Wer im Glashaus sitzt, sollte seine Koffer selber tragen

George Rekers ist ein Mann, der seinen Mitmenschen helfen will. Vor allem den schwulen. Er ist Mitbegründer des konservativen Family Research Council, sitzt im Vorstand der National Association for Research & Therapy of Homosexuality (NARTH), die Menschen von ihren unerwünschten homosexuellen Neigungen mittels Therapie befreien will, und ist Baptistenprediger.

Darüberhinaus ist er Berater von Mitgliedern des US-Kongress, des Weißen Hauses und hat mitgeholfen, dass Homosexuelle in Florida keine Kinder adoptieren dürfen. Die würden schließlich überdurchschnittlich oft Selbstmord begehen.

Wer errät als erster, wen Rekers vor kurzem auf eine Reise nach Europa mitnahm?
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Einfach nur wundern

Kennen Sie das, wenn Sie versuchen, etwas zu kapieren, das aber so unvorstellbar ist, dass Sie es einfach nicht in Ihr Vorstellungsvermögen reinzwängen können? Die Unendlichkeit des Weltalls, zum Beispiel?

Ja? Dann kommt hier Nachschub.

Der iranische Geistliche Hojatoleslam Kazem Sedighi weiß, dass freizügige Frauen „junge Männer vom rechten Weg abbringen, (…) und die Gesellschaft zum Fremdgehen verleiten, was zu häufigeren Erdbeben führt.“

Das mag noch das Gebrabbel eines Fanatikers sein.

Der ugandische Parlamentsabgeordnete David Bahati, ein wiedergeborener Christ, hat einen Gesetzesantrag eingebracht, nach dem Homosexuelle, die einverständlich Sex miteinander haben, zu lebenslanger Haft verurteilt werden sollen, ebenso wie all jene, die „Homosexualität fördern“, was beispielsweise auch auf Menschenrechtsaktivisten zutreffen würde.

HIV-Infizierte, die homosexuellen Sex haben, sollen nach diesem Gesetz sogar zum Tode verurteilt werden! Was auch für Menschen gilt, die mit Minderjährigen oder mit Behinderten Geschlechtsverkehr haben. Homosexualität sei nämlich eine frei gewählte Form des Lebensstils, und damit könne man schließlich auch einfach wieder aufhören, findet Bahati.

Die britische Regierung hat bereits angedroht, Bahati die Einreise zu verweigern, falls das Gesetz durchgeht.

 

Alle Männer sind potenzielle Kinderschänder. Sagen manche Fluglinien

Gerade habe ich bei Dr. Marty Klein eine Geschichte gefunden, die mich in ungläubigem Erstaunen zurücklässt. Ein 33jähriger Hedge-Fund-Manager namens Mirko Fischer verklagt British Airways, weil sie ihn auf einem Flug dazu gezwungen haben, den Platz zu wechseln.

Fischer saß nämlich auf einem Mittelsitz, seine im sechsten Monat schwangere Frau rechts von ihm am Fenster und links – und jetzt kommt’s – ein zwölf Jahre alter Junge, mit dem die Fischers weder verwandt noch bekannt sind. British-Airways-Richtlinien sehen nämlich seit mindestens März 2001 vor, dass Kinder nicht neben ihnen unbekannten Männern sitzen dürfen. Selbst wenn die Eltern der Kinder mit derselben Maschine fliegen.

Ähnliche Regeln gibt es bei laut Wikipedia bei Quantas und Air New Zealand.

Ganz abgesehen davon, dass mittlerweile eigentlich bekannt sein sollte, dass die meisten Fälle von Kindesmissbrauch innerhalb der Familie stattfinden und durchaus nicht immer nur von Männern verübt werden, wird diese Richtlinie spätestens dann absurd, wenn das Flugpersonal nicht einmal die vorab logischste aller Fragen stellt: „Sind das Ihre Kinder?“ So geschehen Boris Johnson, mittlerweile Londoner Bürgermeister, der Ende 2006 von seinen eigenen Kindern entfernt werden sollte.

British Airways sagte, als die Richtlinie bekannt wurde, man habe auf die Wünsche von Kunden reagiert, die nicht wollten, dass ihre Kinder neben fremden Männern säßen.

Man möchte sich nicht vorstellen, wie es ist, vor den Augen zahlreicher Passagiere als potenzieller Kinderschänder behandelt zu werden. In diesem Sinne kann man Marko Fischer nur das Beste wünschen.

 

Die Dummheit stirbt zuletzt

Eine mir persönlich bekannte weibliche Person würde gerne allen Idioten, die den Schauspieler Matthew McConaughey dafür bedauern, dass der Ärmste gerade eine 40tägige Sexpause durchleiden muss, weil sich seine Freundin von der Geburt ihres zweiten Kindes erholen will, sie würde also gern all diesen Idioten vorschlagen, sich kurz einmal möglichst genau vorzustellen, wie das so ist, wenn man ein Kind zur Welt bringt.

