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Rechtsextremer Farbanschlag auf studentischen Veranstaltungsraum in Bamberg

 

In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli kam es in Bamberg zu einem offensichtlich rechtsextremen Farbanschlag auf einen Veranstaltungsraum der Studierendenvertretung. Bisher unbekannte Täter kippten schwarzen Lack an die Eingangstür und hinterließen Aufkleber mit rechtsextremen Parolen. Die meisten der Hinterlassenen Aufkleber stammen vom „Freien Netz Süd“, des größten neonazistischen Netzwerkes in Bayern. Dabei ist dies nicht der erste rechtsextreme Anschlag dieser Art in Bamberg.

Ein Beitrag von Georg Hahn

AStA-Eingang nach Anschlag, Foto: privat
AStA-Eingang nach Anschlag, Foto: privat

Die Betreiber der Studienvertretung äußerten sich schockiert: „Wir verurteilen diesen Anschlag auf das Schärfste und sehen diesen in einer Reihe mit anderen Anschlägen der radikalen Rechten, die in der letzten Zeit in Bamberg stattfanden.“ sagen Tilman Kallenbach und Julia Bergold für den Vorstand des AStA Bamberg e.V.

Die rechtsextreme Szene in Bayern

Die extrem rechte Szene in Bayern wächst stetig. Allein vom Jahr 2009 auf 2010 konstatierte der Bayrische Verfassungsschutz einen Anstieg des rechtsextremen Personenpotentials von 500 auf 700 Rechtsextreme in seinem aktuellen Bericht. Das größte rechtsextreme Netzwerk ist das „Freie Netz Süd“, welches eine „bayernweite Vernetzung von NPD-kritischen Neonazis und Kameradschaften“ ist, wie der Verfassungsschutz festhält. Das „Freie Netz Süd“ ging 2008 nach internen Streitigkeiten aus der Abspaltung junger radikaler Kräfte aus der NPD-Bayern hervor und zählt deutschlandweit zu den aktivsten rechtsextremen Netzwerken. Man trat an, um „[f]ür den Aufbau einer systemalternativen nationalen Bewegung – in Bayern und anderswo!“ zu sorgen, wie es in einer Erklärung hieß.

Schon 2010 zeigte sich am 1. Mai in Schweinfurt das Mobilisierungspotential des Netzwerkes, das mit 850 Teilnehmern die

Extrem rechte Aufkleber in Bamberg, Foto: privat
Extrem rechte Aufkleber in Bamberg, Foto: privat

größterechtsextreme Mai-Demonstration Deutschlands durchgeführt hatte. Auch 2011 gehörte die vom „Freien Netz Süd“ organisierte rechtsextreme Mai-Demonstration in Heilbronn mit 750 Teilnehmern zu den größten in Deutschland. Bamberg selbst diente der NPD in den letzten Jahren mehrfach als Ort für Bundesparteitage. Zuletzt verabschiedete die NPD im Juni 2010 hier ihr neues Parteiprogramm.

Aufgrund dieser Tendenzen ist nicht ausgeschlossen, dass es in Bamberg zu weiteren Übergriffen kommen könnte. Die Betreiber erstatteten am Morgen Strafanzeige.

3 Kommentare

  1.   Mustermann

    Anschlag auf eine Moschegemeinde. Siehe hier: http://www.harzkurier.de/news.php?id=11849


  2. […] der Nacht vom 4. auf den 5. Juli ein Farbanschlag aufs Balthasar verübt. Näheres findet ihr auch hier und […]


  3. […] Bereits im Sommer 2011 gab es in Bamberg einen ähnlichen Anschlag auf das Balthasar: Damals hatten Unbekannte Farbe an die Fassade gekippt und neonazistische Aufkleber hinterlassen. Darunter auch Propagandamaterial des vor kurzem verbotenen „Freien Netzes Süd“. Da damals die Täter nicht ermittelt werden konnten, ist unklar, ob der erneute Anschlag aus den gleichen Strukturen heraus verübt wurde. Dennoch scheint sich in Oberfranken die Neonazi-Szene wieder zu reaktivieren. Auch das Verbot des „Freien Netzes Süd“ scheint dabei kaum eine Rolle zu spielen. Ob die Täter diesmal ermittelt werden können, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Für eine Presseanfrage zum Anschlag war bei der Polizei niemand zu erreichen. […]