Lesezeichen
‹ Alle Einträge

Das millionenschwere Geschäft der Piratenfischer

 

Update Montag, 17.12.2012: Das Unternehmen Doggerbank hat sich heute bei mir gemeldet. Es besteht auf der Feststellung, dass eine illegale Fischerei nicht stattgefunden habe. Hier deren Schreiben:

 Die „Maartje Theodora“ wurde am Dienstag Abend (11. Dezember 2012) während ihrer Fangfahrt routinemäßig von der französischen Küstenwache kontrolliert und danach in den Hafen von Cherbourg beordert, wo das Schiff am Morgen des 12. Dezember 2012 ankam. Seitdem wird die „Maartje Theodora“ dort von den Behörden festgehalten.

·         Am Bord des Schiffes befanden sich gefangene Makrelen, Stachelmakrele und Heringe. Alle Fische wurde im Rahmen der dem Schiff zugeordneten Fangquoten gefangen. Das Schiff und der Schiffseigner besitzen ausreichende Quoten für die gefangenen Fische. Eine illegale Fischerei hat somit nicht stattgefunden.

·         Es ist üblich, dass diese Schiffe mehr als eine Spezies im Rahmen einer einzelnen Fangfahrt fischen. Jede Fangfahrt dauert zwischen vier und sechs Wochen.

·         Die Fangfahrt begann in den Gewässern westlich der Shetland-Inseln mit dem Fang von Makrelen. Die europäische Gesetzgebung verlangt dafür eine Maschengröße zwischen 55 und 69 Milimeter. Die „Maartje Theodora“ hat eine Maschengröße von 58 Milimeter benutzt, die sich im Rahmen der erlaubten Größenordnung befindet.

·         Im weiteren Verlauf der Fahrt hat das Schiff Holzmakrelen westlich von Irland gefangen. Die europäische Gesetzgebung verlangt dafür eine Maschengröße zwischen 32 und 54 Milimeter. Die „Maartje Theodora“ hat eine Maschengröße von 52 Milimetern benutzt, die sich im Rahmen der erlaubten Größenordnung befindet. Allerdings hat der Kapitän des Schiffes irrtümlicherweise statt „52 Milimeter“ „55 Milimeter“ in das elektronische Logbuch eingetragen und damit einen administrativen Fehler begangen. Diese Daten wurden automatisch an die Fischereibehörden in Deutschland übermittelt.

·         Einige Tage danach hat die „Maartje Theodora“ schließlich Heringe im Englischen Kanal gefangen. Die europäische Gesetzgebung verlangt dafür eine Maschengröße zwischen 32 und 54 Milimeter. Die „Maartje Theodora“ hat eine Maschengröße von 45 Milimetern benutzt, die sich im Rahmen der erlaubten Größenordnung befindet.

·        Alle Behörden wurden ordnungsgemäß über die gefangenen Mengen Fisch, deren Zusammensetzung sowie über das Fanggebiet und die eingesetzten Netze unterrichtet. Alle sich an Bord befindlichen Fischarten haben das erforderliche Mindesmaß und es wurden zu keinem Zeitpunkt zu kleine oder unzulässige Maschenöffnungen verwenden.

Über die Doggerbank-Gruppe
Die Doggerbank-Gruppe besteht aus dem Mutterunternehmen, der Doggerbank-Seefischerei GmbH mit Sitz in Bremerhaven, seinen Tochterreedereien mit Sitz in Rostock und der Euro-Baltic Fisch Verarbeitungs GmbH auf Rügen, einer der modernsten Fischverarbeitungsanlagen der Welt. Insgesamt arbeiten ca. 700 Menschen für die Doggerbank-Gruppe in Deutschland.

Und hier mein Blogeintrag vom Freitag, 14.12.2012:

Es klingt nach einer kleinen Räuberpistole, die am Donnerstag vor der Küste der französischen Bretagne passierte. Nach Informationen der Nachrichtenagentur afp hat die französische Polizei dort einen der weltgrößten Fischtrawler gestoppt.

Der Vorwurf: Die „Maartje Theadora“ habe illegal gefischt. Statt die Netze nach Makrelen auszuwerfen, sei sie irgendwann auf Stachelmakrele umgestiegen – ohne das den Behörden zu melden. Um noch mehr Fang zu ergattern, habe sie zwei Fangnetze zusammengelegt.

