Kandidaten und Kampagnen – wer wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten?

„Du wirst niemals viel Geld verdienen“

Von 2. November 2012 um 19:28 Uhr

Im US-Bundesstaat Virginia zeigen sich die USA im Kleinen: demografischer Wandel, wirtschaftliche Entwicklung, Wahlverhalten – Virginia ist ein Mikrokosmos, der widerspiegelt, was die USA spaltet, was sie zusammenhält. Unser Reporter Carsten Luther war in Richmond, Virginia, unterwegs.

Arbeit, Freunde, Studium – für Rodger Prunty bleibt darüber hinaus nicht viel Zeit. "Natürlich würde ich gern mehr darüber wissen, welche Politik die beiden Präsidentschaftskandidaten umsetzen wollen – stattdessen werde ich mit all diesen Worthülsen und negativen Werbespots bombardiert, die immer nur den anderen niedermachen", sagt der Student, der in Ohio aufgewachsen ist. Auch von der Berichterstattung in den Medien fühlt er sich überwältigt. "Wenn ich überhaupt dazu komme, den Wahlkampf zu verfolgen, bekomme ich von beiden Seiten sehr viele starke Meinungen – aber wirkliche Informationen? Die Kandidaten müssten einfach stärker auf uns junge Leute zugehen, uns ihre Pläne besser erklären", sagt der junge Mann. "Aber denen geht es nur um Macht."

Studenten bei der vorzeitigen Stimmabgabe in Iowa

Bis zu 30 Stunden in der Woche liefert Rodger für Jimmy John's mit dem Fahrrad Sandwiches aus. "An einem guten Abend mache ich 20 Dollar die Stunde", sagt er. Am Community College in Richmond, Virginia, bereitet sich der 18-Jährige auf ein technisches Studium vor. Industrielles Möbeldesign, das ist sein Traum.

Sein Großvater hatte angefangen, Geld für Rodgers Ausbildung zurückzulegen. Wegen dessen frühen Tods kommt er damit nicht weit. Noch geht es ohne einen Kredit. Mit dem, was der Student verdient, kann er ein kleines Zimmer bezahlen – "und die Ersparnisse bringen mich über die nächsten zwei Jahre". Was danach kommt? "Wir werden sehen."

Die Wahl bezeichnet Rodger als Entscheidung für das kleinere Übel – und meint damit Barack Obama, der eben auch Teil eines starren und fehlerhaften Systems sei. Dem Präsidenten traut er aber noch am ehesten zu, eine Vision für dieses Land zu haben, die alle Menschen mit einschließt. "Romney sagt, er würde die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Ja, das ist im Moment das Wichtigste – aber um welchen Preis?" Nach seinem Glauben an den amerikanischen Traum gefragt, schüttelt Rodger den Kopf. Für ihn sieht er heute nämlich so aus: "Eine Person, die es ganz nach oben schafft, lässt fünf andere ganz unten zurück – wie wäre es, wenn wir es stattdessen alle bis zur Hälfte schaffen? Wie wäre es, wenn wir uns alle mit etwas kleineren Häusern, Autos und Fernsehern zufrieden geben?" Obamas Herausforderer Mitt Romney aber halte es für das Beste, wenn sich die Stärksten durchsetzten.

Studenten vor der Virginia Commonwealth University in Richmond, Virginia

Rodgers Freundin Jillian Olson, die aus Texas an die Virginia Commonwealth University in Richmond gekommen ist, um Sozialarbeit zu studieren, hat man schon zu Beginn gesagt: "Du wirst niemals viel Geld verdienen." Das regt sie noch immer maßlos auf: "Die Leute sind so egoistisch, sie wollen nur immer mehr und alles immer größer. Mir ist es wichtiger, mit dem, was ich tue, glücklich zu sein und auch für andere da zu sein – ist das denn so schlimm?"

