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Islam als Weltreligion

 

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Foto: Kazuyoshi Nomachi/corbis

Mein Essay über den Islam (in unserer Serie über die Weltreligionen) ist jetzt online hier.
Und wie immer bei diesem Themenkomplex gehen die Meinungen krass auseinander: „Sie versuchen über eine Milliade Menschen in einen Topf zu stecken und drücken ihnen zusätzlich den Stempel des Bösen auf.“ – „Islamische Missionierung pur.“
Leider habe ich zunehmend den Eindruck, manchen Leuten ist es ganz egal, was man schreibt. Die stecken schon so tief im Schützengraben.
Ungut.


7 Kommentare

  1.   Wachtmeister

    Ich finde (bei aller Bescheidenheit), der Text ist gelungen. Er beschreibt die Anziehungskraft des Islam, ohne zu idealisieren.

    Ich fand nur zwei Stellen des Textes kritikwürdig:

    Der Islam wird als „großartige Religion“ beschrieben. Von einem Nichtmuslim geäußert, klingt das nicht sehr glaubwürdig. Wenn Sie den Islam „großartig“ finden, warum sind Sie dann nicht Muslim?

    Der Islam wird als „von Beginn an überaus erfolgreich“ beschrieben. Erfolge gab es vor allem bei der Gewinnung von Anhängern und bei der territorialen Ausbreitung. Nach den selben Kritierien könnte man deutsche Staatsmänner („im politischen Sinn war er ein Erlöser“) der 30er Jahre als erfolgreich beschreiben. Wenn Sie diesen Maßstab an das Christentum anlegen, dann war auch die Eroberung Lateinamerikas und Afrikas „erfolgreich“.

  2.   Joerg Lau

    @ Wachtmeister: „Erfolgreich“ benutze ich einmal ganz wertneutral, damit man das Innenbild der muslimischen Urgemeinde zur Kenntnis nimmt, das sich radikal von dem der christlichen Urgemeinde unterscheidet. Natürlich hat dieser Erfolg Opfer gekostet, und für viele Eroberte war es sicher eine andere Erfahrung als für diejenigen, die die Welt im Sturm nahmen.
    Großartig ist der Islam durchaus – ohne dass ich als Beobachter von Aussen das ganze Paket kaufen muss. Das habe ich vor allem bei der Lektüre von Tilman Nagels „Geschichte der islamischen Theologie“ gemerkt.

  3.   Riccardo

    Sehr geehrter Jörg Lau,
    „Die Schöpfung ist gut und gerechtfertigt, weil von Allah erschaffen.Der Koran als unverfälschtes Wort Gottes enthält alles, was der Mensch zur Rechtleitung braucht.“ Nun, damit haben wir schon den Salat. Wie wollen sie das reformieren? Sie schweigen sich darüber aus oder bleiben vage.Und was heißt das, den Koran historisch auslegen? Wenn dieser den unbedingten Anspruch Gottes wiedergibt, kann man ihn nicht relativieren.Den reformierten Muslim wird es also nicht geben.
    Da ja der Protestantismus in einem ziemlich erbärmlichen Zustand ist, kann ich verstehen, daß Sie vom Faszinosum Islam angezogen werden. Daß Sie allerdings auf eine Säkularisierung desselben hoffen ist fahrlässig, Sie werden sie zu Ihren Lebzeiten nicht mehr erleben.Als Agnostiker kann ich diesen Mummenschanz zum Glück ziemlich leidenschaftslos betrachten und mich fragen,wozu das Schicksal dem Menschen eigentlich den Verstand schenkte?

  4.   AM

    „Da ja der Protestantismus in einem ziemlich erbärmlichen Zustand ist, kann ich verstehen, daß Sie vom Faszinosum Islam angezogen werden.“
    Oops, steht jetzt auch schon Jörg Lau unter Islamismus-Verdacht? Sagenhaft!

