Das Wort zerschmilzt mir im Munde wie das damit Gemeinte auf der Wunde: Balsam. Da kommen doch alle Salben, Cremes, Wundauflagen oder gar Skinceuticals nicht mit. Wohlklang und assoziierter Wohlgeruch verkünden mir: Alles wird gut! Nicht umsonst gibt es daher keine Salbe für die Seele, wohl aber Balsam für dieselbe!
Friederike Achenbach, Weil am Rhein
Auf der Autobahn höre ich plötzlich ein Rumpeln. Ich lasse mein Fahrzeug auf dem Pannenstreifen ausrollen, der Blick unters Auto bringt die Erklärung: Der Auspuff hängt halb auf der Fahrbahn. An der Notrufsäule bitte ich um Hilfe. »Pannenhilfeversichert? « Leider nicht! Im selben Moment hält – tatü, tata! – ein Polizeiauto hinter mir. Zwei Polizisten springen heraus. Der eine legt sich unter mein Auto, der andere holt einen Werkzeugkoffer aus dem Polizeiwagen. Schon ist mein Auspuff losgeschraubt und im Kofferraum verstaut! Meinen Dank wehren sie lachend ab: »Schön, wenn Sie uns in guter Erinnerung behalten!«
Beate Batarilo, Karlsruhe
(nach Johann Gottfried Herder
»Wenn ich ein Vöglein wär«)
Wenn ich ein Vöglein wär
Und einen Flügel hätt’,
Spielte ich Bach;
Weil’s aber nicht kann sein,
Spiele ich halt Schach.
Wenn ich ein Entlein wär
Und jung und hässlich wär,
Würd’ ich ein Schwan;
Weil’s aber nicht kann sein,
Werd’ ich halt Fasan .(Umso besser !)
Wenn ich die Merkel wär
Und einen Euro hätt,
Gäb’ ich, Hellas, ihn dir.
Weil’s aber nicht kann sein,
Bleibt der Euro hier …
Heidrun Pelz, Freiburg im Breisgau
Maximilian war sechs Tage alt und begann frühmorgens zu quengeln. Statt ihn einfach zu stillen, hat meine Geliebte ihn mir im Bett herübergereicht. Dann hat er in meinem Arm und auf meiner Brust noch rund zwei Stunden geschlafen – und mich zum stolzesten Vater Wiens gemacht.
Matthias Kandler, Wien
Unsere Hochzeit!
Anna und Florian Cord, Leipzig
Es ist viele Jahre her. Unsere Tochter – damals etwa fünf Jahre alt – schwebte, in Omas alte Gardine gehüllt, als Prinzessin durch ihr Kinderzimmergemach. Um sie herum geputzte und frisierte Puppen, mit denen sie sang und Märchen spielte. Nur halb zuhörend, erhaschten wir die Wörter Schöne gelobenheit. Unsere Tochter konnte uns natürlich nicht erklären, was das bedeutete, verwendete es aber im Sinne von »Eure Majestät«, »Ihre Durchlaucht« oder so ähnlich. Eigentlich mussten wir es auch gar nicht genau verstehen. In jedem Fall war der Titel Prinzessinnen und Königinnen vorbehalten. Er klang so rein, edel und verwunschen, wie die Welt einer spielenden Fünfjährigen nun mal ist. Wir erfreuen uns heute noch daran.
Barbara Heym, Suhl
Die Hand auf den Bauch meiner besten Freundin zu legen und den Kleinen zu spüren, der es offenbar gar nicht erwarten kann, auf die Welt zu kommen.
Stephanie Freide, Berlin

In ZEIT Nr. 15/13 zeigten Sie in dieser Rubrik einen Holzschnitt der Leserin Beate Nagel aus dem Allgäu (links). Das Bild zweier lesender Mädchen habe ihre Mutter vor etwa 40 Jahren geschnitzt, so schrieb sie. Ihr Ding ist auch mein Ding! Für den Fotowettbewerb »Jugend 65« in Hamburg habe ich diese Aufnahme lesender Zwillinge gemacht (rechts). Ich gewann damals einen Flug nach Rom und 500 D-Mark Taschengeld. Das Foto wurde auch in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht. Möglicherweise hat sich die Mutter von Frau Nagel ja davon inspirieren lassen.
Inge-Maria Peters, Hamburg
Sie SCHÜRZTE ihre Lippen.« Diese Beschreibung menschlichen Verhaltens scheint vorzeiten häufiger gewesen zu sein als heute. Schon als Kind hat dieses Wort meine Fantasie beflügelt. Es geht um mehr als bloße Mimik – wer seine Lippen schürzt, macht innerlich vollständig mobil. Es liegt nicht zuletzt an Margret Rutherford in ihrer Rolle als Miss Marple, die das Lippenschürzen so vortrefflich einsetzt, dass ich an diesem Ausdruck ein so außerordentliches Vergnügen habe.
Michael Persicke, Bad Salzuflen
Wie muss ich schmunzeln, wenn ich die dicken Prospekte der Gartencenter sehe! Was da für Blütenberge prangen, was es für Geräte gibt! Ich nehme mir meine drei Samentütchen aus der Drogerie und hole die leeren Töpfe aus dem Keller. Auf der Terrasse wartet schon ein bisschen Blumenerde, dazu eine Handvoll Hornspäne. Nun mit dem Pflanzstäbchen zwei, drei kleine Vertiefungen pro Topf in die schwarze Blumenerde gedrückt und ein paar der winzigen Samen hinein, mit Erde bedeckt und angegossen. Bis Ende Mai kann alles in Ruhe wachsen. Wenn die ersten feingliedrigen Blätter zu sehen sind, nehme ich die Pflänzchen heraus, pikiere sie und pflanze sie rund um die Terrasse ein. Die Knospen werden rasch dicker, schließlich flammen sie auf: Tagetes, die Studentenblume, die türkische Nelke, in allen Feuertönen blüht sie, von Hellgelb bis Rostbraun. Und, falls die Sonne mithilft, bis tief in den Oktober hinein. So einfach kann das Gärtnern sein!
Anna Wefers, Essen