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Pegida-Demonstration in Köln blockiert

 
Foto: Felix Huesmann
© Felix Huesmann

Nach den Düsseldorfer und Bonner Versuchen, die Dresdner Pegida-Demonstrationen nach Nordrhein-Westfalen zu holen, war am vergangenen Montag Köln an der Reihe. Unter dem Label “Kögida” wollten die 500 Versammlungsteilnehmer vom Deutzer Bahnhof bis in die Nähe des Doms marschieren. Weil die Demonstrantionsroute von Antifaschisten blockiert wurde, fiel der Marsch ins Wasser.

Im Gegensatz zum Dresdner Vorbild fanden sich auf dem Ottoplatz vorm Deutzer Bahnhof lediglich 500 Teilnehmer zur “Kögida”-Demonstration des Anmelders Sebastian Nobile ein. Umringt von tausenden Gegendemonstranten standen sie in einem Käfig aus Polizeiabsperrungen und lauschten mehreren Redebeiträgen. Die vielfach wiederholte Hauptaussage dieser Beiträge: “Wir sind keine Nazis!”

Neben dem Anmelder und ehemaligen “German Defense League”-Aktivisten Sebastian Nobile sprach vor allem Melanie Dittmer zu den “Kögida”-Demonstranten. Dittmer ist Anmelderin des Bonner “Pegida”-Ablegers und Aktivistin der “Identitäten Bewegung”. Ende der 90er Jahre war sie in der NPD und in neonazistischen Kameradschaften im Ruhrgebiet aktiv. In ihrem Redebeitrag zitierte sie ausgiebig aus dem Koran und versuchte aufzuzeigen, dass der Islam eine “menschenverachtende Ideologie” sei. Auch Mitglieder der französischen “Generation Identitaire”, dem Vorbild der rechten “Identitäten Bewegung” in Deutschland waren für einen Redebeitrag angereist. Ein weiterer Redner war der aus Pakistan stammende selbsternannte Prophet und “Islamkritiker” Zaid Khan.

Außer den angereisten Versammlungsteilnehmern bekam von diesen Redebeiträgen jedoch kaum jemand etwas mit. Auf mehreren Seiten der Polizeiabsperrung befanden sich lautstark protestierende “Kögida”-Gegner, auch die mehrere tausend Menschen umfassende Kundgebung des Bündnisses “Köln stellt sich quer” fand nur wenige Meter daneben statt. Auf Seiten der Gegendemonstranten ist von mindestens 12.000 Menschen die Rede, die gegen Rassismus auf der Straße waren.

So machten die Kundgebungsteilnehmer von “Kein Veedel für Rassismus” auch das vorher ausgegebene Motto “Pegida – läuft nicht in Köln” wahr. Mehrere tausend Menschen blockierten auf der Deutzer Brücke über den Rhein die geplante Demonstrationsroute von “Kögida”. Ein Sprecher der Kölner Polizei bezeichnete diese Blockade als friedlichen und vom Versammlungsgesetz gedeckten Spontanprotest. Als diese Information die “Kögida”-Kundgebung vorm Deutzer Bahnhof erreichte, drohte die Stimmung unter den Demonstranten zu kippen. Während der Anmelder Nobile den gewollten friedlichen Charakter betonte und klar machte, dass man nicht laufen könne, stimmte Melanie Dittmer die Demonstranten darauf ein, dass man auf jeden Fall eine Alternativroute erstreiten wolle. Als klar wurde, dass auch dies aufgrund der großen Zahl von Gegendemonstranten nicht funktionieren würde, erschallten aggressive “Räumt die Brücke”-Rufe.

Die einzigen Demonstranten, die am Montagabend die Deutzer Brücke überqueren sollten, waren dann allerdings die Teilnehmer der Gegenproteste, die sich nach Abreise der “Kögida”-Demonstranten in einem Demonstrationszug Richtung Altstadt bewegten. Das Wahrzeichen Kölns, der Dom, war auch zu dieser Zeit noch dunkel. Weil “Kögida” bis zum Dom demonstrieren wollte, war die Beleuchtung am Abend ausgeschaltet worden. Man wollte den Rassisten nicht ermöglichen, im Lichte des Doms gegen den Islam zu hetzen.

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11 Kommentare

  1.   ernsthaft

    “ Ich bin nicht Ihrer Meinung und ich werde mit allen Mitteln verhindern das Sie Ihre Meinung öffentlich äußern dürfen“ Von wem war das mal noch ? War das nicht irgend so ein Franzose ? Voltaire ? Kann das sein ?

  2.   Jochen Keil

    Ereignisse in Frankreich! Pegida hat doch recht.

  3.   ja, ernsthaft

    Respekt nach Köln – so muss das laufen (oder eben nicht, hehe)!
    Politische Meinungsäußerung ja, rechtsextreme Stimmungsmache nein danke!
    Demokratie muss sich wehren können, und die kleine Gida ist zutiefst undemokratisch.

  4.   Klaus Ehrlich

    U.a. der Kölner Widerstand hat zu einer Spaltung von PegiD NRW geführt.
    PegiD NRW wird nächste Woche keine Aufmärsche durchführen. Sie distanzieren sich von dem am 12. Januar in Düsseldorf startenden Dügida-Marsch unter der Leitung der ehemaligen Pressesprecherin und Mitglied der Teamleitung PegiD NRW Melanie Dittmer. Dittmer wurde von PegiD NRW und Pegida Dresden eiskalt die Franchise-Lizenz für Düsseldorf und Bonn entzogen. Ob sich der Streit auf zuviel oder noch nicht entrichtete Lizenz-Gebühren für die ehemaligen Franchise Ableger Bogida und Dügida ausweiten wird, ist uns momentan nicht bekannt. Nach dem Entzug der Franchise Lizenz für 18 Bürger King Filialen in Südbayern musste ein Unternehmer vergangenes Jahr erst Insolvenz anmelden.

