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Lichtenhagen, Hellersdorf, Barsinghausen?

 

Flüchtlingsprotest

Rund 90 BarsinghäuserInnen sind zur zweiten Bürgerversammlung zum geplanten Asylbewerberheim gekommen. Statt Argumenten zu den vorgeschlagenen Standorten hört man hier vor allem Vorurteile gegen „die Ausländer“. Ihnen wird unterstellt, dass sie Lärm und Müll verursachen oder gar klauen würden.

Es wird viel von „denen“ in Abgrenzung zu „uns“ gesprochen. Man könne „uns“ doch nicht einfach dazu zwingen, „die“ aufzunehmen, das müssten doch „wir“ als Bürger entscheiden. Besonders große Zustimmung finden solche Äußerungen bei zwei jungen Männern, die weitestgehend unbeachtet an der Versammlung teilnehmen. Es sind zwei bekannte Neonazis, die sich bereits wegen verschiedener Vorwürfe vor Gericht verantworten mussten.

Inzwischen hat der Rat der Stadt Barsinghausen einen Beschluss über den Standort des AsylbewerberInnenheims getroffen. Es soll auf dem derzeitigen Ausweichparkplatz eines Friedhofs hinter dem Abenteuerspielplatz „Klein Basche“ gebaut werden. Der Platz liegt nicht besonders zentral, doch Einkaufsmöglichkeiten, der öffentliche Personennahverkehr und die Innenstadt sind immerhin gut zu erreichen. 50 bis 75 Asylbewerber sollen dort noch in diesem Jahr untergebracht werden.

Begleitet wurde die Entscheidungsfindung der Ratsleute durch große Proteste der Bürgerinnen und Bürger, die sogar eine Unterschriftensammlung gegen das Asylbewerberheim ins Leben riefen. Bei den Bürgerversammlungen machten nicht nur bekannte Neonazis Stimmung gegen die Asylbewerber. „Viele Menschen haben heuchlerisch argumentiert, wenn sie von ihnen nicht gewollte Standorte unter dem Hinweis ablehnten, die seien zu klein und man könne die Menschen dort nicht zumutbar unterbringen. Gleichzeitig wiesen sie jedoch zum Beispiel darauf hin, dass ihre soeben gekauften Seniorenwohnungen dann nichts mehr wert seien“, sagte Sybille Bruchmann-Busse vom Bündnis Barsinghausen ist bunt aktiv ist, „Hier offenbart sich eine Fremdenangst, die nicht nach Aufklärung suchte, sondern nach Abgrenzung und Ausgrenzung“.

Einige der Anwohner sorgen sich hingegen scheinbar um die Sicherheit der Asylsuchenden. Das Gelände sei schlecht einsehbar und wegen der fehlenden Nachbarschaft möglichen Übergriffen schutzlos ausgeliefert. Übergriffe, die zum Beispiel von rechten Jugendlichen zu erwarten seien, die sich regelmäßig auf „Klein Basche“ treffen. Es wird von „Sieg Heil“-Rufen berichtet und vom Singen verbotener Lieder. Auch auf Facebook wird von verschiedenen Personen kommentiert, dass Barsinghausen kein geeigneter Standort für ein Asylbewerberheim sei, weil es vermehrt rechtsextreme Aktivitäten gegeben habe.

Gerade vor dem Hintergrund, dass ein Problem mit Neonazis von der Stadtverwaltung und einem Großteil der Stadtgesellschaft bisher vehement geleugnet wurde, stellt sich jedoch die Frage, wer hier eigentlich vor wem geschützt werden soll. Für manche scheint die Gefahrenlage in erster Linie den Wunsch zu unterstützen, den Asylbewerber lieber woanders Hilfe zukommen zu lassen als vor der eigenen Haustür.

Dennoch bleibt die Gefahr eines Angriffs auf Flüchtlinge bestehen. Die Debatte im Stadtrat und bei Bürgerversammlung ist vorerst beendet, abseits der offiziellen Kanäle tobt sie jedoch weiter, zum Beispiel auf Facebook. Dort wird deutlich, wie aufgeladen und feindselig die Stimmung unter den Bürgern ist. Auch wenn dort niemand als „rechts“ abgestempelt werden will oder offen als Neonazi auftreten würde, finden diese hier einen guten Nährboden. So heißt es in einem Kommentar: „Da werden eh wieder ein paar Neonazis kommen und es abfackeln… Wie immer also können sie sich das Geld auch sparen und das andere Städte erledigen lassen und uns verschonen“. Die Parallelen zu Rostock-Lichtenhagen oder auch Berlin-Hellersdorf, wo bürgerlicher Alltagsrassismus gewaltbereiten Neonazis in die Hände spielte, sind offenkundig.

„Wir müssen wachsam bleiben“, sagt Bruchmann-Busse, „Für den weiteren Verlauf hoffe ich, dass die große Zahl derer, die sich in Barsinghausen schon lange durch praktisches Tun anders positionieren, die Meinungsführerschaft übernehmen“. Damit das gelingt hat das Bündnis Barsinghausen ist bunt eine eigene Projektgruppe zu dem Thema eingerichtet und möchte sich nun mit dem Runden Tisch Integration und dem Integrationsbeirat zusammensetzen. „Mehr Eingesessene sollten Einblicke in die Kultur und Schicksale der Migranten bekommen können und die Migranten sollen willkommen geheißen und zur Teilhabe befähigt werden.“

2 Kommentare

  1.   ernsthaft

    Man muß den bürgern von barsinghausen klarmachen, das kein mensch illegal ist. alle ein bleiberecht und anspruch auf materielle teilhabe haben. Natürlich auch das niemand angst vor überfremdung haben oder das er etwas abgeben muß. Ist doch eigentlich ganz einfach.

  2.   Jochen Heine

    Ich war in Hellersorf als Heimleiter vorgesehen , leitete in Berlin schon ein Heim, das schloss. NUn ziehe ich anfangs Oktober nach Barsinghausen, meine alte Heimat und dann das, ich glaub, da wartet ein Job…natürlich muss man den Leuten die Angst nehmen, die meisten Asylbewerber sieht man tagsüber gar nicht, weil die Integrationskurse besuchen. Vile kommen nicht aus irgendwelchen Bergdörfern , sondern haben bis zu 50 000€ für die Flucht zusammengekratzt, ich habe diese Menschen total lieb gewonnen, schwarze Schafe gibt es überall, wir tollen deutschen haben auch eine Kriminalitätsrate. Wenn von diesen 50 2 kriminell sind, wären das 4 %. Wie hoch ist ,,unsere“ Rate?