Jugend enttäuscht vom politischen System

2008 haben Barack Obama die Stimmen junger Amerikaner in besonderem Maße zum Wahlsieg verholfen. 66 Prozent der Wähler unter 30 hatte er hinter sich, die Wahlbeteiligung dieser Altersgruppe lag mit 51 Prozent so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Diesmal sagen Beobachter einen deutlich geringeren Enthusiasmus der jungen Generation voraus. Sie sind enttäuscht vom politischen Stillstand in Washington: Die Realität sieht dank der verhärteten Fronten im Kongress anders aus als der große Wandel, den Obama angekündigt hatte.

Aber wird Romney mehr leisten können? An der University of Richmond trifft man durchaus einige Studenten, die dem Republikaner seine Versprechen abnehmen, gerade wenn es um Arbeitsplätze geht. Viel mehr können die meisten nicht sagen – außer vielleicht: "Wir brauchen Jobs, Obama hat das nicht geschafft."

Neben der Wirtschaft ist für viele Studenten in Richmond die Kluft zwischen Arm und Reich das große Thema dieser Wahl. Der 20-jährige Devin Ralston glaubt zu wissen, woran das liegt: "Obama erzählt eine viel bessere Geschichte: darüber, wie die Reichen das System ausbeuten, dass Romney sich nicht um die Mittelklasse schert, wie schlecht die Lage war, als er das Amt übernahm, und wie er die Wende geschafft hat. Romney hat überhaupt keine Geschichte. Er sagt nur: Ich kann es besser, verschweigt aber eigentlich, wie er das anstellen will."

Devin Ralston

Dennoch würde Devin für den Republikaner stimmen. Aber der Wirtschafts- und Politikstudent sieht keinen Sinn darin. Für die Briefwahl in seinem Heimatstaat Oregon ist ihm der Aufwand zu groß: "Der ganze Papierkram, und dann macht meine Entscheidung keinen Unterschied, Oregon wird sowieso ganz sicher an Obama gehen. Außerdem werden die absentee ballots nur gezählt, wenn der Unterschied zwischen den Kandidaten weniger als ein Prozent beträgt."

Devin hat an der Uni eine Gruppe gegründet, die ganz die libertäre Linie des republikanischen Außenseiters Ron Paul vertritt. "Uns geht es um die persönlichen Freiheiten jedes Einzelnen und eine möglichst geringe Rolle des Staates. Was ist denn besser für den armen Teil der Bevölkerung: Umverteilung und Abhängigkeit oder eine Gesellschaft, die Innovationen fördert?" Das sei es doch, was dieses Land vorangebracht habe, und nun würde diese Kraft durch viel zu viele Regulierungen abgewürgt. "Das gilt für die Wirtschaft genauso wie für die Ausbildung."

"Die Fünfziger und Sechziger kommen nicht wieder"

Der amerikanische Traum ist für Devin immer noch lebendig: "Man hat eine Menge Optionen und muss nur die richtigen Entscheidungen treffen, um die Voraussetzungen zu haben, es zu etwas zu bringen." Die, die jetzt jammerten, sie hätten Angst, ihren Studienkredit nicht zurückzahlen zu können oder nach dem College keinen Job zu finden, gingen häufig einfach auf schlechtere Schulen oder studierten abwegige Geisteswissenschaften. Auch er wird nach dem Studium seine Schulden zurückzahlen müssen, macht sich deswegen aber keinerlei Sorgen. "Natürlich ist es heute schwerer für Menschen mit weniger Talent oder einer schwächeren Arbeitsmoral, einen guten Lebensstandard zu erreichen – aber die fünfziger und sechziger Jahre kommen eben nicht wieder", sagt Devin. Wenn man sich aber schon für Chancengleichheit einsetzen wolle, dann müsse man schon im frühen Kindesalter ansetzen – "und nicht erst dann, wenn die Leute keine Arbeit finden, indem man sie mit staatlichen Mitteln stützt".

