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Die Tragödie des Irak sollte Muslimen zu denken geben

 

Der iranische Journalist Ahmad Zaidabadi stört sich an der Schadenfreude, mit der über Amerikas Probleme im Irak berichtet wird. Es sei viel zu oberflächlich, das irakische Desaster bloss auf Amerika zu beziehen, schreibt er. In der Gewalt der heutigen Irak komme auch der „fürchterliche Zustand der islamischen Welt“ zum Vorschein, meint Zaidabadi:

In my opinion, however, the tragedy of Iraq, more than being a sign of America’s defeat, is a revelation of a deep ethical and intellectual decline among some of the Muslims in their confrontation with the modern world.

I do not want to comment on the rightness or wrongness of America’s attack on Iraq, because there are many reasons for and against this attack, in terms of its long-term consequences on the development of the Middle East. But the tragedies that are going on in Iraq today transcend America’s attack, and we the Muslims have a responsibility to think more deeply about it – that is, if there is enough space left to think in the illogical and violent atmosphere that dominates the Islamic world.

(…)

No doubt, sooner or later, if not in a conspiracy or coup, Saddam would have died from natural causes, and Iraq would have been suddenly released from the domination of his dreadful security apparatus.

It is very hard to imagine a peaceful and non-violent transfer of power after Saddam’s death; or to imagine that Uday or Qusay would have succeeded their father and continued on his path without trouble.

What I want to say is that blaming all of the Islamic world’s problems on external causes shuts our eyes on reality and diverts us from seeing the tragedy that is growing in the depths of Islamic societies.

In reality, the inhumane killings and murders that are going on Iraq, more than being a result of America’s actions and involvement in Iraq, are a revelation of a historical disease among us Muslims, who are unable to reach our goals through ethical and humane means.

This is a real tragedy that threatens the being of us Muslims. How sorrowful is our condition, which seems comical one day and tragic the next.

10 Kommentare

  1.   Chad

    Also ich meine nicht, dass das gleiche Chaos nach Saddams natürlichem Tode eingetreten wäre. Vielleicht hätte es ein paar Probleme gegeben bis einer der beiden Söhne – oder vielleicht auch zusammen – die Macht an sich gerißen hätte, aber dass das so ausgeartet wäre wie im Moment, das denke ich nicht, dafür hatte die Baath-Partei das Land einfach zu gut im Griff. Schlimmstenfalls hätte es einen Putsch gegeben innerhalb der Partei, aber dann wären nicht die Söhne, sondern andere sunnitische Parteigänger an die Macht gelangt, letzten Endes das gleiche Resultat.

    Man kann lange über die Ursachen streiten, aber meiner Meinung ist Demokratie einfach nichts für das irakische Volk, so wie Saddam es sich erzogen hat. Vielleicht aber doch, vielleicht wenn die Amerikaner sich humaner verhalten würden, vor allem respektvoller, hier mal ein Einschub, um zu zeigen, was ich so meine:

    Deutsche Soldaten würden sich nicht so verhalten, zumindest die meisten nicht. Ich erinnere nur an die deutschen Soldaten in Afghanistan, die sich ein paar Späße mit Totenschädeln erlaubt haben. Was das für einen medialen Schock verursacht hat, in den USA wäre das vielleicht ein Detail in den Short News gewesen. Gar unter den Afghanen herrschte Unverständnis über die deutsche Reaktion. Was ich damit sagen will, ist einfach, dass die Deutschen die Sache behutsamer angegangen wären. Ob das nun mehr Erfolg bei der „Demokratisierung“ des Iraks gebracht hätte, lässt sich schwer erahnen, aber ohne den Respekt des Volkes geht da nunmal nichts, und das haben die Amerikaner einfach nicht geschafft. Den Stellenwert von Ehre und Stolz in den arabischen Ländern darf man nicht unterschätzen. Man schaue doch nur auf die Ehremorde, bei denen die Familie diese unwahrscheinlich hohen Kosten eingeht und den Sohn zum Mord anstiftet, im Wissen, dass dieser sein Leben lang im Gefängnis verbringen wird, und das alles der Ehre wegen. Und dann stelle man sich vor wie groß der Hass gegenüber Amerikanern sein muss, die einen ständig wie Tiere behandeln, entweder wie auf dem Video zu sehen, oder indem sie ins Haus einbrechen, Kleinkindern und Frauen das Gewehr vors Gesicht halten, den Familienvater vor seiner versammelten Familie demütigen etc… Dann ist der Schritt zu den Rebellen nur noch einen Katzensprung entfernt.

    http://www.chadi.eu

  2.   pluckerwanck

    a historical disease among us Muslims, who are unable to reach our goals through ethical and humane means.

    Demokratie basiert darauf, dass Menschen Kompromisse aushandeln und sich dann daran halten. Eines der größten Probleme der arabischen oder auch islamischen Länder ist aber ihre Unfähigkeit, Kompromisse einzugehen.

