Wir müssen reden. Über Nazis. Ein Blog

Frei.Wild-Fans gehen auf Jennifer Rostock los

Von 30. Januar 2013 um 17:38 Uhr
Sängerin Jennifer Weist, Quelle: Johannes Ehn/dpa

Sängerin Jennifer Weist, Quelle: Johannes Ehn/dpa

Jennifer Rostock verbitten sich T-Shirts von Frei.Wild und den Böhsen Onkelz auf ihren Konzerten. Auf Facebook erntet die Band böse Kommentare und Drohungen – von Gaskammern ist die Rede.

Die Band Jennifer Rostock erlebt auf Facebook gerade ihren ersten Shitstorm: Über 6.000 Kommentare sind in den letzten drei Tagen zusammengekommen. Auslöser war die Aussage der Band, sie wolle auf ihren Konzerten nie wieder Leute mit T-Shirts der Böhsen Onkelz oder von Frei.Wild sehen. Denn, so schreibt Jennifer Rostock: “Auch wenn Frei.Wild sich selbst als ‘unpolitisch’ bezeichnen, findet ihre Musik gerade in der rechtsextremen Ecke viel Anklang, da die Texte große Identifikationsfläche für nationalistisches Gedankengut bieten.“

Die Band schreibt weiter: “Wir möchten klarstellen, dass wir nicht alle Böhse-Onkelz- oder Freiwild-Fans als Nazis bezeichnen und auch niemandem vorschreiben wollen, wie er/sie sich zu kleiden hat. Aber auf unseren Konzerten möchten wir die Namen von diesen ‘fragwürdigen’ Bands nicht lesen.“

Für diese Äußerungen bekommt Jennifer Rostock viel Lob, Anerkennung und Respekt von den Fans. “Frei.Wild sind nationalistisch-völkischer Dreck und sie versuchen die ‘harmlose’ unpolitische Schiene zu fahren“, schreibt ein Fan. Mehr als 8.000 User haben “Gefällt mir” unter dem Posting geklickt.

Frei.wild-Anhänger verteidigen die Band

Doch zahlreiche Fans nehmen Frei.Wild und die Böhsen Onkelz in Schutz: Frei.Wild hätten sich klar von Nazis distanziert. Die Medien drängten die Band grundlos in die rechtsextreme Ecke. Die Deutschen seien selbst schuld, wenn sie Begriffe wie Heimatliebe sofort mit Rechtsextremismus gleichsetzen würden. Und wenn sie tatsächlich rechtsextrem sein sollten, “dann lasst sie doch! Jeder hat das Recht auf seine eigene politische Meinung“, schreibt einer.

freiwildfuckoFacebook oder die Band selbst haben während der Nacht eine ganze Reihe der härtesten Kommentare gelöscht. Auf den ersten Blick unpolitische Frei.Wild-Fans bepöbelten die Band und Unterstützer ihrer Haltung mit Heil-Hitler-Parolen, forderten “Nazis rein” und sprachen Todesdrohungen aus. Dass auch die von Rechtsextremen durchsetzte “Identitäre Bewegung” sich in dem Thread äußerte, zeigt, wie nah die sogenannte Mitte und Neonazis sich im Umfeld von Frei.Wild bewegen.Wer sich in den Kommentaren als Frei.Wild-Kritiker zu erkennen gibt, dem wird offen mit Gewalt gedroht. “Junge, dir gehört echt mal der Unterkiefer ausgehackt” und ähnliches war dort zu lesen.

Frei Schnauze gegen Frei.wild

“Unpolitisch, wie Frei.Wild sich selbst bezeichnen, sind sie bei Weitem nicht”, kommentierte das ZEIT-ONLINE-Watchblog Stoerungsmelder kürzlich. “Mit ihren Songs tragen sie völkisch-nationalistische Positionen in den Mainstream, erteilen den Vorstellungen einer offenen und emanzipatorischen Gesellschaft eine Absage und erhalten dafür Applaus von Rechtsaußen.”

Unter deutschsprachigen Bands war Frei.Wild auch in der Vergangenheit immer wieder Anlass für Proteste: 2011 wandelte etwa die Berliner Punk-Band Frei Schnauze das Bandlogo von Frei.Wild ab – aus Protest gegen das vermeintlich “deutschnationale Deutschrockmilieu”, in dem sich Frei.Wild bewegen würden. Auch die Toten Hosen und die Ärzte beziehen regelmäßig gegen Frei.Wild Stellung.

Auch Jennifer Rostock engagiert sich nicht zum ersten Mal gegen Rechtsextremismus. Vor zwei Jahren etwa trat die Band in Berlin bei einem Konzert gegen Rechts auf. Das Motto des Abends: “Gegen Nazikleidung und rechten Lifestyle“.

Kategorien: bundesweit
Leser-Kommentare
  1. 17.

