‹ Alle Einträge

„Wir haben abgeschworen“ – Ex-Muslime bilden „Zentralrat“

 

In Berlin hat sich heute der „Zentralrat der Ex-Muslime“ vorgestellt. Das ist natürlich eine Anspielung auf den „Zentralrat der Muslime„.
muslime250_333_250.jpg
Mina Ahadi und Arzu Toker erklärten vor der Bundespressekonferenz die Ziele ihres Vereins. Aber ist es wirklich ein Verein? Es handelt sich doch wohl eher um eine Aktion als um ein Bündnis auf Dauer. Denn wozu brauchen Menschen, die nicht repräsentiert werden wollen, einen Verein? Das ist doch geradezu widersinnig.

Nicht ganz, denn die „Ex-Muslime“ haben eine wunde Stelle im deutschen Integrations- und Islamdiskurs gefunden – und legen den Finger hinein. „Die Muslime“ als homogene Gruppe werden durch unseren Integrationsdiskurs erst konstruiert. Und dabei werden viele Menschen subsumiert, die nicht dazu gehören wollen (oder religiös völlig indifferent sind).
MinaAhadi.jpgtoker.jpg
Mina Ahadi (links) und Arzu Toker

Die beiden Frauen – Ahadi ursprünglich aus dem Iran, Toker aus der Türkei – sind nicht einverstanden damit, dass die bekannten Muslimverbände in Anspruch nehmen, für die ca. 3,5 Millionen Menschen zu sprechen, die selbst (oder deren Eltern) aus islamisch geprägten Ländern nach Deutschland gekommen sind.
Alle diese Menschen nämlich werden mittlerweile zu „deutschen Muslimen“ hochgerechnet – und der Staat nimmt die existierenden Muslim-Verbände als deren Sprecher an.
Die beiden Frauen nehmen nun aber für sich das Recht heraus, keine Muslime zu sein, obwohl „der Islam“ ihnen dies als Apostasie auslege.
„Für mich gelten der Koran und die Hadithen nicht“, sagte Arzu Toker in Berlin. „Ich erkläre hiermit, dass ich aus dem Islam austrete. Diese Verbände können also nicht für mich sprechen.“
Mina Ahadi, die schon im Iran gegen das Mullah-Regime gekämpft hatte, gab ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, wie sie heute in der deutschen Öffentlichkeit umstandslos als Muslima etikettiert werde: „Ich habe im Iran Frauendemonstrationen gegen die Kopftuchpflicht organisiert. Ich habe ein Komitee gegen Steinigungen gegründet. Und wenn ich in Deutschland im Fernsehen interviewt werde, steht da plötzlich unter meinem Bild die Zeile ‚Mina Ahadi, muslimische Frau‘. Meine Freunde haben mich ganz besorgt angerufen: ‚Was ist denn mit dir los, bist du fromm geworden?'“

Besonders der Karikaturenstreit habe sie davon überzeugt, dass die Ex-Muslime eine Stimme bräuchten: „Da sprach im Fernsehen ein Mann mit Bart und sagte: ‚Eine Milliarde Muslime sind beleidigt!‘ Ich war nicht beleidigt. Auch meine Freunde im Iran haben über die Karikaturen gelacht. Und in Ägypten waren sie in einer Zeitung zu sehen gewesen, ohne dass sich jemand aufgeregt hätte – bis die Islamisten die Sache hockzukochen begannen.“

Wenn die Islamverbände ein „Wort zum Freitag“ bekämen, so Arzu Toker, dann fordere sie hiermit ein „Wort zum Montag“ für Nichtreligiöse: „Da werde ich dann Nietzsche vorlesen.“

Die beiden Sprecherinnen der Initiative fürchten, dass die Islamverbände, die nur einen Bruchteil der so genannten Muslime vertreten, durch die Islam-Konferenz des Innenminister aufgewertet werden: „Wenn der sie einlädt, dann wird es schon in Ordnung sein, wird es heissen“, sagte Toker. Damit werde Kritik am Islam und an dem Islamverständnis der Verbände unterdrückt.

