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Das Versagen des Jugendschutzes angesichts immer brutalerer Computerspiele

 

Je öfter ein Kind am Computer ballert, desto schlechter die Schulnoten, zeigt eine neue Studie. Die Spiele lassen eine Generation von Jungs verwahrlosen.

Dann verbrennst du mehrere Passanten mit einem Flammenwerfer. Zwei Frauen zerlegst du mit einer Kettensäge. Das Blut spritzt auf den Bürgersteig. Ein Polizist will dich stoppen. Du zersägst auch ihn.Schließlich liegt ein Polizist verblutend vor dir, an seinen Einsatzwagen gelehnt. »Du bist ein Arschloch bis zum bitteren Ende«, rufst du ihm zu, bevor du ihn mit einem Tritt auf den Kopf tötest. Mission erfüllt! Du hast Respektpunkte erhalten im Spiel Grand Theft Auto: San Andreas.

Du musst deinen Gegner mit allen Mitteln ausschalten. Benutze alle herumliegenden Gegenstände als Waffen. Sei kreativ: Treibe ihm eine Bohrmaschine in den Kopf, benutze den Tacker, um ihn außer Gefecht zu setzen, drücke ihn auf den glühend heißen Ofen. Verletze ihn mit einem Kantenschneider, tauche seinen Kopf in heißes Frittierfett! Am Ende winkt dir eine Million Dollar Belohnung im Spiel Backyard Wrestling…

weiter hier: http://www.zeit.de/2006/45/Titel-Computerspiele-45


27 Kommentare


  1. Böses Spiel – böses Kind: Computerspiele am Pranger…

    Computerspiele werden regelmäßig als Verursacher jugendlicher Gewaltexzesse und schulischer Defizite an den Pranger gezerrt. Der Wert von Computerspielen in Erziehung und Bildung wird dabei gern übersehen, genauso wie die permanente Flut medialer Ge…

  2.   Steffen Beck

    Was ist nur in die anspruchsvolle Wochenzeitung gefahren, dass sie im Ressort „Leben“ ihrem Berliner Mitarbeiter Jörg Lau ausladend Platz (und damit Geld) für einen Artikel einräumt, der sowohl journalistischen als auch wissenschaftlichen Kriterien in keiner Weise standhält. Der besagte Artikel dreht sich um ein Thema, das im Kanon der ZEIT-Themen eigentlich nicht existiert: Videospiele. Wer nun einen einführenden oder erläuternden Beitrag zum Thema erwartet wird enttäuscht, denn der Autor missbraucht den raren Magazinplatz für seine höchst private Meinungsmache. Trotz der inhaltlichen Dürftigkeit und unbegründeten Anfeindungen müssen hier einige Dinge richtig gestellt werden.

    Herr Lau schaut gerne fern, und hat deshalb vor einigen Woche wohl einen Aspekte-Beitrag im ZDF vom einschlägig bekannten Autor Fromm gesehen, in dem dieser gegen die Gewalt einiger Computerspiele mit zweifelhaften, höchst manipulativen Mitteln zu Felde zog. Dies fiel bei Herrn Lau wohl auf fruchtbaren Boden und er ahnte, wenn er auf diesen Zug mit aufspringen würde, wieder ein wenig Aufmerksamkeit für sich erheischen könnte. Vor einem Jahr war ihm dies bereits mit der relativ unspannenden These gelungen, dass es an unseren Schulen unbedingt weiter Zensuren geben müsste. Die damalige Debatte fand allerdings nur in einem kleinem elitären Lehrerzirkel statt, dieses sollte ihm nicht erneut passieren.

    Da Herr Lau offensichtlich von der Materie keinerlei Ahnung zu haben scheint, hätte er für einen fundierten Artikel nun längere Zeit recherchieren müssen. Doch das kostet massig Zeit und könnte eventuell zu überraschenden Erkenntnissen führen, darum hat Lau einfach die Fromm-Thesen mitgeschrieben und verkauft diese nun im Deutschlandradio und DER ZEIT als seine eigenen. Eigentlich sollte er es aus der Schule kennen: wer abschreibt, schreibt auch den Blödsinn des Banknachbarn mit ab.