  5.   tati

    @riccardo

    Ich sehe den Zustand der monotheistischen abendländischen Religionen ähnlich und insgesamt in stetiger langsamer Auflösung
    begriffen. Ich halte den Islam auch für nur schwer reformierbar – er wird eher verschwinden als reformiert werden. Denn er ist OBSOLET.
    Sollte es die Menschheit irgendwie schaffen zu überleben werden die montheistischen religionen, so wie sie sich heute verstehen, in vielleicht einigen tausend jahren genauso geschichte sein wie heute die pharaonen.
    Was ich damit sagen will – es muss sich eine erkenntnis entwickeln,
    dass sich die gottfindung nicht durch einhaltung von durch menschen geschriebene regeln in büchern vollzieht.
    die mystiker aller grossen religionen haben schon immer zwischen wissen und erkenntnis unterschieden und waren dadurch auf dem richtigen weg. deshalb werden ja auch die nach erkenntnis strebenden sufis z.B. im Iran heftigst bedrängt.


  6. Sehr geehrter Herr Lau!

    Mir drängen sich bei der Lektüre Ihres Textes, für den ich mich übrigens herzlich bedanke, Verständnisfragen auf.

    Die erste betrifft nicht so sehr ‚den Islam’ (diesen zu konstruieren, dürfte schwer fallen), sondern Ihre Quellen zur Erkenntnis ‚des Islam’. Sie schreiben von der muslimischen Gottesvorstellung und kennzeichnen sie als absolute Transzendenz. Haben Sie sich damit auf Papst Benedikts Regensburger Vorlesung vom 12. September 2006 bezogen? Ihre Darstellung ähnelt den Urteilen des Papstes bis in die Nuancen hinein. Dann aber wäre es sinnvoll, die Entgegnungen von islamischer Seite zu reflektieren, etwa diejenigen des von Ihnen angegebenen Offenen Briefes der 38 Islamgelehrten.

    Sie sagen ferner, der Islam habe eine immanente kriegerische Komponente aufzuweisen. Ich stimme Ihrer Meinung durchaus zu und enthalte mich der Banalität, der Ausgewogenheit halber sogleich von Ihnen zu verlangen, auch die kriegerischen Aspekte der anderen Religionen mitzunennen. Die Frage ist aber nicht, ob der Islam bellizistische Züge in sich trägt, sondern wie Muslime heute mit ihnen umgehen. Sind Sie der Meinung, dass islamische Gesellschaften und Verbände, die bei jedem neuen Gewaltakt stereotyp angeben, ‚dies habe mit dem Islam nichts zu tun’, hierbei eine sonderliche Hilfe sind? (Beiläufig gesagt, die Abwehrgeste, die islamisch motivierte Gewalt betreffe die Religion des Islam nicht, ist etwa so überzeugend wie die Behauptung, die Inquisition habe mit dem Christentum nichts zu tun.)

    Mich würde Ihre Meinung zu diesen Punkten interessieren.

    Ihr
    Wolfgang Krebs


  7. @ Wolfgang Krebs: Lieber Herr Krebs, ich glaube, dass der Papst nicht so schief liegt. Ich habe viel profitiert von Tilman Nagels „Geschichte der islamischen Theologie“, von Reza Aslans „No God but God“, von Karen Armstrongs kurzer Geschichte des Islam, von „Liberal Islam. A Sourcebook“ von Charles Kurzman, von Michael Cooks „Muhammad“ und von den Schriften von Christian W. Troll (daher vielleicht die Papst-Anklänge, denn dieser jesuitische Islam-Kenner ist ein Schüler Ratzingers). Auch sehr hilfreich: „Das Weltreich der Araber“ von John B. Glubb Pascha. Und noch Vieles mehr.
    Und ich stimme Ihnen zu, dass die Abwehr, die Eroberungen haben „mit dem Islam nichts zu tun“ nicht akzeptabel sind. Man muss das gar nicht moralisieren. Es geht darum, die Fakten zur Kenntnis zu nehmen – und sie hitorisch einzuordnen. Die 38 Muftis tun das nicht, aber ich bin überzeugt: in einem nächsten Schritt müssen sie da ran. Herzlich, JL

 

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