Das Musik-Blog zwischen Disko und Diskurs

Mit Geläut in den Club

Von 21. Januar 2013 um 17:25 Uhr

Die Grenze zwischen Tanztempel und Kirche verschwimmt jedes Wochenende erneut. Hendrik Weber alias Pantha Du Prince macht folgerichtig Techno aus Glockenklang.

© Rough Trade

© Rough Trade

Wie kaum einem anderen Produzenten ist es Hendrik Weber alias Pantha du Prince gelungen, Technomusik mit Naturgeräuschen und Field Recordings zu einem völlig eigenständigen Sound zusammenzubringen. Seine Alben sind zuallererst klangliche, eremitische Erfahrungsräume. Er forscht in Wäldern, auf Bergen und im Schnee.

Mit seinen Platten This Bliss und Black Noise etablierte er einen romantischen Gestus in der elektronischen Tanzmusik, der die Basstrommel eher als melancholisches Pochen denn als Feiersignal verstand. Darüber schimmerten und glitzerten die Loops, die Geräusche und träumerischen Mikromelodien, so dass schnell der Genrebegriff “Eiskristalltechno” gefunden war. Dass sich Weber bei all dem Funkeln mit seinem neuen Projekt The Bell Laboratory nun noch expliziter dem Motiv Licht widmet, erscheint also nur als logischer Schritt.

Im Mittelpunkt von Elements of Light steht jedoch die Glocke. Die war schon oft auf Webers Soloalben zu hören war, aber dieses Album kreist nun ganz um ihr Klangspektum. Unterstützt bei der Realisierung des Projektes wurde Weber von dem norwegischen Komponisten Lars Petter Hagen und sechs Instrumentalisten aus dem Umfeld von Jazz und klassischer Musik. Ob in handlicher Form, mit Klangstäben und diversen idiophonen Spielarten bis hin zum majestätischen Carillon, einem großen orgelähnlichen Glockenspiel – auf Elements of Light siedelt Hendrik Weber und sein Glockenlabor an zwischen Steve Reich, Ambient-House und musikethnologischer Übung.

Nur fünf Stücke enthält das Album, sie bilden einen organischen Fluss. Das Ensemble hat sie alle in Echtzeit im Studio eingespielt. Mit den ersten Klängen von Wave, einer kollektiv improvisierten Ouvertüre mit Handglocken, setzt zunächst große Ruhe ein. Behutsam führen die Musiker die einzelnen Komponenten zusammen, bis sich aus schwebenden Tonhöhen eine atmosphärische Einheit bildet.

Von hier aus entwickeln sie Stücke mit sich ständig erneuernden Phrasen, hüpfenden Melodien und sanft schwingenden Rhythmusverschiebungen. Hendrik Weber unterlegt das perkussive Geschehen unprätentiös und fast ein bisschen zu konservativ mit minimalen Beats. Tanzbar ist das allemal und gewinnt dem alten Bild vom Club als Kirche ganz neue Aspekte ab, vor allem im Konzert.

Das ganze Arrangement ist dennoch nicht unproblematisch. Was sich auf Pantha du Princes Black Noise schon andeutete, tritt hier unangenehm in den Vordergrund. Der Hörer wird mit einer diffusen Erhabenheit konfrontiert, die vor allem im Ursprung der verwendeten Instrumente liegt. Glocken sollen eben überirdisch durchdringen. In den ersten zehn Minuten funktioniert das hervorragend – ganz einfach, weil es so ungewöhnlich klingt. Leider verlassen sich die Kompositionen zu sehr auf diesen metaphysischen Überwältigungsmoment, ohne sich daraus weiter zu entwickeln. Im Labor brodelt’s nicht immer vor Experimentierfreude. So bleibt von Elements of Light oft nur der Eindruck einer Übung im Ätherischen.

“Elements Of Light” von Pantha Du Prince & The Bell Laboratory ist erschienen bei Rough Trade. Konzerttermine finden Sie hier.

Kategorien: Ambient, House, Techno
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Effekthascherei, sonst nichts. Langweilig. Es funktioniert noch nicht mal 10 Minuten

    • 21. Januar 2013 um 23:54 Uhr
    • Volker Bosch
  2. 2.

    Alles nur geklaut? Wer in Indonesien war und/oder sich in Musikethnologie etwas auskennt, kennt diesen Klang längst: Gamelan-Musik. Hier und dort schön.

    • 22. Januar 2013 um 00:10 Uhr
    • intakt
  3. 3.

    Andreas Vollenweider (z.B. Book of Roses) sagt mir mehr zu, weil vielseitiger. Allerdings bin ich auch schon 65 !-)

    • 22. Januar 2013 um 05:08 Uhr
    • Berndt
  4. 4.

    Für ein tolles Cluberlebnis reicht es allemal!

  5. 5.

    sehr langweilige performance im youtubeclip des artikels…wirkt alles so extrem gewollt matthew herbert mäßig…

    • 30. Januar 2013 um 22:45 Uhr
    • Tjorben
  6. 6.

    @Tjorben: Ich schätze sowohl Matthew Herbert als auch Pantha Du Prince sehr. Aber Parallelen kann ich in diesem Album keine erkennen. Können Sie erklären, was Sie meinen? Beste Grüße aus der Redaktion

    • 31. Januar 2013 um 11:59 Uhr
    • Rabea Weihser
  7. Kommentar zum Thema

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