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Remagen: Neonazis planen erneut Gedenkmarsch

 
2014 ganz vorne mit dabei: Neonazis, die sich im Prozess gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ verantworten müssen © Fabian Boist

Am Samstag wollen erneut hunderte Neonazis durch Remagen ziehen. Weil dort ein Gefangenenlager der Alliierten existierte, treffen sich einmal im Jahr Rechtsextreme in dem Ort. Zuletzt waren es mehr als 150. In diesem Jahr soll es breiten Protest gegen den Aufmarsch geben. Insgesamt sind sechs Gegenveranstaltung angekündigt.

Die „Rheinwiesenlager“

Anlass des Naziaufmarsches sind die „Rheinwiesenlager“, ehemalige Kriegsgefangenenlager der Alliierten. Sie wurden zum Ende des Zweiten Weltkrieges eingerichtet, um die große Zahl deutscher Kriegsgefangener unterzubringen. Entlang des Rheins gab es etwa 20 solcher Lager, eines davon in Remagen im nördlichen Rheinland-Pfalz. Insgesamt waren in den „Rheinwiesenlagern“ etwa eine Million Kriegsgefangene untergebracht. Historikern zufolge sind etwa 5000 bis 10000 von ihnen gestorben, überwiegend durch Krankheiten und aufgrund mangelnder Versorgung. Die Rechten glauben es waren mehr als eine Millionen.

Jährlicher Gedenkmarsch

Seit 2009 organisieren Neonazis den Aufmarsch in Remagen jährlich. Dieser entwickelte sich schnell zur größten Naziveranstaltung in Rheinland-Pfalz. Zeitweise nahmen bis zu 250 Neonazis an der Veranstaltung teil. Bis 2012 organisierte das „Aktionsbüro Mittelrhein“ (ABMR) den Gedenkmarsch. Dann rückte die Kameradschaft in den Fokus der Staatsanwaltschaft Koblenz. 26 Mitglieder und Unterstützer des Aktionsbüros müssen sich seitdem vor dem Landgericht Koblenz verantworten. Der Vorwurf: Bildung bzw. Unterstützung einer kriminellen Vereinigung. Trotzdem fand der Gedenkmarsch auch in den Folgejahren statt. Neonazis aus dem Umfeld der Partei „Die Rechte“ aus NRW veranstalteten fortan den Aufmarsch. Im letzten Jahr waren erstmals wieder Neonazis in den Ablauf der Veranstaltung eingebunden, die sich im Prozess gegen das Aktionsbüro mitverantworen müssen.

Wenig Mobilisierung

In diesem Jahr setzen die Neonazis kaum auf öffentliche Werbung. Auf der offiziellen Internetseite der Veranstalter findet sich nur ein Video, im sozialen Netzwerk Facebook gibt es nur wenige Einträge mit Bezug auf den Aufmarsch. Besonders in den ersten Jahren des Gedenkmarsches war die Strategie der Nazis eine andere. Im Vorfeld des Gedenkmarsches hatten sie eine Vielzahl von Aktionen organisiert.

Inzwischen scheinen sich die Veranstalter hingegen auf einen festen Unterstützerkreis zu verlassen. Tatsächlich waren es meist die gleichen Neonazigruppen aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg, die an dem Aufmarsch teilnahmen. Trotzdem sind die Teilnehmerzahlen rückläufig. Im letzten Jahr zogen nur etwa 150 Neonazis durch Remagen, etwa 100 weniger als im Vorjahr.

Sechs Gegenveranstaltung angekündigt

Anders auf der Gegenseite: Antifaschisten organisieren in Remagen seit Jahren verstärkt Protest. Auch in diesem Jahr, insgesamt sind sechs Veranstaltungen angekündigt. Neben einer antifaschistischen Demonstration wird es einen Gedenkspaziergang geben, bei dem historische Orte in Remagen besucht werden sollen. Darüber hinaus organisiert das „Bündnis für Demokratie und Frieden“ wie in den Jahren zuvor eine „Meile der Demokratie“. Dort sind Parteien, Initiativen und Schulen mit Informationsständen und kreativem Programm vertreten. Außerdem organisiert das Bündnis erneut einen „Spendenlauf gegen Rechts“. Für die ersten 100 Teilnehmer des Naziaufmarsches sollen je zehn Euro, für jeden weiteren 20 Euro an die Aussteigerhilfe Exit gespendet werden.

1 Kommentar

  1.   Udo

    »Die Rechten glauben es waren mehr als eine Millionen.«? Da steht ja erstmal nur »eine million tote rufen zur tat«. Wenn sich eure Behauptung also auf das Transparent bezieht: Die Millionen sind möglicherweise wirklich tot, und zwar direkt nach der Heimkehr, indem sie die nicht ertragen und sich das Leben genommen haben, oder inzwischen, weil sie ja wie das Kriegsende schon ein paar Jahre her sind. Finde es jedenfalls peinlich in Remagen zu demonstrieren, wo es doch sicher schmerzhaftere Internierungslager gegeben hat. Und ist ja nicht so das die dort inhaftierten ohne Grund dagewesen wären. Kriegsverbrecher wie die Wehrmacht hätten härtere Strafen verdient.