Erik Lampmann

Erik Lampmann aus Pennsylvania kann solche Argumente nicht verstehen. Für den Politik- und Philosophiestudenten an der University of Richmond, der sich von keiner der beiden Parteien wirklich vertreten fühlt, gilt im Idealfall ein Gesellschaftsvertrag, der allen eine faire Chance gibt: "Jeder, der es schafft, profitiert von so vielen Dingen, die der Staat für ihn bereithält: von der Infrastruktur bis zur Unterstützung bei der Ausbildung – Romney steht für ein Modell, in dem jeder auf sich allein gestellt ist und benachteiligte Gruppen einfach keine Lobby haben", sagt der 21-Jährige. Obama ist für ihn zwar auch alles andere als der beste Präsident, den er sich vorstellen kann: Auch er sei Teil eines ideologisch verhärteten Systems, das eine pragmatische und lösungsorientierte Zusammenarbeit in der Politik erschwere. "Aber die Werte, für die er steht, sind die richtigen."

Wer es nach oben schafft, glaubt Erik, habe eine moralische Verpflichtung, etwas zurückzugeben, den Aufstieg auch für den Nächsten zu erleichtern. Doch vielen Amerikanern sei der persönliche Erfolg immer noch das Wichtigste und präge ihre Vorstellung vom amerikanischen Traum. "Das zu kritisieren, ist unheimlich schwer, ohne gleich als verrückter, antiamerikanischer, liberaler Sozialist beschimpft zu werden."

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wer VIEL Geld verdienen will, spoll nicht studieren, sondern eine Firma gründen.

    Studieren tut man aus Leidenschaft für die Wissenschaft.

    Geld macht man woanders.

  2. 2.

    „Die Fünziger und Sechziger kommen nicht wieder“
    Ganz sicher nicht, aber Amerika hat genug Potenzial, um die Zukunft zu gewinnen, nur die Gegenwart sieht ziemlich zerrüttet aus: Grosse soziale Spannungen, die omnipräsente Macht des Geldes, eine von den Finanzlobbys gegängelte Regierung…Amerika muss von seiner Ideologie des radikalen Individualismus loskommen, um die Gesellschaft humaner, ausgeglichener zu machen.

    • 2. November 2012 um 20:56 Uhr
    • Rienzi
  3. 3.

    @1
    Wer ggf. sehr viel Geld „verbrennen“ will, soll nicht studieren sondern eine Firma gründen…
    Die meisten „Studierten“ die ich kenne habe aus einem Grund studiert, um sich eine gesicherte Zukunft aufzubauen.
    Forschung und Wissenschaft wird in der freien Wirtschaft auch nicht schlecht bezahlt.

  4. 4.

    Naja, dafür ist beispielsweise das Durchschnittsgehalt für Informatiker mit Bachelorabschluss in den USA irgendwas mit 88 Tausend Dollar im Jahr. Da sind die Gebühren schnell abbezahlt.

    In Deutschland bekommt man ja sogar mit einem Masterabschluss wesentlich weniger Geld.

    • 2. November 2012 um 22:24 Uhr
    • Creedinger
  5. 5.

    „Wer VIEL Geld verdienen will, spoll nicht studieren, sondern eine Firma gründen.“
    Es gibt und wird kein System geben, niemals, in dem jeder mit einem bestimmten Vorgehen VIEL, d.h. mehr als die „anderen“, verdienen kann.
    Es ist, wie im Artikel von einem Studenten bemerkt: In einem System, in dem die Besten – was immer das Beste auch ist – zu höchstem materiellen Wohlstand kommen können, müssen viele andere zurück gelassen werden. Oder, man berherzigt sich diese Erkenntnis:
    „Wer es nach oben schafft, glaubt Erik, habe eine moralische Verpflichtung, etwas zurückzugeben, den Aufstieg auch für den Nächsten zu erleichtern. “
    ‚Etwas‘ wird da wohl nicht genügen!

  6. 6.

    Ich muss 70.000 Dollar Schulden aufnehmen, um studieren zu können, weil es außer Stipendien für Minderheiten und Hochbegabte keine Studienhilfe gibt; Schlussfolgerung: noch mehr freien Markt!

    „HURR DURR HERP DERP, RON PAUL 2012″ – Amerikanischer BWL-Student und zukünftiger Obdachloser, 2012

    • 2. November 2012 um 23:49 Uhr
    • don felipe
  7. 7.

