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Gewalt im Nahverkehr nimmt zu

 

Bei Spiegel online steht, was wir hier alle schon wissen: Die Gewalt im ÖPNV nimmt drastisch zu. Ich selbst erlebe es inzwischen mindestens einmal wöchentlich: Eine fünf bis achtköpfige Gruppe von Hänflingen macht – vor allem im Oberdeck von Linienbussen – bewusst so viel Lärm, dass irgendjemand um Ruhe bittet. Sofort wird in einer Mischung aus frustriertem Opferhabitus und schwerer Aggressivität zurückgemeckert, -gespuckt oder -geschlagen. Die BVG beklagt, dass es im Schnitt 2x täglich zu tätlichen Angriffen auf Fahrer und Sicherheitspersonal kommt. Wer hat ähnliches erlebt?

13 Kommentare

  1.   Henrik

    Leider muss ich da voll zustimmen. Der Frustrationslevel der Berliner Jugend scheint zu zunehmen. Wegen Perspektivlosigkeit, falschen Idealen und fehlenden Vorbildern versuchen zunehmend mehr Jugendliche, über negatives Verhalten v.a. in Gruppen in der Öffentlichkeit aufzufallen und verstehen diese „Aufmerksamkeit“ als Möglichkeit, ihren Frust auszulassen bzw. ihr „Revier“ (Bus, U-Bahn, etc.) zu verteidigen. Diese Entwicklung ist besorgniserregend – keine Frage.

    Aber ich finde auch eine andere, parallele Entwicklung für fast noch schlimmer. Es fehlt immer mehr an Zivilcourage in solchen Fällen. Es würde nicht zu solchen Situationen kommen, wenn in den Öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer nur ein „Anständiger“ alleine den Mut beweist, sich zu beschweren bzw. die jugendlichen Rowdys in die Schranken zu weisen. Wenn jedesmal mehrere Zivilcourage zeigen würden und Gewaltopfer nicht alleine unter 20 anderen Menschen ist, die einfach nur wegsehen, würde auch die Gewalltbereitschaft der Angreifer stark eingeschränkt werden.

    Ich vertrete die These, dass diese Jungen Leute in gewisser weise – fast wie kleine Kinder – nur ihre Grenzen austesten wollen. Leider fehlt es mittlerweile an den Verantwortlichen in Familie und Schule diese Grenzen erzieherisch zu vermitteln. Wenn nun auch der Bürger nur noch unbeteiligt zu- oderwegschaut, dann müssen wir die Schuldigen nicht mehr suchen und mit dem Finger auf Sie zeigen, wir sind es selber.

    Ich kann nur an alle Appellieren: Seid mutig, steht zu euren Werten und versucht gute Vorbilder für eure Mitmenschen zu sein, nur so können wir die Probleme unserer Gesellschaft begenen.

  2.   ingo

    nunja, wer läßt sich gerne auf streß mit einer gruppe von im zweifelsfall körperlich haushoch überlegenen jugendlichen ein?
    ich habe mal versucht, einzugreifen und von einem prügelnden (deutschen) lover umgehend das angebot bekommen, gleiches wie seine frau zu kriegen.
    da hat zivilcourage ziemlich schnell ein ende und da die polizei einen am notruf in gefahrensituationen damit vertröstet, daß gerade kein streifenwagen in der nähe sei, frage ich mich an dem punkt doch so einiges.
    die vielzitierten türkengangs habe ich -trotz derzeitigem wohnen im sozialen brennpunkt in duisburg- noch nie als problematisch, manchmal als nervig weil laut erlebt.
    allerdings sorgt der deutsche bodensatz dafür, daß ich mich (bislang) in berlin erheblich sicherer fühle, als in duisburg.

  3.   Julia Schoon

    Das Fazit des Spiegel Online Artikels: Verzichtet so lange auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, bis sich die Situation gebessert hat.
    Verzeihung, aber da muss ich doch widersprechen. Oder weiß irgendjemand, wann es soweit sein wird, dass auch der letzte Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel sich zu benehmen weiß? Die Einschränkungen, die dieser Boykott für mich mit sich ziehen würde, wären schlimmer als die latente Bedrohung, in Bus oder Bahn angepöbelt oder angegriffen zu werden.
    Ich halte auch nichts davon, wie auf Spiegel Online fast schon in Bildzeitungs-Manier die Gefahr in den öffentlichen Verkehrsmitteln dramatisiert wird. Da ist die Rede von einem „Klima der Angst“ in öffentlichen Verkehrsmitteln und von „dramatischen Fällen in Deutschlands Bussen und Bahnen“. Mannmannmann.
    Ich will hier keinesfalls verharmlosen, dass Busfahrer, vor allem in Großstädten, häufig Opfer von tätlichen Angriffen werden. Doch ist das öffentliche Verkehrsmittel der Arbeitsplatz dieser Menschen, sie verbringen täglich geschätzte acht Stunden darin, was man vom Durchschnittsbürger wohl nicht behaupten kann.
    Ich selbst nutze die Öffentlichen übrigens fast täglich. Trotzdem möchte ich lieber ein paar Vorschläge machen, statt mein schlimmstes Erlebnis nachzuerzählen:
    Vielleicht wäre es sinnvoller, Busfahrer auch in so ein Kabäuschen zu setzen wie das in den Trams der Fall ist.
    Vielleicht sollte die BVG Personal in den Bussen und Bahnen aufstocken, statt abzubauen und die Bahnsteige nachts völlig vereinsamen zu lassen.
    Vielleicht sollte man sich für Wiederholungstäter etwas Effektiveres einfallen lassen als die hundertste Sozialstunde.

