Dick, satt und teigig
Ein unsägliches sechstes Album zum Mitgrölen und Schunkeln: So durchschaubar wie auf “Battle For The Sun” klangen Placebo noch nie
Geschmackssicher waren Placebo immer. Ihre bislang fünf Alben hüllten sie in glänzende Fotografien, die immer auch Ausdruck ihrer Musik waren. Der Zehnjährige auf ihrer ersten Platte trug einen viel zu großen Wollpullover, und der Sänger Brian Molko kreischte wie ein ängstlicher Junge, dem das Leben nicht eben angegossen saß. Die sich schweigend und selbstversunken Gegenübersitzenden auf dem zweiten Werk Without You I’m Nothing illustrierten seine Lyrik von Entfremdung und Verwirrung: “Your smile would make me sneeze, when we were siamese, don’t go and lose your face, at some stranger’s place, and don’t forget to breath”, sang Brian Molko in dem gespenstischen Lied The Crawl.
Die beiden ersten Alben aus den späten Neunzigern waren Placebos Meisterwerke, die folgenden drei waren mal mehr, mal weniger erfolgreiche Versuche, diesen leicht entzündlichen Cocktail aus Energie und Melodie erneut zu mischen. Mehr kann auch Placebos neues Werk Battle For The Sun nicht sein. Soviel vorweg: Es ist ihr erster vollständig misslungener Versuch.
Vom Schrecken kündet einmal mehr die Hülle, denn die ist erstaunlich einfallslos. Eine vom Mond verdeckte Sonne auf hellblauem Grund, eine verwischte Korona, rechts dringen eben die ersten Strahlen durch. Auf dem schwarzen Mond verrät ein schmuckloser Aufkleber den Titel des Albums. Digitale Bildbearbeitung an ihrem Tiefpunkt: So durchschaubar waren Placebo noch nie, so unansehnlich ohnehin nicht.
Dennoch, ersteinmal klingt Battle For The Sun wie ein typisches Placebo-Album. Die Gitarren leicht verstimmt, der Sänger nörgelig, der Bass schön laut. Doch etwas stimmt nicht. Schon die Single For What It’s Worth rockt arg flach, Brian Molko scheint den Text per Placebo-Lyrik-Zufallsgenerator geschustert zu haben: “Come on, walk with me, into the rising tide!” Und: “No one cares when you’re out in the street. No one cares when you’re down in the gutter. Got no friends, got no lover.” Dann, oh Schreck!, Bläser, Stöhnen, Gitarren dick und satt und teigig.
Kitty Litter zu Beginn des Albums ist gar nicht so übel. Kreischig, auch melodiös und überzeugend rumpelig. Doch das war es auch schon. Alles weitere versinkt im Breitwandkleister konventionell gedroschener Rockakkorde. Der Sinn fürs Ästhetische ist Placebo verloren gegangen. Am deutlichsten wird das im unerträglichen Refrain der Rockhymne Ashtray Heart, im streicherzerbügelten Titelstück und im von Mariachi durchkreuzten Gitarrensolo in The Never-Ending Why. Hier passt nichts zusammen.
Manche hübsche Idee geht unterwegs verloren. Bläser? Warum nicht. Aber doch nicht so! Drollige Elektronik? Schwiemelige Geigen? Ja, auch die mag man manchmal hören. Aber zu solchem Muckerrock? Und alles auf einmal? Und auch noch dermaßen berechnend aufs Mitgrölen und Schunkeln hin aufgenommen? Nein, das bereitet kein Hörvergnügen.
Im Sommer bedröhnen Placebo wieder einmal die großen Freiluft-Festivals der Welt. Da gehören sie hin, das können sie. Sollten sie Battle For The Sun absichtlich auf die bierseligen Mitsinger hinkomponiert haben, wer weiß, vielleicht ist ihnen dann ja doch etwas ganz Großes gelungen.
