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Hellersdorf: Neonazis versuchen Büro von Flüchtlingsunterstützern zu stürmen

 
Flüchtlingsunterstützer von "Hellersdorf hilft", hier bei einer Menschenkette mit Spenden für Asylsuchende © Theo Schneider
Flüchtlingsunterstützer von “Hellersdorf hilft”, hier bei einer Menschenkette mit Spenden für Asylsuchende © Theo Schneider

Am Dienstagabend drangen im Berliner Ortsteil Hellersdorf 15 Rechtsextreme in den Vorraum der Begegnungsstätte „LaLoka“ ein, in dem die Initiative „Hellersdorf hilft“ regelmäßig ihr offenes Plenum abhält. Mit martialischem Auftreten und rassistischen Parolen versuchten die Neonazis die Anwesenden einzuschüchtern. Erst die Polizei konnte dem Spuk ein Ende machen.

Auf dem Weg zum Veranstaltungsort wurde ein Teilnehmer des Treffens kurz nach 18 Uhr von der Gruppe Neonazis, die auf dem Kastanienboulevard  stand, erkannt und umgehend verfolgt. Er flüchtete sich in das „LaLoka“. Die Rechten rannten ihm hinterher und drangen bis in den Vorraum der Einrichtung ein, wo sie zwar gestoppt werden konnten, aber sich bedrohlich aufbauten und gezielt die Türen verstellten. Es folgten zahlreiche rassistische und ausländerfeindliche Parolen und Beleidigungen, ein Neonazi fertigte Fotos von den Anwesenden an, die mittlerweile die Polizei verständigten. Als diese eintraf, erteilte sie der Gruppe Platzverweise, nahm aber nicht von allen die Personalien auf. Der Verein stellte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch, der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Hitlergruß zum Einzug: Am Tag der Eröffnung der Asylunterkunft pöbelten Anwohner in Hellersdorf © Theo Schneider
Hitlergruß zum Einzug: Am Tag der Eröffnung der Asylunterkunft pöbelten Hellersdorfer Nachbarn © Theo Schneider

„Hellersdorf hilft“ ist ein Zusammenschluss von Flüchtlingsunterstützern, der sich im letzten Jahr im Zuge der rassistischen Ausschreitungen rund um die damals eröffnete Flüchtlingsunterkunft in der Carola-Neher-Str. gegründet hatte und für sein Engagement mehrere Zivilcourage-Preise erhielt. Erst im August eröffnete die Initiative das „LaLoka“ als Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Fluchterfahrung in Berlin Hellersdorf. Regelmäßig  sind Mitglieder der Gruppe aber auch Bedrohungen aus der rechten Szene ausgesetzt, vor allem auf der Facebook-Seite der „Bürgerbewegung Hellersdorf“, bei der Neonazis als vermeintliche Anwohner getarnt gegen Flüchtlinge und deren Unterstützter hetzen und mit Anschlägen prahlen. Mitte März diesen Jahres wurde sogar das Auto einer örtlichen Seelsorgerin in Brand gesetzt, die sich bei „Hellersdorf hilft“ engagiert.

Auch die gestrige Aktion geht auf das Konto der rechtsextremen „Bürgerbewegung“, die im Internet von dem Vorfall berichtet und als versuchten „politischen Austausch“ durch vermeintliche „Anwohner“ verklärt. Allerdings bestand die Gruppe keineswegs aus diskussionssuchenden Anwohnern, sondern aus einschlägig bekannten Neonazis aus dem Bezirk, die z.T. von Szenekennern als führende Köpfe hinter der Facebook-Seite eingeschätzt werden. Augenzeugen erkannten Daniela Fröhlich als Anführerin in der Gruppe, die unter anderem aus dem ehemaligen NPD-Kandidaten Kai Schuster, den Kameradschaftsaktivisten Marcel R., Kai M. und Roland S. bestand, sowie aus Ines T. die bereits einen rassistischen Aufmarsch gegen die Hellersdorfer Asylunterkunft angemeldet hatte.

3 Kommentare

  1.   zora

    Da kommt mir ein Stück Liedtext in den Sinn…
    “Sonst ist die Angst, das einzige was bleibt,
    wenn wieder nur geschwiegen wird, dann herrscht hier Einigkeit.
    Ihr kotzt mich an, mit eurer Einigkeit, mit eurer Heuchelei,
    wir sind wieder viel zu nah an der Vergangenheit.”


  2. […] auch: Hellersdorf: Neonazis versuchen Büro von Flüchtlingsunterstützern zu stürmen. Am Dienstagabend drangen im Berliner Ortsteil Hellersdorf 15 Rechtsextreme in den Vorraum der […]


  3. […] Am Dienstagabend drangen im Berliner Ortsteil Hellersdorf 15 Rechtsextreme in den Vorraum der Begegnungsstätte „LaLoka“ ein, in dem die Initiative „Hellersdorf hilft“ regelmäßig ihr offenes Plenum abhält. Mit martialischem Auftreten und rassistischen Parolen versuchten die Neonazis die Anwesenden einzuschüchtern. Erst die Polizei konnte dem Spuk ein Ende machen (Störungsmelder). […]