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Thunfisch, geangelt mit Samthandschuhen

 
Fischer mit Handangeln, Copyright: Naturland
Fischer mit Handangeln, Copyright: Naturland

Manchmal kommt man ja in der Küche um die Dose Thunfisch nicht drumherum. Schaut man sich die Packungen an, dann ist da viel von „delfinfreundlichem Fang“ die Rede. Das heißt aber noch lange nicht, dass er wirklich auch aus einem intakten Bestand stammt und man mit seinem Kauf nicht zur Überfischung beigetragen hat.

Immer mehr Anbieter bringen daher Thunfisch mit einem Ökosiegel auf dem Markt. Die wichtigsten Zertifizierer hierzulande sind das Marine Steward Council (MSC) und Naturland. Sie garantieren Fischkonsum mit gutem Gewissen. Bei Naturland spielen, im Unterschied zu MSC, auch soziale Kriterien wie Krankenversorgung für die Fischer und Schulausbildung für deren Kinder eine Rolle.

Ein Bio-Fischanbieter arbeitet mit etwa mit einer Thunfisch-Fischerei auf den Malediven zusammen. Es ist wohl die ineffizienteste, dafür aber umweltverträglichste Fischerei überhaupt: Die Fischer angeln den Thunfisch einzeln mit Bambusangeln. Beifangprobleme? Unbekannt.

Der Inselstaat hat sich in den vergangenen Jahren auf Leinenfang spezialisiert. Mehr als 570 traditionelle maledivische Boote, die Dhonis, sind dort unterwegs. Die Fische werden vor Ort verarbeitet, das stärkt die heimische Wirtschaft.

Umweltverbände wie Greenpeace unterstützen solche Initiativen.  „Wir favorisieren die Angelruten-Fischerei“, sagte mir Greenpeace-Experte Thilo Maack in einem Gespräch, „sie ist eine der selektivsten und damit umweltverträglichsten Fischereien überhaupt.“

Auch das Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung findet Angelroutenfischerei gut, betont allerdings, dass sie nicht per se die beste Methode sei. „Leinenfischerei ist gut, aber reicht nicht aus“, sagt Rainer Froese, Meeresbiologe am Helmholtz-Zentrum. „Auch wenn man den letzten Fisch mit Samthandschuhen fängt – es bleibt der letzte Fisch.“

Wichtig ist also nicht nur die Fangmethode, sondern auch, wie es dem Bestand geht. Für die Malediven sieht das ganz gut aus. Nach Einschätzung des jüngsten Berichts der Indian Ocean Tuna Commission ist der Bestand des Skipjack-Thunfisches vor den Malediven groß genug und nicht zu hart befischt.

 

11 Kommentare


  1. Ich kaufe eigentlich nur auf diese Art gefangenen Thunfisch. Es ist für mich die einzige Möglichkeit als Verbraucher steuernd einzugreifen. Auch wenn das im Grunde nur eine Farce ist wenn die Großkopferten wie immer kurzfristige Gewinne über das langfristige Leben auf der Erde stellen. Einige haben immer noch nicht begriffen, dass wir keine mittelalterliche Gesellschaft mit ein paar Millionen Menschen mehr sind. Inzwischen sind wir eine solche Menge und haben so langfristige Auswirkungen wie eine Naturkatastrophe. Entsprechend weitblickend sollten wir agieren. Aber in Summe sehe ich eine lange, dunkle Ära für die Menschheit heraufziehen. Verursacht von einem Wirtschaftssystem das asoziales Verhalten in allen Facetten fördert und belohnt anstatt es rigoros und nachhaltig zu bestrafen.

  2.   IzZo

    Ich persönlich esse gar keinen Thunfisch. Nicht weil er mich nicht schmecken würde, sondern weil ich mal einen Blick auf die Liste der bedrohten Tierarten geworfen habe. Das Problem ist doch, dass die Malediven zwar auf diesen Fang setzen aber Japan z.B. sämtliche Meeresbewohner unheimlich überfischt! Ein Land allein wird die Miesere nicht lösen.

  3.   nik

    Interessant wäre ob es sich hier um „echten“ oder „unechten“ Bonito, also Dosenthunfisch handelt. Wegen dem hohen Aufwand und daher vermutlich auch hohen Preis wird es sich hier wohl eher um echten Bonito handeln…


  4. nicht nur auf den Malediven,auch auf den Kanaren und vermutlich auch den Kapverden wird der thunfisch mit der Rute gefischt,wenn er denn vorbeikommt,lecker:vom boot auf den teller,roh als tartar oder carpacchio.
    das Übel sind doch die schwimmenden Fischfabriken mit ihren km-langen netzen,SIE fischen die Meere leer und berauben die traditionellen Fischer ihrer Lebensgrundlage


  5. […] viaThunfisch, geangelt mit Samthandschuhen « Grüne Geschäfte. Bewerten:Share this:E-MailDruckenGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. […]


  6. So sieht es aus…Rainer Froese bringt es auf den Punkt…Ich denke man sollte ueber kurz oder lang gar keine Fischerei mehr betreiben…das klingt futuristisch und ueberzogen, aber eine Studie, herausgegeben von Boris Worm von der Dalhousie University in Halifax, Canada besagt das,wenn das Fischen in unseren Ozeanen so weiter geht wie bisher, die Meere in Jahr 2048 leer sind… Das bezieht sich natuerlich vor allem auf Deep Sea Trawling und der gleichen. Aber irgendwo muss man ja mal den Anfang machen. Meine Familie und ich essen jedenfalls schon seit Jahren keinen Fisch mehr…


  7. DER Dokumentarfilm zum Thema lautet The End of the Line (dt.: Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane).
    Laut imdb noch nicht in deutschen Gewässern aufgetaucht.


  8. […] gefangen. Umweltschützer finden das gut: Probleme mit Beifang gibt es nicht, bloggt Marlies Uken mehr lesen © zeit.de (RSS)   If you enjoyed this article, please consider sharing […]

  9.   Neon

    Es waere vielleicht gut wenn wir fuer eine geraume Zeit ueberhaupt keinen Tunfisch konsumieren. Die Zeit ist laengst vorbei da man irgend etwas glauben darf, das auf die Verpackungen gedruckt wurde.


  10. […] stammt und man mit seinem Kauf nicht zur Überfischung beigetragen hat …” schreibt die Zeit Online. Be Sociable, Share! Tweet Geposted von Blog Admin in Fische, Internet-Angebote am 4. […]

 

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