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Neonazis feiern „Tag der deutschen Zukunft“ mit Angriffen auf Medienvertreter

 
Graffiti am Sammelplatz der Neonazis in Hildesheim

Rund 600 gewaltbereite Neonazis sind am Samstag, d. 5. Juni, durch die Hildesheimer Nordstadt marschiert. Die Personen aus der extrem rechten Szene folgten einem Aufruf der sog. „Initiative Zukunft statt Überfremdung“, die bereits zum zweiten Mal einen Aufmarsch zum „Tag der deutschen Zukunft“ angemeldet hatte. Am Rand der Veranstaltung kam es wiederholt gezielt zu gewalttätigen Übergriffen auf Journalisten, auch Gegendemonstranten wurden bei ihrer Abreise von Neonazis angegriffen.

Der nördliche Teil der Hildesheimer Innenstadt bot einen gespenstischen Anblick: Wasserwerfer, Reiterstaffeln der Polizei und ein Hubschrauber, der über dem Stadtteil kreist, in dem viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Lediglich drei Straßen waren für die Route Neonazi-Aufmarschs vorgehen, der von Dieter Riefling , einem der führenden Köpfe der Neonazi Szene Niedersachsen, angemeldet worden war. Mit einem starken Aufgebot hatte die Polizei das Gebiet um die Strecke weiträumig abgeriegelt, nur Anwohner durften die Sperren passieren.

Polizeikontrollen warteten auch auf die Neonazis an der Nordseite des Bahnhofs, dabei stellten die Beamten einen Schlagring und einen Totschläger sicher. Erst ca. 90 Minuten nach dem geplanten Auftakt um 12.00 Uhr verlas die NPD- und RNF-Funktionärin Ricarda Riefling die polizeilichen Auflagen. Unterdessen war die Menge der wartenden Neonazis auf etwa 550 angewachsen, die u.a. aus Niedersachsen, Schleswig Holstein, Nordrhein Westfalen, Sachsen- Anhalt und den

Gewalt statt Demokratie

Niederlanden angereist waren. Unter dem Hinweis auf das Verbot eines schwarzen Blockes in den Auflagen hatte es auf der Homepage der Neonazis zwar noch geheißen „Wir können aus diesem Grund bestimmte Aktionsformen nicht ausüben und hoffen auf Euer Verständnis“. Doch nur ein Blick auf die Teilnehmer aus dem extrem rechten Kameradschaftsspektrum ließ erkennen, dass sich ihr Verständnis in Grenzen hielt. Und so kam es schon vor der Rede von Dieter Riefling, zu einem offenbar organisierten Angriff vor den Durchsuchungszelten auf die verhasste „Systempresse“. Ein Kamerateam und Journalisten wurden gezielt tätlich angegriffen, ein Camcorder ging zu Bruch. Die Kameradschaft Hildesheim halluzinierte eine Provokation „Linker Medienvertreter“ herbei und merkte zynisch an: „wir wissen uns zu wehren“. Kurz vor dem Angriff hatte Einsatzleiter Uwe Ippensen noch angekündigt, die Polizei werde das Recht auf Pressefreiheit durchzusetzen. In der Situation selbst jedoch mussten die Beamten in dem Zelt erst auf die Übergriffe aufmerksam gemacht werden, bevor sie eingriffen. Ein Verhalten, das die Neonazis in ihrem Verhalten bestärkte, wie ein Eintrag in einem extrem rechten Internetforum zeigt: „Finde halt manchmal das wir mit der Feindpresse nicht zu zimperlich sein sollten“. Dementsprechend kam es auch während des Aufmarschs immer wieder zu gewalttätigen Attacken gegen Medienvertreter. Beispielsweise zeigt ein Video des NDR, wie Neonazis aus Nordrhein Westfalen aus der Demonstration heraus das Kamerateam des Senders angreifen. Nach der ursprünglichen Anmeldung von etwa 300 Personen ermutigte die hohe Zahl der Teilnehmer aus dem militanten Kameradschaftsspektrum die Neonazis immer wieder zu Übergriffen. Während die Polizei erklärt, „seitens rechter Teilnehmer soll es mehrere Handgreiflichkeiten gegenüber Journalisten gegeben haben“, kam es nach Angaben des NDR auch bei der Abreise der Gegendemonstranten zu Angriffen auf vermeintlich politische Gegner. Zuvor hatten etwa 2.500 Personen an einer Demonstration des Hildesheimer „Bündnis gegen Rechts“ auf der Südseite des Bahnhofes teilgenommen.

Neonazi-Szene aus Schleswig Holstein

Mit ihrem Aufmarsch in Hildesheim haben die Neonazis zu einer weiteren Etablierung ihres „Tages der deutschen Zukunft“ beigetragen. Auch wenn der Marsch in Hildesheim durch weitestgehend menschenleere Straßen zog, hatte er eine nicht zu unterschätzende Binnen- und interne Bindungswirkung in der gewaltbereiten Neonaziszene aus dem Kameradschaftsspektrum. Das beweist auch die Rednerliste mit prominenten und führenden Neonazis aus verschiedenen Bundesländern. Im kommenden Jahr soll der „Tag der deutschen Zukunft“ zum dritten Mal am ersten Juniwochenende in Norddeutschland stattfinden, der genaue Ort ist noch nicht bekannt. Doch vorher mobilisiert die extrem rechte Szene erst einmal zum nächsten Großevent in Niedersachsen. Schon rund acht Wochen vorher warb Dieter Riefling bei seiner Rede in Hildesheim für den geschichtsrevisionistischen Neonaziaufmarsch am 14. August in Bad Nenndorf.

7 Kommentare


  1. Statt einer Gegen-Demo wäre hier wohl mal wieder eine Blockade angebracht gewesen …

    meint
    Frosch

  2.   Flo

    Blockaden gab es, leider wegen des hohen Polizeiaufkommens nicht direkt auf der Strecke.
    Fotos & Videos der Demo gibt es übrigens hier: c2h5oh1.wordpress.com

  3.   Nordstädter

    Es waren ja Blockaden geplant, und wurden auch konkret versucht. Durch die konsequente Linie von Stadtverwaltung und Polizei, jede linke Gegenveranstaltung in der Nordstadt zu verbieten und den Nazis so die Nordstadt zu überlassen, war es aber kaum möglich, genug Leute an die Blockadepunkte zu bekommen. Schon in der Nacht auf Samstag gab es massive Kontrollen, Platzverweise und Ingewahrsamnahmen in der Nordstadt. Samstag früh war alles dicht, inklusive Wasserwerfern an der Nazi-Route, die (natürlich) nicht auf die Nazis gerichtet waren…
    Fazit: Nazi-Aufmarsch – Bürgermeister Machens macht´s möglich!

  4.   timmy turner

    diese war geplant und organisiert, wurde von der polizei und Teilen des Bündnis gegen Rechts massiv kriminalisiert… in bezug auf ein internationales kirchenfest wäre die teilnahme am mittagsgebet ein deutlichereres zeichen gewesen…

  5.   Rob

    Da der Bereich von der Polizei abgeriegelt war, kam eine Blockade wohl nicht in Frage 😉


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