    Mir fehlt die Zeit (und ehrlich gesagt auch die Lust) hier jeden Unsinn detailliert klar zu stellen (das wäre wohl die Aufgabe der ZEIT-Schluss- und Chefredaktion gewesen). Darum nur einige der schlimmsten Rohrkrepierer von Jörg Lau:

    Videospiele triefen von Blut und Gewalt
    Es ist ja so einfach: man nehme drei Spiele und schließt von diesen auf andere. Dumm nur, dass die gewählten Beispiele alles andere als repräsentativ sind: „Backyard Wrestling 2“ ist ein mieser Prügeltitel, von dem außer den Herren Fromm und Lau schon längst niemand mehr redet. „Der Pate“ ist die Versoftung der wohl von allen relevanten Filmexperten als Kinoklassiker eingestuften Mafiatrilogie. Und schließlich GTA, die komplexe Actionreihe von Rockstar, die in Deutschland eine 16er-Alterseinstufung trägt und damit den Zorn der Spielemoralapostel auf sich geladen hat. Diese geben sich selten die Mühe, die beschuldigten Titel ausführlich selbst zu spielen, sondern halten sich bei der Begründung ihrer Ablehnung sogar an Anleitungs- und Packungstexte. Frage: Was würden Sie von einem Literaturkritiker halten, der von einem Buch, dessen Autor und Leser er „frontal“ angreift, nur den Klappentext gelesen hat? Oder von einem Filmexperten, der sich aufgrund eines RTL-Teasers eine abschließende Meinung zum Film bildet? Zum Glück gibt es immer mehr Wissenschaftler und auch Journalisten, die sich diesem oberflächlichen Spiele-Bashing verweigern. Leider produzieren ihre Erkenntnisse selten plakative Thesen, sondern vielschichtige Analysen, die in unserer Häppchen-Öffentlichkeit kaum Gehör finden.

    Der Jugendschutz der USK versagt
    Die unappetitlichste Passage der Lau-Ergüsse sind die wütenden Attacken gegen die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Hier wird klar, welchem Leitbild der Autor tatsächlich nachhängt: der Schaffung einer Mediendiktatur und staatlicher Zensur. Natürlich versucht er diese Haltung zu bemänteln, in dem er die Arbeit der USK diskreditiert: die Alterseinstufungen sind falsch, zu niedrig, zu unwirksam. Die Mitarbeiter, Tester und Gutachter wohl unfähig oder böswillig. Frage: Was wollen Sie denn Herr Lau? Jeder, der sich auch nur ein wenig mit den Maßnahmen des Jugendschutzes beschäftigt, weiß, dass es sich immer auch um subjektive Urteile handelt. Doch Lau und Co. wettern nicht gegen FSK oder FSF, ihnen ist nur die USK ein Dorn im Auge. Denn diese ist für Computerspiele zuständig und damit für eine neue Medienform, die sie nicht verstehen können und wollen. Sie reihen sich mit ihrer Hetze in eine unrühmliche Gruselahnenreihe ein: vor fünfzig Jahren war es die „Hottentottenmusik“, die die „Kulturbewahrer“ entrüstete, später die Comics und irgendwann das Privatfernsehen. Alle diese Verteufler haben eines gemeinsam: sie haben nichts aufhalten können. So wird es auch bei den USK-Bewertungen sein. Denn was ist die Alternative? Die Spiele von mehreren Testern und allen Gutachtern komplett spielen zu lassen? Bei 99% der Titel käme am Ende dasselbe Urteil zustande, wie mit dem jetzigen USK-Verfahren. Warum wird die wirkliche Forderung stets verschleiert: man will keine Computerspiele, egal ob sie eine 16er oder 18er Freigabe erhalten haben. Und selbst wenn sie indiziert werden, kommen genau dieselben Herren (es sind erstaunlicherweise immer ältere Männer) und beklagen die Tatsache, dass dies den Spielen nur Aufmerksamkeit verschafft und man im Internet sowieso alles ungeprüft herunterladen könnte. Es sollte klar geworden sein, dass die Materie äußerst vielschichtig ist und für einfache Rezepte kein Platz ist.
    Erwartungsgemäß kommt von Jörg Lau kein einziger praktikabler Vorschlag, wie die Alterseinstufung vom Computerspielen besser gestaltet werden könnte. Eventuell liegt dies daran, dass Computerspiele nicht wie Filme linear begutachtet werden können? Zudem verfängt es nicht, wenn Konservative oder Politiker über die Arbeit der USK herziehen. Sie hätten in den letzten Jahren alle Möglichkeiten gehabt, der kleinen und finanziell schwach aufgestellten USK unter die Arme zu greifen. Doch es ist ja so einfach, von eigenen Fehlern und Missständen abzulenken, indem man auf den zielt, der für diverse gesellschaftliche Probleme (z. B. auf dem Arbeitsmarkt oder an unseren Schulen) nun wahrlich nicht verantwortlich ist.
    PS: Herr Lau haben Sie gewusst, dass unter den „nutzlosen“ Gutachtern auch Kollegen von Ihnen sitzen, z. B. vom Deutschlandradio (in dem sie ihre Thesen propagieren durften)?