 

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Ich verteidige mein Heimatland ja gern gegen ungerechtfertigte Anfeindungen (Österreicher sind arrogant?!) von außen, auch ohne jemals beim Bundesheer gewesen zu sein.

Aber in diesem Fall strecke ich die Waffen. Diesen Werbefilm sexistisch zu nennen, würde ihn bereits auf ein völlig unangemessenes Niveau heben. Simpel, plump, primitiv, idiotisch würd’s wohl eher treffen.

Das einzig Gute daran: Der österreichische Verteidigungsminister hat seine weitere Ausstrahlung stoppen lassen. Hoffentlich auch gleich den bescheuerten Slogan.

 

Ran an die Vulva!

In unserem Supermarkt stehen schon seit drei Wochen die Weihnachtsartikel, also höchste Zeit, auch hier einschlägig tätig zu werden.

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Klick vergrößert.

Dies ist die jugendfreie (hoffe ich doch!) Variante zahlreicher Anhänger, die auf der etsy-Seite von VulvaLoveLovely (nomen est omen) angeboten werden.

So weit, so nett.

Wie es der Zufall wollte, habe ich ebenfalls heute den Teil eines Spiegel-TV-Extra über „Schönheitswahn“ gesehen, der eine Frau bei ihrer Schamlippenkorrektur-OP begleitet.

Das Thema hatten wir schon ein paar Mal (hier gibt es, mit Verlaub, sogar ein ganzes Kapitel drüber), und wenn noch einer behauptet, es würde sich nur im minderbemittelten Boulevard oder in recherchefreien Frauenmagazinen fortpflanzen können, muss er sich nur den Spiegel-TV-Beitrag ansehen.

Es wird eine Frau (bei voller Namensnennung) gezeigt, die sich in der Klinik eines hier bereits erwähnten Chirurgen die Schamlippen verkleinern lässt, welche sie seit der Geburt ihrer Kinder als zu groß empfindet.

Zugegeben, das kann mein Radfahren stören, keine Frage. Radfahren wird aber von Frau F. kurz einmal erwähnt, die Hauptgründe für sie sind allerdings ästhetischer und psychologischer Natur. Die Frauen im Fitnessstudio würden unter der Dusche gaffen, meint sie. Und wenn sie dann wieder mal einen Freund hätte, würde sie so erst ihre Sexualität richtig genießen können.

Als Experten werden im Beitrag genannt: der operierende OP-Propagandist. Punkt. Sonst niemand. Keine kritische Stimme, die auf die Risiken einer solchen OP hinweist, und auch der Kommentar erwähnt das maximal so flüchtig, dass ich schon gar nicht mehr sicher bin, ob er’s überhaupt tut. Im Gegenteil, Frau F. wird „kurz nach der OP“ beim fröhlichen Verlassen der Klinik gefilmt, als ob da gar nichts gewesen wäre.

Die Kinik verlässt sie übrigens in der gleichen engen Hose, die ich weder tragen würde, wenn ich zu große Labien hätte, noch wenn ich mir an denen soeben herumschnippeln hätte lassen.

Ich habe mir gerade noch den dritten Teil der Schönheitswahn-…(jetzt hätte ich beinahe „Dokumentation“ geschrieben, aber dafür müssten ja gewisse journalistische Grundsätze erfüllt sein, sagen wir lieber) -Werbefilme angesehen, in der Hoffnung, da wenigstens einen abschließenden, kritischen, einordnenden Kommentar zu finden.

Pustekuchen.

Stattdessen weiß ich jetzt auch, dass das Einziehen von Goldfäden unter die Gesichtshaut super ist und die Patientin Kundin glücklich macht.

Wo ist die Kennzeichnung als Werbung?

In diesem Sinne: Möge VulvaLoveLovely ein umsatzstarkes Weihnachtsgeschäft beschert sein, auf dass Frauen nicht mehr auf die irrsinnige Idee kommen, an sich herumsäbeln zu lassen. Und die wenigen, die es dann wirklich noch beim Radfahren zwickt, die sollen sich dann von mir aus unters Messer legen.

Aber vermutlich würde auch da ein besserer Sattel helfen. Und bequeme Hosen.

 

Ohne Worte 406

Ich habe Ihnen etwas aus Saarbrücken mitgebracht. Nein, nicht nur das hier, sondern vor allem dies:

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Der Banner mit dem Gewinnschein klebt zwar strategisch interessant, aber darunter steht genau das, was Sie vermuten:

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Und es ist gut, dass dies hier kein Audio-Blog ist, ich kriege den Mund nämlich immer noch nicht zu. DU WILLST ES DOCH AUCH?!

