Man muss ja nicht immer reden

Nichts für schwache Mägen

Von 29. März 2006 um 12:10 Uhr

Im US-Bundesstaat South Dakota, bislang schon mit den strengsten Abtreibungsgesetzen gesegnet, wurde Anfang März ein noch schärferes Gesetz verabschiedet, nach dem ein Schwangerschaftsabbruch nur noch dann erlaubt ist, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

Seither kursiert im Netz ein TV-Beitrag, in dem mehrere Senatoren und Experten zu Wort kommen. Unter anderem der republikanische Senator Bill Napoli. Das Video steht unter anderem bei Susie Bright, hier gibt es eine Abschrift des gesamten Beitrages.

Was Napoli an Unglaublichem von sich gibt, lässt nur noch fassungslos den Kopf schütteln. Er beschreibt, unter welchen Umständen er eventuell, vielleicht, wenn er einen besonders guten Tag hätte, eine Abtreibung als ok ansehen würde - und man hat beinahe das Gefühl, als ob ihm bei der Schilderung dieses Szenarios der Sabber aus den Mundwinkeln tropfen würde.

BILL NAPOLI: "A real-life description to me would be a rape victim, brutally raped, savaged. The girl was a virgin. She was religious. She planned on saving her virginity until she was married. She was brutalized and raped, sodomized as bad as you can possibly make it, and is impregnated. I mean, that girl could be so messed up, physically and psychologically, that carrying that child could very well threaten her life."

Etwa: "Eine mögliche Beschreibung wäre für mich ein Vergewaltigungsopfer, brutal und grausam vergewaltigt. Das Mädchen war Jungfrau. Sie ist religiös. Sie hatte vor, ihre Jungfräulichkeit bis zur Ehe zu bewahren. Sie wurde brutal behandelt und vergewaltigt, anal und oral* so schlimm missbraucht, wie es nur irgendwie geht, und geschwängert. Dieses Mädchen könnte so fertig sein, physisch und psychisch, dass es ihr Leben bedrohen könnte, würde sie das Kind austragen."

* Vermutlich hat er eher "nur" anal gemeint.

Besteht Hoffnung, dass solche selbstgerechten Reaktionäre irgendwann einmal aussterben oder wachsen die immer wieder nach? Und gibt's die in dieser Wahnsinnsstufe auch bei uns?

Mit Dank an sistasilk für den Link.

Kategorien: Wundern, heftiges
Leser-Kommentare
  1. 1.

    geh in wien an der bestimmten adresse am fleischmarkt vorbei … da findest du diesen typ verrueckter auch. :-(

    • 29. März 2006 um 13:15 Uhr
    • margot
  2. 2.

    Und wieder einer dieser Momente, wo ich den Wunsch hege, Kopf einer kleinen, aber feinen Schlägertruppe zu sein (gerne mit mafiosem Einschlag). „Luca“ würde ich dann sagen „sei doch so lieb und statte dem Herrn einen Besuch ab. Einen, an den er sich erinnert …….“
    Irgendwie hab ich das Gefühl, das mit diesen Leuten REDEN schon lange vergebens ist.

  3. 3.

    Irgendjemand muss ja den Senator gewählt haben… Daher ist er wohl nur die Spitze des Eisbergs… Welch traurige Welt…

    • 29. März 2006 um 14:19 Uhr
    • diego
  4. 4.

    Nun mal langsam, wenn ich mich recht entsinne, wird selbst in den USA demokratisch gewählt. Die Bürger des Bundesstaates South Dakota wünschen keine Abtreibung mehr, dann sollte das auch akzeptiert werden. Die Abtreibungsfrage ist eine ethische Entscheidung und sollte als solche auch akzeptiert werden. Sollte in hundert Jahren der großteil der westlichen Welt auf einmal darauf kommen, dass Abtreibung nicht mit der jeweiligen Ethik vereinbar wäre, so hätte man sich in South Dakota nichts vorzuwerfen.

    Ich wundere mich ebenso, dass die Rechte der Behinderten nicht weiter beachtet werden. Wenn man mal davon ausgeht, dass viele Kinder wegen einer Behinderung abgetrieben werden, ist das ein entschiedener Tritt in das Gesicht von lebenden Behinderten. Damit wird deren Leben ebenfalls als nicht erwünscht abgestempelt.

    • 29. März 2006 um 15:47 Uhr
    • Bernd
  5. 5.

    „sollte in hundert jahren der großteil der westlichen welt darauf kommen, dass abtreibung nicht mit der jeweiligen ethik vereinbar wäre…“ *brrr* da kriege ich erst recht keine lust, nachkommen in die welt zu setzen… *grusel*

    • 29. März 2006 um 16:45 Uhr
    • Agrippina
  6. 6.

