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Neonazis planen konspiratives Konzert in Wetzlar

 
Erst vor wenigen Tagen spielte Liedermacher „Phil“ nach eigenen Angaben ein Konzert in Bulgarien – Screenshot von Facebook

Neonazis planen am Freitag offenbar nicht nur einen Fackelmarsch im hessischen Wetzlar. Nach Informationen des Störungsmelders soll im Anschluss auch ein „Balladenabend“ stattfinden.

Auftreten soll der rechtsextreme Liedermacher Philipp Neumann, der unter dem Pseudonym „Phil“ in der Szene bekannt ist. Wo genau das Konzert stattfindet, halten die Rechtsextremen geheim. Auch die Polizei hat eigenen Angaben zufolge keine Kenntnis von der Veranstaltung. Auf Anfrage des Störungsmelders teilte ein Sprecher mit, der Polizei lägen „keine Informationen über eine rechte Musikveranstaltung im Raum Wetzlar vor“.

Neumann ist auch Sänger der Rechtsrockband „Flak“ aus dem Rheinland. Sowohl mit seiner Band als auch als Liedermacher verbreitet Neumann rassistisches und völkisches Gedankengut: „Überfremdet und verblendet verkommt die deutsche Jugend (…). Es gibt nur einen Ausweg für unser Volk, unser Blut und unsere Tradition: Revolution“, heißt es in einem Lied von „Flak“. In den vergangenen Jahren trat Neumann ausschließlich als Liedermacher auf, vor allem in den vergangenen Monaten spielte er verstärkt Konzerte. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte er Videos auf Facebook, die ihn bei einem Auftritt in Bulgarien zeigen.

Vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass Neonazis aus dem Umfeld der NPD am Freitag einen Fackelmarsch in Wetzlar planen. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage des Störungsmelders mitteilte, steht die Veranstaltung unter dem Motto „Wir glauben an unsere Jugend – die anderen an Zuwanderung“. Um 19 Uhr werde der Aufmarsch am Bahnhof beginnen und von dort aus in den Stadtteil Niedergirmes ziehen. Die Veranstalter rechnen nach Angaben der Stadt mit 200 Teilnehmern.

Nazigegner haben angekündigt, gegen den Aufmarsch zu protestieren. Der Deutsche Gewerkschaftsbund etwa plant eine Gegendemo. Das Bündnis „Wetzlar – bunt statt braun“ ruft unter dem Motto „Jugend braucht Zukunft, (…) und keine Neonaziaufmärsche (…)“ zu „bunten Aktionen gegen Hass und Gewalt“ auf.

Bereits vor etwa einem Jahr veranstalteten Neonazis einen Aufmarsch in Wetzlar. Damals kamen Medienberichten zufolge etwa 150 Rechte, mehr als 500 Menschen demonstrierten dagegen.