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Und immer wieder Respekt

 

Die Berliner Sparkasse hat eine neue Plakat-Kampagne. Auf Bushaltestellenplakaten wirbt sie mit dem Konterfei eines gut aussehenden, stolz dreinschauenden jungen Türken und behauptet: „Die behandeln mich mit Respekt“. Ich habe vor sehr vielen Jahren mal ein Sparkassenkonto gehabt und gekündigt, weil ich dort so ziemlich alles angedreht bekam außer Respekt und bin jetzt wirklich sehr gespannt, ob ausgerechnet der türkische Berufsschüler wirklich diesen „Respekt“ zugestanden bekommt, oder ob es sich eventuell hierbei um das Ergebnis sehr, sehr teurer Werbeagenturarbeit handelt, mit Studien, Panels und Umfragen und der unglaublich erstaunlichen Erkenntnis, dass junge Menschen aus dem Morgenland vor allem, jawohl!, Respekt schätzen.

10 Kommentare

  1.   Löwensenf

    Nun, es ist doch wirklich nichts neues, dass sich die Werbeindustrie zweifelhafter Mittel bedient, um Produkte, die ohne Werbung ganz offensichtlich keiner haben wollen würde, an den Mann zu bringen. Dass der Konsument dabei hingestellt wird, als habe er keinen nennenswerten IQ und als sei er nichts weiter als eine willenlose Marionette, die nur auf eine Gelegenheit wartet, ihr Geld aus dem Fenster zu werfen, überrascht auch nicht weiter. Abgesehen von dem tiefsinnigen Werbespruch der Sparkasse sprechen Stilblüten wie „weil ich es mir wert bin“, „ich bin doch nicht blöd“ oder das allseits vielzitierte „Geiz ist geil“ für sich. Daher kann man auch an dieser Stelle nur wiederholen, was der denkende Mensch des 21. Jahrhunderts eigentlich wissen sollte, nämlich dass es an uns liegt, wem wir unser Geld in den Rachen werfen. Und wer vermeiden möchte, von einem Elektronikkonzern auf Bildzeitungsniveau oder noch weiter unten als blöd hingestellt zu werden, der sollte halt einfach seinen Fernseher woanders kaufen und somit nicht deren Werbung mitfinanzieren.


  2. Na vielleicht hat die Sparkasse ja endlich ihr Hauptproblem erkannt. Als Student hatte ich anfangs mal ein Girokonto bei der Sparkasse Berlin. Als ich Weihnachten zu meinen Eltern fahren wollte, wollte ich mein Konto, dass ich schon ein dreiviertel Jahr hatte und auf das regelmäßig Bafög einging um etwa zehn Mark überziehen, um mir eine Fahrkarte zu kaufen. Sowohl die Bankangestellte wie auch der Filialleiter verweigerten mir dies. Bei nächster Gelegenheit wechselte ich dann zu einer anderen Bank. Soviel zum Thema Respekt. 20 Jahre später ärgere ich mich immer noch und die Sparkasse wird lange und hart arbeiten müssen, um bei mir jemals wieder eine Chance zu haben.


  3. Genau das isses. Man wollte mir in einer ähnlichen, kurzfristigen Schieflage (es ging um einen dreistelligen Geldbetrag in DM!) sogar gleich mal das Giro kündigen. Da schwor ich mir: Nie wieder zur Sparkasse.

  4.   Jubel

    Also, da muß ich mich doch mal für die Sparkasse Partei ergreifen! Warum ist sie denn eine der größten und weit verbreitesten Institution in der Bankenlandschaft??? Und warum werden zu uns (ich arbeite dort neben meinem Studium) immer alle Sozialfälle von den Ämtern geschickt?- Weil wir wirklich noch allen Bürgern offenstehen! Andere, vielleicht auch beliebtere und feinere Banken wie zum Beispiel die Deutsche Bank wollten lange Zeit gar nicht mehr mit dem 0815-Kunden zu tun haben. Natürlich, wer viele Kunden hat, hat auch einen hohe Fluktuationsrate, jedoch die Rückkehrer-Rate ist ach beträchtlich, da man gemerkt hat, woanders sind die Regeln und Grenzen gleich oder ggf. sogar noch strenger und Entscheidungen werden pauschalisierter getroffen!! Natürlich es gibt immer Fälle wo sich ein Kunde ungerecht behandelt fühlt, genauso ist der anderen Seite aber Beachtung zu schenken. Abschreibungen, d.h. wenn Foderungen gegen Kunden nicht mehr als werthaltig betrachtet werden können, also ein Kunde seinen Soll-Kontostand (Überziehung/Dispo) nicht mehr ausgleichen kann, kommen auch sehr oft vor und da in der heutigen kaum noch Geld mit der Finanzdienstleistungen verdient werden kann, schützt sich das Kreditinstitut eben auf diese Art und Weise.