    „anal und oral“ – Das ist schlimm. Aber wie wurde sie dabei schwanger?

  7. 7.

    Diese selbstgerechten Wichser gehn mir derartig auf die Nüsse…
    So wie der klingt, ist da auch mehr geflossen als nur Sabber, klingt eher so als ob er die Hose wechseln müßte.
    Fast möchte ich sagen, Gott sei Dank ich lebe in Deutschland. Doof* das Atheist bin.

    *Nur in diesem Fall doof! Ansonsten bin ich nicht wirklich traurig darüber. Bitte, bitte jetzt keine Bekehrungsversuche!!

    • 29. März 2006 um 18:25 Uhr
    • Roland
  8. 8.

    @ Erwin Lottemann
    Zu ihrem Glück wurde sie ja auch noch entjungfert und in weiterer Folge geschwängert. Nur anal und oral vergewaltigt werden ist ja nicht so schlimm. (Und würde auch nicht den hier thematisierten Tatbestand der Schwängerung erfüllen.)

    • 29. März 2006 um 19:32 Uhr
    • Sigrid Neudecker
  9. 9.

    @Agrippina: wi esieht es aus mit der Züchtung von Übermenschen? Hat man das nicht auch vor 50 Jahren wieder aufgegeben? Zumindest ist diese Art von Fortpflanzungstherie heute nicht unbedingt in Deutschland gefragt.

    Wer legt fest was ein Mensch wert ist? Gibt es eine Punkteliste? Ab soundsoviel Punkten ist ein Mensch liebenswert? Oder für die Gesellschaft von Gebrauch?

    @Roland: Was heißt selbstgerecht? Es sollte die Aufgabe einer Gesellschaft sein für alle zu sorgen. Nur wenn sich jeder selbst überlassen ist, muss er/sie anfangen nur noch für sich selber zu denken. Das gleiche gilt für ungeplante Kinder, egal mit welchem Hintergrund. Eine Abtreibung ist natürlich für die Gesellschaft der leichteste Weg, man entledigt sich einfach des schwächsten Gliedes.

    • 29. März 2006 um 19:34 Uhr
    • Bernd
  10. 10.

    Ich bedauere diese polarisierenden Meinungen dieses Artikels. Woran will man „wahren“ Humanismus messen? Wo fängt ethische und menschliche Politik an, wo hört sie auf? Wenn man sich hier in unserem Land umschaut, ist die politische Führung besser?

    Frauen müssen über sich selbst entscheiden dürfen, was würde Bill Napoli sagen, wenn man die „Benutzung seines Spermas gesetzlich reglementieren würde?

    Ich bin durchaus gegen diese Polemik, bin aber der Meinung, wenn man über den großen Teich schaut und diese Politiker verurteilt, darf man die Augen im eigenen Land nicht verschließen.

    • 29. März 2006 um 20:44 Uhr
    • Rooster
  11. 11.

    Wenn ich rooster richtig verstanden habe, dann kann ich ihm nur zustimmen. Jede Frau kann, denke ich, sehr gut darüber entscheiden, ob eine Abtreibung für sie vertretbar ist oder nicht. Einen gewissen Rahmen sollte der Gesetzgeber vorgeben, aber den sollte man nicht so eng zurren wie das die Amis vormachen. Und die Kirche soll dazu ihren Mund halten.

    • 29. März 2006 um 22:12 Uhr
    • Jander
  12. 12.

    @Jander: Ach, die Frau kann entscheiden ob die Abtreibung für SIE vertretbar ist? Und wer fragt, ob das für das ungeborene Kind vertretbar ist?

    • 30. März 2006 um 07:13 Uhr
    • das Brot
  13. 13.

    mal vorab ganz abgesehen vom eigentlichen Kind: Es soll ja auch noch sowas wie Vaeter geben, die ihr vieleicht urspruenglich nicht gewolltes Kind dann vieleicht doch noch wolle…

    Keine Frage, es ist fragwuerdig und paradox wenn gerade ausgerechnet Maenner oder Kirchenfanatiker den Frauen bis ins Detail vorschreiben wollen ob sie abtreiben duerfen oder nicht. Nur manchmal hab ich das Gefuehl, dass das Thema Abtreibung auch von vielen Frauen in Rahmen der Emanzipation massiv instrumentalisiert wird. So nach dem Motto: „Abtreibung auf Teufel komm raus legalisieren (ohne Beruecksichtigung der Umstaende), alles andere unterdrueckt die Frauen …. “

    Letztenendes reden wir ja hier immer noch davon einen Menschen zu toeten (geboren oder nicht geboren ist ja wohl mal irrelevant) und auch einem Vater damit das Kind wegzunehmen. Sicherlich traegt „die Frau“ die massive Hauptlast (nicht nur durch die Schwangerschaft), aber teilweise klingen einige Leute so, als waere sie EINZIGE Beteiligte und duerfte folgerichtig ALLEINE entscheiden.

