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Das können Sie glauben!

 
(c) Stefan Kuzmany

Stefan Kuzmany ist Kulturredakteur bei Spiegel online – und neuerdings auch Hobby-Theologe. Gerade erschien sein Buch „Das können Sie glauben!“, darin erzählt er, wie es sich so lebt als Moslem, Christ, Jude oder Buddhist. Stefan Kuzmany hat die Angebote der großen Weltreligionen angenommen. Ob er das Seelenheil gefunden hat?

ZEITmagazin: Wie religiös sind Sie, Herr Kuzmany?
Stefan Kuzmany: Ich bin in der Nähe von München aufgewachsen, mein Vater war evangelisch, meine Mutter katholisch. Ich bin getauft, aber nicht wirklich religiös erzogen worden. Trotzdem war ich nach meiner Konfirmation sehr fasziniert vom Glauben an Gott. Ich dachte damals, ich könnte eine Art Handel mit ihm machen. Nach dem Motto: Wenn ich mich benehme, sorgt Gott für die guten Schulnoten und die erste Freundin. Das war natürlich Unsinn.

ZEITmagazin: In ihrem Buch findet sich (noch vor der Einleitung) eine Gebrauchsanleitung. Darin steht, es handele sich ausschließlich um das höchst individuelle Empfinden des Autors. Wie ernst sind Ihre Bedenken, Gläubige könnten sich durch den ironischen Tonfall ihres Buchs verunglimpft fühlen?
Kuzmany: Ich nehme das schon ernst. Man weiß ja heute nicht, wer da was in den falschen Hals bekommt. Mir ist natürlich klar, dass Leute, die extremistisch glauben, sich von solchen Erklärungen nicht besänftigen lassen.

ZEITmagazin: Sie schreiben, dass Sie manchmal gerne glauben würden. Wann?
Kuzmany: Es gibt Situationen, in denen ich es besser fände, mich auf das feste Regelwerk einer Religion stützen zu können. Wenn ein Mensch stirbt, der einem nahe steht, wäre es sehr schön zu wissen, dass er nun in einer besseren Welt ist. Sonst bin ich aber froh, die Welt so zu sehen wie ich es tue.

ZEITmagazin: Was sagen Sie ihrem Sohn, wenn er morgen fragt, ob es einen Gott gibt?
Kuzmany: Der ist im Kindergartenalter und noch etwas zu jung für mein Buch. Ich würde mich also zurückhalten, um keine Illusionen zu zerstören. Aber es wäre auch falsch, etwas zu vermitteln, das ich selbst nicht glaube. Mein Sohn ist nicht getauft. Wenn er alt genug ist, wird er seine eigenen Entscheidungen treffen. Wenn er Lust hat, gebe ich ihm dann mein Buch zu lesen.

ZEITmagazin: Die Weltreligionen in den verschiedenen Kapiteln erscheinen wie Marken, die ein Produkt loswerden wollen.
Kuzmany: Ja, meine Herangehensweise hält sich bewusst an die Konsumentenperspektive. Wir kennen doch diese Situationen, wo einem ein Glaube aufgeschwatzt werden soll, in der Fußgängerzone oder am Bahnhof. Dort bekommt man einen Zettel in die Hand gedrückt, der das Seelenheil verspricht. Wir leben in einer Zeit, wo die Religion wieder stärker wird, manchmal bekommt sie dabei einen regelrechten Warencharakter.

ZEITmagazin: Sie wollen aber niemandem seinen Glauben vermiesen, oder?
Kuzmany: Auf keinen Fall. Ich schreibe auch über Leute, die eine positive Kraft aus dem Glauben ziehen, etwa die Kindergärtnerin meines Sohnes. Ich bin aber der Meinung, dass Religion keinen Einfluss auf politische und gesellschaftliche Entscheidungen haben darf. Es kommt immer darauf an, wie sie eingesetzt wird. Religion allein macht keine besseren oder schlechteren Menschen.

ZEITmagazin: In Ihrem ersten Buch „Gute Marken, böse Marken“ ging es um politisch korrekten Konsum. Gibt es einen Zusammenhang zum Neuen?
Kuzmany: Es ist eine ähnliche Herangehensweise. Damals habe ich auch einen Glauben hinterfragt, den Glauben an das richtige Label. Ich habe mir angeschaut, wie es dem Bio-Huhn wirklich geht, das die gesünderen Eier legt. Und habe festgestellt: Vor Ort sieht der Hof meist nicht so toll aus, wie auf der Verpackung. Ich habe gefragt: Wie sind die Arbeitsbedingungen der Menschen, die unsere schicken iPhones produzieren? Antwort: Gar nicht so schick. Aber scheinbar gute Marken beruhigen die Kunden ungemein. Man muss nur daran glauben.

Die Fragen stellte Alexander Krex