Data Blog

Offene Daten – offene Gesellschaft

Big Data aus dem Weltall

Von 5. März 2014 um 12:28 Uhr
Mikrosatellit SkySat-1 der Firma Skybox, der Livevideos aus dem All liefert. Quelle: Skybox

Mikrosatellit SkySat-1 der Firma Skybox, der Livevideos aus dem All liefert Quelle: Skybox

Für alle zugängliche Satellitenbilder? Daran haben wir uns längst gewöhnt. Noch vor ein paar Jahren konnten sich nur Geheimdienste und Regierungen so etwas leisten, inzwischen aber gibt es sie dank Google Earth und anderen Diensten kostenlos für jeden – zumindest statische Aufnahmen der Erde aus dem All.

Nun jedoch sind Satelliten und Kameras so klein und vergleichsweise billig geworden, dass es sich für Unternehmen lohnt, sogar Livebilder aus dem Weltraum anzubieten. Nicht kostenlos, aber für jeden, der bereit ist, dafür Geld zu zahlen.

Zwei Unternehmen arbeiten derzeit daran, eine Flotte von Mikrosatelliten zu starten, um anschließend Fotos und auch Videos von jedem Punkt der Erde auf Bestellung zu verkaufen.

Skybox Imaging ist ein Unternehmen in Palo Alto, Kalifornien. Seit 2009 hat es ungefähr 100 Millionen Dollar Wagniskapital ausgegeben und Satelliten entworfen. Insgesamt 24 will man starten, der erste ist inzwischen im All. Er liefert auf Bestellung 90 Sekunden lange Videos von jedem gewünschten Ort.

Das Sichtfeld der Kamera ist zwei Kilometer mal ein Kilometer groß. Die Auflösung beträgt zwischen 90 und 110 Zentimetern und genügt, um fahrende Autos zu erkennen oder Flugzeugen beim Landen zuzusehen. Für ein Werbevideo ist die Firma beispielsweise über Nordkorea geflogen und hat eine Atomanlage gefilmt.

Looking Down From 600 km Above The Earth’s Surface with HD Video from Skybox Imaging on Vimeo.

Doch das sind nicht die entscheidenden Bilder. Vielmehr machen solche Unternehmen eine neue Form der Datensammlung und Datenauswertung möglich und liefern damit neue Erkenntnisse über den Zustand der Welt und der Wirtschaft.

Natürlich können damit Umweltverschmutzung und Katastrophen genau verfolgt werden: Brandrodung beispielsweise oder Ölteppiche auf dem Meer. Aber solche Themen dürften nur ein eher unbedeutender Teil des Geschäftsmodells sein.

Skybox wirbt damit, beispielsweise den Füllstand von großen Öltanks in Häfen und Raffinerien feststellen und überwachen zu können. Diese Tanks haben ein bewegliches Dach, sind sie voll, ist das Dach weit oben, sind sie leer, ist es unten. Skybox-Kameras schätzen die Füllhöhe und ermöglichen so eine Analyse über Handelsvolumen und Reserven in Ölhäfen.

Skybox wirbt damit, den Containerumschlag in Häfen beobachten zu können und die Zahl von Autos auf einem Parkplatz. Große Firmen und große Einkaufszentren haben große Parkplätze, die Menge der Autos dort sagt etwas über die Höhe der Produktion und die Stärke der Kaufkraft. Auch das Wachstum auf Getreidefeldern könne überwacht werden und damit die Höhe der Erntemengen.

Werden solche Daten zusammengefasst, dürften sie ein ziemlich genaues Barometer der Wirtschaftskraft eines Landes darstellen – in Echtzeit. Wirtschaftskrisen erkennen, Lieferengpässe vorhersagen? Kein Problem. Noch dazu gibt es kaum einen Weg, solche Informationen flächendeckend zu verschleiern. Für Börsenhändler, Finanzberater, Investmentbanken sind solche Daten besser als Gold. Kein Wunder also, dass Skybox viel Kapital sammeln konnte und dass es bereits eine zweite Firma gibt, die das gleiche anbieten will.

Planet Labs hat sogar schon zwei Satelliten gestartet und will insgesamt 28 ins All bringen.

Zusammen mit Drohnen, die ebenfalls immer leichter verfügbar werden, liefern fliegende Kameras völlig neue Einblicke in die Welt. “Big Data. From space“, lautet denn auch einer der Werbesätze von Skybox. Das kann zum Schlechten genutzt werden, zur Überwachung von Bürgern, aber auch zum Guten, um Warenkreisläufe zu verstehen und Probleme vorherzusagen.