    Computerspiele sind Schuld an der Dummheit der Jungen
    Ein paar Worte zur „Medienverwahrlosung“ – offensiv propagiert von Professor Pfeiffer und seinem Institut – und hier ungefiltert wiedergekäut von Jörg Lau. Her Lau, sie haben in ihrem Zensurenartikel geschrieben, dass sie früher keine Leuchte in Mathematik waren. Und sicher haben Sie während Ihres Germanistikstudiums keine Statistikkurse belegt. Warum sind Sie dann der Meinung, dass man statt komplexer Faktorenanalysen mit schnell hingeknallten Kreuztabellen argumentieren kann? Es erstaunt immer wieder aufs neue, welche gewagten Thesen in den Raum gestellt werden: Ein Fernseher im Kinderzimmer führt zu schlechten Zensuren! Wer Computerspiele spielt, kann schlechter lernen! Wer Actionspiele mag, wird später als Hartz4-Empfänger enden! Wer in der DDR-Krippe ins Töpfchen pinkeln musste, wird zum Unterschichten-Prototypen! Mit empirischer Sozialforschung hat dies alles nichts zu tun, denn so können Sie alles „beweisen“. Man muss sich schon die Mühe machen, sämtliche Faktoren in die Analyse einzubinden, und dann lässt sich die (alleinige) Schuld der Computerspiele (für was auch immer) nicht aufrechterhalten. Denn für Variablen wie Schulleistung, Intelligenz, Allgemeinbildung oder sozialer Kompetenz sind andere Faktoren deutlich stärker signifikant, als das Spielen von Computerspielen. Wer das unterschlägt, betreibt Pseudowissenschaft.

    Computerspieler sind potentiell gewalttätig
    Auch diese These unterschlägt die wahren Tatsachen. Denn die 99 Prozent aller Spieler, die vollkommen unauffällig durchs Leben schreiten, blenden die Panikmacher aus. Es wäre ja auch zu schön, wenn der „Lau-Gott“ mit einer allwissenden Geste sämtliche Spiele von der Erde wegbeamen würde. Was würde dann passieren? Kehren die unwilligen Jungen in die Pfadfinderlager (oder in der Ostvariante in die Pionier- und FDJ-Nachmittage) zurück und lernen strebsam und sauber gescheitelt? Geben Sie es doch zu! Das ist die Jugend, die Ihnen vorschwebt und der sie nachtrauern. Unglücklicherweise hat sich die Welt weitergedreht: wir haben nicht mehr nur drei TV-Sender, die erst um 16 Uhr mit ihrem Programm beginnen – stattdessen haben wir Handys, Internet, iPods. Ich halte jede Wette, dass ihre „verführten Jungs“ ohne Spiele stattdessen auf der Straße abhängen und ab und zu vorbeikommende Professoren und über den Dingen stehende Redakteure abziehen.