    Neben Dittmers Äußerungen zum Holocaust sowie der PRO-NRW Vereinnahmung dürfte auch die Gewaltfrage eine Rolle gespielt haben. Dittmer wollte in Köln unbedingt marschieren. Als Pressesprecherin wurde Dittmer durch Sebastian Nobile abgelöst. Ein seit Jahren bekannter Aktivist der extremen Rechten, der Dittmer in seiner Gesinnung kaum nachstehen dürfte. German Defence League, Pro Deutschland, Pro-NRW, Identitäre Bewegung sind alles Gruppierungen, in denen Nobile Mitglied war oder eng mit ihnen kooperierte. Wir zeichnen die Entwicklung der Spaltung mit Screenshots und Erklärungen der Akteure nach. Pegida entwickelt sich immer mehr zum Irrenhaus und demontiert sich selber.

    PegiD NRW zerlegt sich – Dittmer Franchise-Lizenz für Dügida & Bogida entzogen!

    .

  5.   swandue

    Zur Diskussion gestellt:

    PEGIDA: Das Ablenkungsschauspiel geht weiter

    http://konjunktion.info/2015/01/pegida-das-ablenkungsschauspiel-geht-weiter/

    „Wie immer man zu PEGIDA steht – positiv, negativ oder neutral -, man kann sich immer weniger dem Eindruck erwehren als würde hier gezielt eine Medienkampagne aufgebaut werden, um die “echte Gefahr durch PEGIDA” zu bannen. Was ich damit sagen will, ist, dass die allgemeine Unzufriedenheit in Deutschland immer mehr zunimmt und die Leute ihren Unmut immer lauter und offenkundiger artikulieren. Und dabei dürfte das Argument der Islamisierung Deutschlands nur eine untergeordnete Rolle für viele der Teilnehmer spielen. Viele haben ganz andere Sorgen “im Gepäck” und tragen diese auf die Straße. Sorgen, die für die Politdarsteller, Banker und Großkonzernlenker immer mehr zu einer ernsten Gefahr werden und sie eine mediale Kampagne starten lässt, um bereits im Vorfeld ein weiteres Anwachsen dieser Gefahr unterbinden zu können.“

    „Unsere Mainstreammedien haben in den letzten Tagen und Wochen ihre “PEGIDA-ist-gefährlich”-Kampagne eindrucksvoll gefahren und sie scheint auch bestens zu funktionieren, wenn man die zehntausend Gegendemonstranten in allen möglichen Städten (seltsamerweise meist in den westlichen) sieht.“

    . . .

    „Und damit machen sich insbesondere die Gegendemonstranten zu einem Werkzeug, dass das bestehende System weiter unhinterfragt bleibt und bestehen kann, obwohl sie selbst massiv darunter leiden. Sie verschließen bewusst die Augen davor, dass ganz andere Existenzgefahren auf uns zu rollen, die system- und machtbedingt sind, als 18.000 Demonstranten in Dresden.“

  6.   ernsthaft

    Der islamistische Terroranschlag in Paris hätte auch in Köln stattfinden können.
    Ruft doch mal z.B. zum Montag, alle Bürger die sich für Meinungsfreiheit einsetzen
    zu einer Demo am beleuchteten Kölner Dom auf. Vielleicht mit Mohamed Karikaturen als Zeichen der Solidarität mit den ermordeten. Bei der Gelegenheit kann man ja auch mal den nicht so intellektuellen kurz den Unterschied zwischen Islam und Islamismus erklären.

  7.   Daniel

    @ernsthaft: Es ist widerwertig und perfide, diesen extremistischen Akt für seine eigenen Zwecke auszunutzen!
    Einfach nur abartig, wie nun alle Fundamentalisten aus ihren Löchern gekrochen kommen um Gewinn aus dieser Situation zu ziehen. Die Rechten in Deutschland und auf der anderen Seite die Erdogan-Junta mit ihren Rechtfertigungen.
    Damit haben die Terroristen ihr Ziel erreicht.

  8.   ernsthaft

    7.Daniel
    Sie meinen die Dumpfbacken mit ihren kruden Vorstellungen und diffusen Ängsten ?

  9.   ernsthaft

    Ich habe gerade den Begriff “ volkspädagogischer Tendenzjournalismus “ gelesen.
    Kann sich darunter jemand was vorstellen ? Sind die auch von der Einschränkung der Meinungsfreiheit bedroht ? Wie die Kollegen von ZON ? Die im Glashaus sitzen ? Tolle Kommentare findet man da…..


  10. @swandue: Sie haben völlig recht! Die Gegendemonstranten sind zum billigen Werzeug der Medien und Politik verkommen und merken es nicht mal. Besonders erschreckend ist die Arroganz, entscheiden zu wollen, wer ein Recht auf Meinungsäußerung hat und wer nicht. Diese Vorgehensweise erinnert mich an den Beginn des 12-jährigen Reiches. Auch damals gab es zu Beginn die „Gutmenschen“, die entschieden, welche Meinung die Richtige ist. Ich bin mir sicher, das der Linksextremismus zu einer der größten Gefahren in den nächsten Jahren wird. Im Gegensatz zu den rechtsradikalen Vereinigungen haben diese die Unterstützung der Mainstreammedien, die ihnen den Weg in die Gewalt ebnen.