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Trotz Krise investieren Deutsche 17 Milliarden in Ökostrom

 

Mit Zahlen hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen heute in Berlin um sich geschleudert. Er stellte die neusten Daten aus der Ökostrom-Branche vor, welche die Arbeitsgruppe Erneuerbare-Energien-Statistik jährlich zusammenstellt. Die eine oder andere war bereits bekannt, etwa dass Sonne, Wind, Biomasse und Wasserkraft im vergangenen Jahr auf einen Ökostrom-Anteil von 16,1 Prozent kamen.

Trotz zäher Wirtschaftskrise (und Deutschland musste im vergangenen Jahr einen Rückgang des BIPs um fünf Prozent verkraften) wuchsen die alternativen Energien dank lukrativer Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz kräftig. „Diese Entwicklung ist ein enorm positiver Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung in Krisenzeiten“, sagt Röttgen. Mehr als 300.000 Menschen verdienen inzwischen in Deutschland direkt oder indirekt in der Ökostrom-Branche ihr Geld – das sind sechs Mal mehr Beschäftigte als im deutschen Kohlebergbau.

Gerade bei den Investitionen lohnt sich ein zweiter Blick. Ingesamt wurden in Deutschland nach Recherchen des ZSW aus Stuttgart im vergangenen Jahr rund 17,7 Milliarden Euro in Ökostromanlagen investiert. Das ist ein neuer Rekord und entspricht einem Plus von 20 Prozent zum Vorjahr. Der größte Profiteur war die Solarstrom-Branche: Rund 9,6 Milliarden Euro investierten die Deutschen in die azurblauen Zellen, ein wahrer Solarboom dank gesunkener Modulpreise.

Auf Windanlagen entfielen rund 2,6 Milliarde Euro. Und Röttgen geht von einem weiteren Wachstum aus. Schließlich starteten die Offshore-Windparks in Nord-und Ostsee im vergangenen Jahr nur langsam, dieses Jahr soll es dort richtig zur Sache gehen. Gleich mehrere Offshore-Windparks werden nach seinen Informationen bald ans Netz gehen: das Prestige-Projekt „Alpha Ventus“  im April diesen Jahres und kurz später die zwei komplett privat finanzierten Windparks „Bard“ und „Baltic 1“.

ERGÄNZUNG: Der Windpark Alpha Ventus ist übrigens bereits am Netz, im April wird Bundeskanzlerin Angela Merkel den Offshore-Windpark offiziell eröffnen. Die Bauarbeiten für die Offshore-Windparks „Bard“ und „Baltic 1“ haben noch nicht begonnen.

Die Verkündigung von Ökostrom-Zahlen sind für jeden Bundesumweltminister ein Wohlfühl-Termin, schließlich geht es um Klimaschutz und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die aktuelle Diskussion um das Energiekonzept der Bundesregierung bringt allerdings auch Röttgen in Bedrängnis. Auf der einen Seite steht sein Bekenntnis zu den Erneuerbaren – und daran lässt er auch keinen Zweifel. Doch zugleich kommen die Gerüchte über die Laufzeitverlängerungen der Atommeiler und die Kürzungen der Solarstrom-Vergütung immer wieder hoch. Welchen Kurs fährt Röttgen? „Der Kurs liegt in der Mitte“, sagt er. Ob das allerdings tatsächlich möglich ist, wird wohl nur der Praxistest zeigen.

6 Kommentare


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  3. Kein Wunder. Wenn Erträge 20 Jahre lang staatsgarantiert hoch
    sind. Unter diesen lukrativen Bedingungen würde ich morgen eine
    Schuhfabrik aufmachen.Man gebe mir nur das dreifache des heutigen
    Marktpreises und die Abnahmegarantie.Abgemacht?

  4.   J.S.

    Und das ganze nutzt noch nicht mal etwas!

    Denn wenn wir das geförderte Öl nicht verbrauchen, tun es andere. Durch Einsparung kann man höchstens den Preis beeinflussen aber nicht den Verbrauch.
    Anders gesagt, bei fast 7 Milliarden Menschen findet sich immer jemand der Erdöl gebrauchen kann.


  5. Natürich nützt das was. Wenn der Ölpreis in immer weitere Höhen steigt, dann stehen wir viel besser da als andere Länder weil wir mit dem Strukturwandel schon viel weiter sind und nicht so viel Geld für Öl ausgeben müssen.

    Und es ist auch gut, demonstrieren zu können, daß ein modernes Industrieland trotzdem beim Energie- und Ölverbrauch heftig sparen kann.

  6.   J.S.

    Nein ,es nützt nichts. Es geht ja genau darum, das lokale Einsparungen den Anstieg des Öl-Preises bremsen ohne den Verbrauch global zu senken.

    Und wieso wir besser da stehen, wenn wir mehr Geld für Energie ausgeben als andere erschliesst sich mir auch nicht.

 

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