‹ Alle Einträge

Nur wer seine Schönheit zeigt, wird gesehen

 

Olexiy ist einer der Angler. Er läuft den ganzen Tag oben ohne durch die Stadt. Er sagt, nur wer seine Schönheit zeigt, wird gesehen. Nach zwei Wochen Kiew verstehe ich das. Inzwischen schlafe ich nachts beruhigter ein, die Sache mit den Frauen in der Ukraine habe ich verarbeitet. Die Sache mit den Männern nicht.

Je länger ich hier bin, desto mehr wirkt ihre Schönheit. Viele stehen wie Olexiy nur mit Schlüpfer bekleidet auf den kilometerlangen Brücken, die den Dnjepr überspannen, ohne Sonnencreme. Modetrends sind ihnen egal. Sie angeln. Sie haben Bauch, Bart, Ecken, Kanten und fangen dicke Fische.

Ich mag es, ihnen zuzuschauen. In Berlin ist mir das noch nicht passiert. Ich bin mir sicher: Ukrainische Männer sind schöner als deutsche. Die Brisanz dieser Pauschalierung ist mir bekannt, besonders seit diesen Reaktionen, ich meine es wieder ganz subjektiv. Aber ich vermute, auch viele Frauen würden lieber mit Olexiy als mit Oliver Bierhoff einen Kaffee trinken wollen.

Thomas von Aquin hat im Mittelalter geschrieben, Schönheit sei der Glanz der Wahrheit. Ich glaube, gewisse Dinge ändern sich nie. Vielleicht ist nur etwas mehr Nacktheit dazugekommen.

Olexiy wirkt so, als ob er immer die Wahrheit sagt. Ich habe ihn nach Femen, Emanzipation und deutschen Frauen gefragt. Er ließ durchblicken, dass er deutsche Frauen und Angela Merkel mag. Und er sagte, Merkel habe die Idee mit dem Betreuungsgeld vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch geklaut. Das hat mich aufgewühlt. “Nicht Janukowitsch, Seehofer!”, sagte ich. Olexiy kennt Seehofer nicht.

Ich wollte Olexiys gefangene Fische in den Dnejpr schmeißen, um zu zeigen, wie unsinnig das Betreuungsgeld ist. Die Idee, Eltern mit Geld zu motivieren, ihre Kinder nicht in einen Kindergarten zu bringen, gefällt mir nicht. Er sagte: “Egal! Hauptsache die Leute bekommen Geld.”

In der Ukraine bekommen Eltern nach der Geburt ihres ersten Kindes 28.830 Griwna. Das sind etwa 2.883 Euro, 800 Euro gibt es sofort, der Rest wird auf zwölf Monate verteilt – egal, ob die Kinder in eine Kita gehen oder nicht. Was Olexiys für ukrainisches Betreuungsgeld hält, ist also so etwas wie das deutsche Kindergeld.

Olexiy sagt, Janukowitsch habe dieses Kindergeld vor einigen Monaten erhöht. Es soll helfen, dass seine Partei die Wahl im Oktober gewinnt. Angela Merkel will das deutsche Betreuungsgeld noch vor der Wahl im kommenden Jahr einführen. Ich denke, sie wird ihre Wahl verlieren – wegen des Betreuungsgeldes. Janukowitsch wird gewinnen – im Zweifel weil er das Ergebnis manipuliert. Olexiy wird das egal sein. Er sagt, den Fischen ist es gleich, wer sie fängt.

25 Kommentare


  1. Belanglose Blogger-Texte füllen zwar billig die elektronischen Medienseiten, aber das wars dann auch schon.
    Sport-Blog ? Egal, Hauptsache die Seiten werden voll.

  2.   Steffen Dobbert

    Lieber Grellseher,
    schade, dass Sie bei diesem kurzweiligen Blogeintrag grau sehen. Ich fand Olexiys Aussagen interessant. Wenn Sie Abseitiges nicht interessiert, hier haben wir auch anderes im Programm: http://www.zeit.de/sport/index
    Gruß aus Kiew
    Steffen Dobbert


  3. So böse würde ich das gar nicht sehen. Ich finde so einen persönlichen Bericht von der Begegnung mit einem Alltags-Ukrainer interessant. Klar ist das nicht “Die Ultimative Wahrheit über alle Ukrainer” – aber die kann es ja eh nicht geben.

    Es ist der Bericht über eine Facette eines Mannes der in der Ukraine lebt, nicht mehr, nicht weniger.

    Ich las ihre Artikel jedenfalls gerne, Herr Dobbert, auch den vorherigen über die Frauen unter dem sich die Empörung Bahn gebrochen hat.