Via Wired und @lorz.

Wer wie viele Waffen hat, geht die Öffentlichkeit nichts an

Von 16. Januar 2014 um 07:56 Uhr
Sportschütze. Quelle: Lars Baron/Getty Images

Sportschütze. Quelle: Lars Baron/Getty Images

Oft beginnt eine Recherche mit einer simplen Frage: In welchen Städten und Landkreisen gibt es eigentlich die meisten Schusswaffen? Und dann stellt man zum eigenen Erstaunen fest: Das weiß in diesem Land keiner so genau – und die einzige Behörde, die die Daten haben könnte, rückt sie nicht heraus.

Seit Januar 2013 müssen alle Städte und Kreise die in ihrer Region registrierten Waffen von Jägern, Sammlern und Sportschützen an das Nationale Waffenregister (NWR) beim Bundesverwaltungsamt in Köln melden. Allein das ist bereits komplizierter als es klingt, denn die Struktur der Meldebehörden ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In manchen Landkreisen gibt es eine solche Behörde, in anderen mehr als zehn. Insgesamt arbeiten daher in Deutschland gut 550 Waffenbehörden.

Ihre Daten liegen dank des Nationalen Waffenregisters beim Bund gesammelt vor, die oben gestellte Frage müsste sich also einfach beantworten lassen. Doch der Öffentlichkeit will die Behörde (sie sagt: kann), keine Angaben aus dieser zentralen Datenbank zur Verfügung stellen. Das sei im Gesetz leider nicht vorgesehen, lautet die Antwort. Man dürfe lediglich die Kriminalämter und Innenministerien mit Statistiken aus dem Waffenregister beliefern, die Öffentlichkeit aber nicht.

Auch ein Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz des Bundes wird abgelehnt. Auf eine von vielen E-Mails antwortet das Bundesverwaltungsamt der ZEIT: “Bitte betrachten Sie unsere Ablehnung nicht als unhöfliches Vorgehen. Wir sehen leider keine Möglichkeiten, Ihrem aus öffentlichen Interesse erwachsendem Anliegen geeignet zu entsprechen.” Lediglich zwei Zahlen darf man erfahren: 5,5 Millionen legale Schusswaffen gibt es in Deutschland, sie sind verteilt auf 1,45 Millionen Besitzer. Wer wo wie viele hat, bleibt geheim.

27 Tote durch registrierte Waffen

Wir wenden uns an die nächste Ebene, an die 16 Bundesländer und fragen, ob diese uns Zahlen zu Schusswaffen zur Verfügung stellen können. Typisch für den deutschen Föderalismus: Es gibt einzelne Länder, wie Bayern, das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern, die die Daten sofort rüberschicken; andere dagegen, wie Niedersachsen, Baden-Württemberg und Hessen, sehen sich dazu nicht in der Lage. Bei diesen Bundesländern müssen wir noch eine Ebene tiefer gehen und die Landratsämter und Rathäuser einzeln anmailen und abtelefonieren – ziemlich nervig und angesichts eines Nationalen Waffenregisters auch irgendwie absurd.

Nach zwei Monaten haben wir endlich alle Daten zusammen. ZEIT ONLINE hat daraus diese Waffenlandkarte erstellt, auf der zum ersten Mal detailliert die regionale Verteilung legaler Pistolen, Revolver und Gewehre in Deutschland sichtbar wird. Wie viele illegale Waffen es wo gibt, weiß naturgemäß niemand.


Zusätzlich haben wir auf dieser Karte noch Todesfälle durch registrierte Schusswaffen im Jahr 2013 eingezeichnet. Wir haben dafür alle in den Medien bekannt gewordenen Fälle aufgegriffen und im Zweifelsfall bei den Staatsanwaltschaften nachgefragt, ob die Waffe legal war oder nicht.

Eine exakte Wissenschaft ist das nicht. Denn die Behörden haben hier überhaupt keine Statistik parat. Weder das Statistische Bundesamt noch das Bundeskriminalamt erfassen, ob bei tödlichen Schüssen eine legale oder eine illegale Waffe verwendet wurde.

Es ist erstaunlich, auf welch dünner Grundlage in diesem Land öffentliche Debatten geführt werden.

Unser Ergebnis: Mindestens 27 Menschen starben im Jahr 2013 durch registrierte Schusswaffen – Selbstmorde ausgenommen. In 27 weiteren Fällen war die Waffe entweder illegal oder ihre Herkunft ist bisher ungeklärt. Die Hälfte der Schusswaffentoten im vergangenen Jahr war also Opfer legaler Pistolen, Revolver oder Gewehre.