Entweder ist die Werbeagentur von Beate Uhse mit 21jährigen Exklosterschülern bestückt, oder mit Menschen, die jedwedes Taktgefühl missen lassen. „Du willst es doch auch“ klingt für das Hirn eines Marketingmenschen vermutlich nach einem genialen Satz, der perfekt zu den Produkten eines Sexshops passt.

Eine etwas unangenehme Konnotation? Der klassische Satz, den Mensch A zu Mensch B sagt, um den zu etwas zu bringen, das Mensch A gern hätte, Mensch B aber nicht tun will?

Und das als Slogan einer Sexshopkette, die noch vor ganz wenigen Jahren versuchte (und scheiterte), sich speziell um Frauen als Kundinnen zu bemühen.

„Du willst es doch auch“ ist ein so bekotzenswerter Satz, dass ich gerade sehr viele Ideen habe, in welcher Situation ich den gern zu den Kreateuren dieses Slogans sagen würde.

Und bei Beate Uhse bekäme ich dafür die passenden Requisiten.

 

So schnell wird man zum Kinderpornografen

Was ist für manche amerikanischen Ordnungshüter ein Foto von drei kleinen Kindern in einer Badewanne?

Kinderpornografischer Gruppensex.

Nicht, dass wir in Europa nicht auch so unsere Begebenheiten haben, über die man nur den Kopf schütteln kann. Aber was sich ein übereifriger Walmart-Mitarbeiter sowie Polizei und Staatsanwaltschaft in Peoria, Arizona, geleistet haben, verschlägt einem den Atem.

Eine junge Familie fuhr auf Urlaub und schoss dort, wie das nicht nur junge Familien so tun, viele Fotos. Unter anderem, wie gesagt, von ihren drei Töchtern, 5, 4 und 1,5 Jahre alt, in einer Badewanne. Nackich, wie sonst.

Dann gaben sie den Memorystick mit den Fotos zu Walmart zum Entwickeln, wo ein überaufmerksamer Mitarbeiter „Kinderporno!“-Alarm schrie. Walmart scannt nämlich alle Fotos nach Inhalten, die als „nicht passend“ angesehen werden.

Daraufhin erschien die Polizei bei der jungen Familie, nahm ihnen die Kinder vorübergehend ab, untersuchte deren Genitalien (!!!) und gab sie in Pflegefamilien. Die Staatsanwaltschaft befragte laut dem Anwalt der Familie 35 Familienmitglieder, ob die Eltern ihre Kinder sexuell missbrauchen würden. (Der Anwalt der Familie sagt, die Staatsanwaltschaft hätte alle darüber informiert, DASS die Eltern ihre Kinder missbrauchen, aber da wäre ich eher skeptisch, ob sie das wirklich so formuliert hat.)

Ein Polizist habe außerdem Angestellten der Eltern sowie medizinischem Personal gegenüber geäußert, DASS die Eltern ihre Kinder missbrauchen und Kinderpornos mit ihnen produzieren würden.

In den Zeitungsartikeln steht leider nicht, wie lang der Wahnsinn gedauert hat, aber allein der Umstand, dass die Kinder ihren Eltern weggenommen und untersucht wurden, erschüttert hier dermaßen, dass man den Eltern nur noch viel Erfolg wünschen kann. Sie verklagen nämlich, nun da sie von allen Vorwürfen entlastet sind (wow!), Walmart, die Staatsanwaltschaft sowie die Stadt Peoria.

Zugegeben, unlängst wurde von einem ähnlichen Fotobearbeiter ein Mann entdeckt, der tatsächlich kinderpornografische Aufnahmen gemacht hatte. Aber ein wenig gesunder Menschenverstandhätte hier gereicht, um bei sieben von insgesamt 150 Fotos nicht die Assoziation Kinderporno zu haben, sondern schlicht und einfach: Familienurlaub.

 

Frauen, die nicht andauernd läufig sind, sind nicht krank. Jedenfalls „nicht zwangsläufig“

Gerade sehr über die Satz aus dem ZEIT-Magazin erschrocken:

Und Meredith Chivers sagt, dass es einfach einen gewissen Anteil Frauen gibt, die sich damit abfinden müssen, dass ihr Verlangen nach Sex nie so ausgeprägt sein wird, dass sie plötzlich im Supermarkt an der Gemüsetheke stehen und ohne Grund plötzlich das starke Verlangen nach Sex spüren, sofort und auf der Stelle. Das möge für manche schwer zu akzeptieren sein – aber krank sei es natürlich nicht zwangsläufig.

Will Frau Chivers tatsächlich gern plötzlich an der Gemüsetheke starkes Verlangen nach Sex verspüren? Will sie Frauen dazu bringen, plötzlich an der Gemüsetheke starkes Verlangen nach Sex zu verspüren? Wenn ja, warum um alles in der Welt?

Und vor allem: „… krank sei es natürlich nicht zwangsläufig„?

Geht’s noch?