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Kennzeichnung von Fisch: von wegen Frischfisch

 
© Peter Parks /AFP/GettyImages
© Peter Parks /AFP/GettyImages

Das EU-Parlament hat vergangene Woche einen wichtigen Schritt für mehr Transparenz beim Fischkauf getan –  aber sorry: So richtig reicht das nicht aus. Am Freitag verabschiedete das Parlament in erster Lesung den Stevenson-Bericht. Er ist ein kompliziertes Dokument, es geht um die Organisation der Märkte, die Förderung von regionalen Erzeugergenossenschaften und und und. Aber er enthält auch einen Abschnitt über die bessere Kennzeichnung von Fischereiprodukten.

Der zuständige Berichterstatter, der Schotte Struan Stevenson, schwärmte vergangene Woche, dass zukünftig auf jeder Fischpackung stehen werde, wo der Fisch gefangen wurde und wann er angelandet wurde:

„Consumers will also benefit from new requirements that will require producers to provide enhanced information on their product labels, such as date-of-landing for fresh fish products.“

Nun gibt es aber in der Fischereiwelt zwei unterschiedliche Zeitrechnungen. Es gibt das Fangdatum und es gibt das Anlandedatum. Die beiden können manchmal um Wochen auseinanderliegen. Große Trawler fahren ja nicht jeden Abend wieder zurück in den Hafen und landen ihren Fang an, sondern verbringen manchmal Wochen auf See. Sie frieren den Fisch ein und bringen ihn erst später an Land.

Wann der Fisch nun tatsächlich aus dem Meer gezogen wurde, das erfährt der Verbraucher auch zukünftig nicht. Dass das Anladedatum und nicht das Fangdatum verpflichtend auf der Packung stehen soll, ist wohl eine entscheidende Bedingung, damit der Ministerrat dem Gesetzesentwurf zustimmen wird. (Freiwillig dürfen Unternehmen allerdings natürlich das Fangdatum angeben.) Verarbeitete Produkte wie Thunfisch in Dosen sind von den Kennzeichungspflichten übrigens ausgenommen. Hier erfährt der Käufer auch zukünftig noch nicht einmal das Fanggebiet.

Zwei Anmerkungen noch dazu:

1. Nach Informationen der Grünen-Fraktion im EU-Parlament zahlt die EU Subventionen, damit Fisch nach der Anladung gelagert werden kann, wenn der Marktpreis zu niedrig ist und einen bestimmten Schwellenpreis unterschreitet. Eine solche klassische Marktintervention ist natürlich total absurd, weil eine solche Zahlung das Preissignal komplett aushebelt. Da lohnt es sich, einmal nachzuhaken.

2. Ab wann ist eigentlich der Konsument überfordert von zu vielen Informationen? Auf dem zukünftigen Label soll das besagte Anlandedatum stehen, das Fanggebiet, die Fangart und der Flaggenstaat des Schiffes. Aber wer kann diese Informationen wirklich richtig einordnen und bewerten? Sollte ich einen Fisch kaufen, der von Fischern auf einem Schiff gefangen wurde, das in Ecuador registriert wurde, um Steuern und Sozialabgaben zu sparen? Hilft das dem Konsumenten in irgendeinerweise? Ich bezweifele das.

 

7 Kommentare

  1.   alterkeks

    Anladung oder Anlandung? Gibt es da in „irgendeinerweise“ einen Unterschied?

  2.   zyx99

    Ich finde es sehr schön wie hier Gesetzesentwürfe ad absurdum geführt werden, und wünsche mir für die Zukunft, dass das sowohl bei Europäischen als auch bei Deutschen Gesetzen so gehandhabt wird.
    Und: Ich bewage einfach mal zu bezweifeln, dass man bei irgendeinem Discounter dann die Auswahl hätte auch einen Fisch aus eher europäischen teil des Atlantik zu kaufen welcher von einem Schiff Französischer oder Englischer oder meinet wegen auch Deutscher Flagge läuft. Es wird sein, wie beschrieben, Schiffe aus abstrusen Staaten die in den entlegensten Gebieten, in fremden Gewässern, „neue“ Fischarten fangen.
    Noch etwas: wer Regelmäßig aus der „Metro“ das Frischfisch Angebot anguckt, kann feststellen, dass die hauptsächlich angebotenen Fischarten immer schneller wechseln, weil die rentabel zu erntenden Bestände immer kleiner werden und die angebotenen Fischarten immer exotischer. Mal ein Auge drauf haben und die Entwicklung beobachten.


  3. Was nützen mit die Datumsangaben?
    Wircklich wichtig wäre eher ein Nachweis, dass die Kühlkette ununterbrochen war.

    Im Übrigen eine nette Fußnote auch zum Quotensystem, dass man in Zeiten der Überfischung noch Subventionen aufwenden muss, um zu billigen Fisch zu lagern sprich zu vermeiden.

  4.   LangFingFang

    Das Schummelrisiko beim „Fangdatum“ dürfte schon arg hoch sein, zumal die EU-Fischer ja auch sonst die Einhaltung von Regeln recht locker nehmen (Fangquoten, Fanggebiete etc.). 0der soll dann auf jedem Schiff ein EU-Kontrollör mitfahren? Da lässt sich das Anlandedatum schon eher kontrollieren.

  5.   Roster

    Kauft euren Fisch den Ihr zuhause verwendet am Kutter oder direkt beim „Erzeuger“ (Forellenpuff), dann wisst ihr von wann der Fisch ist und das er auch schmeckt. Was nützt es mir zu Wissen das der Pangasius (Wels) am 05.05.2011 in Vietnam oder China oder sonst wo erzeugt wurde und dann 5 Stunden auf dem Sozius eines Motorrades durch die Landschaft gefahren wurde. Es weiß doch kaum einer das Seelachs eigentlich ein Köhler ist. Wer keinen guten Fisch schätzen kann, den schreckt das auch nicht, der Rest weiß wo guter Fisch herkommt. Damit haben wir aber wieder eine neue Verordnung, Danke EU, was wären wir nur ohne Verordnungen.


  6. Hallo alterkeks
    natürlich heißt es „Anlandung“, danke für den Hinweis, ich habe es korrigiert.
    Beste Grüße
    Marlies Uken


  7. Hallo LangFingFang
    interessant, dass Sie auf das „Schummelrisiko“ eingehen. Der WWF wird in einigen Tagen eine neue Satellitentechnologie für Trawler vorstellen, die illegale Praxen auf See dokumentieren soll. Mehr Infos gibt´s hier:
    http://www.presseportal.de/pm/6638/2325831/einladung-zur-pressekonferenz-satellitentechnik-fuer-meer-transparenz-im-kampf-gegen-fischpiraterie
    Besten Gruß
    Marlies Uken

 

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