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Oh, wie schön klingt Arizona

 

Howe Gelb zeigt seinen einstigen Kumpels von Calexico, was ein echtes Americana-Album ist: Sein neues Werk „Tucson“ ist die erste Country-Rock-Oper der Musikgeschichte.

© HoweGelb.com

Vielleicht hat es Howe Gelb ja tatsächlich gewurmt. Dass die Würstchen, die er gnädigerweise einst in seine großartige Band aufgenommen hatte, sich einbildeten, sie könnten das große amerikanische Erbe ebenso gut verwalten wie er. Dass diese Typen dann mit ihrem Nebenprojekt auch noch erfolgreicher wurden als der Meister selbst. Also hat er diese undankbaren Gesellen gefeuert.

Und nun beweist er ihnen nicht nur, dass der alte Mann es noch drauf hat. Sondern zeigt den selbstgefälligen Epigonen, dass er mal eben ganz locker aus dem Ärmel schüttelt, womit Calexico, die übrigens im September ihr neues Albums Algiers herausbringen werden, eine große Nummer wurden.

Giant Giant Sand – Forever And A Day

Zugegeben, es braucht wohl ein gehöriges Maß an unsachgemäßer Küchenpsychologie, um die Geschichte von Howe Gelb, seiner nun schon 27 Jahre alten Band Giant Sand und seinen langjährigen Mitspielern Joey Burns und John Convertino, die heute als Calexico die Sehnsucht der Europäer nach mythischer amerikanischer Weite befriedigen, so zu interpretieren. Das neueste Werk des mittlerweile 55-jährigen Gelb, den man getrost bezeichnen kann als wichtigsten Begründer dessen, was wir heute Americana nennen, aber legt so eine Auslegung zumindest nahe.

Howe Gelbs kleines Orchester (© Cargo)

Für das Album Tucson, benannt nach der Stadt in Arizona, in der Gelb lebt, hat er seine Band nicht nur in Giant Giant Sand umbenannt, sondern mit Streichern, Bläsern, Steel Guitar und Gastsängern zu einem zwölfköpfigen Alt-Rock-Orchester aufgeplustert. Mit dem hat er 19 Songs eingespielt, die sich, so der Untertitel, zur ersten „Country Rock Opera“ der Musikgeschichte zusammenfügen. In dem Epos erzählt Gelb die Reise eines „halb ergrauten Mannes mit jungshafter Naivität“, die den Protagonisten ins Gefängnis und zu neuer Liebe führt.

Ungefähr ein Jahrzehnt, nachdem er den Gitarristen Burns und den Schlagzeuger Convertino aus seiner Band geschmissen hat, scheint er ihnen mit dem ihm eigenen, verschrobenen Größenwahn sagen zu wollen: Das, was Calexico so gut können, habt Ihr alles von mir gelernt. Nämlich schicke Americana mit Tex-Mex-Flair und Jazz-Vibe, mit Bläsern und Streichern, üppigen Arrangements und einem staubigen Geschmack. Musik, die als Sound-Tapete ebenso funktioniert wie als musikalische Fernreise. Songs, die eifrig amerikanische Klischees reproduzieren und doch nie zur Karikatur verkommen.

Giant Giant Sand – Detained

Das alles konnten Giant Sand zwar auch schon immer, aber der erratische Gelb neigte bislang immer wieder dazu, seine Ideen allzu sehr ausufern zu lassen. Die hübschesten Songs wurden eben nicht prächtig ausgestattet, sondern lieber schnell hingehuscht wie eine Skizze, bevor sich Gelb der nächsten Eingebung widmete. Als hätte er Angst vor dem Erfolg, den schließlich Calexico ernten durften.

Diese Angst hat Gelb nun offenbar abgelegt: Tucson ist ein wundervolles Country-Rock-Album mit schläfrigem Roots Rock und schummrigem Bar-Jazz. Nun singt der Kuchen selbst, die Krümel müssen erst einmal schweigen.

„Tucson“ von Giant Giant Sand ist erschienen bei Fire Records/Cargo.

14 Kommentare


  1. Giant Sand und Calexico als Americana zu bezeichnen verwirrt mich dann doch schon.
    Und über die neue Platte erfahre ich im Text auch nicht viel. Dieses Giant-Sand-vs-Calexico-Ding sagt ja noch nichts über die neue Platte, oder?

  2.   Rabea Weihser

    @Don Alberto: Dann doch einfach mal reinhören! 😉
    Grüße aus der Redaktion.


  3. ja sicher, super Musik!
    Ich weiß es ist nicht einfach über Musik zu schreiben, aber irgendwie die dreckige Wäsche für Calexico und Giant Sand zu waschen, macht mich nicht neugirig auf die neue Platte, oder?

  4.   frillinx

    giant giant sand – great great music ! ja, das ist wirklich musik, wie ich sie liebe. calexico- ob ableger, oder nicht – ist aber mindestens
    genauso gut. kann es sein, daß howie gelb, mark knopfler, bei einigen
    dire straits- u. notting hillbilliesstücken, inspiriert hat?

  5.   joG

    Die Lieder zu verlinken ist eine gute Sache.

  6.   Markus Schneider

    Was ist denn das bitte für eine Rezension?
    Muss man denn wirklich diesen alten angeblichen Twist zwischen alten Bandkollegen bemühen, nur damit man überhaupt was hat um die blanke Seite zu füllen?
    Und das Howe Gelb seine alten Kollegen Joey und John rausgeschmissen haben soll, ist zudem glatt gelogen.
    Herr Winkler….bitte das nächste mal die Hausaufgaben sorgfältiger machen.


  7. Reinhören ist ein guter Tipp! Da krieg ich dann schon mit, wie die Musik ist … Reinlesen in den Artikel kann ich dagegen nicht empfehlen, denn der Gehalt an relevantem Inhalt geht wirklich gegen Null, da hat Don Alberto schon recht.


  8. Der Autor kann seiner Begeisterung offensichtlich nur dadurch Ausdruck verleihen, dass er Anderes niedermacht…was soll in diesem Zusammenhang das Calexico Bashing ? Die sind längst mit höchst eigenständigem Sound unterwegs. Howe Gelb ist ein beeindruckender Musiker – das aber sind Andere auch !


  9. Muss der Kritik von Don Alberto recht geben: Der vermeintliche Konkurrenzkampf Giant Sand vs. Calexico wird in dieser Besprechung zu sehr in den Fokus gerückt.

    Aber wo wir schon einmal dabei sind: Calexico gefällt mir dann doch um Längen besser – düsterer, experimenteller und somit irgendwie „deeper“, wie man so schön sagt…

  10.   Achim Kopf

    Genau! Einfach mal zuhören!
    Und: Die Krümel sind klasse, doch es lebe der Maestro.