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Wachsende Radikalisierung unter jungen Muslimen?

 

Alarmierende Aussagen aus Polizeikreisen:

Die Gewerkschaft der Polizei sieht die Gefahr einer wachsenden Radikalisierung junger Muslime in Deutschland. Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg betonte, von Jugendlichen mit Migrationshintergrund werde das Terrornetzwerk Al Qaida zunehmend „idealisiert“.

Dies sei auch bei entsprechenden Internet-Foren beobachtet worden. Freiberg fügte hinzu, das Internet wirke hier „wie ein Raketentreibsatz“. Auf diesem Wege sei es viel leichter als früher, Gleichgesinnte für extreme Positionen oder Verabredungen zu finden. Der GdP-Chef betonte: „Und wir wissen, dass auch die Hardliner von Al-Qaida sich diese Szene genau anschauen und diese Jugendlichen gezielt ansprechen, um sie für Attentate zu disponieren.“ Deshalb müsse die Polizei „das Fahndungsfeld Internet stärker ins Auge nehmen“.

Der GdP-Vorsitzende verwies auch auf die wachsende Zahl von Menschen, die zum Islam konvertieren. Er betonte: „Es ist eine alte Erfahrung, dass jemand, der von einem Glauben zum anderen konvertiert, sich dort als besonders treu präsentieren möchte – das heißt, durchaus auch etwas extremer ist als diejenigen, die mit diesem Glauben groß geworden sind.“

Das ist in der Tat eine Erfahrungswahrheit, und es gab auch (jedenfalls in anderen Ländern) Konvertiten unter den Terroristen, wie beispielsweise im Fall des britischen Schuhbombers oder im Fall von Adam Gadahn, der vom Metal-Fan zum Al-Kaida Propagandachef wurde.

Trotzdem sollte man nicht so undifferenziert die Konvertitenszene ins Zwielicht rücken, ohne weitere Daten zu liefern. Die deutschen Islamverbände weisen eine hohe Zahl von Konvertiten in Führungspositionen auf, deren Positionen man kritisieren mag, die aber nichts mit Terrorismus zu tun haben.

Die traurige Wahrheit ist, ich wiederhole mich, dass die deutschen Behörden nahezu nichts Belastbares über die Meinungsbildung in der islamischen Gemeinschaft (und ihren vielen Sub-Gemeinschaften) wissen.

(Zur englischen Debatte siehe meinen Post hier.)

Wir brauchen endlich eine umfassende Studie über die Meinungen und Haltungen der deutschen Muslime, damit wir wissen, ob solche Aussagen tatsächlich für einen beängstigende Trend stehen – oder ob sie bloss passgenau ventiliert werden, um politischen Druck hinter die Forderung nach weiterer Internet-Überwachung zu bringen.

10 Kommentare

  1.   AM

    Geheimdienstarbeit ist in dieser Auseinandersetzung tatsächlich sehr wichtig. Es wäre auch wichtig, dass mehr Deutsche etwas Türkisch verstehen, um im Alltag hier und da einen eigenen Eindruck zu gewinnen. Die Sprache der hier lebenden größten Zuwanderergruppe islamischen Glaubens zu lernen, wäre also nicht nur eine Respektsbekundung, sondern auch schlau.
    Erinnern Sie sich noch an die britische Journalistin, die sich unter einer Burka ins Reich der Taliban geschlichen hat, entdeckt wurde und — nach ihrer Freilassung zum Islam konvertiert ist? Geht von ihr als Konvertitin eine Gefahr aus? Wie geht eine freie Gesellschaft damit um?

  2.   Riccardo

    @Jörg Lau

    Sie hatten ein ähnliches Thema bereits am 2.02.2007 gepostet:“Jeder dritte junge Muslim in England befürwortet die Scharia.“
    Die Vorstellung, daß eine Befragung deutscher Muslimen zu ähnlichen Ergebnissen kommen muß, ist nicht von der Hand zu weisen.
    Vor einer von Ihnen bereits mehrfach geforderten Studie schrecken Politiker aus guten Günden zurück. Sie würden unter Handlungszwang geraten, und der Undank aller Beteiligten wäre ihnen auch gewiß. Da ist es allemal bequemer, das Internet zu überwachen und im Stillen Konsequenzen zu ziehen.
    Eine Beobachtung der Konvertiten ist anzuraten. Ich halte sie allerdings für harmlos, das sind eben Menschen die sich einem strengen Regiment unterwerfen wollen, es ist sozusagen der „Wiedereingang in die selbstverschuldete Unmündigkeit“.

  3.   Fritzfernando

    Die Gesellschaft radikalisiert sich auch, Herrenmenschendefination findet heute nicht über die höherwertigkeit der Rasse sondern über die höherwertigkeit vermeintlicher Werte statt. Die Verfechter dieser Ideologie sind auch nicht besser als die früheren Rassekundler und Nasenvermesser.

    Die unterstellte Radikalisierung ist ein subjektiver Eindruck objektiver Ablehnung des neuen modernisierten Faschismus. Die GDP als Vertreter der Sichheitskräfte sollte sich besser darum kümmern ob die Sicherheitskräfte nicht Werkzeuge neuer extremistischer Faschistischer Bestrebungen der heiligen Dreieinigkeit von Kapital Kirche und Politik werden. Wo ist die Grenze von rechtmässiger Anwendung des Gewaltmonopols zum Missbrauch von Demokratie und Unterdrückung und Verbrechen ?

    Die derzeitige Staatsräson ist ja nun nicht unbedenklich sondern gekennzeichnet von Unterstützung von Folter, staatlichen Morden, Angriffskriegen, Apartheid, Verlust von Gewaltenteilung von Rechtstaatlichkeit, und Zunahme von Gesinnungsrecht.

    Gegen diese Trends gibt es keine Gegenkraft, vor allem nicht die GdP, also sieht es so aus als ob die in Sichheitorganen Tätigen sich auch irgendwann die Frage stellen müssen, wie weit sie sich an Verbrechen beteiligen. Schon heute beteiligt sich die KSK an der Bewachung amerikanische KZ in Afghanistan, Innenminister klatschen Beifall an Ghettomauern in Palästina, und fordern Schutzhaft für Verdächtige. Es ist ja nun nicht so als ob die Unzufriedenheit junger Muslime keine Ursachen hätte, in einem Land das bekannt ist für seine früheren rassistischen Excesse mit Polizisten als willige Vollstrecker. Vielleicht würde schon diese Unzufriedenheit mindern, wenn Figuren wie Steinmeier vor Gericht stehen würden anstatt vor politisch motivierten Untersungsausschüssen, oder Deutsche die sich an Greueln in Palästina durch Doppelstaatsbürgerschaft als IDF Soldateska oder Kolonisten beteiligen ermittlt würde, oder notorische Hatzprediger zu Ministerpräsidenten werden.

  4.   Tuotrams

    Für die meisten dieser verwirrten Migranten-Kids reicht es kein Schweinefleisch zu fressen um ein guter Moslem zu sein. Von dem Islam oder der Al Qaida Ideologie haben die keinen Plan. Man muss sich also nur bedingt Sorgen machen und den „saudischen Missionaren“ auf die Finger schauen. Die sind in der Tat auf der Suche nach Kriminellen/Halbkriminellen denen sie Erlösung versprechen.

    Wenn sie was über Meinungsbildung unter der Jugend wissen wollen sollten sie sich (auch wenn es manchmal wehtut) Deutsch/Migranten-Rap-Songs anhören.

    @AM

    Jugendliche „Türken“ sprechen doch maximal zuhause Türkisch.

    BTW: Irre gibt es immer


  5. […] Im Übrigen: Jörg Lau Trotzdem sollte man nicht so undifferenziert die Konvertitenszene ins Zwielicht rücken, ohne weitere Daten zu liefern. Die deutschen Islamverbände weisen eine hohe Zahl von Konvertiten in Führungspositionen auf, deren Positionen man kritisieren mag, die aber nichts mit Terrorismus zu tun haben. […]

  6.   Eric

    MEIN GOTT !!!!!
    wenn ich so manches kommentar hier höre, auch wenn sich manche Ideologie seit den 68er Zeiten nicht verändert hat, die Welt um „euch“ herum hat es !!!
    Wer immer noch feuchte Augen der rührung bekommt beim anblick von Frauen in Kopftüchern und fremdländisch aussehenden mit gebrochenem Deutsch und gleichzeitig die katholische Kirche für den Hort des „Reaktionären“ (noch so eine 68er Vokabel) hält der hat vieles nicht kapiert. Zum einen ist es entlarvend das es nicht um Religionsfreiheit oder so gehen kann, sonst wäre der Katholozismus nicht so negativ besetzt für diese Leute und zum anderen die viel radikalere Religion des Islam so interessant – es geht ums Opponieren und anders sein als die vermeintlichen „Kapitalistischen“ Eliten.. aber diese gibt es schon lange nicht mehr. Die sind gemeinsam mit Helmut Kohl entgültig in Rente gegangen.

    Uns fliegt die Gesellschaft um die Ohren wenn sich die momentan politisch verantwortliche Generation nicht endlich aus diesen prähistorischen Grabenkämpfen herausbewegt und die neuen realitäten anerkennt. Altersstarsinn betrifft jede Generation aufs neue. Beteuerungen nicht alle Muslime seien so und so weiter bringen uns da nicht weiter (das behauptet ja auch keiner). Die gleichen Leute habe ich aber noch nie sagen hören „nicht alle Deutschen sind so“ wenn es um das Kapitel deutscher Geschichte von vor 70 Jahren geht. Ich kann diese ganzen widersprüchlichkeiten und festgefahrenen Parolen nicht mehr hören.
    Die Polizisten stehen da draußen, bekommen mit wie Stadtteile in großen Städten langsam dem Rechtsstaat entgleiten und sich überall Angst vor Gewalt breitmacht – es gibt inzwischen wesentlich mehr rassistische Gewalt an Schulen gegen deutsche Kinder (weil sie deutsch sind) als gegen ausländische Kinder. Und um jeder polemik vorzubeugen, natürlich ist Gewalt gegen ausländische Kinder nich weniger schlimm aber das muss man ja eigentlich nicht erst beteuern (…)

    Wenn die debatte weiterhin in Scheinwelten stattfinden werden diese eben von den realitäten überholt werden, es werden sich mehr Ghettos herausbilden weil auch deutsche dann lieber mehr „unter sich“ sein wollen, Rütli wird wirklich überall sein und auch die vielbemühte Solidarität wird sich auflösen weil eine Generation die nie gefragt wurde ob sie Solidarisch sein will und gleichzeitig selbst keine aussicht hat von Solidarität irgendwann profitieren zu können in Streik treten wird.

    ES GIBT KEIN LINKS ES GIBT KEIN RECHTS! Es gibt nur pragmatismus oder populismus. Willkommen im 21. Jahrhundert.


  7. Herr Lau,
    das ist ja mal ne hübsche Nebelkerze, die Sie da werfen, indem Sie den Wissensmangel über „Belastbares“ über die Meinungsbildung in der muslimischen Mitbevölkerung anklagen.
    Wenn der radikalste Schritt (die fundamentalistische Radikalisierung) erkannt wird, wie bei der GdP, muss man sich da noch lange über das Zustandekommen Sorgen machen?
    Falls Ihnen Ihr Auto geklaut wird – wundern Sie sich dann über das Zustandekommen zerrütteten Vermögensverhältnisse des Diebes?
    Oder wollen Sie es dann doch lieber erstmal wiederhaben?
    Sehen Sie – so geht´s mir mit der inneren Sicherheit.
    MfG
    TF

  8.   Riccardo

    @Eric

    Mein lieber Mann, das gibt Haue.

  9.   Wachtmeister

    Sorry, aber jetzt nervt der Spamfilter wirklich. Ich warte mit weiteren Beiträgen erstmal ab.


  10. @ Wchtmeister, alle Spamgefilterten: Sorry, morgen wird das repariert. Musste heute schreiben und nebenbei jeden einzelnen Beitrag erlösen. Aber wenn ich den Filter abschalte, droht hier die Porno-Sausse alles zu überfluten.

 

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