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Indischer Personenkult: Saddam Hussein, Rächer der Witwen und Waisen

 

BBC berichtet, dass Saddam Hussein im nordindischen Dorf Lakhanow grossen Nachruhm geniesst. In dem kleinen Provinznest des Staates Bihar gebe es bereits 20 Saddam Husseins unter den einheimischen Jungen. Die Bevölkerung habe beschlossen, so die BBC, alle neugeborenen Jungen nach dem hingerichteten Diktator zu benennen.

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Der Vater eines Dreijährigen, Ejaj Alam (s. Foto) wird zitiert, er habe sich nach der Exekution entschlossen, seinen Jungen in Saddam Hussein umzubenennen, um den Widerstandsgeist des irakischen Diktators gegen die Amerikaner zu ehren.
Die Dörfer der näheren Umgebung sollen es zusammen auf bis zu 100 Saddams bringen. „George Bush kann einen Saddam umbringen, wir werden eine Armee von Saddam Husseins schaffen. Wir werden Ihnen zeigen, dass Saddam Hussein niemals hingerichtet werden kann“, so Ayub Khan, einer der Dorfsprecher, zur BBC.

Nur die Kindergärtnerin beschwert sich, dass sie manchmal die vielen Saddams nicht auseinander halten kann, die sich im Sandkasten jagen.

8 Kommentare

  1.   Tuotrams

    Und bald können die Hohlbirnen ihr Kanonenfutter dann hoffentlich Osama nennen.

    Who cares ?

  2.   Docaffi

    Warum bald? In den letzten Jahren wurden in Pakistan reihenweise Kinder Osama genannt. Dort ist er schon zu Lebzeiten ein Held. Aber wirklich „Who Cares?“ Die Amerikaner machen es schon. Hier ein paar Bomben und dort ein paar Raketen und schon sind neben den echten Terroristen auch die Namengenossen platt. 1000 pakistanische, indische oder somalische Kinder weniger. Who Cares?

  3.   Tuotrams

    @Docaffi

    Tja, am Ende werden diese Leute wohl in dem Feuer umkommen das sie selbst mitentfacht haben. Da kann sich später kein Anhänger der „Religion des Friedens“ rausreden.

  4.   Vladimir

    Putin betreibt die Politik des Gas- und Ölhahns offensiver und deutlicher wie es sich die Ölscheichs je getraut hätten. Bei Missfallen findet er schliesslich mit Indien und China auch noch Abnehmer für Öl und Gas, die nicht wesentlich weiter entfernt von den Ölquellen und Gasfeldern entfernt sind, wie Europa.

    Also: Wer sich nicht fügt, ob er Ukraine oder Georgien heisst oder sich einer Zwangsvereinigung dauerhaft verweigert, wie Weißrussland, muss mit höheren Preisen rechnen und im schlimmsten Fallmit der Einstellung der Dienstleistung über Nacht. Nachdem die Verträge sinnvollerweise auch zum Jahresende neu abgeschlossen werden, wird dies im von der Erderwärmung weniger stark betroffenen Osteuropa wenigstens sofort spürbar.

    Warum Putin dieses Machtinstrument n u r im ehemaligen Hegemonialgebiet ausüben soll und nicht im Rest Europas, ist wenig einsichtig. Zudem stellt sich die Frage nach der Definition des ehemaligen Einflussgebietes der Sowjetunion. Die Rote Armee stand schliesslich von Lübeck bis Passau flächendeckend auch auf dem Terretorium der heutigen Bundesrepublik Deutschland.

    Eine alte Hypothese der Linken lautet ja, dass der reiche Westen die armen rohstoffreichen Länder gezielt zum Nachteil der jeweiligen Völker ausbeutet. Die Realität legt den Schluss nahe, dass diese es auch gerne selbst tun, wenn dem Westen die Möglichkeit fehlt.

    Das stellt man nicht nur auf den Strassen Moskaus fest, wo das Prekariat sicherlich stärker vertreten ist, sondern – wie an anderer Stelle bereits bemerkt – an den Stränden der Coté d´Azur oder in der Sauna in Berlin, wo sich die kleinen und grossen Oligarchen gerne einen Überblick über zu sponsornde Fußballvereine und zu erwerbende Gasversorger verschaffen.