    Dieser Skandal muss ein Ende haben
    Da stimme ich Ihnen von ganzem Herzen zu! Allerdings sehe ich keinen Skandal in einigen diskussionswürdigen USK-Einstufungen. Ich halte es stattdessen für einen Skandal, dass unsere gebührenfinanzierten ARD & ZDF komplett auf Jugendprogramme und (durch die Grundversorgung verpflichtende) Bildungssendungen verzichten, dafür am Nachmittag auf seichte Telenovelas setzen oder Millionen für „Sportübertragungen“ ausgeben, in der sich Boxer die Kiefer brechen. Ich halte es für einen Skandal, dass im Jugendbereich stetig die Mittel gekürzt werden, mit denen man allen Jugendlichen eine motivierende Freizeitgestaltung ermöglichen könnte. Ich halte es für einen Skandal, dass sich die großen Printmedien (z. B. Spiegel oder Die Zeit) nicht ihrer Verantwortung stellen, und regelmäßig empfehlenswerte Computerspiele vorstellen, um verunsicherten Eltern einen Wegweiser an die Hand zu geben. Und ich halte es für eine Skandal, wenn Politiker scheinheilig das Verbot von „Killerspielen“ fordern, gleichzeitig aber nichts dagegen unternehmen, wenn in ihrem Verantwortungsbereich Neonazis „national befreite Zonen“ ausrufen oder Tausende Jugendliche ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz frustriert zu Hause sitzen.

    Selbstkritik
    Sie werden es nicht glauben, Herr Lau, aber es gibt diverse Probleme, mit denen sich die Protagonisten der„Spielebranche“ kritisch auseinandersetzen müssen. Wenn Sie nicht nur per Tunnelblick die Szene beobachten würden, wäre Ihnen aufgefallen, dass dies sehr wohl bereits geschieht (z. B. im PCX-Forum). Die notwendige Reflexion tangiert nicht nur Programmierer (Muss alles technisch Mögliche auch programmiert werden?) oder Publisher (Muss ich jeden Schund auf den Markt werfen?) – auch die Spielejournaille hat einige Leichen im Keller: Müssen Jugendmedien (wie die „Bravo Screenfun“) 18er-Spiele groß vorstellen und sich mit einem „Viel Gewalt“ neben einem Minus-Smiley aus der Verantwortung stehlen? Warum hat die größte deutsche Spielezeitschrift ihren Grundsatz über Bord geworfen, keine 18er-Spiele im Heft zu besprechen? Wo gelangen wir an eine Grenze der Gewaltdarstellung, die wir nicht mehr in einem Spiel sehen wollen? Die Ironie ist, dass Flächenbombardements wie von Ihnen die selbstkritischen Stimmen jäh verstummen lassen, und sich eine geschlossene Front gegen die undifferenzierten Anwürfe von außen formiert. Mit dieser Form der Auseinandersetzung werden wir keinen Schritt weiterkommen.

    Ein ernst gemeinter Ratschlag an ZEIT-Chefredakteur diLorenzo
    Sie haben kein Interesse daran, junge Leserinnen und Leser an Ihre Zeitung zu binden? Sie wollen mit Ihren seitenlangen Buchbesprechungen, Theaterkritiken, Weinverkostungen und Reisedossiers unter sich bleiben? Ok, das geht ganz einfach: Lassen Sie einfach Herrn Lau mehr Artikel verfassen, dann erledigt sich das von selbst…

  3.   Markus Dick

    Sehr geehrter Herr Lau,

    Nun haben Sie den Artikel geschrieben, den ich schon lange auf dem Herzen und im Kopf hatte. Natürlich haben Sie das viel professioneller und fundierter getan als ich das hätte tun können. Denn ich hätte, genauso wie man sich denken kann, daß nicht alle auf dem Globus so leben können wie wir im Westen, ohne daß er kollabiert, einfach mit dem gesunden Menschenverstand, minimalster pädagogischer Bildung und ohne fundierte Studien von Herrn Pfeiffer genau die gleichen Dinge schreiben können. Es ist offensichtlich, daß brutale Ballerspiele neben Alkohol, Zigaretten und mangelnder Wertevermittlung zu dieser Art Verwahrlosung führen, die man im Alltag überall sehen kann und die weite Teile der Journalisten m.E. zum Großteil als „Unterschichtenverhalten“ bezeichnen.

