Wie ein Neonazi im Ruhrgebiet Angst schürt

Im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort betreibt ein Rechtsextremer ein Begegnungszentrum. Die Gemeinschaft soll Gleichgesinnte anziehen und andere Bürger einschüchtern.

Von Dennis Pesch

Kamp-Lintfort: Wie ein Neonazi im Ruhrgebiet Angst schürt
Eine Demonstration von Neonazis © Dennis Pesch

„Ich freue mich, heute in meinen Geburtstag reinzufeiern“, rief der Neonazi Kevin G. Mitte August seinen Gästen in einer Diskothek im nordrhein-westfälischen Moers zu. Außerdem hatte er noch ein Lob für die Besitzer des Etablissements übrig: Er pries ihre „Standhaftigkeit und Unbeugsamkeit“, weil sie vor der Party kritisiert wurden, dass sie für G. und seine rechtsextremen Kameraden eigens ein Kartenkontingent reserviert hätten. Das Geburtstagskind selbst legte an dem Abend die Musik auf, es liefen die Böhsen Onkelz und Frei.Wild, Bands, die als Einfallstor in extrem rechte Lebenswelten gelten.

Eigentlich sollte an diesem Samstag eine weitere Party stattfinden. Die wurde jedoch abgesagt, weil die Diskothek wegen baulicher Mängel schließen muss. Dennoch soll am Abend ein Protest des Bündnisses Bunter Stammtisch Moers stattfinden. Unter dem Motto „Moers rockt bunt, nicht braun“ wollen Demonstranten gegen den Einfluss von G. und seiner Gefolgschaft in der Ruhrgebietsstadt protestieren.

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Holocaustleugner inszeniert sich vor Gericht

Ein Rechtsextremer verneint den Massenmord an den Juden, kommt vor Gericht – und macht dort einfach weiter. Das bringt ihm eine Bewährungsstrafe – und einen Ruf als Märtyrer.

Von Dennis Pesch

Henry Hafenmayer: Holocaustleugner inszeniert sich vor Gericht
Das Vernichtungslager Auschwitz – Sinnbild des Holocaust, den Rechtsextreme bis heute verneinen. ©dpa/Monika Skolimowska

Eine Menschengruppe steht im Kreis vor Saal 256 des Duisburger Landgerichts. In ihrer Mitte steht Henry Hafenmayer. Der Angeklagte trägt ein weißes Hemd in schwarzer Jeans, seine Gürtelschnalle zeigt die Reichsflagge. Es ist der siebte und letzte Prozesstag seines Berufungsprozesses wegen Holocaustleugnung, angesetzt waren nur zwei. Am Ende hat sich das Verfahren drei Monate lang hingezogen. Die Unterstützer, die Hafenmayer umringen, waren bei allen Terminen dabei. Überwiegend kommen sie aus dem Spektrum der sogenannten Reichsbürger.

In erster Instanz war der 46-Jährige 2017 vom Amtsgericht in Oberhausen zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden, wegen vier Fällen von Volksverhetzung – genauer gesagt: der Leugnung des Holocaust. Im November 2015 und im Februar 2016 hatte er zwei offene Briefe an Hunderte staatliche Stellen, die rumänische Botschaft und ein Pressebüro geschickt. Die Briefe veröffentlichte er auf seiner Website mit dem Titel „Ende der Lüge“. Und Hafenmayer macht weiter – selbst im Gerichtssaal. Sein Fall zeigt, wie Rechtsextreme sich mit den Mitteln der Strafprozessordnung eine Bühne verschaffen können.

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Neustart für Neonazi-Bewegung in NRW?

Ein nordrhein-westfälischer Rechtsextremist will ein Netzwerk aus Hooligans wiederbeleben. Auf einer Demonstration hetzen Neonazis gegen Migranten und den Staat.

Von Jennifer Marken

Hooligans: Neustart für Neonazi-Bewegung?
Der Hooligan-Demonstrationszug in der Mönchengladbacher Innenstadt © dpa/Caroline Seidel

Was wie eine von vielen Neonazi-Demonstrationen wirkte, war der Versuch einer rechtsextremen Wiederbelebung. Am Sonntag kamen in der Innenstadt von Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen 700 Hooligans zu einer Kundgebung zusammen. Sie brüllten Parolen wie „Europa, Jugend, Revolution“, „Macht die Grenzen dicht“, „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.

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Rechtsextreme Bürgerwehr will Angst schüren

Sie geben vor, für Sicherheit sorgen zu wollen – tatsächlich verbreiten sie Furcht und Einschüchterung: In Essen streifen Mitglieder einer rechtsradikalen Schutztruppe durch die Straßen.