Kategorien: Datenjournalismus

Wenn die Temperatur sinkt, steigt der (Porno)-Traffic

Von 13. Januar 2014 um 15:30 Uhr

Pornografie ist im Internet der “elefant in the room”, wie man im Englischen sagt: riesig und unübersehbar, trotzdem redet kaum jemand über ihn. Auch, weil es kaum Daten gibt, die etwas darüber aussagen, wie riesig der Elefant wirklich ist.

Dabei sind solche Daten nicht uninteressant, wenn es sie denn mal gibt. Schließlich galt die Pornobranche lange Zeit als wichtiger technischer Vorreiter im Netz, auch wenn sie in dieser Rolle inzwischen von Sozialen Netzwerken abgelöst wurde. Der Anbieter Pornhub bietet solche Zahlen. Seit Sommer 2013 betreibt er ein Blog namens Insights, auf dem unter anderem Statistiken veröffentlicht werden.

Eine davon zeigt, wie die Amerikaner auf die jüngste Kältewelle reagiert haben: Sie haben mehr Pornos geguckt. In Maine, Michigan und Florida zum Beispiel waren es rund 40 Prozent mehr als sonst im Januar.

Nicht immer und überall bringt der Winter einen erhöhten Pornokonsum mit sich: Japan ist die einzige Region, in der das Weihnachtsfest keine Auswirkung hat (Siehe unter Holidays, Christmas Eve). Und Silvester muss einer der schlechtesten Tage für die Branche sein, da interessiert sich offensichtlich kaum jemand für sie.

Eine andere Statistik zeigt, wie verbreitet die mobile Internetnutzung in welchen Ländern ist: Deutschland ist demnach noch immer Desktop-Land. Nur sieben Prozent nutzen Tablets, nur 21 Prozent Smartphones (bei ihrem Pornokonsum). International ist das wenig, in den USA oder Großbritannien ist die mobile Nutzung bereits sehr viel verbreiteter.

Mobile Nutzung der Pornoseite Pornhub in verschiedenen Ländern 2012 und 2013. Quelle: http://www.pornhub.com/insights

Mobile Nutzung der Pornoseite Pornhub in verschiedenen Ländern 2012 und 2013. Quelle: http://www.pornhub.com/insights

Noch also haben deutsche Unternehmen etwas Zeit, sich auf mobile Geräte einzustellen. Allerdings nicht sehr viel. Die Desktop-Nutzung ist in Deutschland von 2012 auf 2013 um zehn Prozentpunkte gefallen.

Weltweit gilt: Montag ist Pornotag, dann hat Pornhub die höchsten Zugriffe, an Sonntagen die geringsten. Offenbar wird genau das dann am Montag nachgeholt.

Dauer der Pornonutzung in den USA sortiert nach der Höhe des Einkommens. Quelle: http://www.pornhub.com/insights/high-vs-low-income-cities/

Dauer der Pornonutzung in den USA sortiert nach der Höhe des Einkommens. Quelle: http://www.pornhub.com/insights/high-vs-low-income-cities/

Auch die Frage, ob in ärmeren oder in reicheren Gegenden länger Pornos konsumiert werden, kann das Portal beantworten. Es sind vor allem die Bewohner ärmerer Städte, die länger schauen.

PornHub gehört wie Youporn und viele andere Netzangebote zu dem Firmengeflecht von Mindgeek, einem Unternehmen mit Sitz in Luxemburg, das bis 2013 Manwin hieß. Und selbstverständlich ist das Veröffentlichen solcher Trafficdaten auch eine Form von Marketing, wie das amerikanische Magazin Slate anmerkt.

 

Kategorien: Datenquelle

Deutschland und das dicke Geschäft mit afrikanischem Land

Von 30. November 2013 um 18:08 Uhr

Deutsche Investoren sind an acht von 356 transnationalen Verträgen beteiligt, die für die Verpachtung von Land in Afrika geschlossen wurden und insgesamt eine Fläche von etwa 171.000 Hektar umfassen. Dies geht aus einer Recherche in der Datenbank Land Matrix hervor. Diese Datenbank erfasst großflächigen Landerwerb und wurde von vier internationalen Forschungsinstituten, unter anderem dem GIGA (German Institute of Global and Area Studies) und der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) entwickelt. Ein eher geringer Anteil, verglichen mit den führenden Investorenländern – allein die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Vereinigte Königreich und Saudi-Arabien kontrollieren zusammen 9.6 Millionen Hektar Land auf dem Afrikanischen Kontinent. Trotzdem war Deutschland bereits Gegenstand harscher Kritik bezüglich Kaweri, einer Kaffee Plantage in Uganda, die Teil der Neumann Kaffee Gruppe Hamburg war. Die im speziellen an den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, gerichteten Vorwürfe, ähneln denen, die sich an andere des “Land Grabbing” Verdächtigte richten. Der Begriff “Land Grabbing” bezeichnet die Aneignung riesiger Landflächen in Entwicklungsländern bei gleichzeitiger Verletzung der Menschenrechte lokaler Gemeinschaften.