    Da paßt Ihre Meldung von heute über die Jugendlichen in Lörrach, die eine Selbstmörderin anfeuerten vom Dach zu springen ja hervorragend. Gehen Sie doch mal hin und fragen Sie die, welche Computerspiele die immer so spielen. Aber es wird sich vor Gericht garantiert wieder ein von der Entertainment-Industrie bezahlter Pädagogik-Experte finden, der beweist, daß da keinerlei Zusammenhang besteht.

    Daß unkontrollierter Zugang zu diesen Spielen auch bei „wohlstandsverwahrlosten“ Kindern gutsituierter Oberschichten vorkommt ist kein Widerspruch. Unreflektierter Medienkonsum findet überall statt, aber eben da am meisten, wo am meisten Überforderung und Desoriertierung herrschen und das ist häufig „unten“. Sie haben das Verohungselend von vor allem pubertierenden Jungs trefflich beschrieben, allerdings einen wesentlichen Aspekt vergessen.

    Ohne daß der Gesetzgeber diesen asozialen und verblödenden Spielen den wirtschaftlichen Boden entzieht (ähnlich wie bei Alkopops) wird es auch für Familien, die darauf achten wollen, daß ihre Kinder nicht völlig unkontrolliert so einem Mist frönen immer schwerer. Es wird dann, als ob man in der Bronx lebt und versucht seine Kinder vor Drogen zu bewahren. Wenn der Staat von sich aus nicht mehr willens oder in der Lage ist, die Gesetze entsprechend zu ändern, sollte der Kinderschutzbund Verfassungsklage wegen Verletzung des Grundgesetzes erheben (Schutz der Menschenwürde, Recht auf körperliche Unversehrtheit, Schutz von Ehe und Familie). Vielleicht gibt es auch Initiativen des EU-Parlamentes mit denen man dem deutschen Recht auf die Sprünge helfen könnte.

    Wenn man sich den global zunehmend zirkulierenden „Medienscheiß“ anschaut (echte Enthauptungen aus dem Irak auf Kinderhandies habe ich in der S-Bahn auch schon gesehen, besonders türkisch- und arabischstämmige Jugendliche geilen sich daran auf), dann brauch man sich über den schnellen Zerfall historisch gewachsenener Kulturen oder fundamentalistische Abwehrreaktion wie bei den Taliban nicht zu wundern. Wenn der Westen glaubwürdig werden will muß er erst mal selbst zu Hause mit den schlimmsten Auswirkungen unreflektierter, kritikloser Liberalität aufräumen. Das bedeutet Selbstbeschränkung. Dieser Gesellschaft mangelt es nicht an zu wenig Freiheit, sondern in vielen Bereichen an zuviel Freiheit. Gerade in einer globalisierten Gesellschaft ist Selbstbegrenzung notwendig. Und dies hat natürlich nichts mit dem autoritären Staat der 50er Jahre zu tun.

    In diesem Kontext wirken die dümmlichen Alt-68er Reflexe von Herrn Altenburg geradezu grotesk und die abgenutzte Fascho-Keule gegen alle Leute, die sich tiefere Gedanken darüber machen, wie Kinder- und Jugenderziehung aussehen sollte wirkt nur zynisch.

    Übrigens: Neulich sah ich einen Fernsehbeitrag, der Eltern von erwachsenen, beschaffungskriminell gewordenen Drogenabhängigen zeigten, die in einer Fußgängerzone bei Jugendlichen für die Legalisierung von Cannabis-Verkauf warben. Die meisten Jugendlichen, die bestimmt schon selbst Drogenerfahrung hatten, fanden die Idee garnicht gut. Komisch, oder?

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Dick

  4.   OttoN

    @Steffen Beck:

    Lassen Sie mich raten: Sie verdienen Ihr Geld mit dem Schund?

    Und wenn Sie Tabak anbauen würden, wäre auch rauchen ungefährlich, oder?

  5.   Prof.Dr.Hase

    @ OttoN

    Man muss nicht sein Geld in der Branche verdienen, um zu sehn das der Herr Beck recht hat.

