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Ran an die Vulva!

 

In unserem Supermarkt stehen schon seit drei Wochen die Weihnachtsartikel, also höchste Zeit, auch hier einschlägig tätig zu werden.

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Klick vergrößert.

Dies ist die jugendfreie (hoffe ich doch!) Variante zahlreicher Anhänger, die auf der etsy-Seite von VulvaLoveLovely (nomen est omen) angeboten werden.

So weit, so nett.

Wie es der Zufall wollte, habe ich ebenfalls heute den Teil eines Spiegel-TV-Extra über „Schönheitswahn“ gesehen, der eine Frau bei ihrer Schamlippenkorrektur-OP begleitet.

Das Thema hatten wir schon ein paar Mal (hier gibt es, mit Verlaub, sogar ein ganzes Kapitel drüber), und wenn noch einer behauptet, es würde sich nur im minderbemittelten Boulevard oder in recherchefreien Frauenmagazinen fortpflanzen können, muss er sich nur den Spiegel-TV-Beitrag ansehen.

Es wird eine Frau (bei voller Namensnennung) gezeigt, die sich in der Klinik eines hier bereits erwähnten Chirurgen die Schamlippen verkleinern lässt, welche sie seit der Geburt ihrer Kinder als zu groß empfindet.

Zugegeben, das kann mein Radfahren stören, keine Frage. Radfahren wird aber von Frau F. kurz einmal erwähnt, die Hauptgründe für sie sind allerdings ästhetischer und psychologischer Natur. Die Frauen im Fitnessstudio würden unter der Dusche gaffen, meint sie. Und wenn sie dann wieder mal einen Freund hätte, würde sie so erst ihre Sexualität richtig genießen können.

Als Experten werden im Beitrag genannt: der operierende OP-Propagandist. Punkt. Sonst niemand. Keine kritische Stimme, die auf die Risiken einer solchen OP hinweist, und auch der Kommentar erwähnt das maximal so flüchtig, dass ich schon gar nicht mehr sicher bin, ob er’s überhaupt tut. Im Gegenteil, Frau F. wird „kurz nach der OP“ beim fröhlichen Verlassen der Klinik gefilmt, als ob da gar nichts gewesen wäre.

Die Kinik verlässt sie übrigens in der gleichen engen Hose, die ich weder tragen würde, wenn ich zu große Labien hätte, noch wenn ich mir an denen soeben herumschnippeln hätte lassen.

Ich habe mir gerade noch den dritten Teil der Schönheitswahn-…(jetzt hätte ich beinahe „Dokumentation“ geschrieben, aber dafür müssten ja gewisse journalistische Grundsätze erfüllt sein, sagen wir lieber) -Werbefilme angesehen, in der Hoffnung, da wenigstens einen abschließenden, kritischen, einordnenden Kommentar zu finden.

Pustekuchen.

Stattdessen weiß ich jetzt auch, dass das Einziehen von Goldfäden unter die Gesichtshaut super ist und die Patientin Kundin glücklich macht.

Wo ist die Kennzeichnung als Werbung?

In diesem Sinne: Möge VulvaLoveLovely ein umsatzstarkes Weihnachtsgeschäft beschert sein, auf dass Frauen nicht mehr auf die irrsinnige Idee kommen, an sich herumsäbeln zu lassen. Und die wenigen, die es dann wirklich noch beim Radfahren zwickt, die sollen sich dann von mir aus unters Messer legen.

Aber vermutlich würde auch da ein besserer Sattel helfen. Und bequeme Hosen.

19 Kommentare

  1.   ondy

    ist das geil, endlich vom Phallus-Kult zum Vulva-Kult, demnächst taucht das sicher bei Thomas Sabo als Anhänger auf……ich wird’s mir umhängen

    ({*})


  2. Also ehrlich gesagt, ich würde eine solche OP gerne machen, allerdings ist sie mir viel zu teuer. Für 200 Euro oder so würde ich das machen, aber mehr ist es mir nicht wert und Geld gebe ich lieber für andere Dinge aus.
    Ich habe übrigens oft Probleme beim Reiten (auf Pferden 😛 ), trotz bequemer Hosen und Unterhosen.
    Aber aus ästhetischen Gründen – da würde ich vorher erstmal die Bereiche korrigieren, die auch sichtbar sind (zB Fett absaugen).

    Klar, so wie du das beschreibst, tönt das sehr beschönigend und nach Werbung, aber ein vernünftiger Mensch, der vor hat, sich einer solchen Operation zu unterziehen, wird doch wohl auch wissen, dass eine OP immer Risiken mit sich bringt. Trotzdem wäre es wirklich schöner gewesen, wenn ein solcher Beitrag im Fernsehen (vor allem bei SpiegelTV) doch neutraler/kritischer wäre, da hast du völlig recht.

  3.   Phaidros

    Ich denke auch gerade über ne Penisverkleinerung
    nach, stört so beim Radfahren…

  4.   miguel

    Ich habe ja gehört, der neuste Schrei in der Schönheitschirugie soll ja die komplette Entfernung des Gehirns sein. Dann bekomme man so einen tollen Ausdruck im Gesicht, dieser leere Blick, der offene Mund und die Speichelfäden würden einen auch überhaupt nicht mehr stören. Auch jegliches hängende Gewebe würde an Wichtigkeit verlieren und von körperlichen Aktivitäten wäre sowieso abzuraten.

  5.   porn 2 B wild

    mach’n Knoten rein, dann haste Ruhe 😉

  6.   Phaidros

    @5 Das ist ne gute Idee:

    Kunstvoll mit dem Skrotum
    in Makrameetechnik geknotet
    wäre das ein Ansatz für ne
    schicke Brosche…

    Auch in blau dann…..


  7. Meine Vorhaut gehört mir.Der in den USA & zunehmend auch in Europa von klerikalen pressuregroups unter dem Deckmatel medizinisch, hygienischer Ausreden begonnene Zirkumsationsterror läuft auf dersselben fatalen Schiene.Wider jegliche (Selbst-)Verstümmelungen, für das UNO-Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit!


  8. Komisch, oben rum kanns nicht groß genug sein, und unten nicht klein genug. Das soll einer verstehen…
    Hilft das eigentlich beim Denken, wenn ich mir Goldfäden durch die Birne ziehen lasse?

  9.   Stefan

    Für Anhänger der Schamlippenverkleinerung ist die Spamschutzfrage hier eindeutig zu schwierig, aber echt jetzt.
    Da gibts doch diese Kiara O., die ließ sich ihre Labien ins Gesicht transplantieren. Sieht super aus, muss man halt öfter mal mit dem Rasierer drüber.

  10.   Jan

    Ist doch nichts Neues, dass der „Spiegel“ auf den Werbezug aufgesprungen ist. Ich habe die gedruckte Variante im Abo und meine erste Handlung bei einer neuen Ausgabe ist, sämtliche Beilagen in den Papierkorb zu enrsorgen. Würde man alle Werbeseiten weglassen, wäre die Zeitschrift sicherlich nur halb so dick.

 

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