    Ein Standpunkt, der letztenendes meiner Meinung nach genau so bescheiden ist wie irgendein fanatischer, religioes-bedingter Abtreibungshass.

    Ich bin uebrigens weder kategorisch dafuer noch dagegen. Dafuer ist das Thema viel zu kompliziert.

    PS: Das aendert natuerlich nix daran das der Hr. Napoli da oben gewaltig einen an der Klatsche hat…

    • 30. März 2006 um 09:16 Uhr
    • kaneda
  14. 14.

    aeh der vorvorletzte Satz sollte heissen:

    …aber teilweise klingen einige Leute so, als waere sie EINZIGE Beteiligte und duerfte folgerichtig IMMER alleine entscheiden.

    ‚ne Edit Funktion waere praktisch 😉

    • 30. März 2006 um 09:19 Uhr
    • kaneda
  15. 15.

    @Jander: Natürlich wird hier polarisiert, das fing ja schon mit dem Blogeintrag an. Aber wie soll ich meinen Mund halten, wenn ich Unrecht sehe? Eine Abtreibung ist gleichzeitig die Beendigung eines zukünftigen Menschenlebens. Das ist dann nicht mehr nur die Entscheidung der Frau sondern die des Gesetzgebers. Und m.E. hat die Gesetzgebung versagt, es gibt nur schwammige Aussagen, mit denen man jede Richtung vertreten kann. Was die Kirchen betrifft, so ist es deren primäre Aufgabe dem Menschen Schutz zu bieten. Immerhin gilt es der Kirche Leben zu retten und das geht natürlich nur, wenn Menschen eine Gelegenheit bekommen überhaupt geboren zu werden.

    • 30. März 2006 um 09:23 Uhr
    • Bernd
  16. 16.

    Zuerst die Lebenden, dann die Ungeborenen.

    • 30. März 2006 um 09:46 Uhr
    • diego
  17. 17.

    frei nach dem Motto: Wer’s staendig fahrlaessig „treibt“ weil er Gummis sch*sse findet, darf sich nachher trotzdem munter aus der Verantwortung stehlen und fleissig abtreiben.

    Jau.

    • 30. März 2006 um 09:59 Uhr
    • kaneda
  18. 18.

    @diego: Ungeborene Leben also nicht? Du weißt ab welchem Monat ein Ungeborenes auch außerhalb der Gebärmutter lebensfähig ist?

    • 30. März 2006 um 10:09 Uhr
    • Bernd
  19. 19.

    Man kann natürlich alles so interpretieren, dass es einem in den Kram passt und willentlich die Formulierung für die eigenen Zwecke missbrauchen. Gell, liebe/r Kaneda.

    Eine Frau hat das alleinige Recht auf Ihren Körper: Kein Staat und keine Religion haben ein Recht darauf.

    Wenn sich eine Frau für eine Abtreibung entscheidet, macht sie das sicher nicht aus Spass. Dafür ist der Eingriff in physischer und psychologischer Hinsicht zu massiv.

    • 30. März 2006 um 10:15 Uhr
    • diego
  20. 20.

    Das keine Frau sowas aus Spass macht ist schon klar.
    Ich finde nur letztenendes kommt eben immer das Totschlag-Argument „Eine Frau hat das alleinige Recht auf Ihren Körper“ (oder die verschiedenen anderen Versionen davon) und damit ist das Thema dann beendet.

    Dann bitte sagst es doch wenigstens direkt: Jede Frau kann abtreiben wie sie will. Scheissegal was der Mann sagt, und bis zu einem gewissen Alter auch scheissegal was mit dem Kind ist. Scheissegal unter welchen Umstaenden sie schwanger wurde. Weil darauf laeuft es dann ja hinaus, oder?

    Wohlgemerkt: Das bezieht sich jetzt auf das Totschlagargument. Das da an sich was wahres dran ist, ist mir schon klar. Nur wie ich bereits sagte, wird die Diskussion oft letztenendes nur darauf reduziert (von Seiten einiger Frauen). Das finde ich genauso ignorant und einseitig wie das Gebrabbel irgendwelche religioes-verblendeten.

    Ich finde „man“ macht es sich halt zu einfach, wenn man es darauf reduziert. Es sind nunmal zwei Menschen an der Enstehung beteiligt und am „Endresultat“ sogar drei (um es mal so zu formulieren). Da sollte man dann zumindest irgendwie Fahrlaessigkeit und dergleichen versuchen auszuschliessen.