    Natürlich ist es für jemanden der keine Ahnung von der Materie hat und sich auch keine eigene Meinung dazu bilden will, leichter einem oberflächlichen, schlecht recherchiertem Hetzpamphlet nach zu plappern. Ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber sind sie Bildzeitungsleser ?

    Ich kann sie nur dazu ermuntern sich mal ausgiebig mit der Materie zu beschäftigen. Falls sie das nicht tun wollen, habe ich trozdem noch einen guten Ratschlag für Sie:

    Wenn man keine Ahnung hat einfach mal … aber den Rest kennen sie ja sicher 😉

  6.   Joern Kindler

    Lieber Herr Lau,

    ich kenne und schätze Ihre Texte, aber man muss kein (angehender) Journalist sein, um diesen hier einfach wirklich schlecht zu finden. Ich verstehe auch nicht, warum Ihnen den niemand um die Ohren gehauen hat. Hier nur einige Punkte, die ich vom rein journalistischen Anspruch nicht verstehen kann:

    – Warum gibt es keinen Besuch im Kinderzimmer? Die Fotos illustrieren so gut, dass es eben kein Unterschichtenproblem ist…

    – Warum werden nur Binsenweisheiten verbreitet? Bei einem Zeitungspraktikum wurde mir immer geraten, mich davon fernzuhalten. Und habe ich nicht sogar mal in der „Zeit“ gelesen, dass die These „Gewaltspiele verursacht Schoolshootings“ doch nicht so eindeutig als bewiesen gilt?

    – Warum steht über dem Artikel nicht: „Eine Abrechnung“ oder „Eine Polemik“? Es wäre angebracht. Sonst ist nicht zu erklären, warum nicht auch die Gegenseite zu Wort kommt.

    – Wie kommt man in einem Aufmacher damit durch, den wirklich über-zitierten Christian Pfeiffer (und NUR den) zu zitieren? Hat wirklich NIEMAND mit der Nase gerümpft?

    – Wie konnte es Ihnen durchrutschen, dass zum millionsten Mal die Städte Dortmund und München als gegensätzliche Beispiel herhalten müssen. Wem sagt das denn irgendetwas?

    – Wie konnte Sie niemand auf die Distanzlosigkeit hinweisen?

    Nein wirklich. Ich bin gründlich enttäuscht. Da muss es eine ganze Kette von Misständen in Deutschlands wichtigster Wochenzeitung geben, dass solch ein schlechter Text durchrutschen kann.
    Ich habe schon auf dem C64 das Spiel „Lehrer-Jagd“ gespielt und bin trotzdem nicht verblödet oder verroht. Es war auf eine politisch unkorrekte Art einfach lustig, den Grabstein meines Lateinlehrers zu sehen, wenn ich getroffe hatte. Klar, ist es mir heute fast schon peinlich, aber es ist auch verdammt lange her. Heute spiele ich vielleicht einmal im Monat nochmal kurz „Spiderman“ oder erschieße Löwen als Lara Croft, aber kann deswegen noch keinen Gangster oder Fassadenkletterer in mir erkennen.
    Klar verstehe ich auch die Leute nicht mehr so richtig, die nur zehn jahre jünger sind, als ich, aber wenn ich ganz ehrlich bin. Aber ich werde versuchen, niemals Texte zu schreiben, die sich ausschließlich an die „alten Meckeropis“ richten. Nichts anderes war der Text. Durch ihn ist die „Zeit“ wieder ein Stück mehr „alte Tante“ geworden.

    Schade.

    Gruß aus Peking,
    J.K.


