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Rassismus beim offiziellen Gedenken in Rostock-Lichtenhagen?

 

Das Bündnis “20 Jahre nach den Pogromen – Das Problem heißt Rassismus” erhebt schwere Vorwürfe gegen die offizielle Lichtenhagen-Gedenkveranstaltung vom Sonntag. Zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. sei trotz offizieller Einladung der Zutritt zur Veranstaltung verweigert worden. Laut den Veranstaltern kamen die Gäste 15 minuten zu spät und wurden deshalb aus Sicherheitsgründen nicht mehr eingelassen. Das obige Video von Leftvision zeigt die beiden Gäste bei der Feier.

In der Pressemitteilung des Bündnisses heißt es:

Kein Zutritt trotz Einladung: Am Sonntag wurde zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. der Einlass zur zentralen Gedenkveranstaltung in Rostock-Lichtenhagen mit Bundespräsident Joachim Gauck verwehrt – ohne Begründung. Während sich die Vertreter des Staats und der Stadt der vermeintlich großen Fortschritte im Kampf gegen Rassismus rühmten, mussten die tatsächlich Betroffenen von Rassismus außen vor bleiben. Dies war jedoch nicht der erste Vorfall, der den Vorwurf eines rein “weissen” Gedenkens an die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen und des Umganges mit Betroffenen von rassistischer Gewalt und ihren Angehörigen provoziert. Schon den Zentralrat der Sinti und Roma hatte man zu Beginn vergessen einzuladen, obwohl gerade Roma in Rostock mit betroffen waren. Das Bündnis fordert die Aufklärung der möglicherweise rassistisch motivierten Vorfälle und Äußerungen bei und im Umfeld der Veranstaltung.

“Der Auftritt von Bundespräsident Gauck und die so genannte ‚zentrale Gedenkveranstaltung‘ dürfte insbesondere jenen gefallen haben, die die Pogrome losgelöst von historischen und politischen Kontinuitäten als isoliertes Ausnahme-Ereignis der Vergangenheit sehen und Neonaziproblem abhaken wollten. Im Vordergrund standen Geschichtsklitterung, Verharmlosung, Opfer-Täter-Umkehr und Realitätsverweigerung”, erklärt das Bündnis “20 Jahre nach den Pogromen von Rostock-Lichtenhagen – Das Problem heißt Rassismus”.

Auch dass der Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) weder an der Kundgebung noch der Großdemonstration des Bündnisses teilgenommen hat, ist nach der Kriminalisierungsstrategie von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und den Versuchen die Gedenkveranstaltung Gauck als das einzig “wahre” und “richtige” Gedenken darzustellen, kaum verwunderlich.

Ebenso fordert das Bündnis eine umfassende Aufklärung über die nächtliche Polizeiaktion am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen. “Wie konnte eine zertrümmerte Glasscheibe in einem Zug zu umfassenden Durchsuchungen und ED- Behandlungen von annähernd 100 Fahrgästen des letzten Zuges aus Rostock führen. Der Schaden steht in keinerlei Verhältnis zu Datenschutz und Persönlichkeitsrechten. Die Aktion steht vielmehr für den Versuch der Kriminalisierung der Betroffenen sowie der Datensammelwut so genannter Sicherheitsbehörden im Umfeld von als »links« eingestuften Großveranstaltungen”, so das Bündnis.

 

Die Stadt Rostock schildert die Ereignisse in einer Stellungnahme hingegen anders:

Wir bedauern außerordentlich, dass der geladene Ehrengast die Gedenkveranstaltung nicht von dem vorgesehenen Platz aus mit verfolgen konnte. Im Zusammenhang mit der Teilnahme des Bundespräsidenten waren jedoch besondere Sicherheitsvorkehrungen zu beachten, die auch auf der Einladung bereits erläutert waren. Dazu zählte auch das rechtzeitige Einnehmen der Plätze vor Beginn der Veranstaltung. Wir können daher nur mutmaßen, dass dies
unserem Gast möglicherweise nicht bewusst war.

Unser mit dem Einlass betraute Kollege erinnert sich an eine Anfrage nach Beginn der Veranstaltung. Ein Polizist aus dem äußeren Sicherheitsbereich kam mit einer Einladung in der Hand und fragte, wie zu verfahren sei. Unser Kollege verwies darauf, dass ein Einlass nun – 15 Minuten nach Beendigung des Einlasses und nach Beginn der Veranstaltung – leider nicht mehr möglich sei.