    Wie gesagt, das Thema ist schon sehr kompliziert, die allgemeingueltige Ueberloesung habe ich auch nicht parat. Man sollte aber zumindest drueber reden…

    • 30. März 2006 um 11:05 Uhr
    • kaneda
  21. 21.

    Und wenn man ungewollt schwanger wird? Trotz Verhütung (oder durch eine Vergewaltigung)? Mit 16 oder so? Ich denke, dass es genug Mädchen gibt, die mit einem Kind total überfordert wären.
    Klar gibt es auch diejenigen, die unvorsichtig sind und dann schwanger werden, aber kann man doch nicht nur wegen denen Abtreibung ganz verdienen

    Ich selber würde nicht abtreiben, auch jetzt nicht, aber ich respektiere wenn Frauen das wollen, weil ich denke, sie haben sich schon Gedanken gemacht- der angenehmste Eingriff ist eine Abtreibung woh, auch nicht

    • 30. März 2006 um 11:16 Uhr
    • Yvonne
  22. 22.

    In der perfekten Welt ist es so: Wenn ein Mann keine Kinder will, dann zieht er sich einen Gummi über. Ganz einfach. Die Fälle, wo die Frau sagt, sie würde die Pille nehmen oder könne gar nicht schwanger werden o.ä., sind vermutlich geringer, als uns die dramatisierten Einzelfälle weismachen wollen.

    Wenn beide keine Kinder wollen, verhüten beide, oder machen sich vorher aus, wer von beiden das übernimmt. Das ist immer noch die einfachste Lösung, bevor man sonst zu invasiveren Maßnahmen greifen muss. Ich weiß, das wird bei der Abtreibungsdiskussion gern unter den Tisch gekehrt, dass ein Bruchteil aller Abtreibungen überhaupt sein muss. Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, sondern erst gar nicht reinsetzen.

    Aber das mit der perfekten Welt wird wohl noch ein bissl dauern und deshalb sind Abtreibungen ein Fakt. Was mich an der Diskussion am meisten stört, ist diese Haltung „Sobald eine Frau eine befruchtete Eizelle in sich trägt, muss sie zum Muttertier switchen, all ihre Interessen und Wünsche vergessen und sich für ihr Kind aufopfern.“

    Wenn ich wählen müsste zwischen einem (ich höre jetzt schon das Aufheulen) Zellhaufen und der langfristigen Verpfuschung meines Lebens (auch wenn eine Frau sich zur Adoption entschließt, muss sie vorher neun Monate Schwangerschaft durchmachen – ich habe mir sagen lassen, dass das nicht immer das pure Vergnügen ist), dann wäre für mich die Entscheidung klar.

    Und ich glaube ebenfalls nicht, dass sich auch nur eine Frau diese Entscheidung schon einmal leicht gemacht hat. Ich gehe auch davon aus, dass sie davor von allen möglichen Seiten bearbeitet wird. Und wenn wir all die tollen, vollmundigen Bekundungen mal beiseite lassen, bleibt es am Schluss sie, die die Entscheidung betrifft. Und die sie auch fällen muss.

    Es lebe die Pille.

    • 30. März 2006 um 11:25 Uhr
    • Sigrid Neudecker
  23. 23.

    das wir hier immer noch über die zuständigkeiten bzw. verantwortlichkeiten diskutieren, finde ich in unserer zeit für nicht mehr angemessen.
    das was aber kriminell ist, sind aussagen von menschen, die in den usa sogar einen senatorenposten bekommen. was für eine verrückte welt.

    • 30. März 2006 um 12:22 Uhr
    • justbewoman
  24. 24.

    Danke, Sigrid. Jetzt weiss ich wieder, warum ich diesen Blog lese.

    • 30. März 2006 um 12:58 Uhr
    • diego
  25. 25.

    Was wäre wenn nur Männer Kinder bekämen, Kirche und Politik fast ausschliesslich von Frauen dominiert wäre, Bill Napoli
    eine ungewünschte Schwangerschaft hätte, und eine Senatorin
    verlauten liesse: Nein mein Lieber, abtreiben ist nicht, du bist nicht ordentlich genug vergewaltigt worden und deine religiöse Einstellung genügt nicht den Anforderungen?
    Man möchte es diesem „Herrn“ einmal wünschen, zumindest in einer Real-Life Simulation, auch Alptraum genannt, zum besseren
    Nachvollziehen.

    • 30. März 2006 um 14:33 Uhr
    • Helene Cixous
  26. 26.

    Wer Kinder als Verpfuschen des Lebens bezeichnet hat eigentlich alles über seinen Geisteszustand klar dokumentiert.