  7. Lieber Herr Kindler,
    Dank für die weitgereisten Grüsse!
    Ich lese eine gewisse Alte-Tanten-Feindlichkeit aus Ihrem Beitrag.
    Verachten Sie die alten Tanten nicht, die wissen auch so dies und das. Und manchmal merken die, wenn im Kinderzimmer was schief läuft.
    Die ca. 90 fast gleichlautenden Leser-Meldungen zum Thema („ist doch einfach lustig, und ich bin kein Killer, regen Sie sich nicht so auf, und ausserdem ist es das Gleiche wie damals mit dem Rock’n Roll“) können mich nicht überzeugen, dass ich schief liege. Sie sind von einer reflexhaften Abwehr gekennzeichnet, die immer darauf schlieesen lässt, das da etwas nicht stimmt.
    Die beschriebenen Szenen gibt es, und sie sind durchaus passende Beispiele für eine Verrohung in einem Teil des Computerspiele-Markts, die ich nicht achselzuckend hinnehmen will. Wie übrigens auch eine Reihe von Lesern, die mir zustimmen – darunter etwa eine Schwester, die den Absturz Ihres Bruders beobachtet, und viele Lehrer und Eltern, die sehen, dass manche Kinder, die es ohnehin nicht leicht haben, eben nicht so gut mit der Gewaltpopkultur klarkommen wie Sie.
    Freundliche Grüsse
    J.L.

  8.   GoodNightWhitwPride

    Herr Lau, es ist doch zu schön, wenn man seine Generationskonflikte an Menschen abarbeiten kann, die weder eine große Lobby haben, noch (in der Masse) über die Fähigkeiten verfügen, sich eloquent zu wehren.

    Und wie schön es doch ist, so einfache Erklärungen für die Gewalttaten in Columbine oder Erfurt zu finden. Ja, lobet den Herrn, die Computerspiele sind’s gewesen und wir können unsere Hände in Unschuld waschen!

    Ihr Artikel ist eine Beleidigung für jeden denkenden Menschen und eine Schande für die Zeit. Vielleicht sollte ich mir die Zeit sparen und die 160 € im Jahr lieber für einige Killerspiele ausgeben…

    GNWP


  9. Herr Lau,

    ein Artikel voller Wahrheit. Vielleicht ist das auch seine Schwäche.

    Was er jedoch ganz bestimmt nicht ist, das wird an zweiter Stelle in den Kommentaren mit einem Paradebeispiel der Gattung bewiesen.

    Es ist eine Problematik die in die Abstellkammer öffentlicher Aufmerksamkeit gedrängt wird, eines der wichtigsten Indizien für die typische Verharmlosungs-Rhetorik, wie sie im Zusammenhang mit diesem Thema, auch in den Kommentaren immer wieder anklingt. Häufig scheint es sich dabei auch um Rechtfertigungen zu handeln, nicht selten auch vor dem eigenen Gewissen.

    Doch schon allein der Beginn einer Debatte ist ein wichtiger Schritt. Wer in Deutschland eine Bildungsdebatte fordert, die auch nach Ursachen fragt und nicht bloß vergleichbare Ergebnisse fordert, darf dieses Thema nicht außer Acht lassen. Eine breite, öffentliche Debatte ist zudem das Mittel der Wahl, um dieses wichtige Thema aus den Randlagen des öffentlichen Bewusstseins zu scheuchen.


  10. Lieber Maximilian Heise,
    vielen Dank, das tut gut. Wir werden an dem Thema dranbleiben. Es tun sich auch vielversprechende Dinge.

    Die USK, aufgeschreckt, sucht das Gespräch. Es gibt parlamentarische Veranstaltungen, es läuft eine Evalutaion des Jugendschutzes an.

    Mir geht es nicht nur um Jugendschutz im juristischen Sinn.

    Es muss eine Debatte unter Spiele-Entwicklern, Spielern, Eltern und Interessierten entstehen über die Sackgassen, in die diese mächtige Kulturindustrie mit vollem Tempo rast.

    Viele der Teilnehmer der Debatte antworten sehr abwehrend, Sie haben das völlig durchschaut.

    Und sicher hat mein Artikel Schwächen – aber doch immerhin nicht die Schwäche, das ich mein Entsetzen (jawohl!) verstecke oder abmoderiere, wie es so üblich ist in den abgewogeneren Stücken.

    Und vielleicht kommt so am Ende doch etwas in Gang, trotz anfänglicher Abwehr.

    An der neuen Playstation, die gerade veröffentlicht wird, hängt das Schicksal von Sony – es ist eine Multimilliarden-Investition.
    An den Inhalten, die auf ihr gespielt werden, hängt viel mehr.
    Herzliche Grüsse, JL

 

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