    Fast wie in den Siebziger Jahren, als der drohende Kauf eines grossen Aktienpaketes (ich glaube der Krupp-Stiftung) der guten alten Daimler-Benz AG durch den Börsengang einer entsprechenden Beteiligungsgesellschaft (Mercedes AG) verhindert werden konnte. Trotzdem sind die Kuwaitis bis heute Daimlers treuster Aktionär.

    In Russland gibt es wenigstens noch Universitäten und selbst das repressive System brachte gelegentlich noch den ein oder anderen Nobelpreisträger hervor. Wie aber sieht es mit den anderen Öl-Staaten aus, den Eigentümern von Gasfeldern. Neben den USA, Großbritannien und Norwegen sind dies vor allem die OPEC-Staaten, eine Klicke von Diktatoren und repressiven Staatssystemen mit ungleicher Einkommensverteilung und dem durchgängigen Phänomen, dass die siamesischen Zwillinge Freiheit und Wissen hier nahezu nicht verbreitet sind. Üblicherweise beuten in diesen Fällen nicht die westlichen Staaten die arme Dritte Welt aus, sondern die sich selbst.

    Selbst in Regionen, die sich offensiv auf das Versiegen der Ölquellen vorbereiten, wie etwa in Dubai, wird das Geld in Tourismus und Dienstleistung investiert werden und nicht etwa in eine Wissensindustrie, die allen Bürgern die Chance geben würde, selbstbestimmt und mündig, aufgeklärt und gebildet einen Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten. Wäre der Mangel an Wissen in der arabischen Welt nicht so gleich verteilt nicht vorhanden, könnte man ja von einem einzelnen Phänomen sprechen. Aber auch im Ölstaat Nigeria handelt es sich nicht um einen demokratischen Rechtsstaat, in dem die Pfründe der Bodenschätze zum Wohlstand der gesamten Gesellschaft (gibt es dort überhaupt so etwas wie “eine Gesellschaft”) beitragen, sondern um eine Diktatur, in der sich eine Clique unrechtmässig bereichert.

    In Putins Reich regiert die Macht. In Arabien hat man Mohammed, das Opium für´s Volk wird verstärkt durch die Existenz Israels, ohne dass es selbst in Ägypten eine Demokratie gäbe, wie der Chefredakteur von Aldschasiraa unlängst im Interview bestätigte.

    Wie unmittelbar die Geldströme Arabiens damit zusammenhängen, dass der sogenannte “Nahost-Konflikt” am Köcheln gehalten wird, zeigte sich unlängst, als man den Ministerpräsidenten der palästinensischen Selbstverwaltung dabei erwischte, wie er ca. Dreißig Millionen € über die Grenze schmuggeln wollte. Woher die Hamas das Geld hat, nun plötzlich ihre Milizen zu verdoppeln, kann sich jeder denken.

    Eins ist sicher: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Existenz repressiver Systeme und Rohstoffen. Je reicher ein Land mit Rohstoffen gesegnet ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass diejenigen, die die Chance dazu haben, die Erlöse der Rohstoffe dazu ausnutzen, den Rest der Bevölkerung von diesem Erlös auszuschliessen und mit einem Teil der Erlöse zu unterdrücken. Das geht übrigens auch gut mit Entwicklungshilfe, wie man in ganz Afrika und nicht zuletzt in Palästina sehen kann, wo es nicht nur um die Macht, sondern auch um das Geld der EU geht.


  5. Sie haben sehr recht! Ich finde diese Zusammenhänge – Rohstoffe und Despotismus“ – sehr gut beschrieben bei Fareed Zakaria („Das Ende der Freiheit?“, Frankfurt 2005). JL

  6.   Docaffi

    @Tuotrams
    „am Ende werden diese Leute wohl in dem Feuer umkommen das sie selbst mitentfacht haben. Da kann sich später kein Anhänger der “Religion des Friedens” rausreden. “

    Ich befürchte am Ende wird das Feuer so groß sein, dass auch viele hier umkommen.

  7.   Gerhard Stenkamp

    Lieber „Docaffi“!

    Darueber habe ich auch schon oefters nachgedacht, was Sie schreiben, dass ein „Feuer“ entstehen wird, das man Weltenbrand nennen muss!

    Ich bin zwar nicht sehr optimistisch, aber man sollte drueber sprechen, solange noch etwas dran zu aendern ist!

 

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