“Battle For The Sun” ist bei PIAS/Roughtrade erschienen
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Hm. Als langjähriger Placebo-Fanatiker war ich auch erst durchaus enttäuscht.
Nach dreimaligen Anhören hatte ich mich aber gut reingehört und fand auch endlich die Nuancen die ich an Placebo so liebe, nur ein bisschen versteckt halt.
Dann der Auftritt im Gloria (1live-Konzert), wo ich das Glück hatte dabeizusein. Placebo sind einfach eine verdammt gute Live-Band und die Songs haben mich größtenteils spätestens dann überzeugt. Man muss sich vielleicht mal damit beschäftigen, wie die Jungs an das Album rangegangen sind (und hey, kein einziges Wort zum neuen Schlagzeuger?).
Ich kann für mich nur sagen, dass das Album mich überzeugt hat und ich bin froh, dass ich mir die superspecialsonderdeluxe-limited-edition-box für 80€ geholt hab
Mag mittlerweile sogar das Cover.
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Ich fand die ersten drei Alben gut, “Sleeping with ghosts” war ein weng zu poppig, Meds fand ich total langweilig. Ich glaube, das neuste Album werde ich auf jeden Fall trotzdem anhören.
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Dieses 6. Studioalbum ist das Beste, was Brian und Stefan jemals abgeliefert haben. Dazu die Drums mit dem jungen Steven Forrest grandios neu besetzt und Fiona an der Violine, alles fügt sich perfekt zusammen zu einem zeitlosen Stück Musikgeschichte. Wie sagte Brian kürzlich so treffend:” It feels more then ever like a new beginning”.
Dieses Album besteht aus 13 unterschiedlichen Songs wobei nicht ein einziger Song es nicht verdient hätte, auf diesem Album zu erscheinen. Nach dem Ende der Meds-Tour Ende 2007 war ich mir nicht sicher, ob und wie es mit dieser Ausnahmeband weiter geht. Es ist schon erstaunlich, das Brian und Stefan es immer wieder schaffen, das Vorgängeralbum noch zu toppen.
Das 1Live Konzert im Kölner Gloria (ich war leider nur per Videostream dabei) war mit Sicherheit eines der besten Konzerte von Placebo überhaupt.
Unglaublich erwachsen sind die Jungs geworden, die Fans der ersten Stunden aber auch. Danke Placebo, weiter so.”There are 20 years to go…”
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Kann mir nicht vorstellen, dass Brian Molko Musik für bierselige Mitsinger macht, so was blödes habe ich ja noch nie gelesen.
Gewiss ist das Album anders wie die Vorgänger, ab und zu kratzt es tatsächlich am Mainstream. Trotzdem gefällt mir die neue Platte. Ich habe sie auch in Köln gesehen, sie sind immer noch Placebo. Sie haben wieder Spass an dem was sie tun und das gefällt auch uns Fans.
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Meiner Meinung nach ist “Battle for the sun” ein unglaublich gut gelungenes, stimmiges Album mit Tiefgang. Sowohl die Melodien, als auch die Texte aller Titel haben es fast durchgehend geschafft, mir Gänsehaut zu machen. Es steht seinen Vorgängern in nichts nach, auch wenn es mit den allerersten Platten nur noch in wenigen Punkten zu vergleichen ist. Jedoch bleibt die Gemeinsamkeit, dass sie alle 6 absolut Placebo-typisch sind.
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[...] ZEIT ONLINE: Placebo: “Battle For The Sun” (PIAS/Rough Trade 2009) [...]
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[...] Teile ihres brandneuen Albums "Battle For The Sun" vor. Insgesamt sieben Lieder aus "Battle For The Sun" spielte die Band, darunter den Opener "Kitty Litter ", die erste Single "For What [...]
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am wochenende hörte ich placebo bei rock im park live – und sie waren einfach einzigartig. durchaus sind die neuen stücke von battle of the sun anders als die bisherigen alben der band. doch auch live sind die songs sehr gut rübergekommen und die masse war absolut begeistert
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