Deutschlands wichtigste Landgeschäfte in Afrika

Aus den zum jetzigen Zeitpunkt von Land Matrix erfassten Verträgen geht hervor, dass die acht von deutschen Investoren in Afrika abgeschlossenen Verträge sich auf eine Fläche von insgesamt 171.000 Hektar belaufen. Fünf Projekte haben offensichtlich bereits mit der Produktion begonnen, wohingegen drei sich offenbar erst in der Anfangsphase befinden. Die 2500 Hektar, die von Uganda an die Kaffee Gruppe verpachtet wurden -1802 davon werden genutzt- gehören offenbar zu denjenigen Projekten die bereits angelaufen sind. Vier der acht Investitionen dienen offenbar dem Anbau von Jatropha, einer Pflanze aus der Öl für die Produktion von Biodiesel gewonnen wird. An das Biotreibstoffgeschäft gekoppelt ist auch die größte Investition von 120,000 Hektar in Sambia, die sowohl an die Deutsche Firma Mann Ferrostalla als auch an Deulco, eine südafrikanische, auf erneuerbare Energien spezialisierte Firma verpachtet wurden. Letztere ist das einzige Projekt, welches auch als „Industrie“ aufgeführt ist und sich damit höchstwahrscheinlich auf die Jatropha-Öl Umwandlungsanlagen bezieht. Die anderen vier Investitionen setzen sich aus Plantagen zum Zweck der Nahrungsmittelgewinnung zusammen: Reis, Getreide, Erbsen, Korn und Kaffee.

German_land_Acquisitions

Groß angelegter Landerwerb in Afrika

Wie viele Hektar sind seit dem Beginn des “Landrauschs” insgesamt verpachtet worden? Jeder Versuch sich dem Umfang dieses Phänomens zu nähern, sieht sich unweigerlich mit einer Vielzahl widersprüchlicher Zahlenangaben konfrontiert. Die Weltbank führt 56 Millionen verpachtete Hektar allein für die Zeit zwischen 2008 und 2009 infolge der Preisexplosion bei den Nahrungsmitteln an. Das International Food Policy Institute und das Oakland Institute kommen auf 15-20 Millionen Hektar im Zeitraum von 2006 bis 2009. 2011 berechnete die erwähnte „Land Matrix“ die Größe des verpachteten Landes seit dem Jahr 2000 auf die riesige Fläche von 227 Millionen Hektar (Zum Vergleich: Deutschland umfasst 35,7 Millionen Hektar). Errechnet von nicht immer vertrauenswürdigen Quellen, wurde diese Einschätzung, nach einem Relaunch der Datenbank im Juni 2013, auf 33 Millionen Hektar, die durch unterschriebene Verträge nachgewiesen werden konnten, verringert. Dies entspricht einer Fläche etwa acht mal so groß wie die Niederlande.

„Es ist schwer zu sagen, ob diese Zahlen mit hinreichender Wahrscheinlichkeit korrekt sind“, sagt Andrea Fiorenza, Forscher der International Land Coalition und Co-Autor einer Reihe von Studien, genannt Commercial Pressure on Land, denn „manche Projekte fangen an, sehen sich dann diversen Problemen gegenüber und laufen aus und werden abgebrochen, oder ganz im Gegenteil, dehnen sich über die legalen Grenzen hinweg aus.“ Darüber hinaus verhindert mangelnde Transparenz der Regierungen in Entwicklungsländern ein klareres Bild der Situation. Das Ziel der “Land Matrix” Datenbank ist jedoch nicht, die endgütige Datenlage zu präsentieren, sondern “Trends zu erkennen, aus verschiedenen Quellen zu schöpfen und auf dem Laufenden zu bleiben.”

Erkunden sie die globale Debatte über den “Landrausch”

Für detaillierte Informationen über den groß angelegten Landerwerb wurde eine interaktive Karte erstellt, auf der Artikel zur Debatte über den Landrausch in Afrika gesammelt werden. Hier sind Dokumente der akademischen Welt, Berichte der internationalen Zivilgesellschaft, journalistische Recherchen und Stellungnahmen von Unternehmen und Institutionen zum Thema verlinkt. Außerdem ist es möglich, der Karte neue Artikel hinzuzufügen, indem dieses Formular ausgefüllt wird.