    Dream on. Einige Amerikagläubige werden es nie kapieren. Amerika ist kaputt. Demokratie kaputt, Rechtsstaat kaputt. Bildung kaputt. Keine Gesellschaft kann sich nicht leisten, so viele abzuhängen. Mit allein dem obersten 1% kann man keinen Staat machen.

    • 2. November 2012 um 23:51 Uhr
    • Newropeans
  8. 8.

    „USA irgendwas mit 88 Tausend Dollar im Jahr“ das klingt viel, aber …
    Davon muss eine Krankenversicherung voll bezahlt werden und Abgaben für Polizei und Feuerwehr und Gemeinde und Altersvorsorge und…..
    Dann relativiert sich der Abstand zu Deutschland doch gewaltig. Nicht alles, was auf den ersten Blick verlockend aussieht, ist es dann letztendlich auch.

    • 2. November 2012 um 23:52 Uhr
    • Jens
  9. 9.

    „… ohne gleich als verrückter, antiamerikanischer, liberaler Sozialist beschimpft zu werden …“

    „faggot-pussy “ hat er noch vergessen.

  10. 10.

    Dieser – und einige der anderen kürzlich geschalteten Artikel zum Thema US-Wahlkampf – richten sich ja ganz offensichtlich nicht mehr an deutschsprachige Leser per se, sondern an Amerikaner, die sich noch mittels online-Recherche bei der Auslandspresse rumhören wollen. Von mir aus: Im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt. Aber deklariert es doch wenigstens entsprechend, sonst lautet der Bumerang irgendwann auf „Euro-Propaganda“. Spätestens 2016.

    • 3. November 2012 um 00:58 Uhr
    • Wiktor Sendecki
  11. 11.

    „Du wirst niemals viel Geld verdienen“.

    ISt es in Deutschland anders?

    • 3. November 2012 um 01:23 Uhr
    • Kurwa
  12. 12.

    Mag sein, dafür bekommt man in Kalifornien gerade mal 10 (!) Tage Jahresurlaub und arbeitet auch gern mal am Wochenende.

    • 3. November 2012 um 01:47 Uhr
    • Caffe-Latte
  13. 13.

    Lieber Herr Luther, wenn Sie schon Studenten in Virginia interviewen, weshalb dann nur in Richmond und ausgerechnet nicht auch an der größten und bedeutensten Universität Virginias – wenn nicht des Südens überhaupt – nämlich hier an der UVa? Viele Grüße aus Charlottesville.

    • 3. November 2012 um 03:53 Uhr
    • Arne
  14. 14.

    @jens

    Die Abgaben sind insgesamt geringer als in Deutschland. Nix GEZ, weniger Energie- und Internetkosten. Keine Zwangs-Krankenkassen. Geringere Baukosten. Einfacheres sich-selbstaendig machen …
    usw. usf.

    Staatsglaeubigkeit outet immer fehlende Emanzipation. In Europa wanderte die Religion im Grunde in einen Staatszentralismus und entsprechende Glaeubigkeit, waehrend sie in den USA aufgrund hoeherer Diversitaet eher im privaten bleibt. Der religioese/unaufgeklaerte Glaube, dass etwas ‚hoeheres‘ (Gott/Staat) naehren soll bzw. besser entscheiden koennte als man selbst, ist immer noch archaisch.

    Den USA gehts ansonsten nicht schlecht. Das sind LINKE oekosozialistische, damit wertlose Vorstellungen – wie auch der Artikel entsprechend wenig reflektiert ist. Das faengt bereits damit an zu suggerieren, Scherendenken/Gleichmacherei wuerde

    Das ist ganz einfach falsch.
    Richtig ist: mehr Liberalismus foerdert MEHR Reiche UND mehr Mittelstand UND Armen geht es vergleichsweise besser. Nur die Extreme sind aufgrund der automatisch bei mehr Freiheit groesseren Diversitaet auch groesser.

    Umgekehrt gilt das nicht: Wer Scheren zwischen arm und gleich schliesst, tut keineswegs mehr fuer die Armen. Schon hier wirds falsch. Das ist eine Behauptung, mehr nicht. Weltweit im Vergleich zeigt sich das nicht, sondern genau umgekehrt: wer danach geht, verarmt alle auf niedrigem Niveau.

