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Tromsø vs. Tromsø

 

Das Thor Steinar-Geschäft in Berlin

Das Berliner Kammergericht entschied am Donnerstag über die Räumung des Thor-Steinar-Laden „Tromsø“ in Friedrichshain. Das Mietverhältnis endet am 31.1.2015, danach wird es keine Verlängerung geben. Der Laden muss seinen Namen ändern und der neue Name darf keine skandinavische Stadt oder Vornamen enthalten. Aus Protest gegen den missbrauch des Städtenamens spielt Heute eine Band aus der Stadt Tromsø vor dem Thor Steinar-Geschäft.Der Gerichtsentscheid ist leider sehr unbefriedigend. Der Laden darf weitere 3,5 Jahre in Friedrichshain bestehen bleiben. Auch wenn eine Verlängerungsoption, die im Mietvertrag enthalten war, wegfällt, ist die erhoffte sofortige Schließung ausgeblieben. Auch die Namensänderung ist nur wenig tröstlich, schließlich ändert sich am Inhalt nichts.

Wer „Thor Steinar“ und seine Hintergründe nicht kennt, mag die Kleidung für norwegische Outdoor Kleidung halten. Genau das ist Teil der Normalisierungsstrategie der Rechten Szene. Inzwischen gibt es mehre Nazimarken wie beispieslweise „Erik and Sons“, die ansprechend aussehen, anheimelnd-skandinavisch klingen und ganz nebenbei Nazi-Ideologie und Runen-Symbolik unters Volk bringen.

Wir stellen uns jeder Form von rechtsextremen Gedankengut und seiner Verbreitung entschieden entgegen. Die Zivilgesellschaft darf nicht nachlassen sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu wehren egal wo und in welchem Gewand sie auftritt. Der Protest muss weitergehen!

Das Engagement der Initiative gegen Rechts in Friedrichshain ist wichtig und genau richtig. Heute wird ab 17 Uhr ein unplugged Konzert am Frankfurter Tor stattfinden. Unter dem Titel „Tromsø gegen Tromsø“ spielt die Band Washington aus der norwegischen Stadt Tromsø gegen die Verwendung des Namens ihrer Stadt von „Thor Steinar“. Kommt zahlreich und zeigt: „Weg mit Thor Steinar!“

Vermieter können sich aber vor rechtsextremen oder in rechtsextremen Kreisen beliebten MieterInnen schützen und sich langwierige Rechtsstreits ersparen, indem sie eine entsprechende Klausel der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR), in ihre Mietverträge aufnehmen. Wir rufen alle VermieterInnen auf diese Klausel in ihre Mietverträge aufzunehmen und sich im Vorfeld über potenzielle MieterInnen zu informieren, um rechtsextremen oder in rechtsextremen Kreisen beliebten Gewerbe keine Räumlichkeiten in Berlin zu ermöglichen. Für Nazistrukturen gibt es keinen Platz in Berlin.

2 Kommentare

  1.   MartinM

    Leider nur ein „sybolischer Erfolg“, dass heißt im Grunde eine halbe Niederlage.
    Da ich die rechtsextremen / „völkischen“ „Germanenfreunde“ schon seit einige Jahren beobachte, erkenne ich neben der „Normalisierungsstrategie“ (also dem Versuch, rechtsextremes Gedankengut als „normal“ und „akzeptabel“zu etablieren) sehr deutlich auch die Strategie, Symbole zu besetzen, d. H. dafür zu sorgen, dass sie nur noch im (Neo-)Nazi- bzw. „völkischem“ Kontext öffentlich wahrgenommen werden.
    Daher halte ich es für unter Umständen problematisch, bei „rechten“ Modemarken vor allem auf die Runen-Symbolik oder den erkennbaren „Wikingerfaible“ abzuheben. Das verstärkt den ohnehin vorhandenen Eindruck, „germanische“ oder altnordische Symbolik sei per se „braunstichig“- was der rechtsextremen Strategie der Symbolbesetzung ungewollt entgegen kommt.
    Leider können weder die Runen noch die ollen Wikinger wie die Einwohner Tromsøs gegen ihre Vereinnahmung protestieren. Aber vielleicht hilft etwas in dieser Art weiter: Runen-T-Shirt „Nazis raus“


  2. […] Steinar-Laden in der Petersburger Straße in Friedrichshain ist inzwischen gekündigt, darf aber nach einem Gerichtsurteil noch bleiben, bis der Vertrag 2015 […]