Die deutsche Öffentlichkeit solle sich nicht von der Kritik am Islam abhalten lassen durch jene Rassismus- und Islamophobievorwürfe, mit denen die organisierten Muslime schnell bei der Hand seien.
Der Islam sei frauen- und männerfeindlich, so Toker, weil er die Geschlechter als rein triebgesteuerte Wesen betrachte, die durch harsche Vorschriften getrennt gehalten werden müssten.
Die beiden Ex-Musliminnen sehen mit Sorge, dass der politische Islam in Form der Islamverbände vom deutschen Staat als Partner angesehen wird, mit dem man stellvertretend für „die Muslime“ spreche.
Religion müsse als reine Privatsache betrachtet werden – ebenso wie die Entscheidung, ohne Religion zu leben.

4 Kommentare

  1.   iceman

    „“Die Muslime“ als homogene Gruppe werden durch unseren Integrationsdiskurs erst konstruiert. Und dabei werden viele Menschen subsumiert“.

    Das ist mir schon wieder zu einseitig, Herr Lau.
    Negativ wirkende kulturelle Unterschiede entstehen ja nicht durch Herbeireden, sondern entweder durch Ignoranz oder Verharmlosen von Defiziten.

    Allerdings stimmt schon – und das ist die zweite Seite der Medaille -, dass die lauter gewordene Forderung nach Integration auch Solidarisierungseffekte bei den Betroffenen erzeugt („WIR Muslime“).
    Das ist leider eine normale psychologische Reaktion.
    Die Linke ist ja nicht gerade arm an Ideen, und wenn sich linke Innovation künftig nicht nur auf ständig neue Wortkreationen beschränken würde, dann könnte man sich noch mehr solcher sehr wertvollen Initiativen zur innerethnischen Ausdifferenzierung einfallen lassen.
    Sie sollten aber nicht wieder als Alibi dafür herhalten, dass man auf frühpädagogische Konzepte verzichtet.
    Leider werden diese zuwenig diskutiert, weil man vor „Zwangsgermanisierung“ zurückschreckt.
    Vorsorge ist besser als Nachsorge.

  2.   zaknefain

    guten morgen

    es ist echt erschreckend das ein völlig wiedersinniger verein solche beachtung findet!!!
    wenn die betroffenen personen keine muslime mehr sind brauchen sie sich auch nicht vertreten fühlen oder ?
    als aus der kirche ausgetretener christ kann der papst auch nicht für mich sprechen, soll ich einen ZR der ex-christen gründen um das nochmal zu betonen?

  3.   iceman

    @ zaknefain
    Vielleicht nehmen Sie mal zur Kenntnis, dass im Christentum keine Todesstrafen für Apostastaten verhängt werden, und dass es kein Skandal mehr ist, wenn jemand aus der religiösen Gemeinschaft austritt, und dass Kinder, Angehörige oder Bekannte deshalb nicht mehr enterbt oder gesellschaftlich geächtet werden.
    Insofern gibt es im Islam einen ganz anderen Bedarf an Aufklärung, und die Ex-Muslime sind keineswegs überflüssig.
    Diesen Verein kann man nur dann für „widersinnig“ halten, wenn man selber glaubt, der Islam hätte keine Reformen nötig.
    Sind Sie auch ein Islamist???

  4.   .Muslim.

    O kadinlar hic ALLAH ´a inanmiorlarmi??? Ben sok´a girdim.Öyle bise olurmu!!! Muslim ist Muslim…. Ich schäme mich für diese Leute. Erst schören sie das sie diese Regeln die Religion einhalten dannach treten sie einfach aus dieser Religion aus ….. Ben ALLAH ´a inaniyorum… ALLAH hat für uns die welt erschaffen ….. Nolur öyle bise yapmayin ALLAH ´a inanin nolur. Glaubt an Gott, es gibt ihn. Andre haben andre religonen wie z.b. Budda u.s.w Ich sage auch nicht an die die an budda glauben das es ihn nicht gibt Ich beleidige nicht andren Religonen. ALLAH Bir. ALLAH (Gott) ist die nummer 1. Es Gibt nur einen Gott und das ist ALLAH (Gott). Tretet nicht aus eurer Religion aus ich bitte euch. Ich weiss damit überzeuge ich euch nicht aber ein Versuch ist es wert ich bitte euch nur.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren