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Indien macht´s vor: So gelingt besserer Waldschutz

 

Was haben Fische und Bäume gemeinsam? Mhh, auf den ersten Blick erst einmal wenig, oder? Wenn man sich aber mit Jean-Marie Baland, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der belgischen Universität Namur, unterhält, wird vieles klarer. Wirtschaftswissenschaftler vergleichen Fischbestände und Wälder gern miteinander, weil es sich bei beiden um erneuerbare Ressourcen handelt. Und weil beide gern geplündert werden, wenn man freien Zugang gewährt. Die Folgen sind Überfischung und Raubbau.

Auf einer Fachkonferenz der Universität Kiel, die sich eigentlich mit nachhaltiger Fischerei beschäftigte, hat Baland jetzt eine interessante Studie zum Thema Natur- und Klimaschutz und Waldmanagement vorgestellt. Mehrere Jahre lang hat er kleine Dörfer mitten im Himalaya in Indien und Nepal untersucht, eine Langzeitstudie angefertigt. In beiden Ländern ist Raubbau in den sensiblen Wäldern des Himalayas ein großes Problem. Hier geht es nicht um riesige Planierraupen, die Wälder plattmachen. Sondern um den alltäglichen Brennholzbedarf der lokalen Bevölkerung.

Copyright: Jean-Marie Baland
Copyright: Jean-Marie Baland

Das Holzsammeln hat über die vergangenen Jahre dazu geführt, dass die Bäume in den untersuchten Regionen inzwischen aussehen wie gerupfte Hühnerbeine: In den unteren Bereichen sind sämtliche Äste abgeschlagen, nur oben kann sich noch ein einsames Laubbüschel halten. Das hat Folgen für Natur und Klima: Geschwächte Bäume können schlechter Erde halten, Erosion droht, Erdrutsche und Lawinen.

Immer wieder hat Baland in der Region die Anwohner befragt und die Qualität der umliegenden Wälder untersucht. Wie oft gehen sie Holzholen, wie entwickeln sich Baumkronen? Spannend ist: Die reine Anzahl der Bäume ist insgesamt  gar nicht so schlecht. Aber sie sind in einem verheerenden Zustand, wachsen verkrüppelt, sind schlecht verwurzelt: short run overexploitation nennt Baland das. Die Menschen brauchen das Feuerholz fürs Kochen und Heizen, immer tiefer dringen sie in die Wälder ein und schlagen Äste ab. Immer länger sind sie unterwegs. Für ein Bündel Holz waren es vor 25 Jahren noch etwas mehr als zwei Stunden, jetzt sind es schon knapp vier Stunden.

Was also tun? Glaubt man dem Belgier, gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann entweder den Bedarf verändern. Wenn die Menschen dort mit Gas kochen und heizen würden, könnte das bis zu ein Fünftel der benötigten Holzmenge ersetzen, hat Baland errechnet.

Oder: Man führt lokale Besitzrechte ein (auch ein beliebtes Instrument in der Fischerei). In Indien hat man das schon vor Jahrzehnten mit den sogenannten Van Panchayats gemacht. Das ist eine Art lokale Selbstverwaltung, die ihre Ursprünge noch in den Zeiten der britischen Kolonialisierung hat.

In dem indischen Bundesstaat Uttarankhand hatten 45 von 83 untersuchten Dörfern ein lokales Forstgremium. Es ist eine freiwillige Institution der Menschen vor Ort. Wer mitmacht, bekommt das exklusive Recht, in dem Wald Holz für den Eigenbedarf zu sammeln. Und der Besitz scheint sich positiv auszuwirken: Insgesamt ist der Zustand der Wälder in den Van Panchayats viel besser als in den staatlichen Forsten. Diese werden zwar auch gemanaged, aber zu viel höheren Kosten: eine teure, zentrale Verwaltung muss ja unterhalten werden.

Baland betont, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen dem Zustand der Wälder und dem Einkommen der Bevölkerung:

„Pressure on the resource will increase due to increases in income and in the number of households in the villages.“

Wer reicher wird, der upgraded eben auch seine Lebensgewohnheiten. Statt einer warmen Mahlzeit gibt es dann zwei, mehr Feuerholz ist nötig. Die Herausforderung ist, dieses Wachstum auch lokal möglichst umwelt- und ressourcenschonend hinzubekommen. Wie das möglich ist, zeigen die Erfahrungen mit den Van Panchayats in Indien.

 

13 Kommentare


  1. „Mhh“, auf den ersten Blick ein seltsamer Artikel von Frau Uken, oder?
    Der Begriff „Nachhaltigkeit“ entstammt doch der Deutschen Forstwirtschaft und sollte m.E. auch dort seinen Platz haben.
    Ansonsten lese ich eigentlich nur inhaltsleeres Wortgeplätscher ohne Sinn und Verstand.