  4.   xpeten

    Ich persönlich bekomme ernsthafte Beklemmungen, wenn Männer, und zwar egal wo, die Umwelt mit dem Anblick ihrer unbekleideten, schwitzigen Bierbäuche drangsalieren, die denkbar unästhetischste Form der Sparsamkeit: Die Klamotten nutzen nicht ab und man (oder besser Frau?) braucht sie auch nicht zu reinigen.

  5.   JClark

    Aha, diesmal also mit visuellem Beweis! :)

    Schöner Blog, ebenso wie sein Vorgänger.


  6. Lieber Herr Dobbert,

    ….hm… hat es vielleicht doch noch Wodka geregnet in der Ukraine…?
    Ihr Blog liest sich, als hätten Sie ihn im Zustand eines schönen Rauschs verfasst…

    Von den Anglern über die Textilverweigerer, schöne Männer bis hin zu einem Plädoyer gegen das Betreuungsgeld. Das soll Ihnen einer nachmachen :-)
    Ich lese Ihre Blogs gerne. Um Ihren Zustand beneide ich sie auch.
    Herrlich, mehr davon ;-)


  7. “Ukrainische Männer sind schöner als deutsche”
    Entschuldigung für die unangenehme Bemerkung, aber welche Männer sind es nicht?

    “Thomas von Aquin hat im Mittelalter geschrieben, Schönheit sei der Glanz der Wahrheit”
    Trotz aller politischen (Un)Korrektheit, bin ich längst davon überzeugt, nicht nur was Menschen angeht.

    “Und er sagte, Merkel habe die Idee mit dem Betreuungsgeld vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch geklaut”
    Jedes Volk hält sich für das Zentrum der Welt, die Deutschen sind da auch keine Ausnahme.

  8.   Tobi90

    Wie schon den Vorherigen Bericht finde ich auch diesen sehr gelungen. Einmal abseits der Stadien zu blicken und sich mit den Menschen auseinandersetzen halte ich für sehr sehr wichtig und für essentiell. Leute die dieses als “Seiten füllend” oder sonst etwas bezeichnen kann ich nur sagen: “Ölt eure Mechaniken und geht euch an der Steckdose aufladen”


  9. Vielleicht kann ich Dobbert in einer Hinsicht verstehen, aber anstelle von Schönheit meine ich Authentizität. Die Leute im Westen, egal ob Europa, USA oder Australien, sind sehr stark von einem Schubladendenken geprägt. Und das wirkt irgendwie entfremdet. Gewisse Dinge sagt man, andere Dinge sagt man nicht. Andere Dinge hat man so und nicht anders zu sehen…das ist im Osten anders. Die Leute haben genug von Denkverboten und Vorschriften nach oder auch trotz 70 Jahren Kommunismus und sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Die Leute kommen uns daher auch so entspannt und glücklich vor, obwohl sie materiell oft schlechter leben, denn sie sind mit sich selbst irgendwie im Reinen. Ist einer schlecht draf, dann flucht er eben wie ein Flickschuster, ist er gut drauf, dann läuft er mit einem breiten Grinsen durch die Gegend.
    Machen Sie mal einen Test und gehen an einem sonnigen Samstag Nachmittag in eine Bar oder Straßencafé in Kiew, Petersburg oder Moskau, und die Leute lachen laut, reden laut,haben Spaß. Plötzlich kommt man mit der Gruppe vom Nachnartisch ins Gespräch und lernt einander kennen. Es werden leidenschaftliche Debatten geführt, oder einfach nur humorvolle Anekdoten ausgetauscht, je nach dem wie man gerade drauf ist. Auf jeden Fall geht man zu zweit oder zu dritt irgendwo hin und lernt trotzdem noch neue Leute kennen.
    Und dann kommen Sie mal wieder nach Frankfurt, Berlin oder München. Da sind alle ernst, keiner lacht, keiner wird mit ihnen ins Gespräch kommen und keiner scheint sich des Lebens zu freuen. Spontan kennenlernen werden Sie mit Sicherheit auch niemanden. Und jedesmal wenn ich wieder in Deutschland bin und mit die tristen Gesichter anschaue, dann will ich wieder hier weg, dorthin wo man noch Lachen hört.

  10.   engelx4

    wie auch immer der blog beurteilt wird, männer die in unterhosen in der öffentlichkeit rumlaufen, muss ich nicht sehen. und in der beurteilung der ukrainischen männer muss ich ihnen heftig widersprechen, auch wenn ich weiß das schönheitsempfinden subjektiv ist. ich bin selbst hin und wider in der ukraine, die schönheit und anzahl der frauen hat mich sprachlos gemacht. die männer finde ich durchwegs hässlich. es gibt nur wenige ausnahmen. kein wunder das die frauen weg wollen und sich, wenn möglich, westliche männer suchen. das andere problem, ich schätze 70 – 80% der männer sind alkoholiker.