  5.   Mikey

    „Die respektiert nu-hur mich“ hätt ich ja fast noch ein bißchen schöner gefunden, jenun, vielleicht in der zweiten Stufe als singendes Plakat.

  6.   Julia Schoon

    Ich muss jetzt auch mal eine Lanze brechen für die Berliner Sparkasse, bei der ich bin, seit ich als Studentlein nach Berlin kam. Unangenehm ist mir bisher nur aufgefallen, dass die Server der Sparkasse gelegentliche Aussetzer haben – aber das mag bei anderen Banken ähnlich sein. Zwei mal stand ich im Ausland fassungslos vor einem Geldautomaten, der meine Karte statt Bargeld ausspuckte – eine echt unangenehme Situation, denn ich gehöre nicht zu den Fans von Traveller Checks. Nachdem das zwei Mal passiert war, suchte ich mir in meiner Sparkassenfiliale eine Beraterin, die ich persönlich kennenlernte – und sie mich. Auf dem Dorf ist das ja vielleicht noch eine Selbstverständlichkeit, aber in Berlin war ich jahrelang einfach nur eine Kontonummer. Sich eine persönlichen Ansprechpartner zu suchen, ist eine Zeit-Investition, die ich jedem empfehlen kann, auch wenn noch keine Immobilienkredite, AKtionkäufe oder sonstige größeren Dinge anstehen. Denn siehe da: als der Bankautomat wieder einmal streikte (diesmal in Neuseeland), schickte ich der äußerst netten Dame eine EMail, sie rief mich prompt zurück und behob mein Problem. Das nenne ich dann schon Kundenservice.

    Richtig unangenehm wurde ich nur von der Deutschen Bank behandelt. Während meines Auslandssemesters in Spanien eröffnete ich ein Konto bei der Deutschen Bank – in der Hoffnung, es würde dadurch günstiger, Geld zwischen Deutschland und Spanien hin und her zu überweisen. Wurde es leider nicht. Also ließ ich das Konto erstmal brach liegen – um nach ein paar Monaten festzustellen, dass es ohne meine Einverständnis geschlossen worden war. Vom unverschämten Ton der Mitarbeiter in der dortigen Filiale will ich jetzt mal gar nicht erst anfangen.

    Was die „Respekt“-Werbung angeht, kann ich mich dann allerdings nur dem Leserbriefschreiber Löwensenf anschließen…

  7.   Ludwig

    Ein wichtiges Kriterium ist für mich auch die Erreichbarkeit. Man kann heute sicher vieles online und am Automaten machen, aber manches verlangt doch den persönlichen Kontakt. Die Sparkassen haben noch immer das größte Filialnetz, gefühlt bundesweit. Wegen eines technischen Defekts (Alder, isch schwör!) hat ein Automat der Postbank vor Wochen meine Karte einbehalten, und ich habe sie trotz mehrfacher Intervention bis heute nicht zurückerhalten. Zum Glück habe ich noch ein Konto bei der Sparkasse, als mir das dort mal passierte, war man viel flexibler und schneller, obwohl das nicht einmal meine Haussparkasse war. Aber Hand aufs Herz, ob hüben oder drüben, ohne Geld auf dem Konto bist du immer ein schlechter Kunde für die Bank. 😉

  8.   Ludwig

    Nun ja, ich muß meine Kritik etwas relativieren; die Postbank hat nur sechs Wochen gebraucht, um mir eine neue Karte auszustellen. Und sie hat ein noch größeres Filialnetz, wenn man die Briefkästen mit einbezieht. 😉

  9.   Champagnero

    Da muss ich widersprechen,

    die besten Kunden sind die die Schulden haben und fleissig Zinsen zahlen… 🙂

  10.   fyla

    Soviel nur von mir: Der Typ auf dem Plakat ist kein Türke und auch nicht aus dem Morgenland, sondern komt aus Norddeutschland..

 

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