Erkunden sie die Karte durch Klicken auf die Markierungen und beteiligen sie sich an der Diskussion, indem sie die Karte, unter Angabe von Link, Ort und Quelle, mit weiteren Dokumenten verlinken, die sie für relevant in der Auseinandersetzung um Landverpachtungen auf dem Afrikanischen Kontinent halten.

Über das Projekt

Jacopo Ottaviani ist Journalist und Entwickler, spezialisiert auf Datenjournalismus. Er arbeitet für italienische und internationale Medien, unter anderem The Guardian und Al Jazeera International.Folgen Sie ihm auf Twitter: @jackottaviani

Dieser Beitrag für ZEIT ONLINE ist Teil des Innovation in Development Reporting Programms des European Journalism Centre (EJC). Zur Projektentwicklung haben außerdem Andrea Fama, Cecilia Anesi und Isacco Chiaf beigetragen. Hier geht es zur englischen Version des Beitrags.

Germany and the land deals in Africa: the data perspective.

Von 29. November 2013 um 11:42 Uhr

Germany is the main player in 8 of the 356 transnational contracts signed between governments and investors for the lease of land in Africa, for a total of about 171,000 hectares. This is what arises from a query made by Land Matrix, the database collecting all land deals worldwide (Land Matrix, 5 Nov 2013). A rather low percentage, if compared to the United States, the United Arab Emirates, the UK and Saudi Arabia, which lead the ranking of investing countries with 9.6 million hectares under their control in the African continent. However, after the case of Kaweri, the coffee plantation in Uganda which was part of the Neumann Kaffee Gruppe of Hamburg, Germany has also been the object of harsh criticism. These accusations towards Germany, and in particular towards the former Minister of Economic Cooperation and Development Dirk Niebel, are the same that have been directed towards others accused of “land grabbing”, the acquisition of vast quantities of land in developing countries, while violating the human rights of local communities.

Main German land deals in Africa

According to the contracts recorded by the Land Matrix database, as of writing, the 8 land deals in Africa driven by German investments amount to a total of 171,000 hectares. Five projects prove to have begun production, while three turn out to be in their start-up phase. The 2500 hectares leased by Uganda to the Kaffee Gruppe, 1802 of which prove to be operational, appear to be among the projects that are already under way. Four of the eight investments appear to be connected to the biofuel business through the cultivation of jatropha, a plant from which oil for biodiesel production is extracted – these include the largest investment, 120,000 hectares in Zambia co-assigned to German company Mann Ferrostalla and to Deulco, a South African company specialized in renewable energies. The latter is the only project to also be listed as “Industry”, most probably referring to the jatropha oil transformation plants. The other four investments consist of plantations for food purposes: rice, cereal, peas, grain and coffee.

German_land_Acquisitions

Explore the global debate on the “land rush”

For more on large-scale land acquisitions, an interactive map has been developed collecting stories participating in the debate on the land rush in Africa. The map displays all players involved in the discussion, showing documents from the academic community, reports from the international civil society, journalistic investigations and participations of companies and institutions. Furthermore, the map allows the submission of new articles by filling in a crowdsourcing form.

Explore the map by clicking on the markers and join the discussion by submitting articles you consider relevant to the argument of land leases in the African continent, indicating the link, the location and the source.

Credits

Jacopo Ottaviani is a journalist and developer specialized in data-driven journalism. He contributes to Italian and International media, including The Guardian and Al Jazeera International. Follow him on Twitter: @jackottaviani
This post for ZEIT ONLINE is part of the Innovation in Development Reportingprogramme operated by the European Journalism Centre (EJC). The project development also saw the contribution of Andrea Fama, Cecilia Anesi and Isacco Chiaf.

