Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.

Die letzte Kippe – “f6” und dann Schluss

Von 19. Dezember 2012 um 11:26 Uhr

Liebe Leute, heute geht es mal wieder um eine alte Ostmarke. Ganz bestimmt wird dieser Text nicht der letzte seiner Art sein. Mit ihm aber nimmt – versprochen! – ihr Ende seinen Anfang.

Um ostdeutsche Produktmarken ging es – nicht nur hier – schon zur Genüge. Denjenigen unter Euch, denen das zum Hals raushängt, kann ich nun aber sagen: Haltet aus! Nicht mehr lange werdet Ihr mit Rotkäppchen, Halloren-Kugeln oder f6-Kippen belästigt.

Schließlich handelt es sich bei den wenigen überlebenden Ostprodukten meistens um Alkohol, Dick- oder Lungenkrankmacher, um Produkte also, denen die Gesundheits-Jakobiner unserer Zeit bald den Garaus machen. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Dabei bleibt's - f6 im antiken Gewand

Wovon ich rede? Als Mitte November Philipp Morris ankündigte, Ende des Jahres die Ost-Zigarettenmarke “f6” fast komplett einzudampfen und nur die aus DDR-Zeiten bekannte Marke als “f6 Original” zu erhalten, da dachte ich zuerst: Ätsch! Euer ganzer Marketing-Zinnober – hat wohl doch nichts getaugt.

Die nach der Übernahme der Dresdner Zigarettenfabriken 1990 entwickelte f6-Markenfamilie – die bunte "Color Family" – wird ausgedrückt und in die Marke "Chesterfield" überführt. "Blue", "Fine" und "full flavor" (ehemals "red" und "sun") sowie die "f6 menthol" – der ganze Budenzauber – ist demnächst also Geschichte. Nur das echte Ost-Ding läuft also, hatte ich mir gedacht: Back to the roots, back to where the fl…

Na ja, da hat der olle Ossi ganz kurz frohlockt, dann aber doch noch mal überlegt. Denn ganz so ist es natürlich nicht. Tatsächlich hatten sich f6 lange besser geschlagen als frühere Ostkollegen wie Club, Cabinet oder Juwel. Zwischenzeitlich waren die Marlboro-Macher aus den USA mit der Marke bei rund 18 Prozent Marktanteil im Osten. Und im ganzen Deutschland rangierte die Markenfamilie sogar mal unter den ersten zehn.

Der alten f6 hatte sicher geholfen, dass sie kaum verändert worden war. Packung, der kurze Filter, ihr Geschmack, kaum etwas wurde westlichen Gepflogenheiten angepasst. Allerdings musste man die Schachtel vor dem Öffnen nicht mehr durchklopfen, um den rausgefallenen Tabak wieder in die Röhrchen zu befördern. Auch die Tatsache, dass f6 in weiten Teilen der DDR knapp und daher begehrter waren als ihre 3,20er-Schwester Cabinet oder die teureren Club, dürfte ihren Erfolg nach 1990 teilweise erklären.

Der aber scheint langsam zu Ende zu gehen. Die Philip Morris GmbH in Gräfeling bei München teilt uns heute mit, dass ihr die Entscheidung zwar "schwer gefallen ist", sie sich aber aus der Marktentwicklung ergebe. Die Anteile der "f6 Original" wie auch der Markenfamilie sinken demnach seit Jahren. Der Konsument frage eher internationale Marken nach. Darum also Chesterfield, established 1896. Und die f6, eingeführt 1958 in der DDR, wird bald wie andere lokale Philipp-Morris-Marken allein vor sich hin qualmen, wie Diana in Italien, Assos in Griechenland oder Petra in Tschechien.

Pechschwarze Zukunft

Hinter der Entscheidung könnte aber auch noch etwas anderes stecken. Sollte sich nämlich die EU-Kommission mit ihren Plänen für eine neue Richtlinie durchsetzen, dürften alle Zigarettenschachteln bald gleich eklig aussehen. Wenn nur noch 20 Prozent der Verpackung dafür frei sind, dürfte Markenpflege alten Stils am Ende sein. Brüssel will Zigaretten-Marken weitgehend ununterscheidbar machen. Mehr als ein Logo oder Namenszug soll neben schwarzen Totgeburten und verpesteten Lungen nicht mehr erkennbar sein, am allerwenigsten ein Hinweis auf "frisches" Menthol.

Vielleicht positioniert sich Philipp Morris ja auch darum neu. Vielleicht dampft man die "f6"-Marke schon jetzt auf das ein, was noch eine Weile ohne Zusatz funktioniert. Auf Investitionsschutzklagen gegen Brüssel dürfte man – anders als in Australien – hier wohl kaum setzen. Und wenn dann der letzte ostdeutsche f6-Raucher seine finale Kippe ausgedrückt hat, wird mit ihm wohl auch seine Lieblingsmarke verschwinden.

Womöglich befinden wir uns ja überhaupt am Ende einer Zigaretten- und Zigarettenmarken-Kultur. Und wenn es so kommt, wird es wohl auch nicht mehr lange dauern, bis auf Rotkäppchen-Flaschen nur zirrhotische Lebern und auf Halloren-Kugeln statt Mozart nur noch adipöse Wabbelbäuche abgebildet werden dürfen. Da können Martenstein und Pfaller reden, was sie wollen. Die Wohlfahrtsausschüsse arbeiten... Und wir werden über solche Ostprodukte dann natürlich kein Wort mehr verlieren. Versprochen!

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ja, auch bei uns im Westen bleibt nicht alles ewig brüderlich verbunden.

    • 20. Dezember 2012 um 15:48 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  2. 2.

    Lieber Kristian, wie alt bist denn du? Ich vermute du kennst die innerdeutsche Grenze nur von Erzählungen deiner Eltern.

    Woher kommt deine Abneigung?

    • 20. Dezember 2012 um 16:31 Uhr
    • Renato
  3. 3.

    @ abgesehen davon, dass ich die Frage nicht verstehe, woher meine Abneigung (gegen was denn eigentlich?) kommt, bin ich doch deutlich älter als die „neuen Bundesländer“. Wer diesen Text aufmerksam liest, wird bemerken, dass ich noch weiß, was f6 in der DDR gekostet haben und dass sie schlecht gestopft waren. Das haben mir meine Eltern (Club-Raucher) nicht erst erzählen müssen. Ich durfte auch schon zu DDR-Zeiten ganz legal rauchen… Und die innerdeutsche Grenze kenne ich besser, als mir lieb ist.

    • 20. Dezember 2012 um 21:29 Uhr
    • Kristian Schulze
  4. 4.

    „Ich vermute du kennst die innerdeutsche Grenze nur von Erzählungen deiner Eltern. Woher kommt deine Abneigung?“

    Merkwürdige Frage. Hatte die innerdeutsche Grenze auch etwas Positives?

    • 21. Dezember 2012 um 10:01 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  5. 5.

    Abneigung beziehe auf das eigentliche Thema, auf die schon fast beleidigende Meinung des Autoren, zu ostprodukten.

    Innerdeutsche Grenze wählte ich, um ihn aufzuzeigen, wie abstrakt seine Meinung ueber den Osten ist. Die Grenze ist spurlos verschwunden. Es sind deutsche Produkte.

    Bei diesen aussagen, erhalte ich den Eindruck, dass der Autor der innerdeutsche Grenze keine Abneigung entgegen gebracht hat.

    • 21. Dezember 2012 um 17:49 Uhr
    • Renato
  6. 6.

    Fuer den Autoren hatte die Grenze auf jeden fall etwas positives…
    Keine ostprodukte…

    • 21. Dezember 2012 um 17:52 Uhr
    • Renato
  7. 7.

    @ Renato:

    1. Sie scheinen immer noch nicht verstanden zu haben, dass ich auf der östlichen Seite der ehemaligen Grenze gelebt habe und das ist noch heute so. Früher hatte die Grenze in Bezug auf Produkte für mich also etwas negatives: Nur Ostprodukte!

    2. Ich habe keine Abneigung gegen Ostprodukte. Es gibt vielmehr Menschen, die unsere ständigen Debatten darüber nerven, Sie gehören ja offenbar dazu, wenn Sie meinen, das seien alles „deutsche Produkte“. Auf diese Abenigung habe ich – für Sie aber scheinbar nicht deutlich genug – ironisch angespielt.

    3. Sind für Sie ein Paulaner oder eine Weißwurst eigentlich bayerische oder deutsche Produkte?

    • 22. Dezember 2012 um 00:18 Uhr
    • Kristian Schulze
  8. 8.

    Zu 1. doch das habe ich schon herausgelesen.

    Zu 2. dann muessen sie aber noch an ihrem Stil feilen. Ironie konnte ich ihrem Text nicht entnehmen.

    Zu 3. sind es fuer sie keine deutschen Produkte? Sicherlich ist die Nachfrage in dieser Region am groessten, ein Bayer wuerde aber darüber nicht so unverständlich ironieren…

    Haette ich gewusst dass es ein satireartikel ist, haette ich ihn nicht gelesen. Uebrigens bin ich aus den alten Bundesländern

    • 22. Dezember 2012 um 12:17 Uhr
    • Renato
  9. 9.

    Ostmarke hin und her: Wenn man so will, ist Kölnisch Wasser 4711 auch nicht mehr up to date, weil es nach einer Generation riecht, die in die Jahre gekommen ist. Unter der ehemaligen Zigarettenmarke Camel werden jetzt Schuhe und Herrenmode verkauft und, wenn man so will, wird es auch bald keinen Opel mehr geben. Alle Marken haben eine ansteigende Phase, eine Sättigungsphase und eine abnehmende Phase. Manche überleben in einer Nische.

    So war es mit dem Römischen Reich, der DDR und so wird es auch mit unserer EU sein. Es wird die Erinnerung bleiben. Und, was die DDR betrifft, die Erinnerung an den Trabbi, an die F6 und an die Mauer.

    Aus gutem Grund ist die Salem rund.

    • 23. Dezember 2012 um 14:29 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  10. 10.

    Für jede Zigarette die nicht mehr geraucht werden kann !muss! man dankbar sein.

    • 29. Dezember 2012 um 09:12 Uhr
    • dagoli
  11. 11.

    Also mir scheint in den Kommentaren ist das Thema verloren gegangen. Es ging um die Markenänderung der f6. Das ist kein ostdeutsches Thema, sondern die Frage wie sich ein Tabakkonzern seine Stammkunden verringern wird. Ich bin (war) f6 blue Raucher und habe mir seit einigen Wochen die „lächerlichen“ Zettelbeilagen der Packungen angesehn. Es heißt gleicher Geschmack nur neuer Name“. Leider stellt sich raus, das die grünen f6 (nicht das alte Original) und die recht leichten blauen f6 jetzt Chesterfield blue sind, also schön zwei zu einer Sorte gemacht. Somit glatt gelogen und man schmeckt es auch.
    Ich suche mir eine neue Marke oder werd glatt aufhören zu rauchen. Solche Experimente auf Kosten der Kunden sollen die Konzerne mal selber spüren. Es geht meinem halben rauchendem Bekanntenkreis übrigens genauso…..

    • 8. Januar 2013 um 12:12 Uhr
    • f6 in Leipzig
  12. 12.

    nichts weiter als kundenverarsche. da werden 2 unterschiedliche produkte zu einem zusammengefasst, dass weder dem einen noch dem anderen ursprünglichen entspricht, und dabei wird mit „die verpackung ist neu, am geschmack ändert sich nichts“ geworben. noch dazu hat sich die zahl der zusatzstoffe nahezu verzehnfacht. bin jedenfalls weg vom PM konzern…

    • 18. Januar 2013 um 07:48 Uhr
    • raucher
  13. 13.

    Warum antworten hier Leute, die den Text oben nicht kapiert haben??? Ich persöhnlich rauche f6 light seit 20 Jahren und die neuen „der Geschmack beibt…Chesterfield“ schmecken wiederlich! Und um mal dieses Ost-West gibt es nicht mehr Thema anzusprechen, f6 light gab es im „Westen“ nicht zu kaufen! Weil es ein „Ostprodukt“ war??? Alle „Westprodukte“ gibt es hier im „Osten“ zu kaufen, darüber sollte man erstmal nachdenken bevor man sagt deutsches Produkt.

    • 25. Januar 2013 um 15:31 Uhr
    • Jenny
  14. 14.

    Ich habe den Eindruck, es geht gar nicht nur um Ostprodukte, sondern um eine generelle Abneigung gegenüber dem Osten. Jeder, der versucht hat dir seine Meinung zu schreiben, wird nicht reflektiert, oder evtl.angeregt zu einem Austausch, weil deine Antworten nur ohne Inhalt und komplett intolerant sind. Glaubst
    du, denn wirklich, dass alles was dort produziert wurde, nur schlecht war? Warum haben sie sich denn solange bewährt. Sind doch nur wenige, die auch verschwinden. Ich empfehle, dass Du Dich mit dem Osten erstmal vertraut machst, auch mal den Schritt wagst, die nicht mehr vorhandene Grenze zu überschreiten und mal Urlaub machst und die Produkte und Menschen kennenlernst! Dann kannst weiter labbern. Und wenn du die Geschichte besser wüsstest, dann ist ist vielleicht das Klo oder das Schlafzimmer deiner Eltern aus den 70gern aus dem Osten. Du hast Null-Ahnung und machst einen Blog? Ganz dumm…

    • 14. Februar 2013 um 23:19 Uhr
    • Gunni
  15. 15.