    • 30. März 2006 um 16:16 Uhr
    • das Brot
  27. 27.

    Wer ungeplante, unerwünschte Kinder, vielleicht noch ohne jede Unterstützung und zu einem Zeitpunkt des Lebens, wo sie mehr als ungelegen kommen, als Gnade Gottes empfindet, hat wohl noch nie über seinen Tellerrand hinausgedacht und sich in die Situation von anderen Menschen hineinversetzt.

    • 30. März 2006 um 16:29 Uhr
    • Sigrid Neudecker
  28. 28.

    So, so Frauen können also nicht über ungeborene Föten entscheiden, Herren aber können es.
    Wer anderen unterstellt, Kinder generell als Verpfuschen des Lebens zu bezeichnen, sollte es noch mal mit einer korrekten
    Aussage versuchen, das würde dem Geisteszustand durchaus zu
    gute kommen. Auch von Fundamentalisten kann man erwarten,
    dass sie zumindest richtig zitieren.

    • 30. März 2006 um 18:05 Uhr
    • Helene Cixous
  29. 29.

    Mit einer gewissen Trauer muss ich feststellen, dass es in der heutigen Zeit eine immer noch große Diskrepanz hinsichtlich dieser Problematik gibt. Und ich befürchte, dass sich dies auch in 100 Jahren nicht ändern wird. Diese Thema ist besetzt mit sehr hoher Sensibilität und verbunden mit sehr persönlichen Einstellungen.

    Eines aber freut mich: Die einhellige Meinung über Mr. Napoli und dessen Arroganz und Ignoranz, resultierend aus einer höchst christlich-fundamentalistischen Haltung, die in den USA leider Gottes noch sehr weit verbreitet ist. (Siehe Umgang mit Schwulen und menschenrechtsverachtender Rassenhass etc.)

    Abgesehen von Ehefrauen, die wegen ihrer makellosen Figur lieber abtreiben lassen als das Kind auszutragen, befürworte ich diese. Frauen, die sich zu diesem Schritt entschließen, machen Schlimmes durch, und für sie ist es in dieser Situation der einzige Ausweg.

    Wir leben in der glücklichen Lage, fast ausschließlich Wunschkinder in die Welt zu setzen und diese dann auch dementsprechend liebevoll groß zu ziehen. Und dies soll auch in Zukunft so bleiben. Alles andere wäre ein großer Rückschritt.

    Trotzdem sollten Abtreibung eine Ausnahmen bleiben. Die Verhütungsmethoden sind ja vielfältig. Leider kosten sie auch Geld, was manchem Harz IV Empfänger mitunter Probleme bereiten wird. Es mutet schon grotesk an, dass Verhütung richtig ins Geld geht, Abtreibung dagegen aber kostenlos ist. Vielleicht sollten die Politiker hier mal ansetzen…wo sie sich doch eh grad damit so intensiv beschäftigen, ich meine mit der Preisgestaltung unser aller Gesundheit…Amen 😉

    • 30. März 2006 um 18:19 Uhr
    • haifischflosse
  30. 30.

    da hast du wohl recht sigrid, trotzdem ist es schade das menschen die
    macht der individualisierung auch dafür benutzten alles durchzuplanen und es nicht „passieren“ lassen, wenn sie nicht gut verdienend und seit 10 jahren in einer festen beziehung leben.

    ich glaube eine sache: ungeplante kinder machen eher glücklich als geplantes leben ohne kinder, weil man sich für das ungewisse entscheidet und häufig gegen die kohle für etwas anderes, sich nämlich selbst zu sehen. das soll nicht heißen das jeder der ungeplant schwanger wird nicht abtreiben darf, jenes liegt zu recht in der hand der frau. es ist nur schade das genau noch 2 schichten häufig kinder bekommen: die ganz unten und die ganz oben :(

    • 30. März 2006 um 18:20 Uhr
    • Sportbernd
  31. 31.

    Soo teuer find ich Verhütung auch nicht (Pille 6MonatsPackung=35€) und Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Abtreibung (300-400€) auch nicht in jedem Fall.
    Außerdem kann man in einigen städten eine Übernahme der Kosten beantragen, allerdings nicht überall.

    • 30. März 2006 um 19:41 Uhr
    • Yvonne
  32. 32.

    USA-Senatoren schwätzen viel, wenn der Tag lang ist. Und deutsche Politiker auch. Da findet man auf jeder Seite mal ein paar „ungelungene“ Zitate, wenn man lange genug sucht. Das sollte aber nicht dazu führen, dass man vor lauter Polemik nicht mehr auf die Fakten schaut. Was der Herr Senator zu dem Thema sagt, macht das Problem nicht einfacher.

    Was mich persönlich interessieren würde: Wieso sollte man das Kind nur im Bauch der Mutter – ich sage bewusst „töten“, obwohl man auch viele Synomyme finden kann, die das ganze nicht so grauenhaft aussehen lassen… – töten lassen, und danach aber nicht mehr? Es kann doch immer noch genauso Probleme machen, ungewollt sein, zu teuer sein, und was weiß ich noch alles. Also das wäre doch der nächste logische Schritt, oder? Wenn ich als Mutter mein Kind im Bauch umbringen darf, warum dann danach nicht mehr???

    In regelmäßigen Abständen liest man doch in BILD und Konsorten von Müttern, die ihre Kinder getötet, auf den Müll gelegt, versteckt, etc….haben. Warum dreht sich da bei uns allen der Magen um, und das zurecht!, während es uns zwei Monate später allenfalls ein Schulterzucken, manchmal sogar Beifall entlockt?

    Verrückte Welt…..

    • 30. März 2006 um 21:14 Uhr
    • Duke
  33. 33.

    @Duke: Abtreibungen gehoeren zu den Grenzfaellen fuer unsere Ethik. Deshalb kommt man da mit Argumentationen wie „aber wenn man da X macht, warum denkt man das nicht konsequent weiter und macht dort Y?“ nicht weiter. Ganz davon abgesehen, dass es schon einen Grund dafuer gibt, dass man in Deutschland nur bis zum 3. Schwangerschaftsmonat abtreiben darf.
    Eine Abtreibung _ist_ ein schwieriger Interessenskonflikt zwischen drei Parteien. Aber wie sollte der denn gehandhabt werden? Wer soll entscheiden duerfen? Der Staat? Wohl kaum. Das Kind? Kann man nicht fragen, davon abgesehen ist vor dem 3. Monat da noch gar kein Bewusstsein da, an das man die Frage richten koennte. Der Vater? Wohl kaum, denn auch wenn ich zustimme, dass ein Vater in einer idealen Welt die gleichen Rechte haben sollte wie eine Mutter, dann bleibt der Fakt, dass koerperlich-gesundheitlich nach wie vor die Hauptbetroffenen Mutter und Kind sind. Die Entscheidung kann letztlich nur die Mutter treffen. Was das Thema Abtreibung nicht weniger schwierig macht, aber das steht auf einem anderen Blatt.
    Und wenn ich jetzt hier im Forum durchhoere, dass dann doch aber die ganzen Schlampen, die sich nicht mal die Muehe machen, anstaendig zu verhueten, dann ja alle paar Wochen einfach in der Mittagspause eine Abtreibung machen lassen, und dass das ja wohl moralische-empoerung nicht sein koenne, dann sollen die Urheber dieser Untertoene doch bitte folgendes Bedenken: Eine Abtreibung ist, wie schon mehrfach erwaehnt, psychologisch und gesundheitlich kein Spaziergang. Es ist ein richtiger, echter medizinischer Eingriff, mit allen Risiken, und dazu fast immer eine psychische Belastung. Und: Abtreibungen macht man nur etwa zwei oder drei Mal bevor das Risiko, durch die Abtreibung fuer immer unfruchtbar zu werden, zu gross wird.
    Ich halte die deutsche Regelung fuer einen guten Kompromiss: Abtreibung bis zum dritten Monat und nur mit vorheriger Beratung.

    • 31. März 2006 um 10:01 Uhr
    • jane
  34. 34.

    In Deutschland? „Ohne jede Unterstützung“ Kinder kriegen? Dann dürfte der Rest der Welt überhaupt keine Kinder kriegen… Die Vollkasko-Mentalität kennt keine Grenzen… Im übrigen kann man das arme Menschlein immer noch zur Adoption freigeben. Egoismus und Ignoranz sind aber auch Meister aus Deutschland…

    • 31. März 2006 um 16:13 Uhr
    • das Brot
  35. 35.

    @Jane
    Sehe ich gar nicht so. Du weißt auch, dass die Ethik unserer Gesellschaft immer weiter ausgehöhlt wird, manchmal zum Guten, aber meistens zum Schlechten. Was vor 30 Jahren unmöglich schien, ist heute absolut normal, und in 30 Jahren wird es wieder so sein. Und ich glaube, dass eine, wenn auch perverse, Logik hinter meiner Frage liegt, die man auch auf andere Bereiche ausweiten kann (Behinderte, Alte, vielleicht irgendwann auch Kriminelle). Und genau deswegen muss man sich auch mit dieser Frage beschäftigen. Denn wenn man das so leicht abtut, wer verhindert dann, dass es wirklich soweit kommt???
    Und einen wirklichen Grund, warum man nur bis zum dritten Monat abtreiben darf, gibt es eigentlich nicht. Ob man im 2., 3. oder 4.Monat abtreibt, macht auch keinen großen Unterschied. Diese Regelung ist nur ein billiger Komrpomiß um das eigene Gewissen zu beruhigen.
    Ich weiß ganz genau, dass Abtreibung ein brutaler Interessenskonflikt ist, und ganz sicher keine leichte Angelegenheit, aber für mich persönlich gibt es eigentlich nur eine Lösung. Denn wenn ich auf der einen Seite die 9 schwierigen Monate der Frau nach einer Schwangerschaft und auf der anderen Seite das ganze Leben(!) eines ungeborenen Kindes habe, dann wiegt für mich das Leben des Kindes eindeutig schwerer! Ich bin absolut nicht dafür, die Frauen in dieser Situation alleine zu lassen, aber es gibt in 99,9 Prozent aller Fälle eine bessere Lösung als das „Verschwindenlassen“ des Babys, nur weil es das einfachste ist.
    Und gerade weil Abtreibung auch eine so große psychische und physische Gefahr für die Mutter ist, sollte man dreimal überlegen, bevor man so etwas übehaupt als die erste Option offenhält.

    • 31. März 2006 um 16:24 Uhr
    • Duke
  36. 36.

    @Bernd: Die Lebensfähigkeit eines Fötus ausserhalb der Gebärmutter taugt nicht als Argument, da sie extrem vom medizinischen Fortschritt abhängig ist. Folgte man der Argumentation wäre eine Abtreibung beispielsweise im 7. Monat noch vor wenigen Jahrzehnten demnach anders zu beurteilen gewesen als heute.

    • 31. März 2006 um 23:39 Uhr
    • Daniel Eckenar
  37. 37.

    tja, abtreibungen gibt es wohl schon genauso lange wie das älteste gewerbe der welt, also worüber aufregen? und mit sicherheit gibt es auch in south dakota freudenhäuser mit „hausarzt“.

    • 4. April 2006 um 15:27 Uhr
    • puffmutter
  38. 38.

    Die Tötung von Leben kann nicht gerechtfertigt werden. Eine vergewaltigte Frau, die abtreibt wird zum 2. mal vergewaltigt. Es gibt auch die Option der Adobtion etc.

    • 5. April 2006 um 11:36 Uhr
    • Ben
  39. 39.

    @Daniel: Hm, dann dürfen ungewollte Alte auch erschossen werden? Reich ja, wenn die Krebs haben oder nicht mehr aus dem Stuhl kommen, denn alleine würden die sich auch nicht mehr helfen können. Also, das Argument der medizinischen Versorgung zieht nicht.

    • 5. April 2006 um 12:52 Uhr
    • Bernd
  40. 40.

    Ich finde es unverständlich, wie hier ungeborene nicht fertige Menschen ohne Bewusstsein und Verstand mit lebenden Menschen mit einer Behinderung verglichen werden können.

    Wieso sollte eine Abtreibung NICHT erlaubt sein? Argumente bitte…

    Etwa weil daraus – wenn nix schief geht – später mal ein bewusst denkender Mensch werden könnte? Und wenn man Glück hat, sogar solch einer, der keine anderen Menschen umbringt…

    So gesehen könnte man auch früher ansetzen und Frauen zur Schwangerschaft zwingen, denn schließlich könnte aus jedem Ei ja ein Mensch entstehen.

    Diese „Wesen auf dem Wege zur Menschwerdung“ haben lange nicht soviel Intelligenz oder Bewusstsein wie hoch entwickelte Tiere, das sei mal angemerkt. Schert sich bei denen Jemand darum, wenn man sie schlachtet und aufisst?

    Argumente wie „ein Recht auf Leben“ gestehen sich Menschen komischerweise nur selbst zu, selbst denen, die noch nicht einmal Menschen im Sinne von Bewussheit/Gehirn sind.

    Aber gleichzeitig schauen dieselben Menschen ohne weiteres zu, wenn Abertausende Tiere getötet werden, viele sogar aus „Sport“.

    Wenn wir mal von Aliens besucht werden, die uns fragen, wo wir denn die Linie ziehen zwischen „wichtigem Leben“ und eher unwichtigem, welches beendet werden kann, dann bin ich auf die Antwort gespannt – und auf die Reaktion der Besucher, denn sie wird wohl lauten: „Menschen sind wichtig, egal in welchem Stadium. Alle anderen Lebenwesen sind unwichtig, ebenfalls egal, in welchem Stadium.“

    Ich hasse es, wie wichtig sich Menschen nehmen.

    Grüße
    Thomas

    • 14. April 2006 um 15:15 Uhr
    • Thomas
  41. 41.

