereit sind, in einem Appstore dafür Geld zu bezahlen. Wäre nicht das erste Mal…
    In so einem Fall hat man ein win-win für alle Beteiligten: eine Einnahmequelle für die Programmierer und eine nützliche App für Bürgerinnen und Bürger.

    Als Vertreterin einer der veranstaltenden NGOs bin ich natürlich enthusiastisch und sehe jede Menge Vorteile des Apps für Deutschland Wettbewerbs, aber genauso sehe ich noch viel Handlungsbedarf, was eine ganzheitliche Open Government Strategie hierzulande angeht. Aber wir wollen darauf nicht warten, wir wollen auch mit so einem Wettbewerb Druck von unten machen und mit den vielen unterstützenden Behörden einfach mal Tatsachen schaffen. Wenn es kein offizielles Open Data Portal für Deutschland gibt – dann sammeln wir die offenen Daten eben selbst ein – für offenedaten.de, gefüttert durch den Wettbewerb.
    Wer das blöd findet, denkt nicht pragmatisch. Ich will lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Aber auch mit Spatz in der Hand kann ich weiter nach der Taube greifen :-). Genau das haben wir vor.

    • 10. November 2011 um 22:23 Uhr
    • Anke Domscheit-Berg
  2. 2.

    [...] sollten jedoch alles keine Hinderungsgründe sein, auch einige der ambitionierten deutschsprachigen Projekte der letzten Monate einzureichen. Deshalb an dieser Stelle auch die Frage an die Leserinnen und [...]

  3. Kommentar zum Thema

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