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Bunt glasierter Krapfen

Von 21. Dezember 2009 um 11:03 Uhr

Alicia Keys ist endgültig dem pathetischen Wohlklang verfallen. Ihr neues Album “The Element Of Freedom” stammt direkt aus der Zuckerbäckerei

© Sony Music

© Sony Music

The Element Of Freedom ist der Titel des Vortrags, mit dem Alicia Keys diesen Herbst durch amerikanische College-Hörsäle tourte. Dass so auch ihr aktuelles Album heißt, muss man wohl programmatisch verstehen. Früher habe sie sich in einen Raum eingesperrt und wochenlang an ihrer Musik gearbeitet, ließ die Sängerin und Pianistin verlauten, inzwischen schätze sie “die Freiheit des Spiels”.

Wer nun exaltierte Beats oder unerhörte Arrangements erwartet, wird enttäuscht: Je nach Blickwinkel mutiert oder mausert sich Alicia Keys auf ihrem vierten Studioalbum vom Soulwunderkind zur Mainstreamdiva – und bricht damit ein frühes Versprechen. Auf ihrem Debüt Songs In A-Minor hatte sie die Rückkehr des Spirituellen in die von allen guten Geistern verlassene Groove-Hülse des Rhythm’n'Blues gefeiert. Auch die Nachfolgealben glänzten mit einer seltenen Kombination aus Sozialkritik und alten Soultugenden.

Nun aber scheint Alicia Keys endgültig dem pathetischen Wohlklang verfallen: Offensichtlich hat sie vergessen, dass erst gewisse Bitterstoffe die Musik ihrer großen Vorbilder – Billie Holiday, Aretha Franklin und Nina Simone – so reizvoll machten. Und schon die Vorabsingle Doesn’t Mean Anything wirkt wie einer dieser bunt glasierten Krapfen, die auf den ersten Blick Appetit machen, aber ziemlich schnell zur Übersättigung führen.

Und es wird nicht besser. The Element Of Freedom ist eine einzige Zuckerbäckerei: vollgestopft mit süßlichen Klavierornamenten und sirupartigen Melodien. Nicht einmal der Gesang – ihre heiser-überspannte, mal flötende, dann wieder rau fordernde Stimme – vermag es zu richten. Wenn so die Freiheit klingt, wäre es wohl besser gewesen, sie hätte sich allein mit ihrer Musik in einen Raum eingesperrt.

“The Element Of Freedom” von Alicia Keys ist erschienen bei Sony Music.

Dieser Artikel ist der ZEIT Nr. 52/2009 entnommen.

Kategorien: Pop, Soul
Leser-Kommentare
  1. 1.

    1. Dieses Album ist super. Wirklich jedes Lied ist wunderschön, einfach wunderbar zu hören!!

    2. An der Rezension ist was Wahres dran. Doch wer wird einen Schmetterling dafür tadeln, dass er wunderbar in der Sonne flattert – und ihn zu Betrachten zwar nicht die Nöte der Welt löst, aber einem ganz warum ums Herz werden lässt?

  2. 2.

    Ich find jetzt den Pop- Appeal gar nicht mal als so störend, es ist immer noch ein streckenweise sehr gutes Alicia Keys- Album, das zwar nicht durchweg überzeugt, aber ich denke Frau Keys darf auch mal sowas, ohne dass sie an Glaubwürdigkeit verliert.

    Zumal die Stimme immer noch schön warm, einzigartig und soulig ist und da kann sie sich von mir aus auch in poppigere Gefilde bewegen. Ich liebe es trotzdem.

    • 21. Januar 2010 um 10:31 Uhr
    • Toni H.
  3. Kommentar zum Thema

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