Das mag alles irgendwie kleinklein klingen, relativiert sich aber, wenn man sich die Zahlen anschaut. 4.000 Tonnen Fisch hatte die „Maartje“ an Bord. Fast die Hälfte davon soll illegal gefangen sein, so der Vorwurf. Es wäre der bisher schwerste Verstoß gegen Fischereirecht in Frankreich – und das durch eine deutsche Reederei, durch Doggerbank Seefischerei aus Rostock (die wiederum zum niederländischen Fischkonzern Parlevliet gehört).

In dem Fall geht es um richtig viel Geld: Der Fang sei geschätzt mindestens zwei Millionen Euro wert. Der Reederei droht ein Bußgeld von 22.500 Euro sowie die Beschlagnahmung des Fangs.

Die Reederei weist die Vorwürfe zurück, hält sich aber in der Erklärung offenbar ein Hintertürchen offen: Der Reederei lägen „derzeit keine Anzeichen für eine signifikante Verletzung des Fischereirechts“ vor. Vielmehr sei die Größe der Maschen fehlerhaft ins Logbuch eingetragen worden.

Der Vorfall rückt endlich mal wieder das Thema Überfischung in den Fokus. Es sind riesige, schwimmende Fischfabriken, die dort draußen auf den Meeren unterwegs sind – und eben offenbar nicht immer die Rechtsvorschriften einhalten (Greenpeace führt übrigens eine Datenbank zum Thema Piratenfischerei).

Wie der Fangwert zeigt, ist es schnell ein lukratives Millionengeschäft – von dem der Fischkonsument in der Regel kaum etwas ahnt. Daher ist es jetzt umso wichtiger, dass die Vorwürfe schnell aufgeklärt werden – und harte Strafen im Ernsthaft verhängt werden. 22.500 Euro Strafe klingen da meiner Ansicht ganz schön lächerlich.

 

51 Kommentare


  1. 22500,00 € ? Eine geradezu lächerliche Summe. Das Komma gehört mindestens 2 Stellen nach rechts verschoben. Für diese Sauerei der illegalen Fischerei immer noch zu wenig. Sie müsste so hoch sein, dass diesen Verbrechern nur noch ein Ruderboot bleibt.


  2. @ 5 Was mit dem Fisch wird?

    Fischmehl oder Menschenfutter.

  3.   SonDing

    Moment, 22500 Euro + Beschlagnahmung des Fangs (2 Mill.Euro)= 2022500 Euro

    Nebenbei kostet so ein Raubzug ja auch noch Geld.
    Ohne die Reederei hier in Schutz zu nehmen, hört sich das schon etwas anders an und dürfte trotzdem ziemlich schmerzlich sein.


  4. Schiff auf hohe See schleppen und versenken. Fertig. Das ist die einzig wirksame Strafe.

  5.   Sun Wu

    ..dieser Vorfall sollte auch endlich mal einen kritischen Journalisten auf ein weiteres Drama aufmerksam machen, welches sich zur Zeit irgendwo zwischen Hamburg und Bremen abspielt: SKYSAILS.

    Die Maartje Theadora ist eines von 4 Schiffen, auf welchem überhaupt jemals dieser vom Bremer Reeder Niels Stolberg mediengerecht (Stichwort:Klimaschutz & Schiffsfinanzierung)vermarktete LUFTANTRIEB aus Hamburg installiert wurde.

    Der grüne Stolberg wird gerade auf 2.2 Milliarden (2200Millionen) Schadensersatz verklagt. Sowohl Beluga als auch die Reederei Wessels (2 Skysails-Schiffe Theseus & Michael A) sind geschäftlich eng mit dem Emissionshaus Oltmann (Andre Tonn) verbandelt, welches Skysails finanziert hat. Im Fall Beluga kann man mittlerweile ungestraft von kriminellen Machenschaften sprechen, im Fall Maartje Theadora auch…alle 4 jemals installierten Skysails-Antriebe wurden von der EU gefördert, im Falle der Beluga Skysails meine ich die Summe 400 000 Euro vernommen zu haben…

    Parlevliet und andere Supertrawler wurden von Greenpeace auch wegen der enormen Subventionen angeprangert, den diese Fischereischiffe auf sich vereinen, man ist Meister im Abschöpfen von Fördermitteln, und ein bisschen grüne PR hat noch niemandem geschadet, insbesondere, wenn man sich am Raubbau gütlich hält.

    ÜBRIGENS: der 20 Jahre alte GRIECHISCHE Bulkcarrier Aghia Marina ist gerade in Rostock. Ich vermute, dass man dort gerade klammheimlich versucht, eine mediengerechte Ankündigung von Anfang 2011 einzulösen, bevor man bei Skysails Anfang 2013 die Lichter ausgehen läßt, sobald der Prozess gegen einen der Hauptbeteiligten im Fall Skysails, Niels Stolberg, in sichere Fahrwasser gebracht wurde.