    Wird mein Kommentar nicht veröffentlicht?

    • 15. Februar 2013 um 00:04 Uhr
    • Gunni
  16. 16.

    Frage: wird mein Kommentar freigegeben? Wenn nicht, warum? Es kann ja geschnitten werden, wenn der Kontext bleibt, ansonsten armseliger Möchte-Gern-journalist!!

    • 15. Februar 2013 um 00:30 Uhr
    • Gunni
  17. 17.

    ich finds ne sauerei. wegen denen muss ich mit dem rauchen aufhören. oder hamster kaufen. bleibt nur der wechsel zu cabinet, wenns ost sein soll und keine west

    • 18. Februar 2013 um 14:20 Uhr
    • Andreas Deicke
  18. 18.

    bin sehr enttäuscht, nachdem es die Schachtel f6 blue nicht mehr gab, bin ich dazu über gegangen, selbst zu stopfen mit f6 fine flavor. Jetzt finde ich in der Dose einen Zettel, dass auch das zu dem Mist Chesterfield wird. Also erst mal schnell Hamsterkauf und dann ist der Zeitpunkt gekommen, gar nicht mehr zu rauchen. Alles andere was ich probiert habe, war nicht mein Ding.

    • 9. März 2013 um 05:59 Uhr
    • Krokodil
  19. 19.

    ich möchte mich der Meinung anschließen , dass es mehr als nur „sehr schade“ ist wieder etwas vertrautes zu verlieren . Wer sein leben lang beim gleichen Becker sein
    Brot gekauft hat und dies von heut auf morgen nicht mehr kann , der wird etwas vermissen. Wer das nicht versteht , kann auch nicht verstehen wie sich ein „Ossie“ fühlt
    wenn man ihm seine F6 nimmt .
    Viel zu viel wurde uns schon genommen , erst das Land und die Eigenständigkeit, die Ehre und unser Eigen , dann die Arbeit und Hoffnung und jetzt auch noch F6.

    Ich möchte mich hier bei allen Tabak-Verkaufstellen bedanken , die eine der beliebtesten deutschen Zigarettenmarken nie angeboten haben .

    DANKE

    • 22. März 2013 um 19:32 Uhr
    • MZPIRAT
  20. 20.

    „Viel zu viel wurde uns schon genommen, erst das Land und die Eigenständigkeit, die Ehre und unser Eigen , dann die Arbeit und Hoffnung und jetzt auch noch F6.“

    Ja, alles hat sich in Rauch aufgelöst. Armer „Ossie“. Was ist eigentlich aus den Mondos geworden?

    • 26. März 2013 um 11:35 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  21. 21.

    Leider. Schon wieder. Jetzt muß ich mich auch noch nach einer neuen Zigarettensorte umsehen. Ich bin mit 29 Jahren 1991 in den Westen gezogen. Es war hier in NRW noch nie möglich, F6 an einer x-beliebigen Tankstelle oder im Supermarkt zu kaufen. Jedoch konnte ich sie immer noch über das Internet beziehen.
    Chesterfild habe ich probiert… das ist nicht F6! Auf gar keinen Fall werde ich darauf umsteigen. Eher gewöhne ich mir das Rauchen ab, u.a. damit der Konzern nicht weiter an mir verdient. Jedes Bundesland hat ganz spezielle, regionale Produkte. Ich kann nicht verstehen, warum es nicht einzusehen ist, dass z. B. die F6- Zigaretten etwas mit der Rauchkultur des Ostens zu tuen haben.( Immerhin: Fans in 5 Bundesländern und den vielen, die aus verschiedenen Gründen in den Westen ziehen wollten oder aber auch mussten.)

    • 1. Mai 2013 um 02:45 Uhr
    • Iris
  22. 22.

    Die Wessis und die Marktwirtschaft. Was ist das denn hier für ein Ost-feindlicher Verein ? Der Osten hatte immerhin qualitative Produkte und keinen WestRamsch … Und langsam aber sicher wird nun diese Qualität von den Wessis das Klo runtergespült. F6 war eine sehr leckere Zigarette. Der Parfümierte Chesterfield Quatsch den man jetzt bekommt kann man nur zum Hintern abwischen benutzen.

    • 14. April 2014 um 19:01 Uhr
    • Ossi
  23. Kommentar zum Thema

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