Wortkarrieren in den Koalitionsverträgen

Von 27. November 2013 um 16:00 Uhr

Der frisch ausgehandelte Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD ist bereits umfangreich zu den einzelnen Themenbereichen bewertet worden. Wir haben uns die Frage gestellt, ob sich der Text auch als Datensatz auswerten lässt, um Themenschwerpunkte zu erkennen. Dazu wurden zunächst alle Substantive aus dem Text extrahiert und nach Häufigkeit in ein Wordle verwandelt. Diese Textwolke zeigt die Top150:
Koalitionsvertrag2013_Wordle

Im nächsten Schritte interessierte uns, wie häufig einzelne Substantive im neuen Vertrag vorkommen. Spannend ist dabei der Vergleich zum Koalitionsvertrag aus der vergangenen Legislaturperiode (CDU/CSU und FDP 2009-2013). Julian Stahnke hat diesen Vergleich für ausgesuchte Wörter in einer experimentellen Grafik visualisiert:

Kategorien: Allgemein

Eine Karte zeigt, wer gerade mit Bitcoins zockt

Von 20. November 2013 um 11:37 Uhr
bitcoin

fiatleak.com visualisiert den Handel mit Bitcoins: Wenn irgendwo jemand Dollar, Euro oder eine von 15 weiteren Währungen in Bitcoin wechselt, wird das auf der Karte angezeigt.

Wie reizvoll kann es sein, in etwas zu investieren, dessen Wert an jedem Tag um mindestens 30 Prozent schwankt? Etwas, das eine traumhafte Rendite ebenso wahrscheinlich macht wie einen furchtbaren Verlust? Offenbar extrem reizvoll. Der Handel mit der virtuellen Währung Bitcoin ist rege, allen Unvorhersehbarkeiten zum Trotz. Wie rege, zeigt die Karte auf fiatleak.com von Andrew Hodel.

Auf ihr wird der globale Handel mit Bitcoins in Echtzeit dargestellt, basierend auf den Daten von sieben Handelsbörsen: Wie viele US-Dollar, Euro, Jen oder Renminbi werden gerade in Bitcoin getauscht?

Bitcoins sind zwar anonym, aber jede einzelne von ihnen trägt einen eindeutigen Code, der Handel damit kann so jederzeit nachverfolgt werden. Handelsbörsen wie Mt.Gox und BTC-E bieten eine API an, über die sich das Handelsvolumen auslesen lässt. Darüber holt sich Hodel die Daten für seine Echtzeit-Karte.

Die verdeutlicht, wo am meisten mit Bitcoin spekuliert wird: in China und in den USA. Insbesondere die Chinesen würden mittlerweile wie wild in Bitcoin investieren, hat Hodel beobachtet.

Das Wall Street Journal schreibt, der Grund dafür sei die Möglichkeit, damit die Devisensperre zu umgehen. Über dem Umweg der Bitcoins könnten Chinesen ihre Renminbi in Dollar tauschen. Der Staat dulde das derzeit als eine Art Experiment, zitiert die Zeitung einen Wirtschaftsinformatiker.

Der Code für die Karte ist open source und bei GitHub einsehbar. Sie zeigt übrigens auch den jeweils aktuellen Wert von Bitcoin in den verschiedenen Währungen an. Nicht sichtbar ist das bisherige Allzeithoch von rund 900 US-Dollar pro Bitcoin, das am vergangenen Dienstag erreicht wurde. Der Spuk war allerdings auch schnell wieder vorbei – 30 Minuten später lag der Wert wieder bei unter 650 Dollar. Den Handel hat das offenbar nicht gebremst. Wer heute fiatleaks.com aufruft, kann beobachten, wie weltweit rund 10.000 Bitcoins in weniger als zwei Stunden gekauft werden.

Kategorien: Datenvisualisierung

Die Kolonialmächte des Internets

Von 8. November 2013 um 10:22 Uhr
Zahl der Internetnutzer weltweit. Die Ländergrößen werden proportional dazu dargestellt. Die Farben zeigen die "Durchdringung" der Netznutzung pro Land, also wie viel Prozent der Bewohner im Internet sind.

Zahl der Internetnutzer weltweit. Die Ländergrößen werden proportional dazu dargestellt. Die Farben zeigen die “Durchdringung” der Netznutzung pro Land, also wie viel Prozent der Bewohner im Internet sind.

Die Welt des Internets ist zweigeteilt. Es gibt die Sphäre der Nutzer und die Sphäre der Domaininhaber, also jener, die das Netz mit Inhalten füllen. Das Verhältnis der beiden ist ungleich verteilt, wie Karten zeigen, die das Oxford Internet Institute (OII) veröffentlicht hat.

Die Mehrheit der Domains im Netz ist in Nordamerika und in Europa registriert – fast ein Drittel aller Websites weltweit gehört Menschen und Organisationen in den USA, schreiben Mark Graham und Stefano De Sabbata vom OII.

Die Mehrheit der Internetnutzer hingegen lebt in China, das Land stellt die größte Internetpopulation der Welt. Gleichzeitig sind dort nur wenige Domains zu Hause.