    Andre Tonn, Niels Stolberg und andere haben mit ‚KLIMASCHUTZ & SCHIFFSFINANZIERUNG‘, sprich mit SKYSAILS, Schiffe im Wert von mehreren Milliarden finanziert…welcome in the Age of Stupid!

    Gerade auch ein in eine Demokratie systemrelevanter Journalismus hat hier etwas aufzuarbeiten, nachdem man jahrelang Pressemitteilungen aus der SKYSAILS-PR-Maschinerie Wort für Wort abgedruckt hat.

    Die wahren Absichten aller Akteure rund um die Klimaschützer von Skysails sind gerade ein weiteres Mal eindrucksvoll am Beispiel der Maartje Theadora zu betrachten.

    Oder beim Anfang 2013 erwarteten Prozeßauftakt gegen den Betrüger Niels Stolberg, der jahrelang von Politik und MEDIEN als eine Art Genie gefeiert wurde…Taufpate der Beluga Skysails war übrigens Horst Luise Köhler, unser Präsident.

  6.   Sun Wu

    Der 20 Jahre alte GRIECHISCHE Bulkcarrier Aghia Marina wird übrigens von CARGILL gechartert und mit SKYSAILS ausgerüstet.

    Bei CARGILL handelt es sich auch um einen ökologischen Raubritter, neuerdings mit CSR-Policy…wir sind ja neuerdings alle so grün, und sozial, wie auch der Waffentransporteur Stolberg.

    Und wie bei Parlevliet (Maartje Theadora) handelt es sich bei CARGILL (Aghia Marina) auch um einen guten und alten GREENPEACE-Bekannten…alles nur noch absurd!

  7.   yzzuf

    @Sun Wu: Herzlichen Dank für diese Information. Auch wenn einem schlecht wird – man muss wachsam bleiben und kämpfen!

  8.   Flari

    @ #15 und #16

    Was für ein zusammengeschwurbelter Unsinn, der hier aber auch absolut nichts mit dem Artikel zu tun hat!

    Die Nickgleichheit hier, bei SPON und zig anderen Foren/Blogs dürfte kein Zufall sein, wo Sie sich quasi zigtausendfach ausschliesslich über Verschwörungstheorien rund um alles, was mit der Beluga-Reederei zu tun haben KÖNNTE auslassen und dabei regelmässig auch Verdächtigungen speziell gegen Skysails äussern.

    Sie „MEINEN“ von einer 400.000,-€ EU-Förderung gehört zu haben?
    Ich kann Ihnen sagen, wo das war.
    Hier ist die Ursprungsquelle, von der SIE! dieses Gerücht seither im Netz verbreiten:

    http://forum.spiegel.de/f22/beluga-insolvenz-kritik-us-finanzinvestor-oaktree-33259.html

    Mehr als diesen EINZIGEN Satz ohne Quelle hatte dieser Forist, der sich dort am selben Tag wie Sie angemeldet hatte, bisher auch nicht zu sagen..
    Glaubwürdig zur permanenten Weiterverbreitung?
    Wie schlüssig und glaubhaft sind dann wohl Ihre anderen Aussagen/Vermutungen?
    Wie Sie selber geschrieben haben: „…alles nur noch absurd!“

    Über die Sinnhaftigkeit von Skysails kann man durchaus geteilter Meinung sein, insbesondere auf den wechselhaften Kursen eines Trawlers.
    Aber gerade bei steigenden Treibstoffpreisen können sich eben auch 5-10% Treibstoffersparnis, je nach Anschaffungs- und Unterhaltungskosten, rechnen und einen kleinen Teil zum Umweltschutz beitragen.
    Auch wenn gleichzeitig Raubbau an den Meeren betrieben wird, den ich generell verurteile.


  9. Hier ein Link dazu, wobei mir scheint, soweit ich kurz rein geschaut habe, dass Greenpeace sich hat vor den Karren spannen lassen und Green Action das Ganze anprangert.
    http://www.greenaction.de/beitrag/enercon-und-das-e-ship-1-das-understatement

  10.   Flari

    @ Bekassine

    Soweit ich das überblicke, stammen sämtliche!! Artikel/Blogs zu Beluga, Skysails + Co bei „GREENACTION“ ausschliesslich von Sun = Sunwu = Sun Wu.
    Einschliesslich der Klagen, dass quasi seit Jahren niemand wirklich darauf eingeht.
    Es wird lediglich keine Zensur geübt.. :-)

 

Kommentare sind geschlossen.