    Die USA sind seit der Wende um 50 Mio. gewachsen und vor allem sind sie – wie einer richtig bemerkte – eben NICHT voellig liberal, sondern haben massenweise unsinniger staatlicher/regionaler Beschraenkungen, die folgerichtig negativ wirken – genau wie in Europe.

    • 3. November 2012 um 05:59 Uhr
    • metapher
  15. 15.

    Ich kenne die Situation in Deutschland wie folgendes:
    Dipl. Inf. bzw. M. Sc. mit Berufserfahrung verdient zwischen 75 und 90 T€. Dazu kommen eventelle Überstunden und Leistungsprämie

  16. 16.

    Ihr habt vielleicht die hässlichsten Amerikaner aller Zeit ausgewählt, und nein: Philosophie- und Politikstudenten verkörpern Amerika nicht. In Amerika sind immer Studenten viel linker als Amerika allgemein. Politik- und Philosophiestudenten sind auch sehr ideologisch und glauben an die linke Propaganda unseres Bildungssystems. Sie sind einfach Dummköpfe, die ihre ehemaligen Lehrer u. derzeitigen Professor wiederholen, als sie sich für die neuesten großartigen Philosophen halten. Größenwahn.

    • 3. November 2012 um 07:07 Uhr
    • Brandon
  17. 17.

    Woher kommt dieser Anspruch darauf nur weil man studiert hat viel Geld zu verdienen?
    Wer studiert hat mehr Bildung als jemand der es nicht hat – zumindest auf dem Papier – was er oder sie damit macht ist aber letzten Endes sein/ihr Problem.
    Viel Geld verdient man mit sehr, sehr viel Glück, viel harter Arbeit und ein wenig Talent.
    Einen Anspruch auf viel Geld gibts aber weder für Menschen die studiert haben, noch für die die Handwerker geworden sind.

    • 3. November 2012 um 07:07 Uhr
    • Gerry10
  18. 18.

    Jimmy John’s verkauft Sandwiches nicht Pizza…

    • 3. November 2012 um 07:50 Uhr
    • hudel
  19. 19.

    “Eine Person, die es ganz nach oben schafft, lässt fünf andere ganz unten zurück – wie wäre es, wenn wir es stattdessen alle bis zur Hälfte schaffen? Wie wäre es, wenn wir uns alle mit etwas kleineren Häusern, Autos und Fernsehern zufrieden geben?”

    Da kommt ja fast ein Fünkchen Hoffnung auf, dass sich bei dieser heranwachsenden Generation tatsächlich etwas zum Besseren wenden könnte und die Polit-Dinosaurier mit ihrem realitätsverweigernden Endloswachstum Postulat vom Aussterben bedroht sind.

    • 3. November 2012 um 07:54 Uhr
    • osawa
  20. 20.

    Das Studieren ist in den USA sicher schöner, besser … aber auch teurer. Studieren lohnt sich immer in gefragten Fächern. Philosophie, Design, etc. lohnt aber nur bedingt. Grundsätzlich sollte aber jeder das studieren, was er/sie wirklich mag.

    Es gibt aber eine Wirklichkeit der Entwicklung der Studienfächer/Unis und eine der Wirtschaftsrealitäten … beide Felder passen in manchen Sektoren nicht zueinander. Die amerikanische Wirtschaftsrealität betont den Handel mehr als das industrielle Produzieren. Folglich fallen viele inländische Jobs weg – auch für Studierte. Volkswirtschaftlich ist die Entwicklung verhängnisvoll, da auch Wissensverlust einhergeht.

    Selbst der Handel ist irgendwann der Gelackmeierte, da die vielen Marken nicht mehr in den USA hergestellt werden. Die beste Forschung kann aber langfristig nur dort stattfinden, wo produziert wird. Also werden Markensterne verblassen, da sie es immer weniger verstehen werden. Lieferanten werden zunehmend rebellieren, da sie es langfristig nicht lustig finden, dass die Rendite des Markenaufklebens wonaders – im Handel – stattfindet. Eigene konkurrierende Marken werden folgen – mit gleicher Technik oder besser für weniger Geld.