Von Barbara Schulze

Mitglieder der Steeler Jungs bei einem ihrer Patrouillengänge © Barbara Schulze

Seit knapp zwei Jahren spielen sich im Essener Stadtteil Steele die gleichen Szenen ab: Jeden Donnerstag gegen 18 Uhr laufen 50 bis 200 Männer und einige Frauen auf dem Grendplatz auf. Parolen brüllen sie nicht, wie sie überhaupt kaum mit Außenstehenden sprechen. Viele tragen T-Shirts und Mützen mit der Aufschrift „Steeler Jungs“, es wirkt wie eine Uniform.

Mit einer klaren Mission scheinen die Steeler Jungs nicht unterwegs zu sein – auf den ersten Blick. Tatsächlich patrouilliert die Gruppe nach Art einer Bürgerwehr durch das Viertel der Ruhrgebietsstadt. Was den Eindruck erwecken soll, es ginge um Schutz, dient in Wahrheit der Einschüchterung: Die Spaziergänge, wie die Jungs sie selbst benennen, sollen Angst vor einer angeblichen Gefahr durch Flüchtlinge und andere Einwanderer schüren. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz führt die Organisation in seinem Jahresbericht auf. Demnach wollen die Mitglieder „den Eindruck erwecken, dass Flüchtlinge generell eine Bedrohung darstellen“.

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Bierkrug, Hitlergruß und Widerstand gegen die Polizei

Strafe für rassistische Beledigungen und eine Kneipenschlägerei: Das Amtsgericht Dortmund verurteilt den Neonazi Sascha Krolzig zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung.

Von Jennifer Marken

Sascha Krolzig bei einem Wahlkampfauftritt in Brühl / © Jennifer Marken

Sascha Krolzig, Bundesvorsitzender der neonazistischen Partei Die Rechte, hat mit 32 Jahren bereits eine steile Neonazikarriere gemacht und ein entsprechendes Vorstrafenregister. Bereits im März 2005 hatte Krolzig als 17-Jähriger bei einer Rede in Dortmund die SA-Losung „Alles für Deutschland“ verwendet, was ihm eine sechsmonatige Jugendstrafe ohne Bewährung eingetragen hatte. Im Februar 2018 war der selbsternannte Trauerredner dann wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden: Die Revision soll nach mehrfacher Verlegung am 10. Oktober 2019 vor dem Landgericht Bielefeld stattfinden.

Nun wurde vor dem Amtsgericht Dortmund erneut gegen Krolzig verhandelt. Er war zusammen mit dem Dortmunder Neonazi Matthias D. (27) und Jan-Peter Z. aus dem Umfeld von Die Rechte Bielefeld angeklagt. Krolzig wurde wegen des Verwendens verfassungsfeindlicher Kennzeichen und versuchter gefährlicher Körperverletzung zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Sein Bielefelder Kollege Z. zu 100 Tagessätzen á 30 Euro. Er war noch nicht vorbestraft. Weiter„Bierkrug, Hitlergruß und Widerstand gegen die Polizei“

 

Neues Neonaziflugblatt stiftet Angst

In Köln haben Hunderte Menschen an den Bombenanschlag des NSU erinnert, kurz zuvor sind Flugblätter der rechtsextremen Gruppe Atomwaffendivision Deutschland aufgetaucht. Nicht zum ersten Mal.

Von Martín Steinhagen

Rechtsextremismus: Aktivisten erinnern an den Anschlag von vor 15 Jahren. © Roland Kaufhold
Aktivisten erinnern an den Anschlag von vor 15 Jahren. © Roland Kaufhold

Um 15.56 Uhr wird es still auf der Kölner Keupstraße. Vor 15 Jahren detonierte um diese Zeit dort eine mit Nägeln gespickte Bombe, gelegt von den Mitgliedern der rechtsextremen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), und verletzte 22 Opfer, vier davon schwer. Am Sonntag sind einige Hundert Menschen zusammengekommen, um gemeinsam daran zu erinnern. Die Keupstraße ist für den Verkehr gesperrt, an langen Tafeln aus Bierbänken sitzen die Menschen mitten auf der Straße zusammen, es werden Reden gehalten, Musiker spielen.

Auf der Keupstraße geht es an diesem Tag aber nicht nur um die Vergangenheit, um die Narben, die der rassistische Anschlag und auch der Umgang der Behörden damit hier hinterlassen haben. Es geht auch um die Zukunft des Erinnerns, um ein Mahnmal, das sich hier viele wünschen, für das die Stadt aber noch immer keinen Platz gefunden hat. Und es wird über Neonaziflugblätter geredet, die einige Tage zuvor aufgetaucht sind. Ausgerechnet hier in Köln-Mülheim, nicht weit von der Keupstraße entfernt.