    Danke für den Artikel an die Autorin. Es ist wichtig, über das neu erstarkende Männerdiktat laut zu sprechen!
    Ich kannte diese Aussagen des Politikers noch nicht – sie stellen eine Anleitung zur Vergewaltigung, und noch schlimmer: alle anderen Vergewaltigungen werden damit verharmlost.
    Die Diskussion hier im Blog läuft etwas weniger frauenfeindlicher als z.B. in Österreich auf http://www.diestandard.at – zumindest was die Sprache der TeilnehmerInnen anlangt.
    Wer sich über die gewalttätigen Methoden der global tätigen Abtreibungsabschaffer und Kriminalisierer von Frauen in Österreich einen Überblick verschaffen möchte: http://www.die-abtreibung.at.tf In Österreich ist der Schwangerschaftsabbruch etwas anders geregelt, es gibt keinen Zwang zum Beratungsschein – noch nicht. Doch an der sog. „Fristenlösung“ wird permanent gesägt. HLI/Ja zum Leben arbeitet vor allen größeren Abtreibungseinrichtungen mit frauenfeindlichen, gewaltvollen Mitteln und einer unglaublichen Portion an religiösem Wahn, gepaart mit rechter Ideologie. Frauen sind für diese Leute Objekte, Opfer oder Verirrte. An der Änderung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen zum Besseren wird nicht gearbeitet: Gebären um jeden Preis ja, Leben unter menschlichen Bedingungen nein. Was mit den Geborenen passiert, ist diesen Leuten einfach schnuppe.

  42. 42.

    Ich habe diese Zeilen hier mit Aufmerksamkeit gelesen, und möchte als Mann von 69 Jahren der immer gerne Kinder gehabt hätte folgendes sagen. NUR eine Frau soll bestimmen ob sie abtreibt oder nicht alles andere ist dummes Gerede. Schon das Wort Abtreibung ist negativ. Alles andere ziehlt nur gegen die Frau. Wenn das Kind geboren ist, ist es immer die Frau die sich um alles kümmern muß,Sie ist allein die Betroffene, alle Schönredner sind dann weg. Und darum bestimmt nur die Frau ob Sie einen Schwangerschaft austrägt oder nicht.

    • 15. Juli 2006 um 13:18 Uhr
    • Hans
  43. 43.

    Ich bin einfach nur entsetzt. Was müssen Napoli und all seine Lakaien für unfassbar kalte, grauenhafte Menschen sein!! So jemand hat Regierungsverantwortung! Ich glaube es nicht, dass so etwas in unserer „zivilisierten“ Welt existieren darf!
    Es ist hier schon so viel hin und her diskutiert worden, dass ich mich jetzt nicht endlos äußern will (was ich ob meiner kalten Wut locker könnte) – allerdings glaube ich dass einige Diskussionsteilnehmer hier das Ausmaß dieses Gesetzes nicht richtig überrissen haben… Es ist einfach ein himmelweiter Unterschied, ob man auch ungeborenes Leben primär zu schützen versucht – was sicher richtig ist, solange das Kind dann auch Aussicht auf ein zufriedenes Leben hat und das kann ich mir beim „Produkt“ einer Vergewaltigung oder bei einem wegen Inzest schwerst behinderten Kind irgendwie nur sehr schwer vorstellen!Man versetze sich bitte mal in die Situation eines solchen Kindes!! – oder ob man, wie in South Dakota, VERGEWALTIGUNGEN VERHARMLOST und sogar ABSTUFT in NICHT SO SCHLIMM, MITTEL und ABTREIBUNGSWERT !!! Das ist so pervers, dass mir die Tränen kommen. Ich habe schon viele Kinder auf die Welt kommen sehen, es ist jedes Mal ein Moment des reinen Glücks…nur darf man nicht vergessen, dass die Mutter Schmerz, Blut und Tränen dafür vergießt. Das ist schön – wenn man einen liebenden Mann oder eine liebende Freundin an seiner Seite hat und ein gesundes Kind mit nach Hause nimmt. In dem Wissen dass man es bedingungslos lieben wird. Und das kann man nicht, wenn man vergewaltigt wurde. So etwas vergisst man nie und wird es auch dem Kind nicht verheimlichen können.
    In diesem Sinne: Es lebe die Entscheidungsfreiheit!!!!!!

    • 7. Dezember 2006 um 21:47 Uhr
    • Anne
  44. 44.

    Ich weiß wie es ist.. mein Vater hat mich mit 8.. Ich möchte es nicht aussprechen… Es ist schade das Menschen anderen Menschen so etwas antun….

    Mehr kjann man da nicht sagen…

    • 8. Juni 2007 um 15:53 Uhr
    • Max
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