    Eigene inländische Zulieferketten wurden schlicht „weggeworfen“, weil ein externer Bezug noch billiger war. Diese Entwicklung bekommen Kunden nur schleichend mit, da sie eher im Verborgenen passiert, aber dem Produkt nicht ansehbar ist. Auch das kostet natürlich viele Jobs in den Zuliefererketten, die keine so glanzvollen Namen und eine entsprechende Wahrnehmung haben.

    Der Handel reizt, dass hier sehr viel Geld mit einem Wissensmangel verdient werden kann. Das ist richtig … aber langfristig auch auf dem Rücken vieler traditioneller wissensbasierter Jobs, die dann einfach verschwinden.

    Zunehmend wird die Masse der US-Bürger dann immer weniger das Geld selbst verdienen können, um die Importware zu bezahlen. Es gibt im Lande einfach dann zu wenige Jobs, die gut bezahlt werden. Für das Container verladen, LKW fahren, auspacken und einräumen … werden keine studierten Jobs benötigt. Auch nicht für etliche andere Tätigkeiten, die allesamt wissensschwächer geworden sind. Hier genügt eine Anlernphase … und fertig.

    Die USA haben kein Problem mit Ihren Studenten und den Hochschulen. Die USA hat ein Problem mit dem Eigenverständnis Geld zu verdienen, schnell und ohne Wissensaufbau. Die USA wird sich so leider zurückentwickeln, weil andere hier ihre Chancen wahrnehmen. Das ist hart für die Handelslobbysten. Aber man wollte es ja so schön einfach haben. Kurzfristig haben Handelslobbysten immer recht – es kann klotzig verdient werden. Langfristig bleibt aber leider immer ein Scherbenhaufen zurück, da wissensbasiertes Arbeiten immer volkswirtschaftlich wertvoller ist … und das wandert immer an die Produktionsorte. Auch in Zeiten von INTERNET & Co.

    • 3. November 2012 um 08:58 Uhr
    • ModernesLeben
  21. 21.

    Diese Vergleiche sind ohne echte Zahlen immer nur dummes Zeug. Es ist bringt ja wenig, jeweils den Akademiker mi der geringsten Bezahlung mit dem Handwerker mit der jeweilst höchsten zu vergleichen.
    Und ja: Auch in Deutschland hat sich ein altes, jahrelanges Studium der Geisteswissenschaften sich nie wirklich gerechnet. Das ging individuell nur auf, weil der Steuerzahler und die Eltern die Kosten tragen mussten. Der Unterschied zu den USA liegt – um es mal ganz böse zu formulieren – darain, dass die Leute Kosten und Konsequenzen ihrer Lebensentscheidung ganz allein tragen müssen.
    Kann sich ja jeder selbst ausrechnen: ein 3Jahres Studium kostet in Deutschland an einer Nichtstaats-Uni etwa 30.000 Euro plus Lebenshaltungskosten von 20.000 (wohnen bei Eltern) bis 36.000 Euro (Wohnen in andere Stadt) – gegenrechnen kann man etwas Kundergeld. Macht Nettokosten von 40.000 bis 55.000 Euro. Bis zum Bachelor -was also ist bei uns anders außer? Die Staatsunis natürlich – aber die kosten genauso viel – aber eben den Steuerzahler.
    Ich möchte nicht rumunken, aber der blinde Fleck des Artikels ist – wie so häufig in der ZEIT, dass die priviligierter Situation der (Staats-)Uni-Studenten zum Massstab erhoben wird. Schon in Deutschland ist das nicht gar nicht normal. Bei Busfahrern und Fitnesstrainer und und und trägt der Steuerzahler nämlich nichts zur Ausbildung bei – nur bei den Studenten.

    • 3. November 2012 um 09:18 Uhr
    • Plupps
  22. 22.

    Glauben Sie ernsthaft, in den Vereinigten Staaten von Europa sieht es anders aus?

    Unsere Politiker, egal ob auf Bundes- oder EU-Ebene, machen sich mittlerweile nicht mal mehr die Mühe, die Bürger in der Illusion zu halten, sie lebten in einer Demokratie.