  4.   Ludwig

    Ja, der gute SPIEGEL, die BILD- Zeitung für Dr. Lieschen Müller. Die Kriminalitätsstatistik ist rückläufig, gleichzeitig steigt aber die Hysterie. Nicht, daß ich es befürworte, daß alten Damen die Handtasche geraubt wird, aber das ganze Gerede vom „früher war alles besser“ kann und will ich nicht glauben. Ich war noch kein Opfer von Gewalt, außer ein paar Pöbeleien, aber die gehören für „die Jugend von heute“ nach meiner Beobachtung ja schon zum guten Ton, und man sollte sich nicht allzuviel darauf einbilden. Zumal es selbstverständlich so ist, daß eine Großstadt an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten mehr Dunkel- und Doofmänner aufzubieten hat als ein Kuhkaff am Rande der Republik.


  5. Dem kann ich so nicht ganz beipflichten. Neu ist die Qualität der Gewalt. Man kann heute wegen absoluter Nichtigkeiten ein Messer in den Bauch gerammt bekommen, es reicht ein vorsichtiger Hinweis man möge doch bitte die Musik leiser stellen. Ich erlebe regelmäßig Grüppchen von Leuten zwischen 16 und 20 die ganz bewusst auf Provokation hinarbeiten. Kürzlich wieder im Bus M48: Eine Sechsergruppe macht Stunk. Busfahrer hält mitten auf der Potsdamer Straße an, verriegelt die Türen, ruft Polizei. Was passiert: Die Jungs treten Scheiben und Türen ein und fliehen. Wegen NICHTS. Das hat nichts mit „früher ist alles besser“ zu tun, sondern ist eine Tatsache.

  6.   Der Feuerbach

    Ich für meinen Teil habe mitdem Problem abgeschlossen, da ich weder genügend Courage besitze um einzugreifen, noch gerne einen Heldentod sterben möchte. Ich werde alles daran setzen, sobald wie möglich aus Berlin wegziehen zu können und zwar in den tiefen, langweiligen, „spießigen“ Westen – wo weder Hauptstadtkult noch der Größenwahn der Eingeborenen mich belästigen.

  7.   Ludwig

    @ Jochen R.: Ich selbst habe sowas, wie gesagt, noch nicht erlebt, wohne aber vielleicht noch nicht lange genug hier 😉 Man ist schon erschrocken, wenn man aufmerksam Zeitung liest (letztens wurde jemand am Kottbusser Tor abgestochen, weil er keine Zigaretten spendieren wollte), ich möchte aber dennoch behaupten, daß es das auch schon früher gab, und man sollte sich nicht von der Presse ins Bockshorn jagen lassen. Bad news is good news, die meisten Leute sind aber doch (und das zum Glück) friedliche und wohlmeinende Zeitgenossen.

  8.   Pascal

    Es ist in der Tat so, dass niemand mehr die cojones hat, um in glaubhaft zupackender Art (Feinsinnigkeit ist aufgrund des fehlenden Intellektes leider fehl am Platz) Grenzen aufzuweisen. Stünden alle MitfahrerInnen auf dem Plan, wenn die Gemengelage ihren Anlauf nimmt, sei es verbal oder im Ernstfall auch tatkräftig, so würde das bei einer solchen Krawalloclique einen nachhaltig präventiven Effekt haben. Verständigt Euch doch einfach kurz miteinander, motiviert euch mit einem: Los, komm, mach mit, das darf nicht sein, steht auf und schreitet ein. Zivilcourage ist Zivilisation!


  9. Interessant in diesem Zusammenhang, wie deeskalierend Kinder sein können. Meine fünfjährige Tochter hat sich mal ganz angstfrei mitten in so eine „Terrorgruppe“ reingesetzt und einem der Jungs ihr Kuscheltier (Schaf) in die Hand gedrückt. Und gesagt: „Das Schaf hat dich lieb“. Siehe da, die Jungs waren ein paar Sekunden verunsichert und haben dann den Rest der Fahrt aufmerksam und lieb mit meiner Tochter gespielt. So geht’s auch. Zwischen Gewalt, Pöbelei und menschlichem Umgang liegt nicht selten nur ein Wimpernschlag.

  10.   knautschkuchen

    leider ist es immer wieder festzustellen,daß hauptsächlich jugendliche türken und araber an solchen aktionen beteiligt sind.ich bin in keinster weise rechtsradikal eingestellt,noch behaupte ich,daß so etwas auf alle muslime zutrifft.dennoch liegt die gewalt-und aggressionsbereitschaft bei diesen landsleuten deutlich höher.mit einem kebabbesitzer habe ich mich einmal über dieses problem unterhalten.dieser erklärte mir,daß er schon sehr lange in deutschland sesshaft ist und sich von anfang an integriert hat und sich an gewisse regeln hält.er versicherte mir auch,daß er sich schon oft genug seiner landsmänner wegen schämen mußte und es als völlig normal empfindet,daß man,wenn man ständig mit dem gesetz in konflickt gerät,keine große aktzeptanz zu erwarten hat.gut zu wissen,daß man auch auf solche leute trifft.immer mal wieder wird man von seinen eigenen landsleuten in den rücken gesprungen,wenn man der realität ins auge sieht.selbstverständlich gibt es auch deutsche staatsbürger,die mit der justiz aneinander geraten.habe ich nie bestritten und es wird auch so bleiben.dennoch bin ich der meinung,daß jeder das recht hat zu behaupten,daß die gewalt-und aggressionsbereitschaft unter muslimen deutlich höher liegt,ohne um sich regelmäßig vor irgendjemand zu rechtfertigen.

 

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