
„Am Fahrer ist mehr Fläche als am Rahmen oder an den Laufrädern“, bemerkte am Freitag ein Leser zum Beitrag „Alles ist erleuchtet“ und verwies auf die Warnwesten, die es im Baumarkt gibt. Damit hat er völlig recht. Im Herbst und Winter haben es die Radfahrer selbst in der Hand, ihre Silhouette im Dunkeln in irgendeiner Form zu beleuchten. Das schützt sie und ermöglicht es den Autofahrern oftmals erst, sie überhaupt frühzeitig zu erkennen.
Kinder erhalten zur Einschulung von der Schule oder der Deutschen Verkehrswacht gelbe Westen oder V-förmige Leuchtkragen, die sie in der dunklen Jahreszeit morgens überziehen können. Ihre Strahlkraft ist immens. Und auch Erwachsene, die sportlich unterwegs sind, greifen oft zu neongelb-reflektierenden Westen. Je nachdem zu welchem Termin man fährt, sind die Westen aber nicht unbedingt das Kleidungsstück der Wahl.
Das ist mittlerweile aber kein Problem mehr. Auch die Modebranche hat bemerkt, dass immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind, und hat reagiert. Seit zwei bis drei Jahren verbessert sich langsam, aber kontinuierlich das Angebot für Alltagsradler. Es gibt schöne Fahrradmode, die Funktionskleidung ist, sich aber nicht als solche outet. Etwa von Outlier, triple2 oder Levis. Der Jeansproduzent hat erstmals 1895 Bike Pants gefertigt. Der Clou ist: Die Jacken und Hosen sind nicht nur atmungsaktiv, sondern zusätzlich mit Reflektoren ausgestattet, die man beim Fahren am Rücken ausklappen kann oder die erscheinen, wenn man das Hosenbein hochkrempelt.
Pendlern, die lange Strecken zurücklegen, reichen die Reflektoren oftmals nicht. Sie greifen zu Sportjacken mit Reflektoren an Armen und Rücken. Einige Hersteller bestücken ihre Radjacken sogar mit kleinen LED-Leuchtstreifen, wie etwa hier. Einen Schritt weiter gehen die Erfinder der Fahrradjacke Sporty Supaheroe, die oben im Bild zu sehen ist. Wolfgang Langeder hat mit dem Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration die Hightech-Jacke entwickelt.

In dem Gewebe sind im Schulter- und Rückenbereich rote und weiße LED integriert. Die Leuchten sind an die Bewegungen des Radfahrers gekoppelt. Je schneller sich der Radfahrer bewegt, desto häufiger blinken die LED. Gesteuert werden sie mithilfe eines mikroelektronischen Systems, Sensoren und Steuerungselementen, die ebenso wie Schalter und Batterie in der Jacke integriert sind.

Die Leiterplatte ist dehnbar und laut Fraunhofer-Institut unempfindlich gegenüber Nässe. Sie könne sogar in der Waschmaschine gewaschen werden, heißt es. Im vergangenem Jahr hat Wolfgang Langeder für die Sporty Supaheroe den Red Dot Design Award erhalten. Langeder will die Jacke über eine Crowdfunding-Kampagne ab Anfang nächsten Jahres verkaufen, von Jahresmitte an soll es die Jacke auch in Shops geben.

Bedeutend günstiger und zudem sehr praktisch sind reflektierende Arm- und Beinlinge. Man stülpt sie einfach über Jackenärmel oder Hosenbein. Wesentlich kleiner sind die Fahrerbänder – die moderne Form der Hosenklammer. Sie werden aus Bootspersenning, Lkw-Plane oder riesigen Kinopostern gefertigt, die bei internationalen Filmfestspielen an Fassaden hingen. Sie sind breiter als die klassischen Hosenbänder und haben einen Klettverschluss, der richtig gut hält. Für bessere Sicht sorgt ein verhältnismäßig großer Reflektorstreifen. Und wer eine Tasche braucht, kann mittlerweile auf Modelle zurückgreifen, die ebenfalls reflektieren. Ein Modell wurde bereits hier im Blog vorgestellt.