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Wie Neonazis den Tag der Arbeit missbrauchen

Neonazis nutzen den 1. Mai für Demonstrationen mit ausländerfeindlicher Hetze. In Plauen marschierte der Dritte Weg, in Duisburg Die Rechte. Besonders beliebt: Parolen aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Von Hardy Krüger und Jennifer Marken

Rechtsextremismus: Anhänger des Dritten Wegs ziehen mit Fahnen und Fackel durch Plauen
Anhänger des Dritten Wegs ziehen mit Fahnen und Fackel durch Plauen. © Hardy Krüger

Beobachter der rechtsextremen Szene kennen die Kleinpartei Der Dritte Weg als Sammelbecken für Neonazis. Doch im sächsischen Plauen wollten deren Anhänger bei einer Demonstration zum 1. Mai ihr liebstes Selbstbild vermitteln: als warmherzige Kümmerer. Aktivisten hatten Stände aufgebaut, an denen sie gespendete Kleidung verschenkten. Doch von der gewünschten Zielgruppe – deutschen Bedürftigen – kamen weniger als erwartet.

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Stimmenfang mit Judenhass

Mit antisemitischen Parolen und Bewunderung für eine Holocaustleugnerin beginnt eine rechte Kleinpartei ihren Europawahlkampf. Der Auftakt in Wuppertal wird zum Flop.

Von Jennifer Marken

Die Rechte: Mit Anti-Israel-Plakaten demonstrieren Neonazis in Wuppertal. © Jennifer Marken
Mit Anti-Israel-Plakaten demonstrieren Neonazis in Wuppertal. © Jennifer Marken

Zum Auftakt ihres Europawahlkampfes hatte die Kleinpartei Die Rechte schon tiefgestapelt – und sich dann noch unterboten: Mit gerade einmal 200 Anhängern rechnete sie für eine Kundgebung zum Geburtstag Adolf Hitlers im nordrhein-westfälischen Wuppertal. Es kamen 100.

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Die Hooliganpatrouille von Düsseldorf

In Düsseldorf marschiert eine Truppe selbst ernannter Aufpasser durch die Stadt. Ihr Ziel: Angst und Einschüchterung verbreiten. Jetzt formiert sich Widerstand.

Von Jennifer Marken

Rechtsextremismus: Mitglieder der Bruderschaft Deutschland, hier bei einem angeblichen Trauermarsch für einen toten Neonazi im September 2018 in Mönchengladbach © Christophe Gateau/dpa
Mitglieder der Bruderschaft Deutschland, hier bei einem angeblichen Trauermarsch für einen toten Neonazi im September 2018 in Mönchengladbach © Christophe Gateau/dpa

Die einschüchternden Bilder waren gewollt: 34 Hooligans versammelten sich im Oktober 2018 zum Gruppenfoto am S-Bahnhof Düsseldorf-Eller Süd, gekleidet in Bomberjacken, schwarzen Kapuzenpullovern oder Anoraks mit Tarnfarben. Das Foto der Männergesellschaft, die öffentlich unter dem Namen Bruderschaft Deutschland auftritt, wurde über Twitter verbreitet.

Die rechte Truppe selbst marschierte anschließend durch den Stadtteil Eller. Das Viertel in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt sollte ab jetzt ihr Gebiet sein, das war die eindeutige Botschaft der Patrouillen. Es folgten noch weitere.

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Rechte Bürgerwehr verbreitet Angst

Der rechte Verein Begleitschutz will in Köln für mehr Sicherheit sorgen. Stattdessen schürt die selbst ernannte Bürgerwehr Furcht vor Migranten und verbreitet Hetze.

Von Jennifer Marken

Köln: Rechte Bürgerwehr verbreitet Angst
In Köln sorgt eine rechte Bürgerwehr-Truppe für Verunsicherung
© Wolfgang Rattay /Reuters

Viel war nicht zu verstehen, als sich am Samstag 80 rechte Aktivisten hinter dem Kölner Hauptbahnhof zur Demonstration zusammenrotteten. Die benzinbetriebene Tonanlage funktionierte nicht recht, vom Auftritt des Kampfredners Serge Menga aus Essen waren nur Fetzen zu hören. 700 Gegendemonstranten stellten sich lautstark gegen die Gruppe, die als sogenannter Begleitschutz in der Rheinmetropole auftritt.

Der Kundgebung hatten die Teilnehmer das Motto „Demo gegen jegliche Form von Gewalt und Extremismus“ gegeben. Tatsächlich sind die selbst ernannten Schützer selbst des Extremismus verdächtig.

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