Wir müssen reden. Über Nazis.

Schläger hart, Birne weich

Von 17. Dezember 2007 um 18:31 Uhr

Wenn Jörg Hähnel, Mitglied im Bundesvorstand der NPD, den Schweriner Landtag betreten möchte, führt er auch schon mal einen 40 Zentimeter langen Teleskopschlagstock mit sich. Den trägt er routinemäßig immer bei sich, für alle Fälle. Was mir bisher unbekannt war: Der gelernte Landschaftsgärtner ist im Grunde seines Herzens ein Mann, der die Lieblichkeit der Natur zu schätzen weiß und dessen Gefühle in Moll gehalten sind.
Die Rechten schätzen an ihm nicht nur seinen harten Prügel, sondern auch sein Schaffen als wachsweicher Liedermacher. Dass böse Menschen keine Lieder hätten, ist ein Gerücht. Sie haben nur erstaunlich schlechte. Auf der Videoplattform Youtube gibt es ein hübsches Beispiel unfreiwilliger Komik. Zu gichtigen Gitarrenpickings, denen mit Soundkartenstreichern und Paukengegrolle Dramatik verliehen wird, knödelt er wenig lippensynchron einen recht allgemein gehaltenen Text, in dem es um Gerechtigkeit zu gehen scheint, tatsächlich aber behauptet wird, dass Meinungsfreiheit nicht für Rechte gelte: Sie werden – folgt man dem Text – von den Juden ans Kreuz genagelt, wenn sie ihre “Träume hinaus in den Tag” schreien.

Interessant ist die Gestaltung des Videos: Mit einer holzigen Schachsymbolik wird die angebliche „Überfremdung“ Deutschlands beklagt: Ein einzelner Bauer wird überrannt von einer schwarzen Übermacht, da er sich zuvor darum bemüht hat, die unter schwarzen Platten verborgenen weißen Felder freizulegen. Besonders skurril ist eine Szene, in der ein weißer Springer scheu über den Spielfeldrand blickt, sich dann aber zurückzieht und auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Hat das arme Tierchen den Teleskopschlagstock von Herrn Hähnel erblickt?

Es lohnt sich, durchzuhalten und das Video bis zum Ende zu schauen. Die Schlussszene ist von ergreifendem Irrsinn beseelt: Herr Hähnel hat seine sommerliche Wanderung durch Gottes herrliche Natur beendet und vor dem Schachbrett Platz genommen. In einem rührenden Akt der Freundschaft drückt er den geschlagenen weißen Bauer an sein Herz, senkt den unscharfen Blick und kuschelt ein wenig mit der Holzfigur. Auch Rechte haben offenbar Gefühle, wissen aber nicht so Recht, wohin damit.

Leser-Kommentare
  1. 9.

    schachregel nr 1.

    der könig ist immer auf dem feld

    *gg*

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    • 22. Dezember 2007 um 18:33 Uhr
    • tenzin
  2. 10.

    Um mal zum Thema zurückzu kommen.
    Bei 6000 gewaltbereiten Linksextremisten in Deutschland (laut Verfassungsschutz) und 500 Verletzte Polizisten letztes Jahr bei G8 in der Nachbarstadt Rostock durch Linke tut man vielleicht besser daran sich ein Verteidigungswerkzeug mitzunehmen.

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    • 22. Januar 2008 um 18:00 Uhr
    • Björn
  3. 11.

    und, äh, björn: ich glaube im schweriner landtag trifft man keine 6000 gewaltbereite linksextremisten!

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    • 22. Januar 2008 um 18:22 Uhr
    • ich nu wieder
  4. 12.

    Und natürlich ist er von seinem Wohnort Berlin ins Schweriner Schloß gebeamt worden.
    Sodass keine Gefahr darin bestand von Linken angegriffen zu werden oder wie?

    Schonmal auf die Idee gekommen das er schlicht vergessen hat vorher den Teleskopstock wegzupacken?

    Oder glaubst du, dass er vorhatte ein paar Abgeordnete zu vermöbeln?

    Aber vielleicht wollte er sich auch bloß vor Frau Brettschneider schützen. Bei der Demo in Neubrandenburg flog doch aus ihrem Block die eine oder andere Flache. ;-)

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    • 10. März 2008 um 15:29 Uhr
    • Björn
  5. 13.

    [...] Sie ist Beisitzerin im NPD-Bundesvorstand sowie im NPD-Landesvorstand Berlin. Ihr Lebensgefährte, Jörg Hähnel, ist als volkstümelnder Liedermacher in der rechtsextremen Szene bekannt und selbst Mitglied im [...]

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  6. 14.

    Es hat ja jeder ein Recht auf freie Meinungsäußerung, aber wenn jemand so weich in der Birne ist, wie dieser Björn (Schlagstock vergessen auszupacken…ha,ha…), hat man ja glücklicherweise auch das Recht, solche stumpfen Äußerungen einfach zu ignorieren oder sich darüber zu amüsieren, das dieser stolze “Superdeutsche” weder der deutschen Rechtschreibung noch der Rethorik fähig ist…
    Also, lieber Björn, kauf dir doch mal einen Duden, da stehen auch nur deutsche Sachen drin, versprochen…

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    • 25. November 2009 um 12:31 Uhr
    • seeräuberjule
  7. 15.

    @”Demokratin”
    entweder heisst es:
    Jedem das Seine.
    siehe Wiki ( mit Thematisierung der Redewendung in Buchenwald)
    oder als Verhonepipelung:
    Jedem das Seine, mir das meiste.
    Deine Variante noch nie gehört.
    Sie ist selbst ausgedacht und in diesem Zusammenhang wegen Unwissen über die Konnotation völlig unangebracht.

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    • 20. Januar 2010 um 12:59 Uhr
    • acharacter
  8. Kommentar zum Thema

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