    Sehr gelangweilt
    -Magic-

  2.   Felix

    Schöner Artikel, auch wenn ich bezweifel, dass es das so gut in den Westen zu übertragen ist.
    Wer wird sich denn bitte ein Stück Wald kaufen und dann auf dieses aufpassen? Unverarbeitetes Holz wird bei uns doch so gut wie garnicht benötigt, so dass es überflüssig wäre, sich dafür bei einem Stückchen Wald einzukaufen.

  3.   Cardin

    Also ernsthaft, was, bitte schön, soll denn hier kommentiert werden ?
    „Indien macht besseren Waldschutz vor“???
    Erzählen Sie das einmal den Deutschen Waldbauern, Frau Uken,
    die haben hier gut 1000 Jahre Erfahrung, vor allem in nachhaltiger Forstwirtschaft.

    Guten Abend noch
    Cardin

  4.   darthmax

    Ich lese in der Zeit zum erstenmal, dass Privatisierung positive Folgen hat.
    Da wird in Indien also so etwas wie die ´´Allmende´´ eingeführt, gab es doch auch schon in Deutschland.
    Die Teile der Dorfbevölkerung, die sich nicht beteiligen (dürfen?) darf also kein Holz mehr sammeln ? Hmmm… was machen die ?

  5.   derrr

    Ich muss sagen ganz versteh ich den Artikel nicht, immerhin sind doch in Deutschland schon fast 50% des Waldes in Privatbesitz, der ist z.B. im Besitz von Landwirten, die den Wald auch bewirtschaften. Aber wer würde auch sonst ein Stück Wald kaufen? Um den bewirtschaften zu können muss man schon ein bisschen Erfahrung und die richtigen Gerätschaften mitbringen. So eine Baum zu fällen kann ganz schnell schief gehen wenn man sich da nicht auskennt. Außerdem denk ich dass ein großer Teil des Waldes auch aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes nicht an Privatpersonen verkauft wird. Denn wer einen Wald bewirtschaftet möchte ihn im Normalfall auch nutzen, also Holz schlagen, von einem natürlichen Wald bleibt da nicht mehr viel übrig.

  6.   Varech

    Ist mir auch schon passiert, dass ein noch unfertiger Text, ohne dass ich „Senden“ oder sowas gedrückt hatte (Sch…technik) in die grosse Welt entwischt ist.

    Für obigen Artikel empfehle ich, den schnell neu und neu durchdacht zu schreiben.


  7. Warum das ist doch ihr Markenzeichen, und das ein WiWi Prof. sich damit nicht auf eine Fachkonferenz für Forstwirtschaft wagt, spricht auch Bände. Man kann dem Prof. sicherlich weiterführende Kenntnisse der Forstwirtschaft absprechen, wäre spannend ihn mal bei der Bewertung eines Baumbestandes in Europa zu sehen.

    Wo der Westen davon lernen kann, ist auch nicht ersichtlich, es scheint die Autorin hat nicht den Schimmer einer Ahnung wie Waldbewirtschaftung allein in D reguliert ist und durchgeführt wird. Über die rechtlichen Grundlagen des Eigentums an Wald scheint , noch weitergehendere Unkenntnis zu bestehen.

    Falls sie sich mal informieren wollen wo dies hinführt, machen sie mal eine Reise nach Indien und schauen sich dort mal die Wassernutzunggemeinschaften an und wie „toll“ das seit Jahrzehnten funktioniert oder eben auch nicht.

    Ansonsten schon lustig, dass die EE Expertin der ZEIT den Umstieg auf Gas als tolle Idee propagiert.

  8.   Cindy

    Die Idee der lokalen Verwaltung ist schon uralt. Beispielsweise wird in vielen Orten in der Schweiz der Wald traditionell von „Waldkooperationen“ verwaltet. Nach wie vor besonders stark ausgeprägt ist diese Art der Verwaltung im Simmental (Kanton Bern), wo sich deren Spuren schon im Mittelalter finden lassen. Denke, das ist/war auch in vielen andern Ländern ein weit verbreitetes Konzept und insofern also nichts neues.

    Elinor Ostrom hat 2009 übrigens (als erste Frau überhaupt) den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften über die Erforschung der Verwaltung von Gemeinschaftsgütern erhalten. Der obige Artikel bietet im Gegensatz dazu leider keinerlei neue (oder wenigstens spannende) Erkenntnisse, sondern zeugt von einer grossen Unwissenheit auf dem Gebiet der Verwaltung von Gemeinschaftsgütern.

  9.   edgar

    Ja, so stellt sich mir das auch dar.


  10. Frau Uken hat das Talent, das wesentliche zu vergessen.Nicht nur der angebliche Zuwachs der Einkommen sondern auch der Zuwachs der Haushalte
    führt zur Übernutzung(Baland) Ein schönes Beispiel zeigt der Merian-stich von Heidelberg.Von Wald ist da weit und breit nichts zu sehen. Die rein ökologische Versorgung mit nachwachsenden Energielieferanten hatte schon damals ihre natürlichen Grenzen bei der Anzahl der Verbraucher. Das ist in Indien nicht anders.

 

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