Die Wissenschaftler nutzen als Vergleich den Wert User pro Domain, der sich ergibt, wenn man die Zahl der Nutzer eines Landes mit der Zahl der Domains dort ins Verhältnis setzt.

Weltweite Verteilung der Zahl registrierter Domains pro Land

Weltweite Verteilung der Zahl registrierter Domains pro Land

Weltweit errechneten sie den Durchschnitt von zehn Nutzern pro Domain. In den USA liegt dieser Wert bei drei. In China hingegen sind es pro Domain 40 Nutzer. Dort seien weniger Websites registriert als beispielsweise in Großbritannien.

Dieses Missverhältnis zeigt sich überall: Die Inhalte werden von Amerikanern und Europäern dominiert, der Rest der Welt schaut zu. Italien und Vietnam zum Beispiel haben nahezu die gleiche Zahl an “Netzbewohnern”, aber in Italien sind sieben Mal so viele Websites registriert wie in Vietnam.

Das beobachteten sie sogar in Japan. Dort leben zwei Mal so viele Netznutzer wie in Großbritannien, es sind dort aber nur ein Drittel so viele Websites registriert wie im Königreich.

Insgesamt sind 78 Prozent aller Domainnamen in Nordamerika oder Europa beheimatet. Asien kommt noch auf 13 Prozent der Domains, in Lateinamerika, Ozeanien und Afrika sind es jeweils weniger als fünf Prozent. Und so gibt es in Afrika mehr als 50 Nutzer pro Domain – viele Konsumenten, kaum Produzenten also.

Insgesamt leben inzwischen 42 Prozent aller Netznutzer in Asien. Und dort ist auch noch viel Wachstum möglich, da gleichzeitig die Durchdringung in Ländern wie Indien und China gering ist, also nur vergleichsweise wenige Bewohner des Landes auch im Netz sind.

Es gebe, schreiben Graham und De Sabbata, eine starke Korrelation zwischen dem Pro-Kopf-Bruttoeinkommen eines Landes (Gross National Income per capita) und der Zahl der Domains. Das Netz hat die Möglichkeit, Inhalte zu verbreiten, stark vereinfacht. Geld kostet das aber noch immer. Und so ergibt sich im Verhältnis von Produzenten und Konsumenten eine fast koloniale Struktur.

Zur Berechnung verwendeten die Wissenschaftler Zahlen aus dem Jahr 2013, die von Matthew Zook von der University of Kentucky zur Verfügung gestellt wurden.

Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, wurden Domains von Ländern wie Tuvalu, Armenien oder Tokelau nicht berücksichtigt. Sie gehören zu denen, die weltweit gern registriert werden, weil ihre Domainendung so beliebt ist, oder weil die Registrierung nichts kostet. Domains mit .tv, .am oder .fm werden beispielsweise gern von Medienunternehmen aus aller Welt gebucht, .re von Réunion ist beliebt bei Immobilienmaklern, da es die englische Abkürzung für real estate ist.

Kategorien: Datenvisualisierung

Freedom of the Press Foundation bietet Code für anonymen Briefkasten

Von 16. Oktober 2013 um 16:09 Uhr

Nicht zuletzt Edward Snowden zeigt, wie wichtig sogenannte Whistleblower für eine aufgeklärte Gesellschaft sind. Manche Rechtsbrüche kommen nur ans Licht, wenn ein Insider sie publik macht. Da das – wie ebenfalls Snowden und vor allem Chelsea Manning belegen – gefährlich ist, braucht es anonyme Wege, um Sauereien öffentlich zu machen.

Die amerikanische Freedom of the Press Foundation hat nun ein Werkzeug veröffentlicht, um anonyme Datenspenden möglichst sicher zu machen. Entwickelt hat es der vor einiger Zeit verstorbene Hacker Aaron Swartz.

Swartz war ein begabter Programmierer und ein Aktivist der amerikanischen Netzszene, er hat unter anderem das Format RSS mitentwickelt und war bei Creative Commons beteiligt.

Eine seiner letzten Arbeiten war eben eine anonyme Postbox. Für das Magazin New Yorker entwickelte er das System namens Strongbox – unter der Bedingung, dass dessen Code open source sein solle, also allen zur Verfügung stehen. (Hier der Briefkasten des New Yorker)

Den Open-Source-Gedanken hat die Freedom of the Press Foundation nun vollständig umgesetzt. Sie hat das System geprüft und weiterentwickelt und bietet es unter dem Namen SecureDrop kostenlos jedem Medium auf der Welt an, zusammen mit Unterstützung beim Installieren und Hilfe beim Betrieb. Den Code getestet haben unter anderem der Sicherheitanalyst Bruce Schneier und der Entwickler von TOR, Jacob Applebaum.