    Ein Coach in Sachen Social Media Präsenz ist da von Nöten. Auch wenn die Grundaussage “NAZIS RAUS” in jedem Fall richtig ist, so war der Post in diesem Kontext mehr als naiv.

    • 30. Januar 2013 um 20:34 Uhr
    • JD
  2. 18.

    von wegen unsere kinder sind total verblödet.

    die regeln das schon – nur anders.

    und die heimatliebe entdeckt die generation mobile auch ohne rechte propaganda.

  3. 19.

    Tja, ohne diesen Artikel hätte ich nie nach Frei.Wild gesucht, und mir ein paar Sachen angehört – wer eGitarre und ordentlich Schlagzeug mag, wird nicht enttäuscht.
    Der Text “Land der Vollidioten” passt irgendwie zum Artikel (nicht zum Autor, aber zum Thema allgemein) – war wohl eine gute Werbung für Frei.Wild.

    Sollten sie (Neo)Nazis sein, dann haben sie jetzt sicherlich noch mehr Aufmerksamkeit und Fans, wenn nicht, auch!

    Jennifer Rostock ist übrigens auch nicht schlecht, ein wenig wie “Wir sind Helden” auf ordentlich Rock!

    EinGangLion

  4. 20.

    Sehr schlecht recherchierter Artikel!
    Mal ein Statement der Band zu der ganzen medialen Hetzerei: youtube.com/watch?v=-IofKlDn7Z8
    Die Jungs distanzieren sich deutlich von rechtem Gedankengut. Es ist leider aufgrund unserer sehr düsteren Vergangenheit so, dass Werte wie Heimatliebe und Nationalstolz in Deutschland weder vermittelt werden dürfen, noch auf irgendeine Art Verständnis stoßen. Die Jungs sind aber aus Südtirol und haben mit Nazis so viel zu tun wie Roberto Blanco und sogar Heino dürfte weitaus mehr tendenziell rechts-konservative Zuhörer im Publikum haben als Frei.Wild, denn in deren Publikum finden sich überhaupt keine Nazis!

    • 30. Januar 2013 um 20:59 Uhr
    • Emile Hirscg
  5. 21.

    Ich liebe meine Heimat
    Bis in alle Ewigkeit
    Keine Ader soll mir schlagen
    Wo ich nicht für Dich bereit
    Viel zu schnell vergeh’n die Stunden
    Aber keiner denkt daran
    Dass am Anfang aller Träume
    Nur die Heimat stehen kann

    Diese Zeilen stammen nicht von Frei!Wild, sondern von der ebenfalls aus Südtirol stammenden Kapelle Kastelruther Spatzen, die immerhin schon dreizehnmal den Musikpreis Echo erhalten haben. In die rechte Ecke wurden die noch nie gesteckt,obwohl es inhaltlich um nichts anderes geht,als in Frei!Wild´s “Südtirol”.

    • 30. Januar 2013 um 21:00 Uhr
    • gooder
  6. 22.

    oh je oh je. also eingefleischter onkelz fan kann ich mir zwar kein kommentar über frei.wild erlauben, jedoch weiß ich, dass sich die band immer wieder von der rechten szene distanziert. wenn jennifer rostock meint hier den apostel spielen zu wollen, dann soll sie sich bitte auch von den toten hosen und ärzten distanzieren. es gibt doch genauso viele radikale antifas die die auch hören und teilweise kein deut besser sind als irgendwelche prollnazi.
    für mich wieder der beweis, dass die deutschen immer noch übersensibel sind und die geschichte noch nicht verarbeitet haben, was schade ist. ein italiener könnte bei den worten “heimatliebe” und rassismus keinen zusammenhang finden…

  7. 23.

    Und wenn morgen Nazis anfangen PUR zu hören, oder Lacoste T-Shirts tragen wird diese denn auch als “völkisch” deklariert, ich mein “Abenteuerland” kann in den Augen der Tugendwächter eine Post-Faschistische Ära postulieren.

    Ich höre weder das eine noch das andere aber das einzig “fragwürdige” ist den Leute vorzuschreiben was faschistisch ist und was nicht, denn mit diesen Forderungen kommt man schnell in die Ecke der “entarteten Kunst”, und denn weiß man selbst nicht mehr ob man die guten oder bösen sind.

    Zum anderen kann man sich die Fans auf Facebook nicht aussuchen, das ist ja das tolle am Internet, da kann man sich mit 15 Jahren und 1.58m aufspielen als wäre man einer der Klitschkos, nur heiße Luft.

  8. 24.

    Bezogen auf die eigene Sache den Kampf gegen rechtes Gedankengut hat sich die Band damit wohl eher ins eigene Bein geschossen. Rein marketingtechnisch werden beide Band nun, da dass Thema in die Medien gelangt ist wohl beide ein häheres Interesse der Allgemeinbevölkerung erfahren.

    • 30. Januar 2013 um 21:24 Uhr
    • Christopher
  9. Kommentar zum Thema

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