    Hier heißt es genauo, rette sich wer kann. „Gefördert“ werden die, die schon mehr als genug haben. Gerettet werden die, die den ganzen Mist verzapft haben (da systemrelevant), der Rest kann zusehen, wo er bleibt.

    Beispiele wollen Sie nicht ernsthaft von mir wissen, schauen sie sich die Nachrichten an.

  23. 23.

    Eine Gesellschaft die vom Geld der 10% superreichen gelenkt wird, wird und kann sich nicht ändern. Umweld und Gemeinwohl werden in eigenem Interesse und wieder besseres wissen ignoriert und nicht beachtet.
    Wir wissen doch alle: Wer reich genug ist darf ALLES ungestraft, auch töten.

    • 3. November 2012 um 09:55 Uhr
    • heinrich cullmann
  24. 24.

    “Das zu kritisieren, ist unheimlich schwer, ohne gleich als verrückter, antiamerikanischer, liberaler Sozialist beschimpft zu werden.”

    Das finde ich sehr interessant. Bei uns ist es eigentlich eher anders rum. Bei uns wird man sehr schnell rechts eingestuft, wenn man nicht dem offiziellen Mainstream folgt. Die verdeckte Meinungsdiktatur gibt es offenbar überall.

    • 3. November 2012 um 13:25 Uhr
    • tchonk
  25. 25.

    Kommt denn keiner mehr auf die Idee, dass der Basisansatz (jeder dürfe soviel gewinn machen wie er kann, also – siehe Nullsummemspiele – den anderen wegnehmen) schlicht und ergreifend falsch ist und damit früher oder später zu einer Katastrophe füren muss, die erst dann, wenn weltweit die Katastrophe eingetreten ist, tatsächlich zum Umdenken der Eliten ( der systemangepassten ) führen wird. ???

    Insofern ist es nur eine Frage der Zeit, wann auch der letzte Marktgläubige einsieht, dass er in die Katastrophe steuert.

    Weder Obama und schon garnicht Romney trauen sich das laut zu sagen.
    Ich gehe davon aus, dass sie es beide nur zu gut wissen.

    • 3. November 2012 um 13:27 Uhr
    • Karl Gustav
  26. 26.

    Für Jimmy John’s fährt der Herr Prunty bestimmt Sandwiches aus.
    http://www.jimmyjohns.com/menu/menu.aspx

    • 3. November 2012 um 14:21 Uhr
    • Pizzabringdienst
  27. 27.

    Den Beitrag finde gut.

    • 3. November 2012 um 14:40 Uhr
    • Klaus Gomm
  28. 28.

    Da scheint die nächste Blase zu platzen. Erschreckende Zahlen !

  29. 29.

    @Pizzabringdienst & hudel:
    Ja, natürlich Sandwiches und keine Pizza bei „Jimmy John’s“ – Danke!

    • 3. November 2012 um 15:24 Uhr
    • Carsten Luther
  30. 30.

    Die Menschen im Westen vergessen immer wieder, dass wir unseren Wohlstand auf den Schulter anderer Länder aufgebaut haben. Sicher, wir Deutschen haben gearbeitet, geschuftet. Doch die Vorleistungen kamen aus den Rohstoffländern. Und die Rohstoffe aus Südamerika, Asien, Afrika sind Jahrhundertelang aus dem Fleisch der dortigen Bevölkerung „geschnitten“ worden. Auch heute noch. In unserem Wirtschafts- und Geldsystem ist der Reichtum gleichbedeutend mit der Armut eines anderen. „Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich“ erkannte schon Berthold Brecht richtig. Wir brauchen ein anderes System, wir brauchen eine globale Bewusstseinsveränderung.

    • 3. November 2012 um 15:38 Uhr
    • EuroTanic
  31. 31.

    Aber das es in Amerika keine Ausbildungsberufe gibt, sondern nur Studium oder sonst halt Arbeiter oder Hilfskraft, das wissen Sie auch?! Wer Krankenschwester werden will (nur um ein Beispiel zu nennen), der muss auf die Uni…

    • 3. November 2012 um 17:01 Uhr
    • Outside_Observer
  32. 32.