    Konflikte durch Kompromisse zu lösen, d. h. jede Partei muss bereit sein, zu geben, erscheint den Beteiligten „unehrenhaft“. Das ist übrigens auch eines der Haupthindernisse für die Lösung der Palästinenserfrage. Lieber ehrenhaft gestorben als einen Kompromiss auszuhandeln. Wer nicht eindeutig aus einem Konflikt oder einer Verhandlung als der Stärkere (der mit dem Längsten) herausgeht hat verloren. Soviel zur Fähigkeit zur friedlichen Koexistenz.

    In meinen Augen ist das einer der Gründe, weshalb die asiatische Welt mit der Moderne zurechtkommt und die islamische nicht. Sicherlich trägt zu diesem Unvermögen die Ehrenunkultur der patriarchalischen Gesellschaften bei. Auf der anderen Seite trägt der Islam in seiner Unterscheidung zwischen dem Wort, das man einem Gläubigen und dem, das man einem Kufar gibt, zu dieser Verhandlungsunfähigkeit bei.

    Im Übrigen gilt auch hier wieder das alte Argument: Seltsam, dass es nicht ein islamisches Land gibt (bis auf den Sonderfall der durch Militär und Nationalismus „gesicherten“ Demokratie), das man demokratisch nennen könnte, Amerikaner hin und Kolonialisierung her.

  3.   Fritzfernando

    ob sich ein Land mit einer westlich geprägten Demokratie überhaupt von Grund auf neu aufbauen lässt ist die Frage ? , ich sehe kein Beispiel in der Welt, wo das je gelungen wäre in den letzten hundert Jahren.

  4.   iceman

    In der NYT gibt es einen 6-Seiten-Artikel, den zu lesen sich lohnt:
    http://www.nytimes.com/2007/03/11/nyregion/11muslim.html?_r=1&hp=&pagewanted=all

    Es geht um die soziokulturellen Unterschiede zwischen zugewanderten arabischen/südasiatischen Muslimen und Black-Brother-Muslims.
    Bemerkenswert ist, um wie vieles stärker die Neuzuwanderer an Assimilation interessiert sind als die Schwarzen, obwohl sie ein orthodoxeres Glaubensverständnis haben.
    „The ironies are, at times, stinging.“

    Der Artikel zeigt deutlich, dass gute soziale Integration sehr viel mehr von Bildung abhängt, als von Kultur und Religion.
    Zuwanderer aus dem arabischen Raum raten den angestammten Afro-Amerikanern zu einer besseren Mitarbeit im System, und zu einer allgemein weniger kritischen Haltung.
    Die gegenseitige Befremdung ist eine zwischen Mittelschicht und Unterschicht, nur eben mit ganz anderen Vorzeichen in Europa, dessen zugewanderte Muslime ein ganz anderes Profil aufweisen als die der USA.

    In 2000 erhielt Bush sogar sehr viele Stimmen der gebildeten muslimischen Neuzuwanderer.
    Nach dem 11. September und seinen Folgen (Erfahrungen an Diffamierung) gab es aber einen markanten Stimmungswechsel, der auch zu einer Annäherung der unterschiedlichen muslimischen Gemeinden geführt hat, mit dem Ziel, die unterschiedlichen Stärken zu verbinden („schwarzer“ Aktionismus und „pakistanische“ Finanzkraft).
    Dr. Khan: „United we stand, divided we fall.“

  5.   Tuotrams

    Guter Witz, als Muslime jemals über islamische Gewalt reflektieren würden.

  6.   lebowski

    Dass man selbstkritische Töne eines Muslims so hervorheben muss, als handele es sich um ein Weltwunder, sagt eigentlich alles über den Zustand der islamischen Welt.
    Dass es sich bei diesem selbstkritischen Geist um einen Iraner handelt, ist auch nicht weiter verwunderlich, da der Iran noch Reste einer Zivilgesellschaft aufweist.
    Aus dem sunnitischen, arabischen Islam hört man solche Töne nicht, oder die Verursacher solcher Töne verschwinden im Gefängnis (ägyptischer Blogger).
    Interessant ist, dass der Islam, da wo er die dominante Religion ist, tödlich für die Gesellschaft ist. (Überbevölkerung, wirtschaftlicher Verfall, fatalistische Grundhaltung der Muslime).
    Erfolgreich ist der Islam da, wo er noch nicht dominant ist und sich ausbreiten will.
    Fazit: der Islam ist als Erobererphilsosophie sehr erfolgreich, als Philosophie für den friedlichen Aufbau einer Gesellschaft eine Katastrophe.


  7. […] (Der iranische Journalist Ahmad Zaidabadi, via Jörg Lau.) […]

  8.   J.S.

    @Chad
    Haben Sie das auch zu Ende gedacht? Der Irak bis in alle Ewigkeit unter sunnitischen Diktatoren weil sonst das Chaos ausbricht?
    So harmlos war Saddams Herrschaft übrigens auch nicht! Der ist sogar mit Giftgas auf Kurdische Zivilisten losgegangen. Und nach allem was man gehört hat, sollen seine Söhne sogar noch brutalere Typen gewesen sein.

  9.   iceman

    Die zwei grossen Mängel am Islam: Humor und Emanzipation.

    http://www.israeli-art.com/satire/islam.htm


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