New Yorker und Freedom of the Press Foundation sind nicht die Ersten, die erkannt haben, wie wichtig anonyme Kommunikationswege zu Lesern und Informanten sind. In Deutschland haben verschiedene Medien solche Briefkästen zum Teil bereits seit Jahren.

ZEIT ONLINE bietet einen an, der ebenfalls open source ist. Der Code kann von jedem kostenlos heruntergeladen und auf seiner Website installiert werden. Genau wie das System von Swartz steht auch der Code des ZEIT-ONLINE-Briefkastens beim Portal Github.

Kategorien: Datenjournalismus

Wie unsere Leser-Karte zu den Kitagebühren entstand

Von 19. September 2013 um 15:49 Uhr

Jedes Kind unter drei Jahren hat in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. So schreibt es das Kinderförderungsgesetz seit August dieses Jahres vor. So einfach es klingt, ist es jedoch nicht. Denn das Gesetz regelt nicht, wie die Kommunen diesen Anspruch umsetzen. Es gibt beispielsweise keine bundesweit einheitliche Gebührenordnung, auch die Betreuungszeiten können die Kommunen eigenständig festlegen.

Wir wollten deshalb wissen, was Eltern in Deutschland für die Kinderbetreuung ausgeben. Wo sind die Gebühren besonders hoch, wo sind sie besonders niedrig? Wie stark wird das Einkommen der Eltern berücksichtigt? Aber kein Experte, kein Institut wagt sich an diese Frage. Wir haben uns deshalb entschieden, Eltern selbst zu befragen.

Wir haben in der ZEIT und bei ZEIT ONLINE dazu aufgerufen, ein entsprechendes Formular auszufüllen. Wir wollten Folgendes wissen: die Postleitzahl der Gemeinde, die Anzahl der Kinder in der Familie, für welches Kind welche Kitagebühr gezahlt wird, das Alter des betroffenen Kindes und wie hoch die Kitagebühren in der Gemeinde maximal sind.

Die Daten liefen in ein Spreadsheet bei Google, welches hier eingesehen werden kann. Das Ergebnis ist beeindruckend: Trotz der komplexen Abfrage meldeten sich mehr als 2.400 Eltern bei uns. Sie haben uns über das Onlineformular nicht nur mitgeteilt, was sie für die Kinderbetreuung ausgeben, sondern auch wichtige Hinweise für unsere Recherche gegeben. Sie erzählten uns von drastischen Gebührenerhöhungen, frechen Stadträten und zu wenigen Betreuern.

Wir sind den Hinweisen der Leser nachgegangen und haben Gebühren in armen und reichen Kommunen verglichen, mit Jugendämtern telefoniert und mit Bildungsexperten diskutiert. Viele Angaben aus dem Datensatz haben wir nachrecherchiert. Durch die Analyse der Daten ist aufgefallen, dass die Eltern im Osten weniger zahlen müssen als im Westen. Wir wollten von den Kommunen wissen: Wie setzen sich die Gebühren zusammen? Was ist der Grund für den Unterschied? Es zeigte sich, dass die Kitagruppen im Osten sehr viel größer sind. Damit spart man Personal.

Auch ist klar geworden: Es scheint eine Rolle zu spielen, wie stark eine Kommune verschuldet ist. Ein Vergleich zwischen den Leserdaten und einer Liste der besonders stark verschuldeten und der schuldenfreien Städte zeigte das deutlich.

Am Ende entstand eine Deutschlandkarte, die zeigt, was die Leser von ZEIT und ZEIT ONLINE für die Betreuung ihrer Kinder unter drei Jahren pro Monat zahlen müssen. Je nach Bundesland unterscheiden sich die Gebühren um mehrere Hundert Euro.

Die Karte erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie ist weder repräsentativ, noch genügt sie wissenschaftlichen Standards. Aber sie spiegelt die Lebenswirklichkeit unserer Leser wider. Zusätzlich zur Deutschlandkarte gibt es eine ausführliche Analyse und weitere Grafiken, die zeigen, wie stark sich die Gebühren von reichen und armen Kommunen unterscheiden.

Wir wollen weitere solcher Datenprojekte starten. Welche Recherche könnten wir mithilfe unserer Leser als Nächstes angehen? Bei welchem Thema würden Sie uns wieder so engagiert unterstützen? Ihre Vorschläge können Sie gerne in den Kommentaren hinterlassen. Oder sie schreiben uns eine E-Mail an online-wirtschaft@zeit.de.

Kategorien: Datenjournalismus