    Alle meiner Bekannten in den USA, die studiert haben, haben gute Jobs, sie haben ihre Studienkredite zügig abbezahlt. Allerdings hat keiner von denen hat Soziologie, Politik, … usw. studiert. Die, die nicht studiert haben, sind ziemlich arm dran.

  33. 33.

    Sehe ich auch so.

    • 3. November 2012 um 21:57 Uhr
    • MaxBill
  34. 34.

    Ich sehe, dass viele noch nicht in den USA gearbeitet haben. Klar, weniger Urlaub, aber auch viel weniger Stress auf der Arbeit. 1. Grundsatz, relax……

    Die Produktivität und Professionalität, die wir haben, wird dort nur belächelt. So wie Deutsche dort arbeiten, das wird dort nur belächelt. Die sagen über uns, ja sie sind fleissig aber nicht smart.

  35. 35.

    Wenn Studenten – die Bildungselite der Vereinigten Staaten – hoffen, unter einem Präsidenten Romney reich zu werden, mag das noch nachvollziehbar sein.

    Tatsache ist jedoch, dass auch Diejenigen, die gerade unter der republikanischen Denke – dem Wegfall von Sozialleistungen, der unter G.W. Bush katastrophal verschlechterten Bildungspolitik und unter der Krise am meisten gelitten haben, das auch glauben!

    Diese Realitätsverweigerung ist Folge konsequent gewollter und gefördeter Bildungsferne. Einer Weltanschauung, die auf das Prinzip „Hoffnung“ setzt, statt auf Bildung, Emanzipation und Realitätssinn. Früchte der Regierungen Reagan, Bush & Bush.

    • 4. November 2012 um 02:56 Uhr
    • Peterra
  36. 36.

    David Graebert hat in seinem Buch „Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus“ klar gestellt, dass der „Amerivan Dream“ ein Horrortraum ist. Und der Horror kann sein, dass die sozialen Spannungen in den USA, wo nur der Gott Mammon angebetet wird, in einen endlosen Bürgerkrieg endet. Endlos, weil sich die ökologischen, wirtschaftlichen und demkratischen Probleme immer mehr zuspitzen. OBAMA oder RMNEY sind da eh nur hilflose „Hausmeister“ der 1%-Superreichen, die sich noch mehr bereichern wollen. Und dabei sind diese Verrückten nicht in de Lage einen Bruchteil ihrers der Volkswirtschaft entzogenen Reichtums zu verkonsumieren. Irrsinniger geht es nicht mehr. Und wir lassen uns immer noch erzählen, dass mehr Bereicherungsfreiheit irgendwie uns allen nutzt. Dieses hohlen Sprechblasen werden unweigerlich platzen, dann wird der derzeitige schjwärende soziale Brand, der nur glimmt, zu einem Flächenbrand werden. Und dann ist alles möglich. Im Guten, wie im Schlechten.

    • 5. November 2012 um 07:33 Uhr
    • Richard Pestemer
  37. 37.

    Das Problem der USA: Vielen sehen sich als die zukünftigen Reichen, aber sie werden es nie werden. Trotzdem wählen sie dann die Republikaner.

    • 5. November 2012 um 20:05 Uhr
    • hoerns
  38. 38.

    @ newoperans (7)
    mag sein und die falsche Wirtschaftspolitik geht weiter mit Obama, Geld drucken ohne Ende und die Armen werden enteignet, wie in D und mit der EU Planwirtschaft des ZK – EU nun bald auch in der Energie-wirtschaft…. Bürokratisierung durch Politkomissare von der Wiege bis zur Bahre auf immer mehr Gebieten. Das US Demokratieverständnis (wo die Bundesstaaten z.B. über die Todesstrafe entscheiden, ist dem deu. und europ. eher entgegengesetzt. Empfehle u.a. A. Rand „Atlas shrugged“ nun auch in deu. „Der Streik“.

    • 7. November 2012 um 12:00 Uhr
    • carlosfe
  39. Kommentar zum Thema

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